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Die erste Beichte

Author: Kashimasu
last update Last Updated: 2026-01-28 18:17:38

Kapitel 3

(Dilan D‘Arcy)

Die Nacht war stiller als sie sein sollte. Nicht friedlich. Wachsam. Ravencroft schlief nie wirklich, doch in manchen Stunden hielt selbst die Festung den Atem an. Als wüsste sie, dass Erinnerungen schwerer wiegen konnten als Kriege. Skylar saß auf der Kante meines Bettes. Nicht neben mir.

Nie neben mir, wenn es um Wahrheit ging. Das Feuer im Kamin war fast heruntergebrannt. Glut glomm wie sterbende Augen. Ihr Licht legte sich über ihre Haut und ließ sie blasser wirken als sonst. Zerbrechlicher. Und doch wusste ich, dass nichts an ihr zerbrach, ohne einen Preis zu fordern.

„Sag mir, wenn es zu viel wird“, sagte ich.

Sie lächelte schwach. „Es ist immer zu viel.“

Dann hob sie den Blick. Und ich sah es sofort. Sie hatte bereits begonnen. Ihre Augen waren nicht ganz hier. Nicht ganz jetzt. Ich trat näher. Setzte mich ihr gegenüber. Langsam, als könnte jede hastige Bewegung die Erinnerung vertreiben oder sie tiefer schneiden lassen.

„Wie alt warst du?“ fragte ich leise.

Skylar schloss die Augen.

„Ich war… noch kein Jahr alt“, flüsterte sie. „Ich weiß, wie unmöglich das klingt.“

Ich schüttelte den Kopf. „Nichts ist unmöglich.“

Ein Zittern ging durch sie.

„Ich erinnere mich nicht in Bildern“, fuhr sie fort. „Nur in Empfindungen. Kälte. Hände. Blut, das nicht meines war.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Sie hielten mich in einem Kreis“, sagte sie. „Meine Mutter stand außerhalb. Sie durfte mich nicht berühren.“

Ich sah es vor mir, obwohl ich es nicht wollte. Hexenkreise waren alt. Älter als mein Clan. Und grausam, wenn sie Schutz bedeuteten.

„Sie sagten, ich sei… geeignet“, flüsterte Skylar. „Ein Gefäß. Ein Anker.“

Ihre Hände verkrampften sich im Stoff ihres Kleides. Ich griff nach ihnen, zögerte und tat es dann doch. Ihre Haut war kalt. Kälter als sonst.

„Was haben sie getan?“ fragte ich.

„Sie schnitten sich“, sagte sie tonlos. „Und ließen ihr Blut auf mich tropfen. Nicht viel. Nur genug, um mich zu markieren.“

Ich spürte, wie etwas in mir riss.

„Magie, die so früh wirkt“, murmelte ich, „verändert alles.“

„Ja“, sagte sie. „Ich habe nie geträumt wie andere Kinder. Ich habe… erinnert.“

Ihr Atem ging schneller. Schweiß perlte an ihrer Stirn.

„Skylar“, warnte ich.

„Noch nicht“, flüsterte sie hastig. „Ich muss es sagen, bevor es weg ist.“

Ich sah, wie ihre Pupillen flackerten. Die Gegenwart begann, sich von ihr zu lösen.

„Sie flüsterten meinen Namen“, fuhr sie fort. „Immer wieder. Damit ich ihn nie vergesse. Damit ich nie… mir selbst gehöre.“

Sie keuchte plötzlich auf. Ihr Körper krümmte sich leicht, als hätte etwas Unsichtbares sie gepackt.

„Der Preis“, sagte ich hart.

Sie nickte. „Ich verliere… etwas.“

Ich spürte es. Ihre Erinnerung glitt mir durch die Finger.

„Welchen Tag ist heute?“ fragte ich scharf.

Sie öffnete die Augen. Leer. Suchend.

„Ich…“

Ein Zittern.

„Ich weiß es nicht.“

Fluchend zog ich sie an mich. Nicht als König. Nicht als Vampir. Einfach als jemand, der nicht zusehen konnte, wie sie verschwand. Ihre Stirn sank gegen meine Brust.

„Bleib hier“, befahl ich leise. „Atme.“

Ich ließ meine Macht fließen. Nicht heilend, stabilisierend. Das Feuer im Kamin flackerte auf. Die Schatten wichen zurück. Langsam entspannte sie sich.

„Ich habe den heutigen Morgen verloren“, sagte sie schließlich tonlos.

Ich schloss die Augen. Ein Tag. Für eine Erinnerung aus dem Babyalter. Wie viele Tage hatte sie noch. Ich hob ihr Kinn an, zwang sie, mich anzusehen. „Du wirst mir alles erzählen“, sagte ich ruhig. „Aber nicht um jeden Preis.“

Sie sah mich an, und in ihrem Blick lag etwas Unendlich Trauriges.

„Doch“, flüsterte sie. „Genau darum geht es.“

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