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Im Rückspiegel

Author: iindwi_z
last update publish date: 2026-07-25 09:57:46

Nachdem ich mühsam mein rasendes Herzklopfen unter Kontrolle gebracht hatte, zwang ich meine Beine, sich wieder langsam in Bewegung zu setzen. So nah bei Javier zu sein, während er in diesem intimen, nackten Zustand war, ließ meinen Verstand fast verdampfen. Doch genau in dem Moment, als ich an ihm vorbeiging, durchbrach die baritone Stimme des Mannes plötzlich die nächtliche Stille und ließ meine Schritte augenblicklich auf dem Küchenboden erstarren.

„Warum sind deine Wangen rot?“

Diese kurze Frage kam einfach so heraus, tief und einschüchternd.

Reflexartig berührte ich meine eigenen Wangen. Tatsächlich, dort spürte ich eine glühende Hitze – ein Überbleibsel des Aufruhrs aus dem erotischen Traum, der mich gerade eben geweckt hatte.

„Ich … mir geht es gut“, antwortete ich stockend mit sehr leiser Stimme.

Ohne auf eine Antwort von ihm zu warten, eilte ich mit großen Schritten aus der Küche. Ich durfte nicht länger in dieser Situation in seiner Nähe bleiben. In der Nähe von Javier zu sein, in einer so stillen Nacht wie dieser, entfachte einen gefährlichen Teil in mir, einen so egoistischen Teil meiner selbst, der diesen kräftigen Körper unbedingt an sich ziehen, ihn umschlingen und fest umarmen wollte, genau wie in der wilden Fantasie meines Traums.

Ah, es scheint, ich muss wirklich zu einem Psychologen gehen, verfluchte ich mich innerlich, während ich die Zimmertür schloss. Damit mein Kopf nicht so schmutzig und erbärmlich wird wie jetzt.

Am nächsten Morgen war ich bereits ordentlich in Arbeitskleidung gekleidet. Meine Stimmung war auch viel besser als gestern, nachdem ich versucht hatte, den Vorfall von letzter Nacht zu vergessen. Doch kaum berührten meine Füße die letzte Treppenstufe, empfing mich sogleich Adrianas verspieltes, quietschendes Kichern von Weitem. Tatsächlich, die Frau saß bereits brav im Esszimmer, zusammen mit Javier und seinen beiden Eltern, um gemeinsam zu frühstücken.

Sie saß genau neben Javier, hing sich verspielt an ihn und warf ihm hin und wieder ein zärtliches Lächeln zu. Ein Anblick, der natürlich sofort meinen Appetit verschwinden ließ.

„Camila, willst du morgen am Feiertag mit uns in den Urlaub kommen?“, fragte Adriana direkt, sobald sie meine Anwesenheit im Esszimmer bemerkte.

Natürlich schüttelte ich sofort schnell den Kopf, ohne zweimal nachzudenken. „Nein, danke.“ Ich würde meine Urlaubszeit weitaus lieber damit verbringen, den ganzen Tag in meinem Zimmer zu schlafen, als zur Zuschauerin zu werden, die den ganzen Tag mit ansehen musste, wie sie miteinander turtelten.

„Ach, warum denn? Dort werden viele meiner männlichen Freunde sein, weißt du. Ich stelle dich ihnen dann vor. Wer weiß, vielleicht passt ja einer zu dir. Sie sind alle Kinder reicher und angesehener Familien“, plapperte sie weiter mit einem herablassenden Ton, verpackt in falscher Freundlichkeit.

„Komm doch mit, Camila. Mama sieht doch, dass du nie mit jemandem eng befreundet bist oder ausgehst, oder? Wer weiß, vielleicht wird einer von ihnen dein Seelenverwandter. Komm einfach mit, ja, mein Kind?“, mischte sich Mama eifrig überredend ein.

Ich antwortete nicht sofort. Stattdessen wanderte mein Blick hinüber und richtete sich direkt auf Javier, der mir gegenüber am Tisch saß. Tief in meinem Herzen hoffte ich, dass er seine Stimme erheben und es mir verbieten würde, mitzukommen. Doch Javier blieb einfach still. Er kaute weiterhin ruhig sein Essen, als wäre diese Diskussion unwichtig, und meine Anwesenheit hätte überhaupt keine Bedeutung in seinem Leben.

Während ich die blutende Enttäuschung in meiner Brust hinunterschluckte, stieß ich schließlich einen resignierten Seufzer aus. „Hm, na gut denn“, antwortete ich schließlich.

* * * *

Der von Adriana sehnlichst erwartete Abreisetag kam schließlich. Ich entschied mich für lässige, komplett bedeckende Kleidung – ein weites T-Shirt und eine lange Jeans –, ein starker Kontrast zu Adrianas Kleidung, die so sexy und knapp aussah.

