로그인Das Kratzen nackter Füße auf dem Hartholzboden war die einzige Warnung, die sie erhielt.Hazel hörte, wie er sich von der Kücheninsel abstieß. Seine Schritte waren leise, gemächlich, bedächtig. Jeder Schritt klang in ihren Ohren wie ein Countdown. Drei. Zwei. Eins.Er blieb direkt hinter ihr stehen.Er war so nah, dass die Luft um sie herum merklich wärmer wurde. Er berührte sie nicht – er suchte selten selbst den Kontakt, sondern quälte sie lieber mit seiner Nähe –, aber er war so nah, dass sie die feste, unbewegliche Wand seiner Brust spürte, die Hitze an ihrem Rücken ausstrahlte. Der dünne Baumwollstoff ihres viel zu großen Nachthemdes bot keinerlei Schutz vor der Wucht seiner Anwesenheit.Hazel erstarrte. Ihre Hände bewegten sich nicht mehr im Seifenwasser. Ihr Atem stockte, ein schmerzhafter Stich in der Kehle. Das Waschbecken, das Fenster, der helle Samstagmorgen draußen – alles verschwand, nur die überwältigende Reizüberflutung durch den Mann hinter ihr blieb zurück."Verzeihun
Hasel Das Essen hatte jeglichen Reiz verloren. Die fluffigen Rühreier sahen jetzt aus wie gelber Gummi, und der Toast fühlte sich in ihrem Mund wie Asche an. Hazel saß noch fünf Minuten auf der Sofakante und wischte sich mit einer Serviette den klebrigen Orangensaft vom Oberschenkel. Ihre Haut war gerötet und überempfindlich, wo die kalte Flüssigkeit sie getroffen hatte.Sie konnte ihn in der Küche hören. Das Klirren eines Glases. Das Rauschen des Wasserhahns. Das Geräusch seines Schluckens. Es machte sie wütend, wie genau sie jede seiner Bewegungen wahrnahm. Silas wohnte erst seit Kurzem bei ihnen, aber seine Anwesenheit hatte die Atmosphäre im Haus grundlegend verändert. Er war nicht nur der beste Freund ihres Bruders; er war eine eindringliche Kraft, eine dunkle Gewitterwolke, die sich dauerhaft über ihr zuvor ruhiges Leben gelegt hatte.Sie sammelte ihr ruiniertes Frühstück zusammen und trug ihren leeren Teller und das halbvolle Glas zurück in die Küche. Dort stellte sie beides m
Hasel Der Wecker. Er hatte gar nicht geklingelt, doch sein schriller, geisterhafter Nachhall hallte in Hazels Schädel wider und riss sie aus einem tiefen, traumlosen Schlaf. Das Bewusstsein kehrte nicht sanft zurück; es traf sie mit voller Wucht wie ein Schlag. Der Wecker, der Wecker, ich habe den Wecker verpasst.Noch bevor sie die Augen ganz geöffnet hatte, um das Licht im Zimmer wahrzunehmen, reagierte ihr Körper bereits auf den Adrenalinschub. Sie fuhr hoch, ihr Herz hämmerte in einem rasenden, pochenden Rhythmus gegen ihre Rippen. Ihre Beine rissen aus und verfingen sich augenblicklich in den dicken Baumwolllaken. Sie kämpfte wie ein gefangenes Tier gegen die Bettwäsche an, ein keuchender Laut entfuhr ihr, als sie blindlings nach etwas griff und mit den Knöcheln gegen den hölzernen Nachttisch schlug.„Nein, nein, nein …“, murmelte sie mit belegter, heiserer Stimme vor Müdigkeit. Ihre Finger, ungeschickt und zitternd, umschlossen endlich das kühle Metallgehäuse ihres Handys. Sie
Hasel Die Tür fiel hinter mir ins Schloss, und ich presste meinen Rücken fest dagegen, als könnte ich die ganze Welt aussperren. Als würde das Holz mit meiner Wirbelsäule verschmelzen und mich für immer hier einschließen – fern vom Flur, fern von der Treppe, fern von ihm.Meine Beine gaben nach, bevor ich mich bewusst dazu entscheiden konnte, mich hinzusetzen.Ich glitt langsam die Tür hinunter, die raue Tür streifte meine Schulterblätter, bis ich auf dem Boden aufschlug. Der Teppich war weich unter meinen Handflächen. Ich starrte ins Leere – auf den blassen Streifen meiner Zimmerwand, auf die Lichterkette, die ich im ersten Studienjahr am Fensterrahmen aufgehängt und nie abgenommen hatte. Sie war aus. Das Zimmer war in das trübe, körnige Grau des späten Nachmittags getaucht, und ich saß darin wie ein angespültes, vergessenes Etwas.Er weiß es.Der Gedanke hatte mich seit dem Moment nicht losgelassen, als Silas' Blick sich auf der Treppe mit meinem traf. Er war nicht verschwunden. Er
Hazels Sicht Die Heimfahrt kam mir wie die längsten sieben Minuten meines Lebens vor.Silas sagte kein Wort. Ich auch nicht. Die Stille zwischen uns war nicht die angenehme Art – nicht die, in die man sich wie in eine warme Decke an einem kalten Abend kuschelt. Es war eine andere Art. Eine, die einem die Luft abschnürt und einem den Atem raubt. Eine, die einem die Zähne förmlich in die Brust schlägt.Ich wandte mein Gesicht dem Beifahrerfenster zu und beobachtete, wie die Straßenlaternen in langen, orangefarbenen Streifen vorbeizogen. Mein Spiegelbild starrte mich aus dem dunklen Glas an – blass, mit hohlen Augen, ein Schatten meiner selbst. Ich wandte den Blick ab.Das Krankenhausarmband war noch immer an meinem Handgelenk. Seit wir den Parkplatz verlassen hatten, zupfte ich immer wieder an dem Plastikrand herum, bearbeitete ihn wie einen losen Faden, aber ohne Schere ging er einfach nicht ab. Jedes Mal, wenn ich ihn sah, drehte sich mir der Magen um. Ein handfester Beweis. Eine Spur
Silas' SichtIn der Schule war viel los gewesen, aber während der gesamten Rückfahrt konnte ich nur daran denken, wie jeder einzelne dieser Jungen sie angesehen hatte.Ich saß neben Hazel auf dem Rücksitz, während Leo fuhr, so nah, dass ihre Schulter jedes Mal gegen meinen Arm drückte, wenn der Wagen über eine Fahrbahnmarkierung fuhr, nah genug, um den zarten, süßlichen Duft dessen wahrzunehmen, was sie sich an diesem Morgen ins Haar gegeben hatte. Etwas Blumiges. Zartes. Ein Duft, der so nah an einem Mann wie mir eigentlich nichts zu suchen hatte, und doch war er da und drang in meine Lungen, als wäre er schon immer dorthin gehört worden.Ich hatte nicht viel gesagt. Das tue ich selten. Aber ich hatte zugeschaut.Ich beobachtete, wie sie an jeder roten Ampel an ihrem Rocksaum herumzupfte und ihn mit zwei Fingern tiefer zog, ohne zu ahnen, dass diese Geste nur noch mehr Aufmerksamkeit auf ihre Beine lenkte. Ich sah, wie Leo in den Rückspiegel blickte und etwas über ihre Ausgangssperre







