Se connecterIm Rom des Jahres 42 v. Chr., während die Republik im Bürgerkrieg zerfällt, treffen zwei verfeindete Blutlinien aufeinander: Livia Valeria, Tochter des stolzen Mars-Clans, Trägerin des gefährlichen Feuer des Mars, und Marcus Aurelius Caius, Erbe des verführerischen Venus-Geschlechts. Bei einem nächtlichen Fest entzündet ein einziger Blick eine verbotene Leidenschaft. Ihre erste Berührung weckt eine uralte Magie – ein purpurnes Band, das ihre Seelen unwiderruflich verbindet. Trotz Hass, Blutfehde und tödlicher Prophezeiung können sie nicht voneinander lassen. In geheimen Nächten im Tempel der Venus Erycina verschmelzen ihre Körper und ihre Magien zu etwas Göttlichem. Doch ihre Liebe ist zum Untergang verdammt. Beide Familien jagen sie, der Senat fürchtet sie, und die Götter selbst fordern eine unmögliche Wahl: zerstören oder retten. Als Livia schwanger wird mit einem Kind, das beide Blutlinien in sich trägt, spitzt sich das Schicksal zu. Zwischen brennenden Tempeln, Verrat und blutigen Schlachten müssen Marcus und Livia entscheiden, ob sie ihre Liebe opfern, um Rom zu retten – oder ob sie Rom in Flammen setzen, um zusammen zu bleiben. Eine tragische, sinnliche und epische Liebesgeschichte über Hass, der zu Liebe wird, über Schicksal gegen freien Willen und über eine Leidenschaft, die stärker ist als der Tod. Purpur und Asche ist eine dunkle, emotionale Romeo-und-Julia-Fantasy im Herzen des alten Roms – voller Sinnlichkeit, Magie, Verrat und Tränen.
Voir plusRom, 42 v. Chr. – Die Kalenden des März
Die Nacht lag schwer über dem Palatin, als hätte Venus selbst ihren Schleier aus purpurner Seide über die Stadt geworfen. Fackeln flackerten in goldenen Haltern, ihr Licht brach sich in den Marmorsäulen der Villa des Senators Lucius Cornelius und verwandelte jeden Tropfen Wein in flüssiges Feuer. Die Luft war gesättigt vom Duft von Myrrhe, Rosenöl und dem süßlichen Rauch der Räucherpfannen. Musik – tiefe Lyren und helle Flöten – wob sich durch die Gärten wie unsichtbare Finger, die über nackte Haut strichen.
Livia Valeria stand am Rande des Säulengangs, halb verborgen hinter einem Vorhang aus Efeu und weißen Rosen. Ihr pechschwarzes Haar war zu kunstvollen Locken gelegt, durchzogen von feinen goldenen Bändern, doch eine einzelne Strähne hatte sich gelöst und fiel ihr über die Schulter. Das Gewand aus tiefrotem Tyros-Purpur umschmeichelte ihren Körper, als wäre es aus der Nacht selbst gewoben. Es betonte die schmale Taille, die sanfte Rundung ihrer Hüften und die helle Haut, die im Fackelschein fast leuchtete.
Sie sollte nicht hier sein.
Ihr Vater, Marcus Valerius Severus, hatte es verboten. Die Aurelier waren anwesend – jene verfluchte Sippe, die seit drei Generationen das Haus Valerius mit ihrem Ehrgeiz und ihrer Venus-Magie besudelte. Doch die Einladung des Senators war eine politische Notwendigkeit gewesen. Ablehnung hätte Schwäche bedeutet.
Livia spürte das Feuer in ihrer Brust. Das Erbe des Mars. Es pochte wie ein zweites Herz, warm, unruhig, gefährlich. Wenn sie nicht aufpasste, würden kleine Flammen über ihre Fingerspitzen tanzen. Sie atmete tief ein und zwang die Magie zurück unter ihre Haut.
„Du siehst aus, als würdest du gleich jemanden töten“, flüsterte eine leise, rauchige Stimme neben ihr.
Livia fuhr herum.
