LOGINVor drei Jahren verlor Selina Belton ihre Schwester an einen Werwolf. Zumindest war das die Geschichte, die ihr alle erzählten. Seitdem ist die einst fröhliche Prinzessin kalt, stur und gefährlich geschickt im Jagen übernatürlicher Kreaturen geworden. Aber Verrat folgt ihr überall. Nachdem sie ihren Freund im Bett mit ihrer besten Freundin erwischt hat, wird Selina öffentlich gedemütigt und völlig am Boden zerstört zurückgelassen. Während sie versucht, dem Chaos zu entkommen, entdeckt sie einen verborgenen Familienbrief, der alles verändert, was sie über sich selbst zu wissen glaubte. Selina ist nicht vollständig menschlich. Bevor sie die Wahrheit verarbeiten kann, erscheint ein mysteriöser Vampir namens Elian Kius mit schockierenden Enthüllungen über den Tod ihrer Schwester, die Geheimnisse ihres Vaters und eine gefährliche Verschwörung, die mit dem Königreich selbst verbunden ist. In eine Welt aus uralter Magie, Lügen und verbotener Anziehungskraft geworfen, erkennt Selina bald, dass Monster nicht immer das sind, was sie scheinen. Und die Menschen, die ihr am nächsten stehen, könnten die gefährlichsten von allen sein.
View MoreSelina~
Niemals in einer Million Jahren hätte ich erwartet, dass mein Leben an einem zufälligen Dienstagabend auseinanderfällt.
Ich hatte Stunden in der Kampfhalle trainiert wie immer. Mein Körper war müde, aber ich fühlte mich gut und ich wollte meinen Freund wirklich sehen. Nach dem Duschen und Umziehen nahm ich eine Schachtel mit Brads Lieblingsschokoladenpasteten und machte mich auf den Weg zu seiner Wohnung. Er war die Liebe meines Lebens. Der einzige Mensch, der mich gewollt fühlen ließ, sogar mit all meinen Kurven. Ich konnte es kaum erwarten, ihm von meinem Tag zu erzählen und dieses Lächeln zu sehen, das er mir immer schenkte.
Ich trug sogar das blaue Kleid, von dem er gesagt hatte, es lasse mich „weniger massig“ aussehen. Es war jetzt mein Lieblingskleid wegen ihm, aber in dem Moment, als ich seine Tür erreichte, bemerkte ich, dass sie leicht offen stand. Ich schob sie sanft auf und trat ein.
Das war der Moment, in dem ich es hörte. Jemand schrie Brads Namen immer und immer wieder, während sie stöhnte. Die Stimme klang viel zu vertraut.
Meine Füße bewegten sich vorwärts, obwohl mein Gehirn mich anschrie, aufzuhören. Ich ging tiefer in die Wohnung hinein und die Szene brannte sich für immer in meine Augen ein.
Brad war auf ihr. Oberkörperfrei. Verschwitzt. Seine Hände umklammerten schlanke Hüften, die definitiv nicht meine waren. Iris, meine beste Freundin, hatte ihre Beine um seine Taille geschlungen. Ihr schulterlanges braunes Haar war zerzaust, ihr Gesicht gerötet vor Lust. Dasselbe Mädchen, das mich umarmt hatte, wenn ich wegen meines Körpers geweint hatte. Dasselbe Mädchen, mit dem ich alle meine Geheimnisse geteilt hatte, dasselbe Mädchen, das ich wie eine Schwester behandelt hatte.
Jetzt stöhnte sie den Namen meines Freundes, als würde er ihr gehören.
Die Pastetenschachtel fiel aus meinen Händen und landete mit einem lauten Knall auf dem Boden, und beide fuhren auseinander.
„Selina!“ Brads Augen weiteten sich vor Panik. Er kletterte schnell vom Bett und versuchte, seine Jeans hochzuziehen. Iris bedeckte sich nicht einmal richtig. Sie saß einfach da und seufzte, sah mich mit falschem Mitleid in den Augen an.
„Selina… das ist nicht, wonach es aussieht“, sagte sie sanft, und ich wollte lachen, aber das Geräusch, das herauskam, war erbärmlich.
„Nicht wonach es aussieht?“ flüsterte ich. „Du liegst im Bett mit meinem Freund, Iris. Meine beste Freundin.“
Brad trat näher, streckte die Hand aus, als hätte er immer noch das Recht, mich zu berühren. „Baby, bitte hör zu. Sie hat sich an mich rangeschmissen. Ich war schwach, okay? Aber du weißt, dass niemand sonst dich so wählen würde wie ich es getan habe.“
Seine Augen glitten langsam über meinen Körper. Zu meinem weichen Bauch. Zu meinen dicken Oberschenkeln. Der Ekel in seinem Blick war so deutlich, dass es wehtat. Iris setzte sich auf und steckte ihr Haar hinter das Ohr. „Lass uns ehrlich sein, Selina. Du bist süß und so, aber schau dich an. Brad braucht jemanden, der tatsächlich Blicke auf sich zieht. Jemanden, der nicht in der Dicken-und-Hässlichen-Mädchen-Abteilung einkaufen muss. Ich wollte dir nicht wehtun, aber… ich konnte nicht nein sagen, als er mich wollte.“
Ihre Worte fühlten sich wie Messer an, die in meine Brust schnitten.
