LOGINAls Éric eine junge Frau mit einem verstörenden Blick mit nach Hause bringt, behauptet er gegenüber seiner Frau Clara, es handle sich um seine entfernte Cousine, die vorübergehend bei ihnen unterkommen werde. Clara, misstrauisch, akzeptiert diese aufdringliche Anwesenheit in ihrem Zuhause nur widerwillig. Doch sehr bald säen die ausgetauschten Blicke, die unerklärlichen Abwesenheiten und die stillen Spannungen Zweifel. Denn diese "Cousine" ist keine… sie ist Érics Geliebte. Zwischen Lügen, Manipulationen und verbotener Leidenschaft wird Claras Zuhause zur Bühne eines Verrats, der unter ihrem eigenen Dach inszeniert wird. Wie weit wird Éric gehen, um sein Geheimnis zu schützen? Und was wird geschehen, wenn Clara die Wahrheit entdeckt?
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Der Himmel ist tief, schwer wie meine müden Augenlider. Ein feiner Regen zeichnet graue Adern auf die Scheiben der Fensterfront und verschwimmt den Blick auf den makellos geschnittenen Garten, den ich im Laufe der Jahre selbst angelegt habe. Jedes Beet, jeder Busch hat eine Geschichte. Stunden damit verbracht zu graben, zu gießen, zu gestalten… um dieses Haus zu einem Kokon zu machen. Meinem Kokon.
Nichts ist hier dem Zufall überlassen. Weder die streng ausgerichteten Kissen auf dem perlgrauen Sofa, noch die weißen Leinenvorhänge, die ich alle vierzehn Tage wasche, nicht einmal der Duft von Zimt und Rauchholz, der in der Luft liegt, seit ich die Kerze am Kamin wieder angezündet habe. Alles hier spricht von mir. Von uns. Zumindest glaubte ich das.
Ich werfe einen Blick auf die Wanduhr. 18:47 Uhr. Éric ist zu spät. Schon wieder. Der kleine Sekundenzeiger scheint mit einem spöttischen Grinsen zu tanzen. Ich habe aufgehört, ihn zu fragen. Ich kenne die Antworten: "eine Besprechung, die sich hingezogen hat", "der Ring ist voll", "ein Kollege in der Klemme". Immer etwas. Immer ein Grund. Und doch… diese langsame Drift zwischen uns, ich spüre sie, wie man eine Flut spürt, die heraufzieht, ohne sie zu hören.
Ich stehe zum vierten Mal innerhalb von zehn Minuten auf, gehe mir ein Glas Wasser holen, das ich nicht trinke, und kehre dann ins Wohnzimmer zurück, wo alles erstarrt scheint. Sogar die Zeit. Sogar ich.
Dann ein Motorengeräusch in der Auffahrt. Mein Herz setzt einen Schlag aus.
Ich gehe zum Fenster. Er ist es. Sein Auto. Ich lächele, unwillkürlich. Ein alter Reflex einer verliebten Frau, konditioniert. Aber sehr schnell verblasst dieses Lächeln. Er ist nicht allein.
Ich erstarre, die Hand noch am Vorhang.
Eine Silhouette steigt aus dem Fahrzeug. Schlank. Weiblich. Ich kneife die Augen zusammen. Es ist dunkel, der Regen trübt die Sicht. Aber ich erkenne ihre Bewegungen. Langsam. Präzise. Berechnend.
Und da umrundet er die Motorhaube, um ihr die Tür zu öffnen.
Éric hält mir nie die Tür auf.
Sie steigt aus, zieht einen Rollkoffer hinter sich her. Keine alte, abgenutzte Tasche, nein. Ein neues Modell, elegant, aus kamelfarbenem Leder. Sie richtet ihn mit einer anmutigen Handbewegung. Dann hebt sie den Kopf.
Endlich sehe ich sie deutlich.