Er lehnte nur wenige Schritte entfernt an einer Säule, als gehörte ihm die Nacht selbst. Marcus Aurelius Caius. Der älteste Sohn des verhassten Clans. Groß, breitschultrig, mit dem Körper eines Mannes, der sowohl im Senat als auch im Schwertkampf zu Hause war. Sein dunkles Haar fiel ihm in welligen Strähnen in die Stirn, und seine Augen – von einem ungewöhnlichen, tiefen Goldbraun – schienen im Fackellicht zu glühen. Er trug eine Tunika aus nachtblauer Wolle, die an den Schultern von einer goldenen Fibel gehalten wurde. Die Fibel zeigte eine Taube mit einem Pfeil im Schnabel – das Zeichen der Venus.
„Vielleicht tue ich das gerade“, antwortete Livia kühl, doch ihre Stimme verriet sie. Sie war zu leise. Zu atemlos.
Ein langsames, gefährliches Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Er stieß sich von der Säule ab und trat näher. Viel zu nah. Der Duft von Zypressen, warmem Sand und etwas Süßerem, Verbotenem, umgab ihn.
„Livia Valeria“, murmelte er, als koste er ihren Namen auf der Zunge. „Die Tochter des Mars. Man sagt, dein Zorn könne ganze Foren in Brand setzen.“
„Und man sagt von dir, deine Zunge sei gefährlicher als jedes Schwert, Marcus Aurelius.“
Sein Lächeln vertiefte sich. „Dann sollten wir vielleicht herausfinden, welche Waffe die mächtigere ist.“
Für einen Moment standen sie einfach da, nur wenige Handbreit voneinander entfernt. Die Musik und das Lachen der Gäste schienen plötzlich weit entfernt. Es gab nur das Knistern der Fackeln und das schwere Pochen ihres eigenen Herzens.
Livia spürte, wie die Magie in ihr reagierte. Nicht das wilde Feuer des Krieges, sondern etwas anderes. Etwas, das sich nach ihm streckte. Als hätte die Venus selbst eine unsichtbare Schnur zwischen ihnen gespannt.
Marcus hob langsam die Hand. Seine Finger schwebten dicht über ihrer Wange, ohne sie zu berühren. „Du zitterst.“
„Ich zittere nicht.“
„Doch.“ Seine Stimme wurde noch tiefer, fast zärtlich. „Und es ist nicht vor Angst.“
Die Berührung kam dennoch. Nur die Spitze seines Zeigefingers, die ganz leicht über ihre Unterlippe strich. Die Stelle, wo er sie berührte, wurde warm, dann heiß. Livia fühlte, wie seine Magie in sie floss – der Kuss der Venus. Süß. Verführerisch. Sie öffnete leicht den Mund, unfähig, sich zurückzuziehen.
In diesem Augenblick sah sie es: eine kurze, brennende Vision.
Blut auf weißem Marmor. Ein Dolch, der sich in eine Brust senkte. Ihre eigenen Hände, die sein Gesicht hielten, während Tränen über ihre Wangen liefen. Und ein Kuss, so tief und verzweifelt, als wollten sie sich gegenseitig in die Seele kriechen.
Marcus sog scharf die Luft ein. Er hatte es auch gesehen.
„Bei allen Göttern…“, flüsterte er.
Livia wich einen Schritt zurück. Das Feuer in ihrer Brust loderte auf. Kleine blaue Flammen tanzten für einen Herzschlag über ihre Fingerknöchel, bevor sie sie erstickte.
„Fass mich nie wieder an“, sagte sie, doch ihre Stimme brach.
Marcus’ Blick war dunkel geworden. Hungrig. Traurig. „Zu spät, Livia. Das Schicksal hat uns bereits berührt.“
Er trat noch einmal näher, bis sein Atem über ihre Schläfe strich. „Heute Nacht. Im alten Tempel der Venus Erycina, außerhalb der Mauern. Wenn du nicht kommst, werde ich wissen, dass die Feindschaft unserer Häuser stärker ist als das, was gerade zwischen uns brennt.“
Livia antwortete nicht. Sie konnte nicht. Stattdessen drehte sie sich um und floh zurück in das Gewirr der Feiernden, das Purpur ihres Gewandes wie eine offene Wunde leuchtend.
Doch sie wusste bereits in diesem Moment, dass sie gehen würde.
Livia lief durch die Gärten, das Herz hämmernd. Hinter ihr erklangen Schritte – leicht, selbstsicher. Marcus folgte ihr nicht offen, doch sie spürte ihn. Wie einen Schatten, der sich an ihre Fersen geheftet hatte.
