Mag-log inNach dem Schulabschluss postete ich eher beiläufig etwas im Internet: „Gilt es eigentlich als erwachsen, wenn ich nicht mehr auf dich angewiesen bin?“ Fast augenblicklich erschien der Kommentar meines Freundes aus Kindertagen: „Das muss gefeiert werden.“ Ich verstand den Kommentar nicht und schickte meinem Freund ein Fragezeichen. Eine Weile später kam seine Antwort. „Mara Kessler, weißt du eigentlich, dass alle sagen, du klebst wie eine Klette an mir?“ „Die Schule ist vorbei. Du musst nicht mehr jeden Tag an mir hängen.“ „Lern, auf eigenen Beinen zu stehen. An der Uni hat niemand Geduld mit so einem Riesenbaby.“ Gleich darauf schickte er mir einen Downloadlink. „Du hast eine Frage? Dann frag die KI. Die hilft dir mehr, als dich ständig auf mich zu verlassen.“ Und so schob mich der Junge, der sich zwölf Jahre lang um mich gekümmert hatte, einfach an eine KI-App ab. Lange saß ich wie erstarrt da. Dann lud ich sie schweigend herunter.
view moreVon diesem Tag an versuchte Brett auf jede erdenkliche Weise, sich zu entschuldigen. Er schickte mir lange Nachrichten und bat Sally, vor meiner Tür für ihn zu sprechen. Dabei ließ er sie immer wieder unsere Versprechen aus Kindertagen und früheren Pläne erwähnen.Unablässig beteuerte er, sein Wort zu halten und sich für den Rest seines Lebens um mich zu kümmern.Schließlich bat ich Sally, Brett eine einzige Nachricht auszurichten.„Ich bin erwachsen geworden. Ich brauche niemanden mehr, der auf mich aufpasst oder mich beschützt.“Danach meldete Brett sich nicht mehr.Zwei Wochen später erfuhr ich von einer früheren Mitschülerin, dass Brett Kingsley aufgegeben und sich stattdessen in Northgate beworben hatte. Es berührte mich nicht. Ich suchte weder nach ihm noch fragte ich nach dem Grund.Brett war erwachsen. Wir hatten beide unseren eigenen Weg gewählt. Mehr gab es dazu nicht zu sagen.Unerwartet erhielt ich am Abend vor Semesterbeginn eine Nachricht von Wes.„Morgen beginnt
Doch früh am nächsten Morgen kam Sally zu mir.Sally saß auf dem Sofa. In ihrer Stimme lagen Hilflosigkeit und Sorge. „Mara, Brett ist seit gestern völlig neben sich. Er hat sich den ganzen Tag in seinem Zimmer eingeschlossen, isst nicht und schläft nicht. Nicht einmal seine Bewerbung hat er ausgefüllt. Sie ist noch vollkommen leer.“„Habt ihr euch gestritten? Ihr steht euch seit so vielen Jahren nahe. Ganz gleich, was passiert ist, sprecht miteinander. Lasst nicht zu, dass eure Sturheit euch im Weg steht.“Ruhig schüttelte ich den Kopf. „Wir haben uns nicht gestritten, Sally. Wir sind einfach erwachsen geworden. Ich habe jetzt meine eigenen Gedanken und Pläne für mein Leben. Ich will nicht länger an den Schatten eines anderen gebunden sein.“Sally sah mich an und seufzte. Offenbar verstand sie, was ich meinte.Nachdem sie gegangen war, nahm ich mein Handy und scrollte durch die sozialen Medien. Gleich als Erstes sah ich einen neuen Beitrag von Tiana. Das Foto zeigte einen Univers
Einige Tage nach meiner Rückkehr wurden die Ergebnisse der Hochschulaufnahmeprüfung veröffentlicht. Am selben Abend trafen sich unsere beiden Familien bei uns zu Hause zum Essen. Der Tisch war reich gedeckt, und es herrschte eine warme, lebhafte Stimmung.Alle gingen von demselben Plan aus. Brett und ich waren zusammen aufgewachsen, hatten stets ähnlich gute Noten erzielt und uns als Kinder etwas versprochen: Wir würden uns beide an der Kingsley University bewerben, weiterhin aufeinander achtgeben und an derselben Universität studieren.Sally nahm am Tisch meine Hand und lächelte herzlich. „Mara, du und Brett habt doch immer gesagt, dass ihr zusammen erwachsen werdet und an dieselbe Universität geht. Bewirb dich einfach in Kingsley. Dann habt ihr einander auch auf dem Campus.“Brett saß in der Nähe und beobachtete mich schweigend. Während er auf meine Antwort wartete, lag eine kaum erkennbare Erwartung in seinem Blick.Da klingelte plötzlich Bretts Handy, das auf dem Tisch lag. Auf
Wes verbrachte an diesem Tag den ganzen Nachmittag mit mir am Strand. Als wir uns verabschieden mussten, schlug ich vor, auch den Rest der Reise gemeinsam zu verbringen.Der Himmel verdunkelte sich, und die Sonne versank hinter dem Horizont. Wes brachte mich zu meinem Hotel zurück und machte sich allein auf den Weg.In meinem Zimmer streifte ich die Erschöpfung des Tages ab und scrollte auf dem Handy durch die sozialen Medien. Gleich der erste Beitrag in meinem Feed stammte von Tiana und war erst vor Kurzem veröffentlicht worden.Das Foto zeigte sie und Brett bei Sonnenuntergang nebeneinander am Strand. Der gewählte Winkel war vielsagend, die Stimmung vertraut, und das Ganze wirkte unübersehbar romantisch.Unsere früheren Mitschüler überhäuften die beiden in den Kommentaren mit Glückwünschen. Nicht wenige markierten mich – manche, um mich zu necken, andere nur, um Unruhe zu stiften.Ich betrachtete das Foto, doch es löste nichts in mir aus. Das Herz, das bei solchen Bildern früher





