LOGINLuna lachte, während Titus vor ihr über die Wiese davonrannte. „Du schummelst!“ rief sie. „Nein!“ „Doch!“ „Beweis es!“ Titus sprang über einen kleinen Bach. Luna setzte hinterher. Natürlich holte sie ihn innerhalb weniger Herzschläge ein. Der Junge protestierte lautstark. „Das zählt nicht! Du hast längere Beine!“ „Das ist nicht meine Schuld!“ „Doch!“ Auf der Terrasse beobachteten Valeria und Aurelian die beiden. Unwillkürlich mussten sie lächeln. „Manchmal vergesse ich fast, wie viel gerade passiert.“ sagte Valeria leise. Aurelian nahm ihre Hand. „Vielleicht ist das gut.“ „Warum?“ „Weil es uns daran erinnert, wofür wir kämpfen.“ Valeria sah hinaus auf ihre Kinder. Und nickte. Währenddessen war Luna stehen geblieben. Etwas hatte ihre Aufmerksamkeit geweckt. „Titus.“ „Ja?“ „Hörst du das?“ Der Junge lauschte. „Was denn?“ „Ich weiß nicht.“ Luna drehte sich langsam um. Da war etwas. Kein Geräusch. Eher ein Gefühl. Ein leises Ziehen. Wie eine Erinnerung,
Die ersten Sonnenstrahlen krochen über die Sabiner Berge. Goldenes Licht fiel durch die Fenster der Villa. Zum ersten Mal seit vielen Tagen wirkte alles friedlich. Keine Botschaften. Keine Soldaten. Keine Angriffe. Nur der Duft von frischem Brot und Kräutern aus der Küche. Titus war natürlich als Erster wach. Wie immer. Der Siebenjährige stürmte die Treppe hinunter, noch bevor er richtig angezogen war. „Ich habe Hunger!“ Seine Stimme hallte durch das Haus. Marcus, der bereits am Tisch saß, hob den Kopf. „Das überrascht mich jetzt wirklich.“ „Warum?“ „Weil du erst vor ungefähr sechs Stunden das letzte Mal gegessen hast.“ „Das war gestern.“ „Eine ausgezeichnete Verteidigung.“ Titus setzte sich sofort neben seinen Großvater. „Gibt es Honig?“ „Ja.“ „Viel Honig?“ „Besorgniserregend viel.“ „Gut.“ Marcus reichte ihm die Schale. „Deine Mutter wird mich dafür verantwortlich machen.“ „Bestimmt.“ Wenige Minuten später erschien Luna. Noch etwas verschlafen. Die dunkle
Das Wasser des Atriumbrunnens plätscherte leise. Sonst war das Haus still. Cassius Severus stand reglos. Sein Blick ruhte auf dem Mann, der sich Varro nannte. Etwas an ihm wirkte falsch. Nicht äußerlich. Seine Kleidung war schlicht. Seine Haltung ruhig. Seine Stimme beinahe freundlich. Und genau das machte ihn gefährlich. Menschen wie Varro mussten nicht drohen. Sie wussten, dass ihre Worte ausreichten. „Ihr kennt Luna Aurelia.“ sagte Severus langsam. „Ja.“ „Woher?“ Varro lächelte leicht. „Aus Geschichten.“ „Geschichten?“ „Legenden.“ Severus spürte sofort, dass dies keine Antwort war. „Warum seid Ihr hier?“ Varro ging nicht darauf ein. Stattdessen trat er an den Brunnen. Seine Finger glitten über den Rand des Wassers. „Sagt mir etwas.“ begann er. „Als Ihr das Mädchen kennengelernt habt...“ Er hob den Blick. „War sie das Monster, das Rom erwartet hat?“ Severus antwortete ohne nachzudenken. „Nein.“ „Interessant.“ „Warum?“ „Weil Ihr früher anders geantwo
„Nein.“ Lunas Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Das kann nicht stimmen.“ Das silberne Blatt lag noch immer in ihren Händen. Plötzlich wirkte es schwer. Viel schwerer als zuvor. „Ich bin keine Hüterin.“ Niemand antwortete sofort. Der Garten lag still im Mondlicht. Selbst die Grillen schienen verstummt zu sein. „Ich bin nur Luna.“ Ihre Stimme zitterte. „Ich mache Fehler.“ „Ich verliere die Kontrolle über meine Magie.“ „Ich bekomme Angst.“ „Ich...“ Sie brach ab. Valeria war sofort bei ihr. Sie zog ihre Tochter in die Arme. Luna klammerte sich an sie fest. Wie damals, als sie noch klein gewesen war. Wie nach ihren Albträumen. Wie nach dem Angriff auf die Villa. Für einen Augenblick war sie nicht die Trägerin einer uralten Hoffnung. Nicht die Erbin des Purpurs. Nicht die mögliche Hüterin. Sondern einfach nur ein Kind. „Gut.“ sagte Marcus plötzlich. Alle sahen ihn überrascht an. „Gut?“ fragte Titus verwirrt. Marcus nic