Sie erreichte einen abgelegenen Teil des Gartens, wo ein kleiner Brunnen plätscherte und silbernes Mondlicht auf das Wasser fiel. Hier blieb sie stehen, die Hände auf den kalten Marmorrand gestützt. Das Wasser zeigte ihr verzerrtes Spiegelbild: weit aufgerissene Augen, gerötete Wangen.
„Warum ich?“, flüsterte sie dem Spiegelbild zu. „Warum ausgerechnet er?“
Eine Hand legte sich sanft auf ihre Taille. Nicht grob. Nicht fordernd. Nur da. Warm. Lebendig.
„Weil das Schicksal grausam ist“, antwortete Marcus leise hinter ihr. „Und weil ich dich schon seit dem ersten Mal, als ich dich im Circus Maximus sah, nicht mehr vergessen konnte. Drei Jahre, Livia. Drei Jahre habe ich dich aus der Ferne beobachtet und mir eingeredet, der Hass meiner Familie wäre stärker als das, was ich fühle.“
Seine andere Hand strich ihr Haar zur Seite. Lippen berührten die empfindliche Stelle unter ihrem Ohr. Nur ein Hauch. Ein Versprechen.
Livia schloss die Augen. Das Feuer in ihr antwortete mit einem tiefen, sehnsüchtigen Brennen. Nicht zerstörerisch. Sondern lebendig.
„Wir werden uns gegenseitig vernichten“, flüsterte sie.
„Vielleicht.“ Seine Stimme war rau. „Aber bis dahin… lass uns wenigstens einmal lebendig sein.“
Er drehte sie zu sich herum. Ihre Blicke trafen sich. Kein Lächeln mehr. Nur rohe, nackte Wahrheit.
Dann küsste er sie.
Der Kuss war nicht sanft. Er war verzweifelt, tief, als wüssten beide bereits, dass ihnen die Zeit gestohlen werden würde. Seine Hände glitten über ihren Rücken, zogen sie fester an sich. Livia seufzte in seinen Mund, die Finger in seiner Tunika vergraben. Die Magie beider Linien floss zusammen – Feuer und süße Verführung – und für wenige kostbare Herzschläge fühlte es sich an, als könnte die Welt untergehen, ohne dass es sie kümmerte.
Als sie sich voneinander lösten, lagen ihre Stirnen aneinander. Beider Atem ging schwer.
„Heute Nacht“, wiederholte Marcus heiser. „Der alte Tempel. Komm zu mir, Livia Valeria. Oder lass uns beide in diesem Hass sterben, ohne je wirklich gelebt zu haben.“
Er küsste sie ein letztes Mal, zärtlich diesmal, auf die Stirn. Dann verschwand er zwischen den Bäumen wie ein Traum.
Livia blieb zurück, die Finger auf ihren geschwollenen Lippen. Das Feuer in ihrer Brust brannte heller als je zuvor.
Und sie wusste: Sie würde gehen.
Die Stunden bis Mitternacht zogen sich wie eine Folter. Livia schlich sich aus der Villa, als die meisten Gäste bereits trunken von Wein und Magie in den Armen fremder Liebhaber lagen. Ihr Herz schlug so heftig, dass sie fürchtete, das Feuer des Mars würde sie verraten – kleine Funken, die bei jedem Schritt über den Saum ihres Mantels tanzten.
Sie hatte einen dunklen Reiseumhang über das purpurne Gewand geworfen, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Die Straßen Roms waren nachts gefährlich, doch niemand wagte es, eine Valeria anzurühren. Nicht einmal in diesen Zeiten des Bürgerkriegs.
Außerhalb der Stadtmauern lag der alte Tempel der Venus Erycina wie ein vergessener Traum. Efeu und wilder Wein rankten sich um die zerfallenden Säulen. Früher hatten hier die Kurtisanen und die Verzweifelten geopfert. Heute war er fast vergessen – ein Ort für verbotene Küsse und noch verbotenere Versprechen.
Marcus wartete bereits.
Er stand im Mondlicht, ohne Mantel, als fürchte er die Kälte nicht. Die goldene Fibel an seiner Schulter glänzte schwach. Als er sie sah, richtete er sich auf. Kein triumphierendes Lächeln. Nur eine tiefe, fast schmerzhafte Erleichterung in seinen Zügen.
