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Unmögliche Flucht

Author: Author Jerry
last update publish date: 2026-07-23 18:13:15

Isabella POV

Er überragte mich. „Na gut, Baby. Zeit, in den Van zu steigen.“ Es war mir egal, dass der Kampf unfair war. Es war mir egal, ob ich durch weiteres Zögern einen Herzstillstand erleiden würde. Notfalls würde ich bis zur Straße kriechen. „Verpiss dich.“ Meine Arme zitterten heftig, als ich mich aufrichtete.

Meine Beine gaben sofort nach, aber ich bewegte mich weiter, schleppte mich Zentimeter für Zentimeter vorwärts.

Er pfiff leise hinter mir. „Na gut, ich geb’s zu, du bist beeindruckend. Ich hab schon Männer, die doppelt so groß waren wie du, mit dem Ding umgehauen.“ Er folgte mir gemächlich und beobachtete mich, während ich mich mühsam davonschleppte.

Meine Finger kratzten über den eisigen Asphalt, die Nägel knackten, meine Haut brannte vor Kälte. Wenn ich nur lange genug Zeit gewinnen könnte, würde vielleicht jemand vorbeikommen. Vielleicht würde mich jemand sehen. „Ich werde dich wiedersehen, Baby, aber diesmal kann ich dir nicht garantieren, dass du es überlebst.“ „Ich würde lieber kämpfend sterben, als mich so einem Dreckskerl wie dir zu ergeben.“ Er blieb stehen.

Ich wagte es nicht, mich umzudrehen. Ich wollte nicht wissen, ob ihn das ärgerte oder ob er mich wieder amüsant fand. Ich hatte keine Kraft mehr, mich darum zu kümmern. Ich konnte nur noch kriechen.

Dann zuckten rote Lichter über die Gebäude. Das leise Heulen von Sirenen durchschnitt die eisige Luft. Gott sei Dank! „Ich bin hier!“, schrie ich. Ein Streifenwagen raste zum Eingang der Gasse. Ein Polizist stieg aus, die Waffe erhoben, bereit, dem Monster hinter mir eine Kugel zu verpassen.

Doch in dem Moment, als der Polizist meinen Entführer sah, änderte sich alles. Sein Gesichtsausdruck wechselte – Angst? Erkenntnis? Langsam senkte er seine Waffe. Wortlos stieg er zurück in den Wagen. „Nein!“ Ich stemmte mich auf die Knie und riss wild mit dem Arm um mich. „Hilfe!“ Das Auto fuhr davon. „Nein!“ Ich sah den erloschenen Rücklichtern nach, Ungläubigkeit durchfuhr mich.

Stille breitete sich wieder auf der Straße aus, als wäre nie jemand da gewesen. Der Mann kniete hinter mir, seine Knie drückten sich in meinen Rücken. Seine Hand umfasste meinen Hals und hob mein Kinn an, sodass sich unsere Blicke trafen.

Er sah nicht triumphierend aus. Er sah reumütig aus, fast sanft. Dann ein stechender Schmerz, als bohrte sich eine Nadel in meinen Hals, und Dunkelheit umfing mich. Als ich erwachte, presste sich meine Wange gegen eine eiskalte Scheibe. Ich saß zusammengesunken auf dem Beifahrersitz des Lieferwagens, der Motor dröhnte unter mir.

Verschneite Bäume zogen an mir vorbei, die Nacht war stockfinster, bis auf die Scheinwerfer. Die Straße war holprig und durchschüttelte mich bei jeder Unebenheit.

Mein Verstand war wie benebelt, benebelt von dem Zeug, das er mir eingeflößt hatte. Ein Teil von mir wollte wieder in die Bewusstlosigkeit versinken, bis die Erinnerung mit voller Wucht zurückkehrte.

Mein Entführer, die Gasse und die Leiche. Ich fuhr hoch. Wir waren tief in der Wildnis, weit weg von der Stadt. Weit weg von jedem, der mir helfen konnte. Verdammt, das war schlimm. Meine Hände und Knöchel waren nicht gefesselt.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer. Ich ließ meinen Blick schweifen und tat so, als wäre ich noch bewusstlos. Wenn ich den perfekten Moment abwartete, könnte ich vielleicht das Lenkrad greifen. Vielleicht könnte ich den Lieferwagen von der Straße abdrängen. Vielleicht würde ich mir einen Knochen brechen.

Vielleicht würde er sterben, und das wäre wunderschön. Seine tiefe Stimme durchbrach die Stille. „Ich weiß, dass du wach bist, Baby.“ Natürlich wusste er das. Das Radio war aus; nur das Brummen des Motors und das Hin- und Herrutschen der Leiche im Fond erfüllten die Luft. Ich hörte auch, wie meine Handtasche bei jeder Kurve hin und her rutschte. Gott, wenn ich sie nur erreichen könnte. „Wo sind wir?“, presste ich hervor. „Der Riva-See.“ Mir stockte der Atem. Norditalien. Das hieß, wir waren direkt an Varos’ und Rhylens Haus vorbeigefahren.

