تسجيل الدخولDrei Tage nach dem Ritual spitzte sich alles zu.
Die Sonne brannte gnadenlos auf das Forum Romanum herab. Der Geruch von Schweiß, Weihrauch und Eisen lag schwer in der Luft. Der Senat hatte zu einer außerordentlichen Sitzung gerufen, doch jeder wusste, dass es kein Treffen der Worte werden würde. Es war ein Treffen der Klingen.
Livia stand auf den Stufen des Tempels der Concordia, halb verborgen hinter einer Statue. Ihr Herz raste. Das goldene Band in ihrer Brust zog sich schmerzhaft zusammen – Marcus war nah. Viel zu nah.
Ihr Vater hatte sie gezwungen mitzukommen. „Damit du siehst, was aus Schwäche wird“, hatte er gesagt und ihr einen Dolch in die Hand gedrückt.
Auf der anderen Seite des Forums erkannte sie die purpurnen und goldenen Tuniken der Aurelier. Marcus stand vorn, neben seinem Bruder Lucius. Seine Haltung war angespannt, die Hand lag auf dem Griff seines Gladius. Auch er suchte mit den Augen die Menge ab. Als ihre Blicke sich trafen, durchfuhr sie beide ein Ruck. Die Bindung sang laut zwischen ihnen – eine Warnung und eine Sehnsucht zugleich.
Dann brach die Hölle los.
Ein Schrei gellte über den Platz. Einer von Severus’ Männern – ein bulliger Centurio mit dem Zeichen des Mars auf dem Brustpanzer – warf eine Defixio in die Mitte des Forums. Das Bleitäfelchen glänzte böse in der Sonne.
„Aurelier-Hunde! Ihr habt unsere Brunnen vergiftet und unsere Ahnen beleidigt!“
Im nächsten Moment flogen die ersten Pfeile. Chaos brach aus. Schreie, klirrendes Metall, das Stampfen von Sandalen auf Stein. Die beiden Familien, seit Generationen verfeindet, prallten aufeinander wie zwei gegnerische Heere.
Livia sah, wie ihr Vater sein Schwert zog und mit einem lauten Schlachtruf auf Lucius Aurelius losstürmte. Blaues Feuer leckte über die Klinge ihres Vaters – rohe, ungezügelte Mars-Magie.
„Nein!“, flüsterte sie entsetzt.
Sie rannte los, ohne nachzudenken. Ihr purpurnes Gewand behinderte sie, doch das Feuer in ihrer Brust brannte heißer als je zuvor. Kleine Flammen tanzten über ihre Arme.
Marcus kämpfte bereits. Er bewegte sich mit tödlicher Eleganz, parierte einen Hieb und stieß seinen Gegner mit einem Stoß reiner Venus-Magie zurück. Goldene Funken explodierten und ließen den Mann taumeln, als hätte ihn plötzliche, lähmende Sehnsucht übermannt.
„Marcus!“, schrie Livia.
Er fuhr herum. Für einen winzigen Moment vergaß er den Kampf. Seine Augen weiteten sich vor Schreck und Liebe.
In diesem Augenblick traf ihn ein Streich. Nicht tödlich, aber tief. Die Klinge eines Valerius-Kriegers schnitt über seine linke Seite. Blut spritzte hellrot auf den weißen Marmor.
Livia schrie auf. Das Band zwischen ihnen zog sich so brutal zusammen, dass sie selbst strauchelte und auf die Knie fiel. Sie spürte seinen Schmerz wie ihren eigenen – ein brennendes Reißen unter den Rippen.
Ohne weiter nachzudenken, ließ sie ihre Magie frei.
Blaues Feuer schoss aus ihren Händen. Es war kein kontrolliertes Flämmchen mehr. Es war ein Inferno. Die Flammen rasten über den Platz, trennten die Kämpfenden voneinander, ohne sie zu verbrennen – aber sie erschreckten beide Seiten zutiefst.
