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Die Blutbeücke

Author: Kashimasu
last update Last Updated: 2026-01-28 18:26:29

Kapitel 5

(Perspektivwechsel – Draven / Wölfe / ritualisierte Gegenwart)

Der Ort war absichtlich falsch gewählt. Kein Kreis aus Stein. Kein Altar. Kein heiliger Boden. Nur Schlamm, Wurzeln und verrottetes Laub. Ein Hohn auf jede Ordnung, vampirisch wie hexisch. Draven stand barhäuptig unter den knorrigen Ästen der alten Eiche, deren Stamm von Blitzen gespalten war. Ein Baum, der nie hätte überleben dürfen. Wie sie. Der Mond stand tief. Blutmond. Perfekt.

„Bringt sie näher“, sagte Draven ruhig.

Die Wölfe zögerten. Nicht aus Mitleid. Aus Instinkt. Skylar Vespera roch nicht wie Beute. Nicht wie Feind. Ihre Magie flackerte, unruhig, wie ein verletztes Herz. Zwei Krieger hielten sie an den Armen. Sie kämpfte nicht. Das war schlimmer.

„Ihr braucht das nicht zu tun“, sagte sie leise. Nicht flehend. Feststellend.

Draven trat vor sie. Sein Blick glitt über ihr Gesicht, als würde er etwas bewundern, das ihm nicht gehörte, noch nicht.

„Doch“, erwiderte er. „Ihr seid der Preis.“

Er zog ein Messer. Kein Silber. Kein geweihtes Metall. Knochen. Alt. Geschwärzt vom Blut früherer Pakte. Als er die Klinge hob, begann der Wald zu reagieren. Die Erde bebte leicht. Die Wölfe knurrten. Skylar atmete einmal tief ein.

„Er wird dich töten“, sagte sie zu Draven. „Wenn du das tust.“

Draven lächelte. „Er wird es versuchen.“

Er schnitt. Nicht tief. Nicht tödlich. Präzise. Direkt unter ihrem Schlüsselbein. Blut quoll hervor, dunkel, schimmernd, durchzogen von einem violetten Leuchten. Hexenblut. Verflucht von Geburt an. Ein Wolf stöhnte auf. Ein anderer sank auf die Knie. Die Magie schlug Wellen.

„Jetzt“, sagte Draven.

Er rammte die Klinge in seine eigene Hand. Tiefer. Brutaler. Vampirblut tropfte auf den Boden, vermischte sich mit ihrem. Die Erde sog es gierig auf. Die Wurzeln der Eiche begannen zu leuchten.

„Hört zu“, rief Draven und breitete die Arme aus. „Dies ist keine Gefährtenbindung. Kein Liebesritual. Kein Schwur.“

Er kniete nieder und presste seine blutende Hand auf den Boden zwischen ihnen.

„Dies ist eine Brücke.“

Der Alpha trat vor. „Eine Brücke wohin?“

Draven hob den Blick. Seine Augen glühten. „Zu ihr.“

Skylar keuchte. Ihr Körper spannte sich an, als hätte man unsichtbare Fäden in sie gehakt. Ihre Magie schrie auf. Erinnerungen explodierten in ihrem Geist, nicht ihre eigenen. Fremde. Alte. Blutige.

„Nein“, flüsterte sie. „Du darfst nicht—“

Draven sprach die Worte nicht laut. Er dachte sie. Ein Wolfsritual, verdreht. Eine alte Technik, mit der Alphas ihr Rudel lenkten. Draven nutzte sie anders. Er zog keine Loyalität. Er verankerte sich. Skylar schrie. Nicht laut. Innerlich. Ihre Knie gaben nach. Die Wölfe hielten sie fest, während ihr Körper bebte. Blut rann über ihre Haut, tropfte in den Schlamm. Die Eiche ächzte. Ein Ast brach ab und krachte zu Boden. Draven stöhnte leise auf. Die Verbindung schnappte zu. Er sah, was sie sah. Fühlte, was sie fühlte. Ein Baby im Kreis. Blut, das auf Haut tropfte. Hände, die nicht trösteten.

„Ah“, murmelte er. „Also so.“

Skylar weinte nicht. Tränen waren zu klein für das, was geschah.

„Du bist nicht mein König“, presste sie hervor.

Draven beugte sich zu ihr hinab. Seine Stirn berührte fast ihre. „Nein. Ich bin schlimmer.“

Er biss sich in den Unterarm und presste die Wunde gegen ihre. Vampirblut vermischte sich mit Hexenblut. Die Brücke festigte sich. Kein Band der Liebe. Ein Haken. Skylar schrie diesmal laut. Ein Wolf heulte. Ein anderer brach zusammen, Schaum vor dem Maul. Die Magie forderte ihren Preis. Immer. Als es vorbei war, sackte Skylar in sich zusammen. Bewusstlos. Blass. Gezeichnet. Draven stand schwankend auf. Sein Atem ging schwer.

„Was hast du getan?“ fragte der Alpha leise.

Draven sah auf Skylar hinab. Besitzlos. Berechnend.

„Ich habe mir Zugang verschafft“, sagte er. „Zu Ravencroft. Zu meinem Bruder.“

Er sah zum Mond hinauf.

„Und wenn er sie berührt“, fuhr er fort, „spüre ich es. Wenn sie leidet, sehe ich es. Wenn sie stirbt…“

Er lächelte langsam.

„…dann wird er es auch.“

Der Wald schwieg. Die Blutbrücke stand. Und tief in Ravencroft fuhr Dilan D’Arcy plötzlich zusammen, ohne zu wissen, warum sein Herz dieses tote, unsterbliche Ding, sich anfühlte, als hätte jemand einen Riss hineingeschlagen.

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