Sie ist… umwerfend. Zu sehr. Die Art von Schönheit, die stört, die in einen Raum kommt und sofort alle Blicke auf sich zieht. Sie hat diese Art von perfekter Haut, die kein Regen zu trüben scheint. Ihr Gesicht ist genau richtig geschminkt. Ihr braunes Haar fällt lässig gewellt über ihre Schultern. Sie wirkt weder müde noch fehl am Platz. Im Gegenteil, sie scheint vollkommen an ihrem Platz, als wüsste sie, dass sie hier hereinkommen würde. Als hätte sie diesen Moment vorbereitet.
Ich trete langsam vom Vorhang zurück. Ein Schauer durchläuft mich. Nicht vor Kälte. Vor Unbehagen.
Die Tür öffnet sich abrupt. Die feuchte Luft strömt in den Flur.
— Schatz! Ich bin da!
Seine Stimme ist lauter als sonst. Gezwungen. Er will natürlich, entspannt klingen. Es misslingt ihm.
Ich nähere mich, meine Schritte hallen auf dem zu stillen Parkettboden wider. Mein Blick gleitet über sie. Sie betrachtet alles. Die Wände, die Bilder, das gedämpfte Licht… und mich.
— Clara, das ist Jade, sagt Éric und legt eine Hand auf ihre Schulter.
Diese Hand… sie verweilt eine Sekunde zu lang. Jade. Der Name schnalzt sanft zwischen seinen Zähnen. Fast zärtlich.
— Jade ist… meine Cousine. Von der Seite meiner Mutter. Entfernt, aber trotzdem Familie, weißt du?
Ich sage zunächst nichts. Mein Gehirn ringt mit dieser Information. Eine Cousine? Welche Cousine? Er hat mir nie von ihr erzählt.
— Ich kann mich nicht erinnern, dass du mir von ihr erzählt hast, sage ich, der Ton ruhig, aber scharf.
Er lächelt. Zu breit. Zu falsch.
— Wir haben uns vor kurzem wiedergetroffen. F******k, Familienforschung… Sie durchlebt eine schwierige Zeit, sie brauchte einen Ankerplatz. Ich dachte, wir könnten sie ein paar Tage aufnehmen. Sie ist schließlich Familie.
Er spricht schnell. Seine Augen meiden mich.
Sie dagegen fixiert mich. Sie streckt die Hand aus.
— Danke, dass du mich aufnimmst, Clara. Das ist wirklich großzügig.
Ihre Stimme ist sanft, höflich. Aber da ist dieser Unterton. Dieses kleine Etwas, das ich nicht benennen kann. Keine Provokation, nein. Etwas Subtileres. Eine Art, meine Reaktion zu testen. Mich abzuschätzen.
Ich ergreife ihre Hand. Fest. Fester als nötig. Sie zuckt nicht zusammen. Ihr Blick hält meinem stand, ohne zu blinzeln.
Sie lächelt mich an. Kein verlegenes Lächeln, kein dankbares. Ein ruhiges Lächeln, fast amüsiert.
Ich kenne diesen Blick. Diesen Blick einer Frau, die weiß, was sie tut. Die ein Haus betritt und genau weiß, was sie hier sucht.
Éric beugt sich zu Jades Koffer.
— Ich zeige ihr das Gästezimmer. Wartest du bitte im Wohnzimmer auf uns?
Ich nicke.
Er verschwindet mit ihr die Treppe hinauf.
Ich bleibe allein im Flur zurück.
Und da, in dieser plötzlichen Stille, bekommt etwas einen Riss. Keine Angst. Eine Ahnung.
Sie ist nicht seine Cousine.
Sie ist etwas anderes.
Etwas, das ich noch nicht laut aussprechen kann.
Aber das ich bereits unter meiner Haut spüre, wie es nagt.
Ich flüchte mich ins Wohnzimmer. Setze mich, verschränke die Arme. Ich starre auf das Feuer im Kamin, das kaum brennen will. Das Holz knackt leise, wie ein ferner Atemzug.
Das Parkett knarrt oben. Leise Stimmen. Ein weibliches Lachen schallt herunter.
Ich schließe die Augen.