„Du bist gekommen“, flüsterte er, als sie nur noch wenige Schritte trennten.
„Ich bin eine Närrin“, antwortete Livia. Ihre Stimme zitterte.
„Dann sind wir beide Narren.“
Er streckte die Hand aus. Diesmal nahm sie sie. Seine Finger schlossen sich warm und fest um ihre. Die Berührung sandte einen Schauer durch ihren ganzen Körper. Wo ihre Haut sich traf, floss seine Magie – weich, süß, wie warmer Honig, der sich in ihrem Blut verteilte. Sie spürte, wie ihre eigenen Flammen darauf antworteten, nicht zerstörerisch, sondern hungrig.
Hand in Hand stiegen sie die zerbrochenen Stufen hinauf in den Tempel. Im Inneren brannte nur eine einzige Öllampe vor der Statue der Göttin. Venus lächelte milde und wissend auf sie herab, eine Hand auf der Brust, die andere ausgestreckt, als wollte sie die Liebenden segnen – oder warnen.
Marcus zog sie in die Mitte des Raumes. Dort lagen bereits Decken und Kissen, die er vorbereitet hatte, dazu ein Krug Wein und frische Feigen. Einfach. Intim. Gefährlich.
„Niemand weiß, dass ich hier bin“, sagte er leise. „Nicht einmal mein Bruder.“
„Ich habe meiner Zofe nur gesagt, ich brauche frische Luft.“ Livia lachte bitter. „Wenn mein Vater wüsste…“
„Dann würde er mich töten. Und danach vermutlich dich.“
Die Worte hingen schwer zwischen ihnen. Marcus trat näher, bis ihre Körper sich fast berührten. Er hob die Hand und schob langsam die Kapuze von ihrem Haar. Die schwarzen Locken fielen herab. Mit den Fingern fuhr er hindurch, als wollte er sich jeden Strang einprägen.
„Du bist das Schönste, was ich je gesehen habe“, murmelte er. „Und das Gefährlichste.“
Livia legte ihre Hand auf seine Brust. Unter dem Stoff spürte sie sein Herz rasen. „Und du bist der Grund, warum ich alles verraten könnte, was ich bin.“
Ihre Lippen fanden sich erneut. Diesmal ohne Zeugen, ohne Eile. Der Kuss war tief, forschend, voller unterdrückter Sehnsucht. Marcus’ Hände glitten über ihren Rücken, zogen sie fester an sich. Sie spürte die Wärme seines Körpers durch die dünnen Stoffe, die harte Linie seiner Brust, die Stärke seiner Arme.
Ein leises Stöhnen entwich ihr, als seine Lippen ihren Hals hinabwanderten. Er küsste die empfindliche Stelle unter ihrem Ohr, dann tiefer, wo das Schlüsselbein begann. Jeder Kuss hinterließ einen Hauch seiner Magie – süße Wärme, die sich in ihrem Unterleib sammelte.
„Marcus…“, flüsterte sie.
„Sag meinen Namen noch einmal.“ Seine Stimme war rau, fast gebrochen.
„Marcus.“
Er hob sie hoch, als wöge sie nichts, und trug sie zu den Decken. Sanft legte er sie nieder. Das Mondlicht fiel durch das zerbrochene Dach und tauchte ihre Haut in Silber. Mit zitternden Fingern löste er die Fibeln ihres Gewandes. Purpur glitt herab und enthüllte ihre Schultern, ihre Brüste, die sanfte Kurve ihres Bauches.
Livia fühlte keine Scham. Nur ein tiefes, brennendes Verlangen. Sie richtete sich auf, zog ihm die Tunika über den Kopf und strich mit beiden Händen über seine nackte Brust. Er war schön – Narben von alten Kämpfen, harte Muskeln, die sich unter ihrer Berührung anspannten.
Ihre Magien tanzten nun offen. Blaue Flammen leckten über ihre Finger, wo sie ihn berührte, doch sie verbrannten ihn nicht. Stattdessen schienen sie ihn zu streicheln. Seine eigene Magie antwortete mit goldenen Funken, die wie winzige Küsse über ihre Haut glitten.
