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Kapitel 2

last update publish date: 2026-09-02 21:54:18

Iris

Maskierte Muse.

Der Benutzername war glasklar zu erkennen, zusammen mit dem Teaserbild meines maskierten Gesichts und meiner nackten Schultern, abgesehen von dem kaum sichtbaren Hauch Spitze genau dort, wo mein Brustansatz abgeschnitten war. ‚Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was als Nächstes kommt‘, hatte ich es genannt, als ich das Foto hochgeladen hatte.

Es war deutlich zu sehen. Die Benachrichtigung für den heutigen Livestream leuchtete noch immer oben auf.

Oh Gott.

Hitze schoss mir in die Wangen. Ich ließ mich auf die Knie fallen, schnappte mir das Handy und presste es an meine Brust, als könnte ich es dadurch ungeschehen machen.

„Es tut mir so leid, P-Professor. Das war …“ Ich hatte keine Antwort. Meine Stimme war kaum noch fest.

Er sagte nichts, doch allein seine Anwesenheit war einschüchternd genug, während er im stillen Flur hoch über mir aufragte. Ich konnte das Gewicht seines Blicks auf meinem Scheitel spüren, schwer und unergründlich.

Scheiß drauf.

Ich stemmte mich auf die Füße und hielt den Kopf gesenkt.

„Entschuldigen Sie. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Sir“, murmelte ich und fügte den letzten Teil aus höflicher Gewohnheit hinzu, während ich im Gegensatz dazu äußerst unhöflich an ihm vorbeihastete.

Meine Beine bewegten sich wie von selbst und trugen mich so schnell davon, wie ich konnte, ohne zu rennen. Ich blieb nicht einmal stehen, als ich das Gebäude verließ, und ignorierte die Blicke, die mir zugeworfen wurden. Erst am Brunnen des Campus wurde ich langsamer.

Kühle Abendluft traf auf meine erhitzte Haut. Als ich mich auf die Steinplatten setzte, zitterten meine Hände noch immer, während ich mein Handy fest umklammerte. Mein Inneres brannte von der Anstrengung, doch das eigentliche Feuer war die Scham, die mein Gesicht versengte.

Er hatte es gesehen.

Professor Dmitri Sterling hatte mein Geheimnis, das auf diesem Bildschirm offen zutage lag, gesehen. Das eine Geheimnis, das ich vor jedem an der Hawthorne-Universität verborgen gehalten hatte.

Was, wenn er mich meldete?

„Er weiß es nicht. Wahrscheinlich denkt er, es sei irgendein zufälliger Videokanal“, flüsterte ich vor mich hin, nur um bei dem Gedanken selbst zu schnauben.

Ich hätte mich selbst belogen, wenn da nicht das aufreizende Bild gewesen wäre, das sofort ins Auge fiel, und die Benachrichtigung, auf der eindeutig die Seite ‚Camgirlbeauties.com‘ zu erkennen war.

Verdammt.

Ich schloss fest die Augen und atmete tief durch.

Es war schon in Ordnung. Auf dem Campus war er ebenfalls für sein ruhiges, distanziertes Auftreten bekannt und reagierte nie auf die Flirtversuche von Studenten oder Dozenten. Er war vollkommen in der akademischen Welt versunken.

Wahrscheinlich wusste er nicht einmal, was die Seite bedeutete oder was ein Camgirl war. Er war zu jung, zu erfolgreich, um so etwas zu kennen. Wie alt war er noch mal? Dreißig?

Ein Schauer lief durch mich bei der flüchtigen Erinnerung an sein Gesicht und den harten, durchtrainierten Körper, mit dem ich zusammengestoßen war. Er sah so reif aus – und das war keineswegs etwas Schlechtes.

„Hör auf damit.“ Ich schüttelte den Kopf.

Es spielte keine Rolle. Er hatte nicht lange hingesehen. Er wusste nicht, was es war.

Und er wusste DEFINITIV nicht, dass es mir gehörte.

Oder?

…

Als die Nacht hereinbrach, erreichte ich mein Wohnheim. In dem Moment, in dem ich das Zimmer betrat, blickte Jean, meine Mitbewohnerin und beste Freundin, von ihrem Sofa auf. Ihre Augen leuchteten vor Aufregung.

„Du bist ja so früh zurück! Komm schon, erzähl. Wie war das Überraschungsdate? Hat Caleb dir den Kopf verdreht?“

Ich brachte kein Lächeln zustande. Ich ließ meine Tasche auf den Boden fallen und ließ mich neben sie sinken, das Gesicht in den Händen vergraben.

„Es gab kein Date“, sagte ich. Als ich wieder aufsah, hatte Jean sich aufgerichtet, und ihr Gesicht wurde ernst.

