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Kapitel 75: Der Atem, der reist

Penulis: Nikolaus
last update Tanggal publikasi: 2026-07-30 05:47:32

Die Stadt hatte ihren eigenen Herzschlag gefunden. Er pochte nicht laut. Er summte. Ein tiefes, gleichmäßiges Vibrieren, das man mehr in den Knochen spürte als in den Ohren. Die Straßen waren breiter geworden, ohne dass jemand sie verbreitert hatte. Die Häuser lehnten sich nicht mehr aneinander wie müde Wächter. Sie standen aufrecht. Atmeten mit. Die Fenster waren offen. Nicht aus Nachlässigkeit. Aus Einladung. Wind strich hindurch, trug Gerüche von feuchter Erde, von silbernem Harz, von Mensch
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  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 96

    Das Kind lachte. Ein reines helles Lachen das das gesamte Leuchten zum Schwingen brachte.Der Nachmittag wurde zu einem stillen Tanz des Seins. Junge Paare berührten einander und spürten nicht nur den anderen. Sie spürten alle Berührungen die je gewesen waren. Jugendliche trafen ihre ersten großen Wahlen und spürten die Weisheit aller vorherigen Wahlen in sich. Die Ältesten ruhten und spürten den Frieden aller Wechsel die je stattgefunden hatten.Die neue Lira setzte sich wieder in die Mitte. Das neugeborene Kind lag nun in ihren Armen. Es schlief tief. Doch selbst im Schlaf leuchtete es. Es atmete das Alles.„Ich fühle dass die Zeit der Hüterinnen zu Ende geht“, sagte die neue Lira zu allen. „Nicht weil wir nicht mehr brauchen. Sondern weil jeder von uns nun die Hüterin ist. Jeder von uns ist das Leuchten. Jeder Atem ist die Kette. Jede Wahl ist die Erinnerung. Jede Berührung ist die Verbindung.“Die Menschen summten. Der Ton kam aus tausend Brüsten. Er war ein einziger Ton. Er sang

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 95: Das Alles, das leuchtet

    Der Morgen nach dem Wechsel der erwachsenen Lira brachte keine neue Veränderung. Er brachte die Erkenntnis dass alles schon immer so gewesen war. Die Lichter waren nicht mehr etwas das erschien oder tanzte. Sie waren das Gewebe der Welt selbst. Sie wohnten in den Steinen der alten Mauer. Sie pulsierten in den Blättern jedes Baumes. Sie flossen durch die Luft die die Menschen atmeten. Sie leuchteten in den Augen der Kinder und der Alten. Sie waren der Atem. Sie waren die Wahl. Sie waren die Berührung. Das Leuchten war nicht mehr ein Geschenk. Es war das Wesen von allem.Die neue Hüterin stand auf der höchsten Stelle der alten Mauer. Sie trug den Namen Lira weiter wie alle vor ihr. Sie war nun neunzehn Jahre alt. Ihr Haar fiel in langen silbernen Wellen bis zur Hüfte und glänzte im sanften Licht das von überall kam. Ihre grauen Augen blickten mit einer Klarheit die keine Fragen mehr stellte. In ihren offenen Händen ruhte das kleine Licht das von der vorherigen Lira geblieben war. Doch e

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 94

    „Ich spüre alle Hüterinnen hier“, flüsterte die junge Mara. „Als wären sie nie gegangen. Als hätten sie nur die Form gewechselt um in allem zu sein.“Der Baum antwortete mit einem tiefen vibrierenden Ton der durch den Boden und durch ihre Körper ging. Die Lichter um den Stamm tanzten in großen und kleinen Kreisen. Sie formten Muster die an Wellen und an Atemzüge erinnerten.Eine Prozession aus allen Richtungen kam in den Hof. Menschen aus den Tälern. Aus den Bergen. Vom Meer. Aus den fernen Landen. Sie brachten keine Gegenstände. Sie brachten Momente. Ein Mann trug ein Licht das den ersten Schritt seines Kindes zeigte. Eine Frau brachte ein Blatt mit dem Gesicht ihrer Mutter die gewechselt hatte. Kinder trugen kleine Steine die im Licht geleuchtet hatten.Sie legten alles am Fuße des Baumes ab. Der Baum nahm die Momente auf. Die Lichter vermehrten sich. Je mehr geteilt wurde desto heller und tiefer wurde die Verbindung.An diesem Tag wurde ein neues Kind geboren. In einem Haus am Rand

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 93: Das Leuchten, das in allem wohnt