Die Nacht legte sich still über die Sabiner Berge. In der Villa brannten nur noch wenige Lampen. Nach den Ereignissen des Tages waren selbst Marcus und Livia früher als gewöhnlich schlafen gegangen. Lucius hatte sich mit mehreren alten Schriftrollen in die Bibliothek zurückgezogen. Cassia saß am Kamin und wirkte nachdenklicher als sonst. Und draußen auf der Terrasse stand Valeria allein. Der Himmel war klar. Tausende Sterne funkelten über den Bergen. Für einen kurzen Moment erinnerte sie sich an die Nächte ihrer Kindheit. Damals war die Welt kleiner gewesen. Einfacher. Zumindest hatte sie das geglaubt. „Du denkst zu viel.“ Aurelian trat neben sie. Valeria lächelte. „Das sagt ausgerechnet du.“ „Ich denke niemals zu viel.“ „Natürlich.“ „Ich denke genau richtig.“ Sie musste lachen. „Das werde ich Luna erzählen.“ „Dann wird sie mich auslachen.“ „Wahrscheinlich.“ Aurelian legte einen Arm um ihre Schultern. Gemeinsam blickten sie in die Dunkelheit. Einige Augenblick
Die Abendsonne tauchte die Villa in warmes Gold. Und doch fühlte sich das Licht kalt an. Der schwarze Eisenring lag noch immer auf dem großen Eichentisch. Niemand hatte ihn berührt, seit Lucius ihn dort abgelegt hatte. Es war, als würde allein seine Anwesenheit den Raum verändern. Luna betrachtete ihn schweigend. „Er sieht gar nicht gefährlich aus.“ Cassia trat neben sie. „Das Gefährlichste sieht selten gefährlich aus.“ Das Mädchen hob den Blick. „Habt Ihr damals gegen sie gekämpft?“ Cassia schwieg lange. Schließlich nickte sie. „Nein.“ „Warum nicht?“ Ein trauriges Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „Weil ich nie wusste, gegen wen.“ Marcus schenkte Wein in mehrere Becher. Doch selbst er trank heute kaum. „Erzähl uns alles.“ Cassia strich mit den Fingern über den Rand ihres Bechers. „Vor vielen Jahren...“ begann sie langsam, „...verschwanden plötzlich ganze Familien.“ Titus hörte aufmerksam zu. „Entführt?“ „Nein.“ „Sie stritten sich.“ „Worüber?“ „Über alle
Rom, 42 v. Chr. – Die Kalenden des MärzDie Nacht lag schwer über dem Palatin, als hätte Venus selbst ihren Schleier aus purpurner Seide über die Stadt geworfen. Fackeln flackerten in goldenen Haltern, ihr Licht brach sich in den Marmorsäulen der Villa des Senators Lucius Cornelius und verwandelte
Der Frühling kam sanft in das versteckte Tal.Die Olivenbäume trieben zarte silbergrüne Blätter aus, wilde Blumen blühten in leuchtendem Gelb und Violett auf den Wiesen, und der Bach führte mehr Wasser als im Winter. Die alte Villa hatte sich in den letzten Monaten verwandelt – sie war kein verlass
Die Wochen im verborgenen Tal der Efeu wurden zu einer kostbaren, goldenen Zeit. Es fühlte sich an, als hätte das Tal selbst beschlossen, sie eine Weile zu beschützen. Die Sonne schien milder, der Wind war sanfter, und selbst die wilden Tiere hielten respektvollen Abstand. Valeria Aurelia Luna blü
Die Stille im Senat war erdrückend.Hunderte Augenpaare ruhten auf Livia und Marcus, die noch immer in der Mitte des großen Saals standen. Das purpurne Licht ihrer Bindung pulsierte langsam und gleichmäßig, als hätte es einen eigenen Herzschlag. Livias Hand lag schützend auf ihrem Bauch, wo das zar