Als sie wieder herunterkommen, setzt sich Éric neben mich. Er legt seine Hand auf mein Knie. Automatische Geste. Hohl.
— Sie bleibt ein paar Tage. Nur bis sie sich etwas gefangen hat. Sie hat niemanden mehr in der Gegend. Und es freut mich, ihr helfen zu können.
Er sieht mich an, sucht meine Reaktion.
Ich gebe ihm nichts. Mein Gesicht ist regungslos.
— Natürlich, sage ich nur. Der Familie schlägt man nichts ab.
Jade setzt sich in den Sessel gegenüber. Sie schlägt die Beine übereinander, richtet den Rücken auf. Sie beobachtet jeden Winkel des Raumes. Eine Raubkatze, die ihr neues Territorium analysiert. Sie sagt es nicht, aber sie ist bereits zu Hause. Oder eher… sie tut so, als wäre ich die Eingeladene.
Stille breitet sich aus.
Lang. Dick. Unbequem.
Sie nimmt einen Schluck von dem Tee, den sie sich ohne zu fragen zubereitet hat. Sie lächelt, als sie das Aroma entdeckt.
— Zimt. Ich liebe es.
Ich sehe Éric an. Er weicht meinem Blick aus.
Und da verstehe ich.
Etwas ist nicht klar in dieser Geschichte.
Eine unsichtbare Tür.
Und auf der anderen Seite… ist die Wahrheit.
Und sie wird wehtun.
ÉloïseDie Kälte des Glases an meinen Handflächen, an den Spitzen meiner Brüste, die sich dagegen drücken, ist ein brutaler Schock. Dahinter die Leere, die Stadt, die Welt. Vor mir, in der dunklen Spiegelung, sehe ich unsere umschlungenen Silhouetten, seinen dunklen, kraftvollen Körper, der sich über meinen beugt. Es ist obszön. Es ist wunderschön.Er dringt wieder in mich ein, von hinten, und der Winkelwechsel ist eine Offenbarung. Ein tieferer, direkterer Druck. Ein langer, tiefer Laut entweicht meinen Lippen. Meine Augen schließen sich, öffnen sich wieder, starren auf unser verschwommenes Spiegelbild. Ich will sehen. Ich will sein von Lust verzerrtes Gesicht sehen, seine Hände, die weiß umklammern, die Kurve meines hingegebenen Rückens.Er beugt sich über mich, sein Oberkörper klebt an meinem Rücken, sein Mund an meinem Ohr.»Sieh«, keucht er. »Sieh uns an. Das ist es. Die Kehrseite der Kulissen. Die Wahrheit ohne die Musik. Die Wahrheit ist die Musik.«Sein Rhythmus beschleunigt s
ÉloïseSein Flüstern, ›Meine Musik‹, hallt noch in mir nach, ein durchgehender Bass unter der Haut, als ich spüre, wie sein Atem gleichmäßiger wird, sein Körper sich im Schlaf schwerer an meinen lehnt. Aber meiner weigert sich der Vergessenheit. Ich bin wach, vibrierend, jeder Nerv noch weißglühend. Die Nacht ist eine große, gespannte Stille um unsere feuchte Nische, und diese Stille ist nun ein Instrument. Ein Instrument, das ich zum Klingen bringen will.Ich löse mich mit unendlicher Langsamkeit, hebe seinen Arm, der mich umschlingt, gleite aus dem Kreis seiner Wärme. Die kühle Luft auf meiner nackten Haut lässt mich schaudern, ein köstlicher Kontrast nach dem Ofen unserer Körper. Am Bettrand stehend sehe ich ihm beim Schlafen zu. Im Zwielicht ist er eine Landschaft aus Hügeln und beschatteten Tälern, entspannten Muskeln, errungenem Frieden. Aber ich kenne den Ausbruch unter der Erdkruste.Ich ziehe mich nicht an. Die Nacktheit ist meine Uniform, meine Rüstung, mein Zustand der Wahr