Ich hatte ihr jahrelang geglaubt. Jedes Mal, wenn sie mir sagte, ich sei schön. Jedes Mal, wenn sie sagte, meine Kurven seien perfekt. Jedes Mal, wenn sie mich umarmte und sagte, ich verdiene das Beste. All das waren Lügen. Sie hatte mir ins Gesicht gelächelt, während sie mich langsam zerstörte.
Der Schmerz in meiner Brust war so schwer, dass ich dachte, ich würde zerbrechen.
Ich wollte schreien. Ich wollte weinen, aber ich tat keines von beiden. Stattdessen ging ich vorwärts und schlug Brad hart ins Gesicht. Das Geräusch hallte laut in dem kleinen Raum wider und sein Kopf schnappte zur Seite, als ein roter Abdruck schnell auf seiner Wange erschien.
„Wir sind fertig“, sagte ich leise. Meine Stimme zitterte nicht einmal. „Mit euch beiden. Bleibt mir verdammt noch mal vom Leib.“
Ich drehte mich um und rannte, bevor die Tränen fallen konnten. Ich rannte, bis meine Beine brannten und meine Brust sich anfühlte, als würde sie explodieren. Als ich endlich die Gärten hinter unserem Anwesen erreichte, ließ ich mich auf eine kalte Steinbank fallen und weinte, bis meine Augen sich roh und geschwollen anfühlten.
Ich hasste mich so sehr in diesem Moment.
Ich hasste meinen großen Körper. Ich hasste mein rundes Gesicht. Ich hasste meine weichen Arme und dicken Oberschenkel. Ich hasste, dass ich tatsächlich geglaubt hatte, jemand wie Brad könnte mich wirklich lieben.
Bis ich mich zurück in mein Zimmer geschleppt hatte, war es bereits spät in der Nacht. Ich begann, eine Tasche zu packen. Ich musste von allem wegkommen. Ich wollte einfach Raum zum Atmen und Nachdenken.
Mutter und Vater würde es nichts ausmachen, wenn ich ein paar Tage weg wäre. Ich war buchstäblich ein Geist, außer wenn sie etwas brauchten, und das passierte bei mir selten.
Ich war mitten dabei, meine Sachen in meiner Kiste zu sortieren, als ich den alten Brief fand.
Er war tief unten im alten Schmuckkästchen meiner Mutter versteckt, das sie mir gegeben hatte. Das Papier war gelb und zerbrechlich. Die Handschrift sah elegant, aber zittrig aus.
Ich faltete ihn langsam auseinander und las.
„An meine geliebte Enkelin,
Falls du dies liest, dann bin ich gegangen und die Zeit ist gekommen. Es gibt etwas, das du wissen musst. Deine Großmutter war nicht vollständig menschlich. Sie war Halb-Fae. Dieses Blut fließt in dir, Selina. Deine Seele ist rein und mächtig. Die Fae werden es spüren. Sei vorsichtig, wem du vertraust. Beschütze dein Licht.“
Meine Hände begannen stark zu zittern.
Halb-Fae? Ich?
Ein leises Kichern kam aus der dunklen Ecke meines Zimmers. Ich wirbelte schnell herum, mein Herz pochte hart gegen meine Rippen, und zu meinem Schock lehnte ein junger Mann an meiner Wand, als hätte er schon eine Weile gewartet. Er sah aus wie etwa achtzehn. Blasse Haut, scharfe Wangenknochen und dunkles Haar, das über ruhige graue Augen fiel. Er war schön auf eine kalte und beunruhigende Weise.
„Wer bist du?“ Ich griff nach dem Brieföffner auf meinem Schreibtisch und richtete ihn auf ihn. „Wie bist du hier reingekommen?“
Der Fremde neigte leicht den Kopf. „Mein Name ist Elian Kius. Und du, Selina Vaughn, bist in viel größerer Gefahr, als du weißt.“
Er machte einen glatten Schritt näher. „Deine Schwester Carolina ist nicht so gestorben, wie sie dir erzählt haben. Sie hat vom geheimen Deal deines Vaters mit dunklen Fae erfahren. Sie wollten die Werwölfe schwächen. Der Mann, mit dem sie weggelaufen ist, hat versucht, sie zu beschützen. Dein Vater hat beide töten lassen.“
Das Universum musste verdammte Witze mit meiner geistigen Gesundheit spielen.