Wäre ich nur eine Nacht länger geblieben, hätte ich eine andere Route genommen, hätte ich irgendetwas anders gemacht, wäre ich jetzt nicht auf dem Weg zu einem zugefrorenen See, wo er meine Leiche unbemerkt versenken könnte. „Ich lasse mich nicht in diesem See ertränken.“ Er schnaubte amüsiert. „Ich glaube nicht, dass Sie in Verhandlungsposition sind.“ „Im Moment“, murmelte ich. „Aber glauben Sie mir, das wird sich ändern.“ Sein Grinsen wurde langsam und breit. „Ich hatte noch nie einen Gefangenen wie Sie.

Die anderen weinen. Sie betteln, sie wehren sich nicht. Sie sind eine Ausnahme.“ „Weil Sie sich nicht mit mir anlegen wollen.“ „Ironisch“, sagte er. „Weil Sie sich auch nicht mit mir anlegen wollen.“

Endlich drehte er sich um und warf mir einen Blick zu. Selbst mit seinem verhärteten, abweisenden Gesichtsausdruck war er unverschämt gutaussehend. Markante Kinnlinie, kalte blaue Augen, ein Gesicht, das zu perfekt für das Monster war, das es trug. Männer wie er sollten keine Serienmörder sein. Er hätte ein normales Leben führen können. Ein besseres Leben. „Warum tust du das?“, fragte ich. „Du musst genauer werden, Kleiner.“ Ugh. Ich hasste dieses Wort jedes Mal mehr, wenn er es benutzte. „Warum tötest du unschuldige Männer in dunklen Gassen?“ „Wer sagt denn, dass er unschuldig war?“, entgegnete er. „Er war vielleicht schlimmer dran als ich.“ „Weil du mich mitgenommen hast“, fuhr ich ihn an. „Und ich bin verdammt unschuldig.“ Ein Grinsen umspielte seine Lippen. „Du warst zur falschen Zeit am falschen Ort. Unschuldig oder nicht, ich kann dich nicht einfach so davonkommen lassen.“ „Warum?“, fragte ich. „Die Polizei hat panische Angst vor dir. Wem sollte ich das denn erzählen?“ Seine Hand umklammerte das Lenkrad fester.

Frost kroch über die Fensterrahmen, die Heizung kam mit der eisigen Kälte kaum noch hinterher. „Ich weiß, wer Sie sind, Isabella Conti“, sagte er. „Und es gibt Leute, die weitaus gefährlicher sind als die Polizei.“ Ein eiskalter Schauer durchfuhr mich, eine neue Angstwelle. Ich hatte gebetet, dass er es nicht wusste. Betet, dass er mich für unbedeutend hielt.

Etwas hatte sich verändert, in dem Moment, als er meinen Ausweis in meiner Handtasche sah. Sobald er meinen Nachnamen erkannte, änderte sich alles.

Wenn er mich jetzt gehen ließe, würde meine Familie ihn auslöschen. Die Contis waren gefährlicher als jede Polizei und wussten es. Meine Handflächen wurden trotz der eisigen Kälte glitschig. Selbst wenn ich mein Handy erreichen könnte, gäbe es hier draußen keine Chance auf Empfang.

Das war schlimm. Ich war Rowan erst vor einem Monat knapp entkommen, und jetzt das. Nur war dieser Mann schlimmer, schlauer, stärker und viel gefährlicher, aber das hieß nicht, dass ich aufgeben würde. Mein Vater war so stolz gewesen, als ich letztes Mal entkommen war. Der Stolz war ihm deutlich anzusehen gewesen.

Den musste ich mir erst wieder verdienen. Ich sprang über die Mittelkonsole und packte das Lenkrad. Wenn ich nur kräftig genug daran rütteln könnte, würde der Van gegen einen Schneehang oder einen Baum krachen. Selbst wenn es mir wehtat, könnte es ihn töten. Ich riss das Lenkrad nach links, aber sein Griff war eisern.

Er trat voll aufs Gaspedal und ließ den Van über die vereiste Straße rasen. Er drehte den Kopf zu mir, sein Blick wirkte düster, furchtlos, spöttisch – fast wie aus einer anderen Welt. Mit einer Hand hielt er den Van kerzengerade. Er forderte mich heraus, er forderte mich heraus, es noch einmal zu versuchen.

Ich riss noch fester am Lenkrad. Sein Griff rührte sich nicht. Wir erreichten 90 Meilen pro Stunde auf dem Eis. Wenn ich so weitermachte, würden wir gegen einen Baum fahren und sofort tot sein, aber das war ihm egal. Er hatte keine Angst vor dem Tod. Er forderte mich geradezu heraus, ihn zu wählen.

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