„Bei Venus…“, hauchte er, als er sie betrachtete. „Du bist Feuer und Licht zugleich.“
Er beugte sich hinab und küsste ihre Brust, nahm eine harte Knospe zwischen die Lippen. Livia bog den Rücken durch, die Finger in seinem Haar vergraben. Jede Berührung seiner Zunge sandte Wellen der Lust durch ihren Körper. Seine Hand wanderte tiefer, strich über ihren Oberschenkel, schob den letzten Stoff beiseite.
Als seine Finger sie dort fanden, wo sie am feuchtesten und empfindlichsten war, schrie sie leise auf. Er streichelte sie langsam, geduldig, beobachtete jede Regung ihres Gesichts. Die Magie verstärkte jede Empfindung – bis es sich anfühlte, als würde er nicht nur ihren Körper, sondern ihre Seele berühren.
„Sieh mich an“, bat er heiser.
Ihre Blicke verschränkten sich. In seinen Augen lag nicht nur Verlangen. Da war Schmerz. Da war Wissen. Das Wissen, dass diese Nacht gestohlen war.
„Ich liebe dich“, flüsterte er plötzlich, als wäre es ein Schwur und ein Fluch zugleich. „Ich liebe dich, Livia Valeria, und es wird uns beide töten.“
Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie zog ihn zu sich herab, küsste ihn verzweifelt, während sie die Beine um seine Hüften schlang.
„Dann töte mich langsam“, flüsterte sie an seinen Lippen.
Er drang in sie ein – langsam, tief, als wollte er den Moment für immer in seine Erinnerung brennen. Beide stöhnten auf. Ihre Körper bewegten sich im uralten Rhythmus, erst zärtlich, dann drängender. Feuer und Venus-Magie verschmolzen. Die Luft um sie herum flimmerte. Die Statue der Göttin schien zu lächeln.
Livia spürte den Höhepunkt kommen wie eine Welle aus Licht und Flammen. Sie klammerte sich an ihn, schrie seinen Namen, während ihr ganzer Körper erbebte. Marcus folgte ihr nur Sekunden später, vergrub sein Gesicht an ihrem Hals, stöhnte ihren Namen wie ein Gebet.
Danach lagen sie eng umschlungen da. Schweißbedeckt. Atemlos. Seine Finger streichelten sanft ihren Rücken, während sie mit dem Kopf auf seiner Brust lag und seinem Herzschlag lauschte.
„Ich will nicht zurück“, flüsterte sie irgendwann.
„Ich weiß.“ Seine Stimme war dunkel. „Aber wir müssen. Noch.“
Er hob ihr Kinn und küsste sie zärtlich. „Wir werden einen Weg finden, Livia. Einen Weg, wie unsere Häuser diesen Hass überwinden können. Die Prophezeiung… sie spricht von uns. Ich habe sie gelesen. Die Verbindung von Mars und Venus soll Rom entweder retten oder vernichten.“
Livia schloss die Augen. Das Feuer in ihrer Brust brannte nun ruhig, aber sie spürte bereits die Schatten am Rand ihrer Vision. Blut. Dolche. Verrat.
„Und wenn die Prophezeiung lügt?“, fragte sie leise.
„Dann sterben wir wenigstens als die Unseren.“
Sie liebten sich in dieser Nacht noch zweimal – einmal langsam und zärtlich, einmal wild und verzweifelt, als wollten sie die kommenden Stürme bereits spüren. Als der erste Schimmer der Morgenröte den Himmel berührte, kleideten sie sich schweigend an.
Marcus zog sie ein letztes Mal in die Arme. Der Kuss war lang, tief, voller unausgesprochener Versprechen und Abschiede.
„Wir finden uns wieder“, sagte er. „Heimlich. Immer wieder. Bis wir stark genug sind.“
Livia nickte, doch in ihrem Herzen wusste sie es bereits.
Das Schicksal hatte andere Pläne.