„Aufhören!“, schrie sie mit einer Stimme, die nicht mehr ganz menschlich klang. „Bei Mars und Venus – aufhören!“
Für wenige Herzschläge erstarrte das Forum. Alle starrten sie an. Die Tochter des Valerius, umgeben von blauem Feuer, das wie lebendige Schlangen um ihren Körper tanzte.
Marcus drückte sich die Hand auf die blutende Wunde und taumelte auf sie zu. Sein Gesicht war aschfahl, doch in seinen Augen lag pure Verzweiflung.
„Livia… nicht…“, keuchte er.
Ihr Vater brüllte: „Livia! Zurück! Das ist Verrat!“
Lucius Aurelius, Marcus’ Bruder, lachte dunkel. „Seht ihr? Die Valerierin hat unseren Erben verhext! Die Hexe des Mars hat sich von Venus kaufen lassen!“
Ein neuer Angriffswelle rollte heran. Diesmal zielten mehrere Krieger direkt auf Livia.
Marcus warf sich dazwischen. Trotz seiner Verletzung kämpfte er wie ein Besessener. Goldene Venus-Magie und blaues Mars-Feuer verschmolzen um ihn herum zu einem purpurnen Schild. Er tötete nicht, wenn er es vermeiden konnte – er betäubte, verwirrte, ließ Gegner in plötzliche Tränen oder lähmende Lust ausbrechen. Doch die Wut der Familien war zu groß.
Ein Pfeil traf Livia in die Schulter.
Der Schmerz war überwältigend. Sie schrie auf und sackte zusammen. Marcus brüllte ihren Namen, ein Laut voller roher Qual. Er kämpfte sich zu ihr durch, tötete nun doch einen Mann, der sich ihm in den Weg stellte, und fiel neben ihr auf die Knie.
„Livia… bleib bei mir…“ Seine Hände zitterten, als er die Wunde berührte. Goldene Magie floss aus seinen Fingern, versuchte die Blutung zu stillen, die Schmerzen zu lindern. Tränen liefen über sein Gesicht. „Ich hätte dich nie in diese Sache hineinziehen dürfen.“
Um sie herum tobte weiter der Kampf, doch für sie beide existierte nur noch der andere.
Livia hob zitternd die Hand und berührte seine Wange. Blut von ihrer Schulter verschmierte seine Haut.
„Ich bereue nichts“, flüsterte sie schwach. „Nicht eine Nacht. Nicht einen Kuss.“
Ihr Vater näherte sich mit gezogenem Schwert. Sein Gesicht war eine Maske aus Zorn und Enttäuschung.
„Tochter… was hast du getan?“
Marcus stellte sich schützend vor sie, obwohl er selbst kaum noch stehen konnte. „Wenn Ihr sie anrührt, Severus, dann töte ich Euch. Hier und jetzt. Vor allen Göttern.“
Die beiden mächtigsten Männer der verfeindeten Häuser standen sich gegenüber. Das Forum war ein Schlachtfeld aus Blut, Feuer und zerrissenen Allianzen.
Livia spürte, wie die Welt um sie herum dunkler wurde. Das goldene Band zwischen ihr und Marcus pulsierte schwach, aber es hielt. Es hielt sie beide am Leben.
„Vater… bitte…“, hauchte sie. „Es ist die Prophezeiung. Wir sind es…“
Severus zögerte. Zum ersten Mal in seinem Leben sah Livia Unsicherheit in seinen stählernen Augen.
Dann ertönte das Signalhorn der Prätorianer. Die Stadtwache griff ein. Der Senat hatte genug. Wer jetzt weiterkämpfte, wurde zum Staatsfeind erklärt.
Die Kämpfenden lösten sich widerwillig voneinander. Doch die Blicke, die die Valerier und Aurelier wechselten, waren mörderisch.
Marcus sank neben Livia nieder und zog sie in seine Arme, ungeachtet aller Zeugen. Er küsste ihre Stirn, ihre Schläfen, ihre blutverschmierten Lippen.