„Du musst dich dort gut amüsieren, Camila. Wer weiß, vielleicht bringst du bei der Rückkehr schon einen neuen Freund mit“, sagte Mama hoffnungsvoll, als ich mich verabschiedete und ihr einen Kuss auf die Wange gab.

Ich konnte nur nicken, mit einem gezwungenen, schwachen Lächeln. Ein neuer Freund? Ich selbst zweifelte, ob mein Herz sich überhaupt noch für einen anderen Mann öffnen konnte. Denn die bittere Wahrheit war, dass jeder Winkel meines Herzens taub geworden war, fest verschlossen, einzig für Javier reserviert. In meiner wilden Fantasie jede Nacht erlaubte ich keinem anderen Mann außer ihm, mich zu berühren.

Sobald wir ins Auto stiegen, war meine Position sofort festgelegt. Ich saß auf dem Vordersitz, genau neben dem persönlichen Fahrer der Familie. Auf der Rückbank saßen Adriana und Javier nebeneinander. Während der gesamten Fahrt traf mich der Anblick im Rückspiegel unaufhörlich mit einem endlosen Engegefühl in der Brust.

Adriana umklammerte verspielt Javiers Arm und lehnte ihren Kopf an seine breite Schulter, als wollte sie der Welt – vor allem mir – zeigen, dass Javier ihr absolutes Eigentum war, das niemand infrage stellen durfte.

„Camila, du bist doch schon zweiundzwanzig. Hattest du bisher noch nie einen Freund?“, fragte Adriana plötzlich von der Rückbank aus, durchbrach die Stille und ließ mich erfolgreich zusammenzucken.

Ich schüttelte langsam den Kopf. Während ich antwortete, warf mein Blick heimlich einen Seitenblick auf den Rückspiegel, neugierig, wie Javier reagieren würde, wenn meine Privatsphäre so bloßgelegt wurde. Doch der Mann verschränkte nur die Arme vor der Brust und schloss die Augen, wirkte gleichgültig.

„Ach, warum denn noch nie? Eine Beziehung macht doch Spaß, weißt du! Du kannst dich so fest umarmen wie wir hier, du kannst auch küssen. Ach, hast du selbst überhaupt schon mal geküsst?“, bohrte Adriana weiter, ohne die Grenzen des Anstands zu kennen.

Ich erstarrte, meine Zunge war plötzlich zu gelähmt, um sofort zu antworten. Ehrlich gefragt, im echten Leben hatte ich tatsächlich noch nie so weitgehenden körperlichen Kontakt mit irgendeinem Mann gehabt. Doch in meinen Träumen … hatte ich es bereits unzählige Male mit ihrem Verlobten getan, Dinge, die weitaus intimer und heißer waren als ein gewöhnlicher Kuss.

„Noch nie“, antwortete ich schließlich knapp und versuchte, das nervöse Zittern in meiner Stimme zu verbergen.

„Nachdem ich dich meinen Freunden vorgestellt habe, wirst du das alles bestimmt erleben können. Keine Sorge, sie sind alle nette Leute“, entgegnete Adriana mit ihrem kleinen Lachen.

Ich entschied mich zu schweigen, ohne die Absicht, weiter darauf einzugehen. Doch ein tiefes, männliches Räuspern von der Rückbank zwang meine Augen sofort, wieder zum Rückspiegel zu blicken. Javier hatte seine Augen geöffnet. In diesem Moment trafen sich durch die Spiegelung des kleinen Glases über dem Armaturenbrett Javiers Adleraugen direkt mit meinen. Sein Blick war so scharf, so intensiv, als würde er jede meiner Bewegungen einsperren.

„Misch dich nicht in die Privatangelegenheiten anderer ein, Adriana“, sagte Javier leise. Seine Stimme klang sehr kalt, flach, doch voller absoluter Nachdrücklichkeit.

Adriana schmollte sofort verspielt und umklammerte Javiers Arm noch fester. „Schatz, ich will doch nur, dass Camila das Leben genießt wie wir. Damit sie erleben kann, wie es sich anfühlt, eine Beziehung zu haben, zu küssen, und zu –“

Ich wusste nicht, welches Wort Adriana als Nächstes sagen wollte, denn sie kicherte bereits verspielt an Javiers Brust. Doch ehrlich gesagt fühlte sich meine Brust immer enger und beklommener an in dem plötzlich so beengt wirkenden Auto. Jedes Mal, wenn ich Adrianas Worte hörte, malte sich mein Kopf automatisch aus, welche intimen Dinge die beiden hinter meinem Rücken die ganze Zeit über getan hatten. Eifersucht, Fremdheit und Herzschmerz wogten erneut auf und häuteten die restlichen, immer brüchiger werdenden Verteidigungsmauern meines Herzens, während die Fahrt uns über die Stadtgrenze hinaustrug.

* * * *

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