ÉloïseEr ist nackt vor mir, sitzend, und ich bin noch teilweise bekleidet. Der Kontrast ist atemberaubend. Ich sehe alles an ihm. Die geballte Kraft seiner Oberschenkel, die offensichtliche Spannung seines Verlangens, die Muskeln seines Bauches, die unter der Erwartung angespannt sind. Aber ich sehe auch die Zeichen. Die kleinen Unvollkommenheiten, die Schatten, die Blässe seiner Haut dort, wo die Sonne nie hinkommt. Er ist vollkommen real, vollkommen menschlich. Das ist nicht mehr mein Theater. Das ist mein Heiligtum.Ich knalle meine Jeans auf, lasse sie mit einem Rascheln des Stoffes an meinen Beinen hinabgleiten, das die Stille zu zerreißen scheint. Ich bleibe einen Augenblick in Unterwäsche stehen, gerade lange genug, um zu sehen, wie sein Blick sich verzehrt. Dann ziehe ich sie aus. Die Nachtluft auf meiner völlig entblößten Haut ist eine gewalttätige, köstliche Empfindung.Ich trete vor. Ich stelle ein Knie auf das Bett, zu jeder Seite seiner Hüften, und setze mich auf seine O
ÉloïseDie Zeit vergeht nicht mehr, sie pulsiert. Seine Hand auf meinem Haar ist ein Ankerpunkt in einem Ozean latenter Empfindungen. Jeder Atemzug, den ich nehme, hebt meinen Kopf leicht gegen seine Knie; jede Ausatmung ist ein winziges Loslassen. Ich könnte so eine Ewigkeit bleiben, in dieser Schwebe am Übergang, wo das Verlangen kein Pfeil mehr ist, sondern eine Flut, langsam, unaufhaltsam.Dann bewegt sich seine Hand. Seine Finger zeichnen den Umriss meines Ohrs nach, eine zerbrechliche Kurve, der er mit der Ehrfurcht eines Archäologen folgt. Der Schauer ist nicht brutal. Er ist tief, schießt von diesem Punkt aus und breitet sich unter meiner Haut aus wie Tinte im Wasser. Ich halte den Atem an. Seine Finger wandern hinab, gleiten an meinem Kiefer entlang, streifen den rasenden Puls an der Basis meines Halses. Er sagt alles ohne ein Wort. Er sagt: Ich sehe dich. Ich kenne dich. Ich erinnere mich an die Landkarte deiner Wut, und jetzt will ich die deines Friedens.Ich drehe den Kopf
ÉloïseDer Schweiß trocknet auf meinem Nacken, zeichnet salzige Pfade entlang meiner Wirbelsäule. Die kalten Fliesen unter meinen nackten Füßen erinnern mich an die Härte der Welt jenseits dieser Blase des Danach. Léo beugt sich über das Spülbecken, der muskulöse Rücken angespannt, gießt Wasser übe
Éloïse »Du wirst mein Theater zerstören mit so einer Musik«, haucht er.Ein Hauch von Terror legt den rauchigen Geschmack des Kaffees auf seine Lippen, den wir im Morgengrauen getrunken haben, nachdem wir die Partitur beendet hatten.Ich habe nie gewusst, ob meine Stimme zittert oder vor Trotz vibr
ÉlodieDer Schlaf ist ein Dieb. Er hat mich, erschöpft, in Léos Armen genommen und mich hierhergebracht, in diesen lauen Dunst des Erwachens. Das Bewusstsein kehrt in Wellen zurück. Zuerst die Empfindung: das Gewicht eines Arms um meine Taille, eine feste Wärme an meinem Rücken. Dann der Geruch: Le
Der nächste Tag bricht an, getönt von einem seltsamen Licht. Es ist nicht die Sonne, zu sehr verhangen, sondern eine Art leuchtende Spannung in der Luft, als ob Paris selbst den Atem anhielte.ÉloïseDas Erwachen ist ein Schock. Kein sanfter Übergang. Die Erinnerung an Léo trifft mich mit voller Wu