Die Nacht nach dem Blutbad im Forum war erfüllt von Schreien und Stille.Marcus hatte sie fortgebracht. Mit letzter Kraft, unterstützt durch seine Venus-Magie, die Neugierige ablenkte und Wachen verwirrte, trug er Livia durch verborgene Gassen und unterirdische Gänge, die nur wenige in Rom kannten. Jeder Schritt sandte Wellen aus Schmerz durch das goldene Band zwischen ihnen. Ihr Leid war seins. Sein Blut war ihres.Sie erreichten eine kleine, halb verfallene Villa am Fuße des Aventin, versteckt hinter wilden Olivenbäumen. Einst hatte sie einem neutralen Kaufmann gehört, der klug genug gewesen war, im Bürgerkrieg zu sterben, ohne sich auf eine Seite zu schlagen.Marcus legte Livia vorsichtig auf ein Lager aus weichen Decken und Wolldecken. Das Mondlicht fiel durch ein zerbrochenes Fenster und tauchte ihren blassen Körper in kaltes Silber. Der Pfeil steckte noch immer in ihrer Schulter. Blut hatte das Purpur ihres Gewandes dunkel und schwer gemacht.„Bleib wach“, flüsterte er heiser. T
Drei Tage nach dem Ritual spitzte sich alles zu.Die Sonne brannte gnadenlos auf das Forum Romanum herab. Der Geruch von Schweiß, Weihrauch und Eisen lag schwer in der Luft. Der Senat hatte zu einer außerordentlichen Sitzung gerufen, doch jeder wusste, dass es kein Treffen der Worte werden würde. Es war ein Treffen der Klingen.Livia stand auf den Stufen des Tempels der Concordia, halb verborgen hinter einer Statue. Ihr Herz raste. Das goldene Band in ihrer Brust zog sich schmerzhaft zusammen – Marcus war nah. Viel zu nah.Ihr Vater hatte sie gezwungen mitzukommen. „Damit du siehst, was aus Schwäche wird“, hatte er gesagt und ihr einen Dolch in die Hand gedrückt.Auf der anderen Seite des Forums erkannte sie die purpurnen und goldenen Tuniken der Aurelier. Marcus stand vorn, neben seinem Bruder Lucius. Seine Haltung war angespannt, die Hand lag auf dem Griff seines Gladius. Auch er suchte mit den Augen die Menge ab. Als ihre Blicke sich trafen, durchfuhr sie beide ein Ruck. Die Bindun
Die folgenden Wochen wurden zu einem gestohlenen Traum aus Mondlicht und verbotener Berührung.Livia und Marcus trafen sich, wann immer die Götter ihnen eine Lücke im Netz des Schicksals gönnten. Mal im verfallenen Tempel der Venus Erycina, mal in einer verlassenen Villa am Rande der Via Appia, deren Besitzer im Bürgerkrieg gefallen war. Jede Begegnung war riskanter als die vorherige. Jede Berührung tiefer.In dieser Nacht lag der Tempel wieder in silbernem Licht. Die Statue der Venus schien lebendiger zu sein als je zuvor – als würde die Göttin selbst den Atem anhalten.Marcus kniete vor dem Altar, nur mit einer einfachen Tunika bekleidet. Vor ihm stand eine flache Bronzeschale mit duftendem Öl. Er hatte zwei Strähnen Haar hineingelegt: eine pechschwarze von Livia, eine dunkelbraune von sich selbst. Mit einem kleinen Dolch ritzte er vorsichtig in sein Handgelenk und ließ drei Tropfen Blut in die Schale fallen. Dann reichte er Livia den Dolch.Ihre Finger zitterten leicht, als sie das
Rom, 42 v. Chr. – Die Kalenden des MärzDie Nacht lag schwer über dem Palatin, als hätte Venus selbst ihren Schleier aus purpurner Seide über die Stadt geworfen. Fackeln flackerten in goldenen Haltern, ihr Licht brach sich in den Marmorsäulen der Villa des Senators Lucius Cornelius und verwandelte jeden Tropfen Wein in flüssiges Feuer. Die Luft war gesättigt vom Duft von Myrrhe, Rosenöl und dem süßlichen Rauch der Räucherpfannen. Musik – tiefe Lyren und helle Flöten – wob sich durch die Gärten wie unsichtbare Finger, die über nackte Haut strichen.Livia Valeria stand am Rande des Säulengangs, halb verborgen hinter einem Vorhang aus Efeu und weißen Rosen. Ihr pechschwarzes Haar war zu kunstvollen Locken gelegt, durchzogen von feinen goldenen Bändern, doch eine einzelne Strähne hatte sich gelöst und fiel ihr über die Schulter. Das Gewand aus tiefrotem Tyros-Purpur umschmeichelte ihren Körper, als wäre es aus der Nacht selbst gewoben. Es betonte die schmale Taille, die sanfte Rundung ihr






commentaires