„Iris, was ist passiert?“

Ich erzählte ihr alles. Das Gespräch, das ich vor dem Klassenraum belauscht hatte. Die Wette, die Wahrheit hinter Calebs Annäherungsversuchen, wie er mich langweilig, prüde und leicht zu haben genannt hatte, sobald man erst einmal meine Fassade durchbrach, und wie er vorhatte, die fünftausend Dollar einzukassieren und mich dabei zu demütigen.

Meine Stimme blieb die ganze Zeit flach und kalt. Meine Achtung vor ihm war ebenso wie meine Gefühle für ihn eingefroren. Jean hingegen sah aus, als wäre sie bereit, einen Mord zu begehen. Vom Sofa aus begann sie durch unseren gemeinsamen Wohnbereich zu tigern.

„Dieser Arsch“, zischte sie, überquerte den Raum und zog mich in eine enge Umarmung. „Es tut mir so leid, Iris. Du verdienst so viel Besseres als irgendeinen verwöhnten Studentenverbindungsjungen. Vergiss ihn. Du bist viel zu gut für diesen Schwachsinn.“

Ich erwiderte ihre Umarmung und war dankbar für ihre Wärme. Jean war die einzige Person, die all meine Geheimnisse kannte, die einzige echte Freundin, die ich an dieser gnadenlosen Universität hatte. Seit drei Jahren waren wir füreinander die größte Stütze.

Ich wünschte, ich könnte mich einfach in ihrem Trost verlieren, aber ich war noch nicht fertig.

„Da ist noch mehr“, murmelte ich und löste mich von ihr. Ich sah sie an und erzählte ihr den Rest dieser demütigenden Geschichte. Ihr Gesicht wurde gleichzeitig größer und blasser, sobald ich fertig war.

„Oh … oh mein Gott“, sagte sie dumpf. Ihre Reaktion überraschte mich nicht, und ich nickte verständnisvoll.

„Ich bin sofort abgehauen. Ich hoffe, er hat es sich nicht wirklich angesehen. Oder vielleicht hat er gar nicht erkannt, was es war. Aber verdammt, ich weiß es nicht. Was, wenn er es doch tut?“

„Entspann dich, Babe“, winkte Jean beiläufig ab, obwohl ihre Wangen leicht rosa geworden waren. „Professor Sterling ist ein sexy Mönch. Er ist kalt, verschlossen und bleibt für sich. Ich glaube nicht, dass er irgendetwas erkennt, das nicht mit einem Lesezeichen kommt. Du bist sicher.“

Ihre Worte bestätigten meine eigenen Gedanken und ließen den Zweifel verschwinden. Ich entspannte mich auf dem Sofa, als sie neben mich rückte.

„Trotzdem … verdammt.“ Sie seufzte verträumt. „Ganz unabhängig von den Umständen – aus der Nähe ist er noch heißer, oder? Diese Kieferpartie. Diese Augen. Ich schwöre, die halbe Universität fantasiert davon, dass er ihnen Privatunterricht gibt. Verdammt schade, dass er langweilige Bücher bevorzugt. Eine Verschwendung eines so verdammt guten Exemplars, würde ich sagen.“

Hitze schoss mir bei der Erinnerung an diese grauen Augen in die Wangen, kurz bevor die Peinlichkeit eingesetzt hatte. Die Art, wie sie in diesem Sekundenbruchteil gewirkt hatten – kalt, aber zugleich durchdringend, direkt durch mich hindurch – ließ Hitze zwischen meinen Beinen aufsteigen.

In der Tat eine Verschwendung.

Ich riss mich gewaltsam aus meinen Gedanken und stand auf, wobei ich mich streckte.

„Ich muss rein.“ Ich deutete auf meine Schlafzimmertür. „Mich frisch machen, bevor … du weißt schon.“

Jean verstand sofort und zwinkerte mir zu.

„Viel Glück beim Livestream heute Abend. Mach ordentlich Geld, Queen. Ich setze meine Kopfhörer auf, damit ich nicht lausche.“

„Danke, Jean.“ Ich lächelte leicht und warf einen Blick auf die Uhr.

…

Stunden nachdem ich mich frisch gemacht hatte, war ich bereit.

Mein Zimmer war dunkel, abgesehen von strategisch platzierten Neonlichtern, während die Vorhänge für mehr Privatsphäre zugezogen waren. Im Wohnheim war es still, und die Uhr zeigte bereits nach Mitternacht. Mit aufgesetzter Maske und bereitstehender Kamera ließ ich die Last des Tages von mir abfallen.

Tagsüber war ich Iris Williams, die distanzierte Einserstudentin, und auf dem Papier hatte ich alles. Köpfchen, Schönheit, ein Stipendium und einen tadellosen, angesehenen Ruf an der Hawthorne-Universität. Niemand wusste, wie hart ich tatsächlich darum kämpfte, mein Leben stabil zu halten.

