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Die Enthüllung

Autor: Mira Writes
last update Data de publicação: 2026-10-14 11:30:53

Monas Perspektive:

„Wer in aller Welt ist wer?", erwiderte sie und hielt in ihrer Arbeit inne, um mich anzusehen.

„Er", sagte ich und neigte den Kopf in Richtung des grünäugigen Mannes, der gerade ein kicherndes Kind auf seine Schultern hob.

„Ach", lachte Keisha und folgte meinem Blick. „Du meinst Kade?"

„Ähm …", zog ich das Wort in die Länge, die Augen noch immer auf ihn geheftet. „Wenn wir von dem gefährlich attraktiven Mann reden, der gerade auf einem Motorrad angebraust kam, dann ja, ich meine Kade."

„Du spinnst", kicherte sie. „Na ja … Das ist mein Cousin. Onkel Sebastians Sohn."

Ich riss den Kopf zu ihr herum. „Warte, du meinst, er ist der Sohn des Mannes, dem wir alle aus dem Weg gehen sollen?"

„Jep", bestätigte sie und machte sich wieder an die Arbeit. „Genau dieser Onkel."

„Wow", erwiderte ich fassungslos.

„Aber warte, warum hast du mir nie von deinem Cousin erzählt?", fuhr ich fort, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

„Mona, bitte", lachte sie und schob mich zur Seite. „Was gibt's da zu erzählen?"

„Alles, Keish. Jede einzelne Sache."

„Du bist unglaublich." Sie schüttelte den Kopf und nahm mir die Teller ab.

„Er ist aber schon irgendwie sexy", gab ich zu und kratzte mich verlegen im Nacken, während ich ihn beobachtete.

Ihr Kopf schnellte hoch.

„Okay, mal langsam." Sie hob eine Hand. „Ich weiß, dass du wegen Marcello gerade viel durchmachst, aber glaub mir, Kade ist kein Material für eine Trostaffäre."

„Und was soll das heißen?" Ich trat einen Schritt zurück, eine Augenbraue hochgezogen.

„Es heißt genau das, was du denkst. Ich will nicht, dass dir noch einmal das Herz gebrochen wird."

*Herzschmerz?*

Bitte. Mit meinem Herzen hatte das nichts zu tun. Ich brauchte nur jemanden, der die ganz bestimmten, ganz körperlichen Lücken füllte, die Marcello jahrelang offen gelassen hatte.

Und dem Aussehen nach zu urteilen schien Mr. Kade für den Job bestens qualifiziert.

„Ich glaube nicht, dass du dir deswegen Sorgen machen musst, Keish", sagte ich, winkte ab und beugte mich dann zum Flüstern vor. „Ich brauche nur jemanden, der mich zurück ins Leben vögelt. Jemanden, der …", ich täuschte ein Husten vor, bevor ich fortfuhr, „… eine gründliche Untersuchung da unten durchführt."

Ihre Hände flogen zu ihrem Mund, ihre Augen weiteten sich vor Schock, bevor sie in unterdrücktes Lachen ausbrach, den Kopf schüttelte und mit dem Finger vor mir wedelte.

„Mona, auf keinen Fall –"

„Sei keine Spaßbremse, Keisha." Ich unterbrach sie. „Du warst diejenige, die mir gesagt hat, ich soll herkommen und heilen, oder etwa nicht?"

„Ja, aber ich habe nicht gemeint, dass du mit meinem Cousin ‚heilen' sollst!"

„Sobald die Hochzeit vorbei ist, gehen wir getrennte Wege", sagte ich mit einem schelmischen Lächeln. „Ohne Verpflichtungen."

„Mädel, er hat noch nicht mal mit dir gesprochen und du planst schon, –"

„Guten Abend, die Damen."

Die raue, lockere Stimme durchschnitt unser zischelndes Gespräch. Wir drehten uns beide um.

Er war es.

Der grünäugige Biker.

Ich schluckte. Schwer.

Ein langsames, wissendes Grinsen zog an seinen Lippen, als hätte er etwas gehört, das nicht für seine Ohren bestimmt war.

*Fuck.*

„Hmm", machte Keisha, ein selbstsicheres Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während sie die Arme verschränkte. Sie wirkte völlig unbeeindruckt, während ich verlegen neben ihr stand, meine Kühnheit restlos verflogen. „Ich hätte nicht gedacht, dass du dich zu meinem Abschiedsessen blicken lässt."

„Warum sollte ich die große Nacht meiner kleinen Cousine verpassen?", sagte er, sein Lächeln charmant.

„Ach, bitte", winkte sie ab. „Tu nicht so. Ich weiß, dass dein Vater dich gezwungen hat zu kommen."

„Hmm", zuckte er mit den Schultern. „Vielleicht hast du recht. Vielleicht auch nicht."

Keisha verdrehte die Augen. Ich wandte den Kopf ab und fühlte mich wie ein Eindringling in einem privaten Familiengeplänkel.

*Wo ist meine ganze Kühnheit hin? Göttin, erbarme dich.*

„Du hast schöne Augen", hörte ich ihn neben mir sagen.

„Du bist so ein Spinner", lachte Keisha. „Seit wann machst du mir Komplimente?"

„Ich rede nicht von dir, Dummerchen", erwiderte er, seine Stimme wurde ein wenig tiefer. „Ich meine deine Freundin."

