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Als ich ihn nicht mehr brauchte

Als ich ihn nicht mehr brauchte

By:  Isle of MoonKumpleto
Language: Deutsch
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Nach dem Schulabschluss postete ich eher beiläufig etwas im Internet: „Gilt es eigentlich als erwachsen, wenn ich nicht mehr auf dich angewiesen bin?“ Fast augenblicklich erschien der Kommentar meines Freundes aus Kindertagen: „Das muss gefeiert werden.“ Ich verstand den Kommentar nicht und schickte meinem Freund ein Fragezeichen. Eine Weile später kam seine Antwort. „Mara Kessler, weißt du eigentlich, dass alle sagen, du klebst wie eine Klette an mir?“ „Die Schule ist vorbei. Du musst nicht mehr jeden Tag an mir hängen.“ „Lern, auf eigenen Beinen zu stehen. An der Uni hat niemand Geduld mit so einem Riesenbaby.“ Gleich darauf schickte er mir einen Downloadlink. „Du hast eine Frage? Dann frag die KI. Die hilft dir mehr, als dich ständig auf mich zu verlassen.“ Und so schob mich der Junge, der sich zwölf Jahre lang um mich gekümmert hatte, einfach an eine KI-App ab. Lange saß ich wie erstarrt da. Dann lud ich sie schweigend herunter.

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Kabanata 1

Kapitel 1

Ich verließ mich nicht mehr auf Brett Carver. Stattdessen besprach ich in den nächsten Tagen alles zuerst mit der KI.

Doch irgendetwas an der KI war anders als bei anderen Chatbots. In ihren Antworten lag etwas Beunruhigendes, beinahe Menschliches.

Am Tag vor meiner Abreise nach Briar Island beschloss ich, sie auf die Probe zu stellen.

„Wenn ich allein aufs Meer schaue, fühle ich mich bestimmt ein bisschen einsam. Kommst du mit?“

„Bist du dir da sicher?“

Meine Finger erstarrten über der Tastatur. Seit wann stellte eine KI Gegenfragen?

Doch gleich darauf wechselte die KI den Ton.

„Ich bin bei dir. Ich verstecke mich nicht, weiche nicht zurück und laufe nicht davon. Ich fange dich auf.“

Ich atmete tief aus, gab den Versuch auf, daraus schlau zu werden, und packte meine Sachen.

Am nächsten Tag traf ich am Flughafen völlig unerwartet auf Brett. Wir wohnten in derselben Gegend, doch ich hatte ihn seit zehn Tagen nicht mehr gesehen.

Ich hatte mir seine Worte zu Herzen genommen und hing nicht mehr so an ihm wie früher. Schließlich wollte ich Rücksicht auf seine Gefühle nehmen. Auch begrüßen wollte ich ihn nicht.

Da kam unsere frühere Mitschülerin Tiana Griffin hinter Brett hervorgesprungen.

„Mara!“

Ich erstarrte und drehte mich steif zu ihr um. Als mein Blick Bretts traf, flackerte unverkennbar Verärgerung in seinen Augen auf.

Brett trug Tianas Gepäck. Offenbar wollten die beiden gemeinsam auf Abschlussreise gehen.

Etwas Bitteres zog sich in mir zusammen, doch ich ließ mir nichts anmerken und sah weg.

Tiana zog Brett zu mir herüber. „Was für ein Zufall! Was machst du denn am Flughafen?“

Dann wandte Tiana sich mit einem spielerisch vorwurfsvollen Blick an Brett. „Mara fliegt am selben Tag wie ich, und du bist nicht einmal gekommen, um sie zu verabschieden? Was bist du denn für ein Freund aus Kindertagen? Ganz schön herzlos.“

Je länger ich zuhörte, desto unbehaglicher wurde mir. Doch Tiana war nun einmal so: direkt und unbekümmert. Deshalb ließ ich es gut sein. Ich wollte dieser peinlichen Situation nur möglichst schnell entkommen.

Da runzelte Brett die Stirn. „Mara, du hättest mir wirklich nicht bis hierher folgen müssen.“

In seiner Stimme lag eine Ungeduld, die ich von ihm nicht kannte. Er ließ mich nicht einmal zu Wort kommen.

„Wie lange ist es her? Ein paar Tage? Und schon fängst du wieder damit an? Ich habe deiner Mutter versprochen, auf dich aufzupassen, aber ich brauche auch meinen Freiraum.“

Ich schloss für einen Moment die Augen und hob die Hand, um ihn zu unterbrechen. „Du glaubst, ich bin deinetwegen hier?“

Meine Frage brachte Brett aus dem Konzept. Er blinzelte. „Warum denn sonst?“

Ungläubig stieß ich ein leises Lachen aus. „Ich fliege heute nach Briar Island.“

Dann tippte ich auf meine Uhr. „Ich habe einen Zeitplan. War sonst noch etwas?“

Eine Weile schwieg Brett und musterte mich mit undurchdringlicher Miene. Erst jetzt schien ihm etwas aufzufallen.

Ich hatte meine Haare in einer neuen Farbe gefärbt und war völlig anders gekleidet. Außerdem hatte ich eine ganze Abschlussreise nach Briar Island geplant, ohne Brett auch nur ein einziges Mal damit zu bedrängen, wie ich es früher getan hätte.

Als Brett wieder sprach, klang seine Stimme seltsam. „Warum hast du mir nichts davon erzählt?“

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