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Kapitel 51: Die Fremde 4

Author: Déesse
last update publish date: 2026-03-15 20:18:34

Laurence

Das Aufwachen war eine langsame, klebrige Folter. Jedes Geräusch – der Telefonwecker, das Quietschen der Busbremsen auf der Straße – ließ einen Nerv hinter meinen Augen vibrieren. Ich hatte nicht geschlafen. Ich war zeitweise in eine Benommenheit gesunken, bevölkert von Körpern an Glas und stahlgrauen Blicken, die mich entkleideten. Ich stand auf, der Körper schwer, der Kopf voll schmutziger Watte.

Ich schleppte mich. Unter der heißen Dusche reinigte nichts. Es ließ die Erinnerungen an
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    DamonSie weint. Sie lacht. Sie weint lachend. Sie wirft sich in meine Arme, küsst mich überall, sagt hundertmal Ja, tausendmal, ohne Unterlass.Ich stecke ihr den Ring an den Finger. Sie zittert. Ich zittere. Wir zittern zusammen.– Ich liebe dich, Damon, sagt sie an meinem Hals.– Ich liebe dich, Frau meines Lebens.– Ich bin noch nicht deine Frau.– Du bist es seit der ersten Nacht.---Der Hochzeitstag.Es ist klein. Es ist intim. Es sind wir.Ungefähr dreißig Leute. Ihre Freunde, ihre Mutter, ihr Vater, der schon weint. Meine Brüder im Geiste, mein ehemaliger Kommandant, und sonst niemand. Meine Familie, das sind sie. Meine Familie, das ist sie.Sie kommt den Gang entlang. Sie ist in Weiß, aber nicht zu sehr. Schlicht, elegant, leuchtend. Sie sieht mich an, und in ihren Augen sehe ich alles. Unsere erste Nacht, unseren ersten Morgen,

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    Damon1 Jahr später.Ich habe sie keine Sekunde aus den Augen gelassen.Wir sind in unserer Wohnung. Unserer. Nicht meiner, nicht ihrer. Unserer. In Montmartre, mit einem Blick auf Paris, der mich jedes Mal an Venedig erinnert, wenn ich aus dem Fenster sehe. Sie hat die Möbel ausgesucht, ich habe die Küche eingerichtet. Sie hat ihre Pflanzen mitgebracht, ich meine Bücher. Unsere Leben sind nahtlos verschmolzen, als wären sie immer dazu bestimmt gewesen, eins zu werden.Heute Abend kocht sie. Sie trägt eines meiner T-Shirts, viel zu groß für sie, und sonst nichts. Ihre nackten Füße auf den Fliesen, ihre Haare zu einem lockeren Knoten hochgesteckt, tanzt sie zu einer Musik, die ich kaum höre. Sie probiert die Soße mit der Löffelspitze, schließt die Augen, lächelt. Sie ist zu Hause. Sie ist bei uns.Ich lege mein Buch weg. Ich sehe sie an. Wirklich.&nd

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    LaurenceDann stehe ich auf. Ich nehme meine Taschen. Ich schließe die Tür hinter mir.Ich gebe die Schlüssel beim Hausmeister ab.– Sie gehen, Madame Laurence?– Ja, Monsieur Roger. Ich gehe.– Kommen Sie wieder?– Nein. Ich glaube nicht.Er sieht mich an. Seine alten, müden Augen. Er hat so viele Mieter gehen sehen. So viele Leben vorbeiziehen sehen.– Viel Glück, Madame Laurence.– Danke, Monsieur Roger. Passen Sie auf sich auf.Ich gehe raus. Ich atme. Die Luft ist kalt, aber lebendig.Ich gehe zu dem Auto, das Damon mir geliehen hat. Ein kleines, unauffälliges Ding, damit ich mobil bin.Ich lade meine Sachen ein. Ich starte.Ich durchquere Paris. Ich fahre an Orten vorbei, die wichtig waren. Das Restaurant vom ersten Date mit Mathieu. Das Kino, in das wir sonntags gingen. Die Straße, in der er mir einen

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    LaurenceMeine Stimme zittert. Ich weine nicht. Ich zittere.– Also habe ich zugeschlagen. Ich weiß nicht wie. Ich weiß nicht warum. Mein Körper hat sich einfach bewegt.– Das hast du gut gemacht.– Glaubst du?– Ich glaube, dass Gewalt nie eine Lösung ist. Aber ich glaube auch, dass sie manchmal die einzig mögliche Antwort auf das Unaussprechliche ist. Auf das Unakzeptable.Ich sehe ihn an. Er hat ernste Augen. Wirklich. Er verurteilt mich nicht. Er verharmlost nicht. Er ist einfach da.– Hast du das auch schon gemacht?, frage ich. Jemanden geschlagen?Er wendet den Blick ab. Einen Moment. Nur einen Moment.– Ja.– Wen?– Meinen Vater.Das Wort fällt zwischen uns. Schwer. Dicht. Geladen mit all dem, was er nicht sagt.– Hat er es verdient?– Er hat es verdient.Ich stelle ke

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    LaurenceIch werde rot. Ich. In meinem Alter. Ich werde rot wie ein Teenager.– Hör auf.– Ich sage, was ich sehe.Er stellt einen Teller vor mich hin. Einen Stapel goldbrauner Pancakes, Butter schmilzt darauf, Ahornsirup daneben.– Iss.Ich setze mich. Ich esse. Es ist köstlich. Es ist warm. Es ist tröstlich.Er setzt sich mir gegenüber. Er sieht mir beim Essen zu. Ohne zu sprechen. Trinkt nur seinen Kaffee.– Warum siehst du mich so an?, frage ich mit vollem Mund.– Weil du Hunger hast. Weil du mit Appetit isst. Weil du lebendig bist.Ich lege meine Gabel hin.– Damon.– Ja?– Warum tust du das alles?– Was?– Das. Mich mitten in der Nacht abholen. Mich zu dir nach Hause bringen. Mir Pancakes machen. Mich ansehen, als ob... als ob ich...– Als ob du was?– Als ob ich

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