LOGINAls Éric eine junge Frau mit einem verstörenden Blick mit nach Hause bringt, behauptet er gegenüber seiner Frau Clara, es handle sich um seine entfernte Cousine, die vorübergehend bei ihnen unterkommen werde. Clara, misstrauisch, akzeptiert diese aufdringliche Anwesenheit in ihrem Zuhause nur widerwillig. Doch sehr bald säen die ausgetauschten Blicke, die unerklärlichen Abwesenheiten und die stillen Spannungen Zweifel. Denn diese "Cousine" ist keine… sie ist Érics Geliebte. Zwischen Lügen, Manipulationen und verbotener Leidenschaft wird Claras Zuhause zur Bühne eines Verrats, der unter ihrem eigenen Dach inszeniert wird. Wie weit wird Éric gehen, um sein Geheimnis zu schützen? Und was wird geschehen, wenn Clara die Wahrheit entdeckt?
View MoreÉloïseDie Kälte des Glases an meinen Handflächen, an den Spitzen meiner Brüste, die sich dagegen drücken, ist ein brutaler Schock. Dahinter die Leere, die Stadt, die Welt. Vor mir, in der dunklen Spiegelung, sehe ich unsere umschlungenen Silhouetten, seinen dunklen, kraftvollen Körper, der sich über meinen beugt. Es ist obszön. Es ist wunderschön.Er dringt wieder in mich ein, von hinten, und der Winkelwechsel ist eine Offenbarung. Ein tieferer, direkterer Druck. Ein langer, tiefer Laut entweicht meinen Lippen. Meine Augen schließen sich, öffnen sich wieder, starren auf unser verschwommenes Spiegelbild. Ich will sehen. Ich will sein von Lust verzerrtes Gesicht sehen, seine Hände, die weiß umklammern, die Kurve meines hingegebenen Rückens.Er beugt sich über mich, sein Oberkörper klebt an meinem Rücken, sein Mund an meinem Ohr.»Sieh«, keucht er. »Sieh uns an. Das ist es. Die Kehrseite der Kulissen. Die Wahrheit ohne die Musik. Die Wahrheit ist die Musik.«Sein Rhythmus beschleunigt s
ÉloïseSein Flüstern, ›Meine Musik‹, hallt noch in mir nach, ein durchgehender Bass unter der Haut, als ich spüre, wie sein Atem gleichmäßiger wird, sein Körper sich im Schlaf schwerer an meinen lehnt. Aber meiner weigert sich der Vergessenheit. Ich bin wach, vibrierend, jeder Nerv noch weißglühend. Die Nacht ist eine große, gespannte Stille um unsere feuchte Nische, und diese Stille ist nun ein Instrument. Ein Instrument, das ich zum Klingen bringen will.Ich löse mich mit unendlicher Langsamkeit, hebe seinen Arm, der mich umschlingt, gleite aus dem Kreis seiner Wärme. Die kühle Luft auf meiner nackten Haut lässt mich schaudern, ein köstlicher Kontrast nach dem Ofen unserer Körper. Am Bettrand stehend sehe ich ihm beim Schlafen zu. Im Zwielicht ist er eine Landschaft aus Hügeln und beschatteten Tälern, entspannten Muskeln, errungenem Frieden. Aber ich kenne den Ausbruch unter der Erdkruste.Ich ziehe mich nicht an. Die Nacktheit ist meine Uniform, meine Rüstung, mein Zustand der Wahr
ÉloïseEr ist nackt vor mir, sitzend, und ich bin noch teilweise bekleidet. Der Kontrast ist atemberaubend. Ich sehe alles an ihm. Die geballte Kraft seiner Oberschenkel, die offensichtliche Spannung seines Verlangens, die Muskeln seines Bauches, die unter der Erwartung angespannt sind. Aber ich sehe auch die Zeichen. Die kleinen Unvollkommenheiten, die Schatten, die Blässe seiner Haut dort, wo die Sonne nie hinkommt. Er ist vollkommen real, vollkommen menschlich. Das ist nicht mehr mein Theater. Das ist mein Heiligtum.Ich knalle meine Jeans auf, lasse sie mit einem Rascheln des Stoffes an meinen Beinen hinabgleiten, das die Stille zu zerreißen scheint. Ich bleibe einen Augenblick in Unterwäsche stehen, gerade lange genug, um zu sehen, wie sein Blick sich verzehrt. Dann ziehe ich sie aus. Die Nachtluft auf meiner völlig entblößten Haut ist eine gewalttätige, köstliche Empfindung.Ich trete vor. Ich stelle ein Knie auf das Bett, zu jeder Seite seiner Hüften, und setze mich auf seine O
ÉloïseDie Zeit vergeht nicht mehr, sie pulsiert. Seine Hand auf meinem Haar ist ein Ankerpunkt in einem Ozean latenter Empfindungen. Jeder Atemzug, den ich nehme, hebt meinen Kopf leicht gegen seine Knie; jede Ausatmung ist ein winziges Loslassen. Ich könnte so eine Ewigkeit bleiben, in dieser Schwebe am Übergang, wo das Verlangen kein Pfeil mehr ist, sondern eine Flut, langsam, unaufhaltsam.Dann bewegt sich seine Hand. Seine Finger zeichnen den Umriss meines Ohrs nach, eine zerbrechliche Kurve, der er mit der Ehrfurcht eines Archäologen folgt. Der Schauer ist nicht brutal. Er ist tief, schießt von diesem Punkt aus und breitet sich unter meiner Haut aus wie Tinte im Wasser. Ich halte den Atem an. Seine Finger wandern hinab, gleiten an meinem Kiefer entlang, streifen den rasenden Puls an der Basis meines Halses. Er sagt alles ohne ein Wort. Er sagt: Ich sehe dich. Ich kenne dich. Ich erinnere mich an die Landkarte deiner Wut, und jetzt will ich die deines Friedens.Ich drehe den Kopf
ÉricIch wusste, dass es passieren würde.Ich wusste es von dem Moment an, als ich sie verließ, fünf Tage zuvor, noch zitternd, noch von ihr gezeichnet. Es war keine Flucht, keine Erlösung. Es war nur ein Aufschub.Seitdem hat alles seinen Geschmack verloren.Der Kaffee.Die Gespräche, Claras Haut.
ÉricDas Büro bedrückt mich.Mehr denn je.Dabei bin ich hierhergekommen, um zu fliehen. Aus dem Zimmer. Vor Clara. Vor der Erinnerung an den Vorabend, an ihre sanfte Stimme wie ein Urteil, an ihren gemessenen Atem im Dunkeln. Vor allem, um Jade zu entfliehen. Ironische Gemeinheit: Sie ist es, die
ÉricDie Tür ihres Zimmers öffnet sich, noch bevor ich klopfe.Sie wusste es.Sie hatte auf mich gewartet, nackt unter einem geöffneten Kimono, wie eine Provokation. Keine unnötigen Worte. Keine falsche Bescheidenheit. Ihr Blick durchbohrt mich. Ich habe das Gefühl zu ersticken, schon bevor ich ein
ÉricEs ist fast vier Uhr morgens, als ich das Hotel verlasse.Der Flur ist still, mit dickem Teppichboden ausgelegt, der meine Schritte dämpft, als ob selbst der Ort sich meiner schämen würde. Der Aufzug fährt langsam hinunter, zu langsam. Mein Spiegelbild in den Metallwänden zeigt mir ein verwisc