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Ihre Krone, Meine Asche

Ihre Krone, Meine Asche

By:  RosalieCompleted
Language: Deutsch
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Drei Tage nach meinem Tod erhielt mein Verlobter einen Anruf, um meine Leiche zu identifizieren. Er spottete nur: „Sie ist tot, na und? Ruft mich an, wenn sie unter der Erde liegt.“ Die Polizei, ohne andere Optionen, kontaktierte meine Notfallnummer – meinen Jugendfreund. Er lachte gleichgültig: „Wirklich tot? Nicht mein Problem. Verbrennt sie doch oder so..“ Dann tauchte meine Leiche im Internet auf – und plötzlich sahen beide aus wie Geister.

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Chapter 1

Kapitel 1

Tim Weber lachte kalt, legte den Hörer auf und wandte sich an Fabian Becker, der an einem Blumenkranz flocht.

„Hast du den Anruf bekommen? Emma ist tot.“

Fabian hob nicht einmal den Kopf, konzentrierte sich weiter auf seine Arbeit und brummte nur leise: „Hm.“

„Tot ist tot. Wenn du Zeit hast, kümmere dich um ihre Leiche.“

In Tims Blick blitzte eine Sekunde lang Kälte auf, dann erschien ein spöttisches Lächeln auf seinen Lippen.

„Du bist ihr Verlobter, willst dich nicht mal um sie kümmern und erwartest das von mir?“

Fabian musterte den fertigen Kranz und lächelte unbeteiligt.

„Wenn du willst, kann ich dir diese Rolle überlassen – samt der Hochzeit nächsten Monat. Kann ich mich auf dich verlassen?“

Ich riss die Augen auf und starrte ungläubig auf Fabian.

Warum auch immer – mein Körper war tot, doch meine Seele verweilte noch.

Ein Lächeln lag in seinen Augen, doch sein Gesicht blieb völlig ernst.

Da erst glaubte ich ihm. Er hatte nicht gelogen.

Er wollte mich wirklich nicht heiraten. Mehr noch, er konnte es kaum erwarten, mich, seine Verlobte, endgültig loszuwerden – sauber und restlos.

Erst in diesem Moment wurde mir klar, wie tief seine Abneigung gegen mich reichte.

Tim musterte ihn lange, dann entwich ihm ein kaltes, spöttisches Lachen.

„Hältst du mich für einen Mülleimer? Soll ich jeden Abfall nehmen?“

„Morgen ist der Geburtstag unserer kleinen Prinzessin Jana. Ich habe weder Zeit noch Nerven, mich um irgendwen Unwichtigen zu kümmern.“

Kaum hatte er ausgesprochen, klingelte sein Handy.

Ein besonderer Klingelton ertönte, und im selben Moment wurden seine Züge weich.

Sogar Fabian hielt inne, die Hand mit den Blüten erstarrt, und blickte unwillkürlich auf Tim, der den Anruf entgegennahm.

In der stillen Loge erklang eine süße Mädchenstimme.

„Tim, bist du mit Fabian zusammen? Warum geht er nicht ran?“

Diese Stimme kannte ich gut.

Sie gehörte Jana Fischer – der Frau, die für beide, Tim und Fabian, die Jugendliebe gewesen war.

Mit zehn Jahren war sie mit ihren Eltern ins Ausland gezogen und erst vor zwei Jahren zurückgekehrt.

Damals, als Tim und Fabian noch gut zu mir gewesen waren, hatte sie mich schon nicht ausstehen können.

Sie drohte mir, ich solle die beiden verlassen.

Als ich mich weigerte, ließ sie mich von anderen bedrohen – beinahe hatte sie mein Gesicht entstellen lassen.

Nachdem Tim und Fabian davon erfahren hatten, bestraften sie sie hart und drohten:

Wenn sie mich noch einmal schikanierte, würden sie jeglichen Kontakt zu ihr abbrechen.

Daraufhin hatte Jana sich etwas zurückgehalten, trieb jedoch weiterhin kleine Spielchen im Verborgenen.

Damals nahm ich das nicht besonders ernst.

Als ich später versuchte, etwas zu erklären, war es bereits zu spät.

Die innere Waage in Tims und Fabians Herzen hatte sich – unmerklich – längst zu ihren Gunsten geneigt.

Fabian warf einen Blick auf sein eigenes Handy – tatsächlich zeigte es einen verpassten Anruf.

Er runzelte kurz die Stirn und erinnerte sich, dass er nach den wiederholten Anrufen der Polizei genervt gewesen war und sein Gerät stummgeschaltet hatte.

Deshalb hatte er Janas Anruf übersehen.

Tim hob spöttisch die Augenbrauen.

„Emma ist tot – er war wohl beschäftigt, ihre Leiche abzuholen. Kein Wunder, dass er dir nicht antwortet.“

Fabians Blick wurde kalt.

Er stand auf, griff nach Tims Handy und sagte mit sanfter Stimme in den Hörer:

„Jana, hör nicht auf Tims Unsinn. Morgen ist dein Geburtstag – ich bereite gerade eine Überraschung für dich vor.“

Die großzügige Privatlounge war überladen mit Blumen, Stofftieren und Geschenkschachteln – all das waren die Früchte von drei Tagen sorgfältiger Vorbereitung durch Tim und Fabian.

Ich hatte die beiden kennengelernt, als ich dreizehn war, und durfte solche Überraschungen zehn Jahre lang genießen.

Drei Tage vor meinem Geburtstag verschwanden sie jedes Jahr spurlos. Erst wenn ich vor Ungeduld fast verrückt wurde, ließen sie mir die Augen verbinden und brachten mich an diesen Ort, den sie eigens für mich erschaffen hatten – ein kleines Paradies, nur für mich.

Doch seit Jana zurückgekehrt war, gab es solche Überraschungen nicht mehr.

Jetzt gehörten sie allein ihr.
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