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Kapitel 4

Author: Sansa
Julian lief mir nach, um mich zu verabschieden.

Im Aufzug fing er plötzlich an:

„Meine Mutter hat das nicht so gemeint.“

„Was?“

Er schwieg einen Moment.

„Dass Jasmin sie Mama nennen soll. Sie hat das nicht so gemeint.“

Ich lächelte.

Dann hob ich meine Hände und betrachtete sie von allen Seiten.

„Bei unserem ersten Treffen hat deine Mutter gesagt, ich bin hübsch. Und dass ich schöne Hände habe, denen man ansieht, dass sie noch nie arbeiten mussten.“

„Danach hat sie mich bei jedem Besuch in die Küche gerufen, kaum dass ich saß.“

„In sieben Jahren habe ich bei euch 78 Mal das Geschirr gespült.“

„Und Jasmin? Deine Mutter hat sie beim Essen nicht einmal Wasser einschenken lassen.“

Julians Miene veränderte sich leicht.

„Leni, Jasmin ist ein Gast.“

„Und Gäste sollen deine Mutter Mama nennen?“

Julian schwieg.

Ich fragte weiter:

„Von wem kam die Idee mit den Hochzeitsmandeln?“

Er erstarrte.

„Von Jasmin. Damit etwas vom Glück auf dich abfärbt.“

„Und du hast sie nicht aufgehalten?“

„Ich habe mir nichts dabei gedacht ...“

Wieder lächelte ich.

In sieben Jahren hatte ich diesen Satz aus seinem Mund unzählige Male gehört.

Wenn er meinen Geburtstag verpasste: „Zu viel Arbeit, ich habe mir nichts dabei gedacht.“

Wenn er mir zum Jahrestag dasselbe Armband schenkte wie Jasmin: „Ist doch dieselbe Marke, ich habe mir nichts dabei gedacht.“

Sogar beim Heiratsantrag hatte er den Ring eine Nummer zu groß gekauft.

Auch dafür dieselbe Erklärung: „Solche Kleinigkeiten merke ich mir nicht, ich habe mir nichts dabei gedacht.“

Ob er sich wirklich nie etwas dabei dachte, weiß ich bis heute nicht.

Inzwischen war es mir zu mühsam, mich damit aufzuhalten.

Ich stellte ihm nur eine einzige Frage:

„Julian, wenn du es dir mit der Hochzeit anders überlegst, ist es jetzt noch nicht zu spät.“

Seine Miene kippte, mit einem Schlag wurde er ernst.

Seine Linke schloss sich hart um mein Handgelenk.

„Lena, red keinen Unsinn! Wir sind seit sieben Jahren zusammen. Wen willst du denn sonst heiraten?“

„Wenn dir die Mandeln nicht passen, werfe ich sie weg. Aber diesen Satz mag ich nicht. Nimm ihn zurück.“

Ich sah ihn an, so wütend, wie ich ihn selten erlebt hatte, und verzog nur leicht den Mund.

„Alles klar.“

Ich trat aus dem Aufzug und ließ ihn hinter mir stehen.

Am Abend schickte ich das letzte Gepäckstück aus der Wohnung fort.

Während ich Klara ein Foto davon schickte, kam eine Nachricht von Julian:

„Bist du noch sauer?“

„Ich habe mit meiner Mutter geredet. Sie lässt dich nie wieder abspülen.“

Ich antwortete nicht.

Er schrieb weiter:

„Noch zwölf Stunden, dann heiraten wir. Freust du dich, Leni?“

Ich saß mitten in dem leeren Wohnzimmer, in dem nichts mehr an eine Hochzeit erinnerte, zögerte und antwortete doch nicht.

Klara leitete mir einen Artikel weiter.

„Diese Mistkerle! Sieh dir das sofort an!“

Ich öffnete ihn. Eine Meldung aus einer Schweizer Lokalzeitung.

„Die Hochzeit des Jahres – der Bräutigam sagt: Wahre Liebe ist unbezahlbar“

In zweitausend Wörtern schwärmte der Reporter von Julians und Jasmins Hochzeit.

Dazu ein Foto von Julian beim Interview.

Der Reporter fragte ihn:

„Warum haben Sie für die Feier ausgerechnet die Schweiz gewählt?“

Julians Antwort:

„Weil meine Frau es sich so gewünscht hat.“

Ich lud den Artikel herunter und speicherte ihn.

Dann öffnete ich Julians Chat und antwortete:

„Sehr sogar.“

Danach zog ich den Verlobungsring ab.

Ich legte ihn auf den Couchtisch.

Daneben stand sein Laptop.

Ich bewegte die Maus, gab den Link ein, den Klara mir geschickt hatte, und ließ die Seite mit dem Bericht über seine Hochzeit mit Jasmin offen stehen.

Ein letzter Blick in die Wohnung. Dann machte ich das Licht aus und ging.

Unten wartete Klara schon im Auto.

„Wohin?“

„Zum Flughafen.“

Der Wagen fuhr aus der Wohnanlage. Ich sah mich nicht um.

Das Handy stellte ich auf lautlos.

Leb wohl, meine sieben Jahre.

Am nächsten Morgen um acht.

Julian kam mit Jasmin und der Verwandtschaft zur Wohnung, um die Braut abzuholen.

In dem Moment, als die Tür aufging, stockte allen der Atem.

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