„Hör zu, du Verrückter… Was bist du?“
„Vampir und ich bin weit davon entfernt, verrückt zu sein. Ich–“
„Du verrücktes Wesen. Es ist mir scheißegal. Raus aus meinem Zimmer.“
„Ich wünschte, ich könnte, aber du weißt, dass es die Wahrheit ist.“
„Nein“, flüsterte ich. „Du lügst. Das kann nicht wahr sein.“
„Es ist wahr“, sagte Elian sanft. „Und dein Vater schickt dich aus Gründen, die viel größer sind als die Ley-Linien, zur Runeblood Academy. Er hat Pläne für dich… Prinzessin.“
Ich wich zurück, bis meine Beine gegen das Bett stießen. Mein Verstand raste so schnell.
„Warum erzählst du mir das?“ fragte ich, meine Stimme zitterte.
Elian lächelte klein und traurig. „Weil ich dazu verpflichtet bin, dich zu beschützen. Ob es dir gefällt oder nicht.“
Bevor ich etwas anderes fragen konnte, ertönte ein lautes Klopfen an meiner Tür.
„Selina?“ Die Stimme meines Vaters drang durch, kalt und befehlend. „Mach diese Tür sofort auf. Wir müssen reden.“
Elian verschwand in den Schatten und ich stand erstarrt in der Mitte meines Zimmers, hielt immer noch den alten Brief fest umklammert. Mein Herz schlug wild.
WAS ZUR HÖLLE GING HIER VOR?!
SelinaIch schlief in dieser Nacht kaum, weil Iris' Worte immer wieder in meinen Gedanken auftauchten, besonders die Bestimmtheit in ihrer Stimme, als sie behauptete, dass unsere Familie noch immer Geheimnisse mit sich herumtrug, die ich nie entdeckt hatte.Jahrelang hatte ich geglaubt, dass ich endlich von den Lügen befreit sein würde, die mein Leben geprägt hatten, wenn ich die Wahrheit über meinen Vater, Carolina und die uralte Dunkelheit aufdeckte.Doch irgendwie hatte meine eigene Schwester selbst nach allem, was wir überstanden hatten, einen weiteren Weg gefunden, mich daran zu erinnern, dass ich die Menschen, die ich meine Familie nannte, vielleicht niemals wirklich kennen würde.Bis zum Morgen hatte sich meine Ungewissheit in Entschlossenheit verwandelt, und ich wusste, dass ich nicht länger zulassen konnte, dass Iris die Richtung meines Lebens bestimmte.Was auch immer sie mir sagen wollte, ich würde ihr zuhören, ohne mich von Schuldgefühlen, Wut oder den Erinnerungen an unse
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Selina Ich wachte auf und erwartete, dass die Welt untergehen würde. Mehrere Sekunden lang lag ich völlig still unter der Decke und wartete darauf, dass sich der vertraute Druck der uralten Dunkelheit über meine Magie legte oder ein Alarm die Stille um mich herum zerriss. Nichts geschah, und als ich schließlich die Augen öffnete, sah ich, wie Sonnenlicht durch die Vorhänge fiel und die vertrauten Möbel in meinem Schlafzimmer an der Akademie erhellte, als wäre das Königreich niemals kurz vor seiner Zerstörung gestanden. Raymond war neben mir bereits wach und lag auf der Seite, den Kopf auf eine Hand gestützt. Er beobachtete mich mit einem so nervtötend nachdenklichen Gesichtsausdruck, dass ich die Augen verengte und mich fragte, ob ich es irgendwie geschafft hatte, im Schlaf eine weitere Katastrophe zu verpassen. „Was schaust du so?“, fragte ich misstrauisch und zog die Decke näher an mein Kinn. „Ich präge mir etwas ein“, antwortete er ohne zu zögern. Ich blinzelte ihn an. „Soll
SelinaIch wachte auf und erwartete, dass die Welt untergehen würde.Mehrere Sekunden lang lag ich völlig still unter der Decke und wartete darauf, dass sich der vertraute Druck der uralten Dunkelheit über meine Magie legte oder ein Alarm die Stille um mich herum zerriss.Nichts geschah, und als ich schließlich die Augen öffnete, sah ich, wie Sonnenlicht durch die Vorhänge fiel und die vertrauten Möbel in meinem Schlafzimmer an der Akademie erhellte, als wäre das Königreich niemals kurz vor seiner Zerstörung gestanden.Raymond war neben mir bereits wach und lag auf der Seite, den Kopf auf eine Hand gestützt. Er beobachtete mich mit einem so nervtötend nachdenklichen Gesichtsausdruck, dass ich die Augen verengte und mich fragte, ob ich es irgendwie geschafft hatte, im Schlaf eine weitere Katastrophe zu verpassen.„Was schaust du so?“, fragte ich misstrauisch und zog die Decke näher an mein Kinn.„Ich präge mir etwas ein“, antwortete er ohne zu zögern.Ich blinzelte ihn an. „Sollte ich
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Selina~Der Schmerz in meiner Schulter weckte mich auf, bevor die Sonne überhaupt aufging. Ich stöhnte leise, als ich versuchte, mich aufzusetzen. Die Wunde von den Klauen des abtrünnigen Wolfs brannte wie Feuer, jedes Mal wenn ich mich bewegte. Ich bemerkte sofort, dass jemand mich in ein lockere

