Was zum …

Mein Kopf schnellte zu ihnen zurück.

„Wen?", fragte Keisha.

„Sie", sagte er, sein Blick direkt auf meinen gerichtet.

Meine Wangen färbten sich glühend rot. Plötzlich fühlte es sich auf dem offenen Platz zehn Grad heißer an.

„D-danke", stotterte ich und nickte schüchtern.

„Haben wir uns schon mal getroffen?", fragte er, die Stirn in neugieriger Intensität gerunzelt.

„N-nein, ich glaube nicht." Mehr brachte ich nicht heraus.

„Hmm", brummte er, ein tiefer, nachdenklicher Laut. Dann streckte er die Hand aus. „Ich bin Kade. Und du bist?"

Ich legte meine Hand in seine, meine Haut kribbelte bei der Berührung. Seine Augen ließen meine nicht los.

„Ich bin Mona."

„Ähem." Keisha räusperte sich demonstrativ. „Ich gehe dann mal … nachsehen, ob sie in der Küche Hilfe brauchen."

„Klar", nickte ich und hörte sie kaum.

Als sie hinter Kade vorbeiging, machte sie eine scharfe, spielerische „Ich-beobachte-dich"-Geste und zeigte mit zwei Fingern von ihren Augen auf mich. Mir entwich ein Kichern, bevor sie sich endlich umdrehte und verschwand, und mich allein ließ mit dem grünäugigen Sturm.

„Ich schätze also, es ist dein erstes Mal in unserem Familienhaus?", fragte er und ließ endlich meine Hand los.

„Ja", lachte ich leise und nickte. „Ich konnte Keishas große Nacht unmöglich verpassen."

„Verstehe", kicherte er, nickte und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

*Verdammt. Sein Lächeln war verheerend.*

„Aber du lebst in Nightfang, richtig?", fuhr er fort, seine Augen neugierig, während er die Arme verschränkte. Die Bewegung ließ die Muskeln unter seinem Hemd spannen.

*Oh, Scheiße.*

Ich konnte ihm nicht die Wahrheit sagen – dass ich aus Blackwood kam, dass ich die Luna eines anderen Rudels war, dass ich rechtlich an einen anderen Mann gebunden war. Es ihm zu sagen, würde jede Tür zuschlagen, bevor ich überhaupt hindurchgetreten war. Wenn Marcello ein Geheimnis leben durfte, dann ich auch.

„Ja, tue ich", log ich geschmeidig. „Es ist nur … ziemlich weit weg von hier."

„Das ist kein Problem", grinste er. „Ich würde jede Entfernung auf mich nehmen, um diese schönen Augen weiter zu sehen."

Ich zwang mir ein leichtes Kichern ab, mein Puls beschleunigte sich.

„Also …", zog er das Wort in die Länge und steckte die Hände in die Taschen. „Ich nehme an, wir sehen uns beim Abendessen?"

Ich nickte. „J-ja."

Er trat langsam einen Schritt zurück, sein Blick hielt meinen für einen letzten, aufgeladenen Moment fest, bevor er sich schließlich umdrehte und davonging.

Ich schloss die Augen und holte tief, beruhigend Luft. Sein Duft – Gewürz, Leder und wilde Kiefer – hing noch in der Luft.

*Götter, davon brauchte ich etwas in mir.*

Gerade als ich die verblassende Wärme des Moments genoss –

„Onkel Sebastian ist zu Hause!!!", kreischte ein Chor von Kinderstimmen von der Vorderseite des Hauses.

Mein Herz machte einen seltsamen, ängstlichen Satz bei ihrem Singsang. Ich wusste nicht, ob es die Furcht war, die Keisha mir eingepflanzt hatte, oder der plötzliche Schrecken, er könnte zum Hindernis zwischen mir und Kade werden.

So oder so, ich weigerte mich, mich aufhalten zu lassen. Kade war zu magnetisch, eine zu perfekte Ablenkung, um sie wegen irgendeines einschüchternden Onkels zu verlieren. Wir würden einen Weg finden.

„Mona!"

Eine Stimme riss mich aus meinen Plänen.

„Ja?" Ich drehte mich um und sah Keisha auf mich zustürmen.

Sie packte meine Hand und zog mich mit sich, während sie sich zum Flüstern vorbeugte. „Erstens schuldest du mir alle Details über Kade. Aber jetzt musst du erst mal meinen Onkel kennenlernen. Ich habe dich in den höchsten Tönen angepriesen, und er will dich kennenlernen."

„Will mich kennenlernen?", lachte ich skeptisch.

„Okay, vielleicht ist ‚will' ein starkes Wort", zuckte sie mit den Schultern. „Aber er hat anständige Laune, und ich habe den Weg geebnet. Sei einfach höflich."

„Ich dachte, du hast gesagt, er ist intensiv."

„Ist er", bestätigte sie. „Aber heute scheint er … anders zu sein. Komm."

Sie lotste uns durch die Menge der versammelten Familie, ihr Griff an meinem Handgelenk fest. Er stand mit dem Rücken zu uns und sprach leise mit einem Kind.

„Onkel, sie ist da!", verkündete Keisha strahlend.

Er drehte sich um.

Und in diesem einen, schwebenden Moment blieb die Welt stehen.

Er war es.

Keishas Onkel, der griesgrämige Alpha, dem ich aus dem Weg gehen sollte … war der goldäugige Fremde aus der Bar.

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