Das Hawthorne-Stipendium war zugegebenermaßen großzügig und übernahm während meiner gesamten Zeit hier meine Studiengebühren, Unterkunft und Gesundheitsversorgung. Was es jedoch nicht abdeckte, war alles andere. Transport, vernünftige Mahlzeiten, verpflichtende Studentenbeiträge und sogar Lehrbücher. Und alles kostete ein Vermögen, selbst die billigsten Lehrbücher waren wie Luxusartikel bepreist.

Jede Ausgabe riss riesige Lücken in mein Budget, die drohten, mich vollständig zu verschlingen. Aber ich hatte einen Ausweg gefunden.

Und so wurde ich nachts zur Maskierten Muse, einem anonymen Camgirl.

Tausende Zuschauer schalteten sich hinter ihren Bildschirmen ein und bezahlten dafür, mir beim Reizen und Berühren zuzusehen, während ich mich einer kontrollierten Lust hingab und mich darin verlor.

Es war nicht ideal, aber irgendwann hatte ich aufgehört, mich darum zu kümmern. Es hielt mich über Wasser. Noch wichtiger: Es gab mir Macht. Zu wissen, dass Menschen auf mich warteten, mir zusahen und wussten, dass sie mich niemals haben konnten, verschaffte mir einen Nervenkitzel wie nichts anderes. Es machte süchtig und erregte mich über jedes Maß hinaus. Mein einziger Trost, wenn der Rest meines Lebens sich wie bloßes Überleben anfühlte.

Doch unter den Tausenden von Followern gab es einen, auf den ich mich am meisten freute.

Ich richtete die schwarze Spitzenmaske ein letztes Mal über meinen Augen und atmete tief durch, bevor ich den Knopf drückte, um den Livestream zu starten.

Dies war meine Bühne, und jetzt begann die Show.

„Hey, alle zusammen“, sagte ich, wobei meine Stimme in den verführerischen Ton sank, den meine Stammzuschauer liebten. „Eure Muse hat euch heute Abend vermisst.“

Ich begann, mich zu necken. Meine Finger zeichneten träge Kreise über meine mokkafarbene Haut, glitten unter die dünnen Träger meines Camisoles und ließen es von einer Schulter rutschen. Ich wölbte meinen Rücken und ließ die Kamera die Rundung meiner Brüste einfangen, während ich mit den Händen über meinen Bauch fuhr.

„Das gefällt euch, hm?“ Ich grinste, als eine große Spende auf dem Bildschirm erschien. „Ihr bösen Jungs. Ich habe noch nicht einmal angefangen.“

Langsam ließ ich meine Hand meinen Spitzentanga necken und stöhnte bei der Feuchtigkeit, die darunter hervorkam. Leise Wimmern entwich meinen Lippen, während ich die eingehenden Nachrichten las und über die übliche Flut aus Komplimenten und Trinkgeldern lächelte.

Aber irgendetwas fühlte sich falsch an.

Während ich mich weiter neckte, sah ich sorgfältig durch die Reihe der Zuschauer. Er war nicht da.

HingebungsvollerDom hatte nichts geschickt. Keine Nachricht. Kein riesiges Trinkgeld, wie er es normalerweise innerhalb der ersten Minuten tat.

Seine Abwesenheit ließ mich hinter der Maske die Stirn runzeln. Er war immer da, sah zu und zahlte. Sein Schweigen war heute Abend ungewöhnlich.

Trotzdem musste ich mich konzentrieren. Ich schob den Gedanken beiseite und ließ meine Hand tiefer gleiten, neckte den Rand meines Höschens, während meine Hüften sich sanft bewegten.

„Soll ich es ausziehen?“, hauchte ich. „Aber das wäre doch zu einfach, oder? Du musst darum betteln. Es dir verdienen. Diese Pussy wurde wegen dir so lange vernachlässigt. Sie hat auf dich gewartet.“

Hitze sammelte sich zwischen meinen Schenkeln, als ich mir vorstellte, wie starke Hände mich festhielten, statt meiner eigenen. Ich stieß einen hauchenden Seufzer aus, meine Augen halb geschlossen, während ich mit den Fingern über mich fuhr und immer tiefer kreiste, bis ich meine Klitoris spüren konnte.

Dann ertönte ein Ping aus meinem privaten Postfach.

Mein Herz setzte mitten in der Bewegung einen Schlag aus. Als ich einen Blick darauf warf, wusste ich sofort, von wem es kam.

Mit seinen Worten hatte ich jedoch nicht gerechnet.

‚HingebungsvollerDom: Schalte den Livestream aus. Privater Videoanruf. Jetzt.‘

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