„Wir überleben das“, flüsterte er heiser. „Ich schwöre es bei Venus und bei meinem Blut. Ich hole dich hier raus.“
Livia lächelte schwach, obwohl der Pfeil noch in ihrer Schulter steckte und jeder Atemzug schmerzte.
„Dann beeil dich… mein Liebster. Ich glaube nicht, dass uns noch viel Zeit bleibt.“
Die Nacht verschluckte sie wie ein hungriger Gott.Marcus stützte sich schwer auf Livia, während sie durch die dunklen Gassen am Rande des Aventin humpelten. Jeder Schritt war eine Qual. Das goldene Band zwischen ihnen pulsierte unregelmäßig – mal stark und warm, mal schwach wie eine erlöschende Flamme. Sein Blut tropfte auf das alte Kopfsteinpflaster und hinterließ eine verräterische Spur.„Lass mich zurück“, flüsterte er irgendwann, die Stimme rau vor Schmerz. „Du kannst schneller fliehen allein.“Livia blieb stehen, drehte sich zu ihm und packte sein Gesicht mit beiden Händen. Ihre Augen brannten trotz der Tränen.„Sag das noch einmal und ich verbrenne dich selbst, Marcus Aurelius Caius. Wir gehen zusammen. Oder wir sterben zusammen.“Er lächelte schwach, blutverschmiert und wunderschön im Mondlicht. „Dann sterben wir zusammen.“Sie stahlen zwei Pferde aus einem Stall nahe der Stadtmauer. Livia benutzte einen leichten Venus-Zauber, den sie von Marcus gelernt hatte – ein Hauch von V
Die Luft in der verfallenen Villa wurde dick wie Sirup. Das goldene Band zwischen Livia und Marcus pulsierte wie ein offenes Herz, das jeden Herzschlag der Gefahr spürte.Lucius Aurelius stand im Türrahmen, das Schwert blank gezogen. Vier schwer bewaffnete Männer flankierten ihn – allesamt treue Klienten des Aurelier-Hauses. Ihre Gesichter waren hart, die Augen voller Verachtung, als sie die halbnackte Valeria-Tochter neben Marcus sahen.„Bruder“, sagte Lucius leise, fast bedauernd. „Vater ist tot. Ermordet in seinem eigenen Tablinum. Mit blauen Flammen, die seine Brust durchbohrt haben. Die ganze Stadt zeigt mit dem Finger auf die Valerier. Und auf dich.“Marcus’ Griff um Livias Hand wurde schmerzhaft fest. Sie spürte durch die Bindung, wie ein Teil von ihm starb – der Sohn, der seinen Vater geliebt hatte, trotz aller Streitigkeiten.„Das war nicht sie“, knurrte Marcus. „Und nicht ihr Haus. Jemand nutzt den Hass zwischen uns.“Lucius lachte bitter. „Du bist blind. Diese Frau hat dich
Die Nacht nach dem Blutbad im Forum war erfüllt von Schreien und Stille.Marcus hatte sie fortgebracht. Mit letzter Kraft, unterstützt durch seine Venus-Magie, die Neugierige ablenkte und Wachen verwirrte, trug er Livia durch verborgene Gassen und unterirdische Gänge, die nur wenige in Rom kannten. Jeder Schritt sandte Wellen aus Schmerz durch das goldene Band zwischen ihnen. Ihr Leid war seins. Sein Blut war ihres.Sie erreichten eine kleine, halb verfallene Villa am Fuße des Aventin, versteckt hinter wilden Olivenbäumen. Einst hatte sie einem neutralen Kaufmann gehört, der klug genug gewesen war, im Bürgerkrieg zu sterben, ohne sich auf eine Seite zu schlagen.Marcus legte Livia vorsichtig auf ein Lager aus weichen Decken und Wolldecken. Das Mondlicht fiel durch ein zerbrochenes Fenster und tauchte ihren blassen Körper in kaltes Silber. Der Pfeil steckte noch immer in ihrer Schulter. Blut hatte das Purpur ihres Gewandes dunkel und schwer gemacht.„Bleib wach“, flüsterte er heiser. T
