LOGINCynthia hob den Blick.Nicht weit entfernt stand Alice mitten in der Gasse.In einer Hand hielt sie eine elegante kleine Handtasche.Mit der anderen stieß sie gerade eine alte Frau von sich.Die Frau war gebeugt und hatte ergrautes Haar.Ihre Kleidung war grau vor Staub, als legte sie bereits einen sehr langen Weg hinter sich.Eine Hand hielt sie noch immer ausgestreckt.Offenbar versuchte sie gerade, Alice festzuhalten, bevor diese sie abschüttelte.„Junge Frau, wie komme ich zur Residenz am See?“Die Stimme der alten Frau war heiser und trocken.„Sagen Sie es mir bitte. Danach lasse ich Sie in Ruhe ...“„Woher soll ich wissen, wo die Residenz am See liegt?“Alice zog die Brauen zusammen und wich einen Schritt zurück.Ihr Gesichtsausdruck wirkte, als stand etwas Schmutziges vor ihr.„Kannst du keine Straßenschilder lesen?“Sie sah angewidert auf die Hand der Frau.„Bleib mir vom Leib! Du bist völlig verdreckt. Mache meine Kleidung nicht schmutzig!“Unter ihrem Geschrei zog die alte Fr
Vincent funkelte Cynthia an.In seiner Stimme lagen Sorge und Ärger zugleich.„Sieh dich doch einmal an. Seit deiner Entlassung aus dem Krankenhaus hast du keinen einzigen Tag richtig ausgeruht.“Sein Blick fiel auf ihr Bein.„Dein Knie ist noch nicht vollständig verheilt. Trotzdem standest du heute fast zwei Stunden lang auf den Beinen. Der Kooperationspartner für Energieplan A wurde gerade erst ausgewählt. Bis zur praktischen Umsetzung müssen wir noch unzählige Dinge begleiten.“Er sah sie ernst an.„Und jetzt willst du Energieplan B auch noch sofort anfangen.“Vincent schüttelte den Kopf.„Cynthia, du bist ein Mensch. Keine Maschine.“Sie öffnete den Mund.„Mir geht es gut ...“Doch noch bevor sie den Satz beenden konnte, verstummte sie.Denn sie war tatsächlich erschöpft.Selbst die Worte „Mir geht es gut“ kamen heiser über ihre Lippen.Das dumpfe Ziehen in ihrem Rücken war längst wieder da.Auch ihr Knie war deutlich angeschwollen.Bisher ignorierte Cynthia den Schmerz einfach.So
Colins Blick blieb kurz auf dem Bildschirm liegen.Sein Gesicht war den ganzen Abend angespannt und kalt gewesen.Nun entspannte es sich endlich ein wenig.Seine Mundwinkel hoben sich leicht.„Gut. Olesya, zum Glück habe ich dich.“Er sah wieder auf die Straße.„Bleib mit Herrn Wagner in Kontakt und finde heraus, was wir vorbereiten müssen. Wir werden alles Nötige tun.“Olesya lächelte sanft.„Verlass dich auf mich.“Sie zog ihr Handy zurück.Das zufriedene Lächeln auf ihren Lippen blieb bestehen.Colin hielt das Lenkrad fest und blickte geradeaus.Der Wagen reihte sich in den Verkehr ein.Währenddessen verließ Cynthia gemeinsam mit Vincent das Gebäude durch den Haupteingang.Andre wartete bereits draußen.Sein Blick glitt zunächst prüfend über Cynthia.Erst nachdem er sich vergewissert hatte, dass es ihr gut ging, entspannte sich seine Miene etwas.„Komm. Wir bringen dich nach Hause.“Cynthia ging mit den beiden zum Parkplatz.Kurz darauf fuhr der Wagen auf die Hauptstraße.Im Innenra
Vincent betrachtete zunächst Cynthia und dann Colin.Seine Lippen bewegten sich.Am Ende sagte er jedoch nur: „Ruf mich, wenn etwas ist.“Cynthia nickte.Dann ging sie auf Colin zu.Unter einer Säule neben dem Eingang blieben die beiden stehen.Cynthia sah ihn an.„Also? Was willst du?“Colins Blick war schwer zu deuten.Nach einem Moment sagte er:„Cynthia, ich hätte nicht gedacht, dass du immer noch so berechnend bist.“Sie war kurz verblüfft.Dann sah sie ihn verständnislos an.Colins Stirnfalten wurden tiefer.„Glaubst du, du kannst gegen mich gewinnen, nur weil du dich bei der Himmelsglück GmbH in eine wichtige Position gebracht hast?“Seine Stimme wurde kalt.„Dazu bist du noch lange nicht fähig.“Cynthia betrachtete ihn einige Sekunden.Plötzlich fand sie seine Worte beinahe lächerlich.„Herr Leclair, haben Sie mich wirklich nur deshalb aufgehalten?“Sechs Jahre lang lebte sie an Colins Seite.Von Anfang an bezeichnete er sie als berechnend.Früher versuchte Cynthia immer wieder
Colins Gesichtsausdruck veränderte sich kaum.Er verengte leicht die Augen.„Wenn eine Zusammenarbeit mit der Himmelsglück GmbH nicht möglich ist, suchen wir eben einen Partner im Ausland.“Seine Stimme blieb ruhig.„Nur weil uns im Inland die passenden Ressourcen fehlen, heißt das nicht, dass wir außerhalb des Landes keine finden.“Olesya betrachtete ihn einen Moment länger.Gerade diese ruhige Entschlossenheit gehörte zu den Eigenschaften, die sie an ihm besonders anzogen.Sie rückte ein wenig näher.„Apropos Ausland. Während meiner Zeit in Meland habe ich einige Leute aus dieser Branche kennengelernt.“Sie hielt kurz inne.„Hast du von der Kronberg GmbH gehört? Sie gehört international zu den führenden Unternehmen im Bereich Energietechnologie. Ihre technischen Ressourcen und ihre industrielle Stärke stehen der Himmelsglück GmbH in nichts nach.“Olesya lächelte.„Damals habe ich einmal mit Herrn Wagner von der Kronberg GmbH zu Abend gegessen. Danach haben wir unsere Kontaktdaten aus
Die Auswahlveranstaltung endete erfolgreich.Doch die Gäste machten noch lange keine Anstalten zu gehen.Zahlreiche Menschen drängten sich um Cynthia.„Fräulein Juniper, dürfen wir unsere Kontaktdaten austauschen? Unser Unternehmen interessiert sich sehr für Ihr Projekt.“„Fräulein Juniper, ich bin der stellvertretende Geschäftsführer der Nordstern Energie GmbH. Ich würde gern einen Termin für ein ausführlicheres Gespräch mit Ihnen vereinbaren.“Eine Visitenkarte nach der anderen wurde Cynthia entgegengestreckt.Beinahe verschwand sie in der Menge.Cynthia lächelte höflich.Doch bei so vielen Menschen gleichzeitig wusste sie kaum noch, wem sie zuerst antworten sollte.Da kam Vincent bereits zu ihr.Er trat vor Cynthia und schirmte sie mit einem Arm von der Menge ab.„Meine Damen und Herren, Fräulein Juniper hatte heute einen langen Tag.“Sein Ton blieb höflich, ließ jedoch keinen Widerspruch zu.„Alle weiteren Gespräche über mögliche Kooperationen werden zentral von uns koordiniert.“„