    Der erste Morgen nach dem Wechsel der jungen Mara brachte eine noch tiefere Ruhe in die Stadt. Die Lichter hatten sich verändert. Wieder einmal. Manche schwebten nun wie sanfte Nebel durch die Straßen und verbanden die Häuser miteinander als wären sie ein einziges großes Wesen. Andere ruhten auf den Blättern der Bäume und pulsierten im Rhythmus des Windes. Wieder andere zogen leise Kreise über den Köpfen der Menschen und schienen jeden Atemzug mit dem nächsten zu verknüpfen. Die Stadt selbst schien zu atmen. Langsam. Bewusst. Als hätte sie endlich gelernt dass sie nicht nur aus Stein und Holz bestand sondern aus Erinnerung und Licht.Die neue Hüterin stand auf der alten Mauer. Sie trug den Namen Mara weiter. Sie war nun sechzehn Jahre alt. Ihr Haar fiel in langen silbernen Wellen bis zur Hüfte und mischte sich mit den letzten dunklen Strähnen ihrer Kindheit. Ihre grauen Augen blickten ruhig über die Dächer. In ihren Händen hielt sie das kleine Licht das von der vorherigen Mara geblieb

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 92

    Ein Mann aus der Stadt stand ebenfalls auf. „Und wir haben gelernt dass die sanfte Welle den Fels formt. Nicht durch Kraft. Durch Beständigkeit. Die Lichter zeigen uns dass beides nötig ist. Der Fels und die Welle. Der Berg und das Tal.“Der Kreis summte lauter. Die Lichter leuchteten heller. Sie zeigten Momente aus allen Richtungen. Aus den Tälern. Aus den Bergen. Vom Meer. Aus den fernen Landen. Verlorene Lieben die wiedergefunden wurden. Wahlen die neu getroffen wurden. Berührungen die heilten was lange gebrochen schien.Die Nacht wurde tief. Doch die Stadt war heller als jeder Tag. Die Lichter erhellten nicht nur die Wege. Sie erhellten die Herzen. Sie machten die Schatten zu Orten der Ruhe wo neue Erinnerungen geboren werden konnten.Lira hielt Maras Licht hoch. Es pulsierte nun im Rhythmus des gesamten großen Kreises.„Mara hat uns den Weg gezeigt“, sagte sie. „Nun gehen wir ihn gemeinsam. Jeder Atem den wir nehmen ist ein Geschenk an alle. Jede Wahl eine Möglichkeit für den gan

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 91

    „Der Wechsel ist keine Trennung“, sagte er mit ruhiger Stimme. „Er ist eine Erweiterung. Wir werden größer. Wir werden mehr. Wir werden eins mit allem was war und sein wird.“Der Mittag brachte eine sanfte goldene Wärme. Die Sonne mischte sich mit dem Silber der Lichter und schuf ein Leuchten das weder grell noch schwach war. Die Blätter der Bäume raschelten in einem leisen Rhythmus. Als würden sie ein altes Lied summen das nie aufgehört hatte. Menschen aßen gemeinsam. Früchte vom großen Baum die süßer schmeckten als je zuvor. Brot das mit Kräutern gewürzt war die im Licht der Lichter gewachsen waren. Jeder Bissen trug den Geschmack von Erinnerung und Dankbarkeit in sich.Lira stand auf und ging mit Elias und Taro zum großen Baum im Zentrum der Stadt. Der Weg war kurz doch jeder Schritt fühlte sich bedeutungsvoll an. Lichter begleiteten sie. Manche schwebten voraus als wollten sie den Weg weisen. Manche tanzten neben ihnen. Manche folgten leise.Am Baum angekommen legten sie die Hände

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 5: Der Weg nach Norden

    Die Sonne stand bereits hoch, als der letzte Jubel im Tal der Schattenfelsberge langsam verebbte. Das Blut auf dem Schnee war bereits zu einem dunklen, gefrorenen Fleck geworden, der wie eine Mahnung dalag. Die Menge löste sich auf, nicht hastig, sondern mit einer Ehrfurcht, die schwer in der Luft

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 7: Das Erwachen der Vergessenen

    Die große Halle der Sturmherzfestung lag in gespenstischer Stille da. Die Kerzen flackerten noch immer, doch ihr Licht schien schwächer geworden zu sein, als hätte der Wind aus der Nacht sie mit Kälte gefüllt. Überall lagen Körper. Einige regten sich langsam, stöhnten, setzten sich auf. Andere blie

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 6

    „Ist fast nichts mehr“, sagte er. „Der Mondwolf... er heilt schneller.“Sie sah ihn an. „Was war das heute Morgen? Dieses Leuchten? Diese Gestalt?“Viktor schwieg lange. Dann seufzte er. „Ich weiß es nicht genau. Es war, als hätte etwas in mir gewartet. Etwas Altes. Etwas, das der Mond nur weckt, w

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 1: Der Schatten der Mondsichel

    In den kalten Hallen des alten Rudelhauses, hoch oben in den schneebedeckten Bergen des Nordens, wo der Wind wie ein hungriges Tier heulte, lebte Liesel als Unsichtbare. Sie war die Bastardtochter des mächtigen Alphas, geboren aus einer verbotenen Nacht mit einer menschlichen Frau, die längst verge

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