Drei Tage nach dem Ritual spitzte sich alles zu.Die Sonne brannte gnadenlos auf das Forum Romanum herab. Der Geruch von Schweiß, Weihrauch und Eisen lag schwer in der Luft. Der Senat hatte zu einer außerordentlichen Sitzung gerufen, doch jeder wusste, dass es kein Treffen der Worte werden würde. Es war ein Treffen der Klingen.Livia stand auf den Stufen des Tempels der Concordia, halb verborgen hinter einer Statue. Ihr Herz raste. Das goldene Band in ihrer Brust zog sich schmerzhaft zusammen – Marcus war nah. Viel zu nah.Ihr Vater hatte sie gezwungen mitzukommen. „Damit du siehst, was aus Schwäche wird“, hatte er gesagt und ihr einen Dolch in die Hand gedrückt.Auf der anderen Seite des Forums erkannte sie die purpurnen und goldenen Tuniken der Aurelier. Marcus stand vorn, neben seinem Bruder Lucius. Seine Haltung war angespannt, die Hand lag auf dem Griff seines Gladius. Auch er suchte mit den Augen die Menge ab. Als ihre Blicke sich trafen, durchfuhr sie beide ein Ruck. Die Bindun
Die folgenden Wochen wurden zu einem gestohlenen Traum aus Mondlicht und verbotener Berührung.Livia und Marcus trafen sich, wann immer die Götter ihnen eine Lücke im Netz des Schicksals gönnten. Mal im verfallenen Tempel der Venus Erycina, mal in einer verlassenen Villa am Rande der Via Appia, deren Besitzer im Bürgerkrieg gefallen war. Jede Begegnung war riskanter als die vorherige. Jede Berührung tiefer.In dieser Nacht lag der Tempel wieder in silbernem Licht. Die Statue der Venus schien lebendiger zu sein als je zuvor – als würde die Göttin selbst den Atem anhalten.Marcus kniete vor dem Altar, nur mit einer einfachen Tunika bekleidet. Vor ihm stand eine flache Bronzeschale mit duftendem Öl. Er hatte zwei Strähnen Haar hineingelegt: eine pechschwarze von Livia, eine dunkelbraune von sich selbst. Mit einem kleinen Dolch ritzte er vorsichtig in sein Handgelenk und ließ drei Tropfen Blut in die Schale fallen. Dann reichte er Livia den Dolch.Ihre Finger zitterten leicht, als sie das
Rom, 42 v. Chr. – Die Kalenden des MärzDie Nacht lag schwer über dem Palatin, als hätte Venus selbst ihren Schleier aus purpurner Seide über die Stadt geworfen. Fackeln flackerten in goldenen Haltern, ihr Licht brach sich in den Marmorsäulen der Villa des Senators Lucius Cornelius und verwandelte jeden Tropfen Wein in flüssiges Feuer. Die Luft war gesättigt vom Duft von Myrrhe, Rosenöl und dem süßlichen Rauch der Räucherpfannen. Musik – tiefe Lyren und helle Flöten – wob sich durch die Gärten wie unsichtbare Finger, die über nackte Haut strichen.Livia Valeria stand am Rande des Säulengangs, halb verborgen hinter einem Vorhang aus Efeu und weißen Rosen. Ihr pechschwarzes Haar war zu kunstvollen Locken gelegt, durchzogen von feinen goldenen Bändern, doch eine einzelne Strähne hatte sich gelöst und fiel ihr über die Schulter. Das Gewand aus tiefrotem Tyros-Purpur umschmeichelte ihren Körper, als wäre es aus der Nacht selbst gewoben. Es betonte die schmale Taille, die sanfte Rundung ihr







