LOGINNachdem Lyra von ihrem Freund Rafael brutal verlassen wurde, geht sie in eine schicke Bar, um ihren Kummer zu ertränken. Was sie nicht ahnt: Ihre eigene Schwester, Cassandre, hat sie mit finsterer Absicht dorthin gelockt sie will Lyras Verletzlichkeit ausnutzen, sie mit einem Aphrodisiakum betäuben und an einen Perversling verkaufen. Unter dem Einfluss der Droge verliert Lyra völlig die Kontrolle und verbringt eine intensive Nacht mit einem Fremden. Im Morgengrauen, überwältigt von Scham und Verwirrung, verlässt sie hastig das Zimmer und hinterlässt einen 100-Euro-Schein sowie eine provokante Nachricht: "Du bist keine 100 wert." Für Alexandre jedoch, CEO eines mächtigen Konzerns, markiert diese Nacht eine Zeitenwende. Er ist entschlossen, diese junge Frau mit dem brennenden Blick wiederzufinden. Doch auf dem Weg seiner Suche stürzt er mit dem Auto und verliert sein Gedächtnis. Zwei Monate später, kaum genesen, nimmt er die Ermittlungen wieder auf und sucht die Adresse auf, die er vor dem Unfall ansteuern wollte. Dort trifft er auf Cassandre, die ohne mit der Wimper zu zucken die Identität ihrer Schwester an sich reißt und vorgibt, die mysteriöse Geliebte von damals zu sein. Doch Lügen haben ihren Preis.
View MoreLyra
Alles hatte ein paar Stunden zuvor begonnen.
Ich war aus Rafaels Wohnung gerannt, die Schuhe in der Hand, das Herz zerrissen, die Augen geschwollen vor Wut. Mein Telefon vibrierte noch immer, doch ich brachte es nicht einmal mehr fertig, seine Nachrichten zu lesen. Da war nichts mehr zu retten. Weder uns noch diese Lüge, die er Liebe nannte.
Ich war lange durch die Kälte gelaufen, ziellos, bis Cassandre mich anrief.
Als hätte sie es gewusst. Als hätte sie auf mich gewartet.
— Ich bin in der Stadt, hatte sie gesagt. Komm. Ich lade dich auf einen Drink ein. Du musst auf andere Gedanken kommen, kleine Schwester.
Kleine Schwester. Sie sagte das nie. Dieses Wort schnitt durch die Luft wie eine Falle.
Ich hätte misstrauisch sein sollen.
Aber ich war zu zerbrochen. Zu allein. Also sagte ich ja.
Die Bar wirkte unwirklich, wie eine Szene aus einem überglänzten Film. Cassandre empfing mich mit einer schnellen, fast aufrichtigen Umarmung. Sie trug ein schwarzes Satinkleid, schlicht und doch provokant, und Ohrringe, die wie Klingen funkelten.
— Du siehst umwerfend aus, flüsterte sie. Selbst in Trümmern strahlst du etwas Unglaubliches aus.
Ich zwang mich zu einem Lächeln. Zu einem von denen, die man aufsetzt, wenn man einfach nicht weinen will.
— Ich habe alles ruiniert, Cass … Ich habe ihn mit einer anderen erwischt. Bei ihm. In unserem Bett. Er hat mich monatelang belogen.
Sie breitete die Arme aus und bestellte zwei Tequila-Shots.
— Auf all die Männer, die uns nicht verdienen.
Der erste Shot brannte wie Feuer. Der zweite fühlte sich an wie Erlösung. Ich erzählte ihr alles. Mit zersplittertem Herzen: wie ich Rafael kennengelernt hatte, die Versprechen, die Zukunftspläne, das Schwindelgefühl, wenn ich ihn noch liebte, und die Übelkeit, als mir klar wurde, dass nur ich an uns geglaubt hatte.
Cassandre nickte, strich mir über die Hand.
— Du bist zu gut. Zu rein. Du vertraust, du verzeihst. Du bist perfekt dafür geschaffen, dass man dich mit Füßen tritt, Lyra.
— Denkst du so von mir? flüsterte ich.
Sie lachte leise.
— Nein. So denke ich von Männern. Aber heute Abend vergisst du das alles. Heute trinkst du mit mir, beobachtest, wie die Reichen sich in ihrer Arroganz verlieren, und wirst wieder die, die du warst, bevor du dich verliebt hast. Einverstanden?
Ich nickte. Und ich trank.
Jetzt reihen sich die leeren Gläser vor mir auf wie Narben. Die Luft ist wärmer, schwerer. Mein Kleid klebt an meiner Haut. Ich habe nicht mehr die Kraft, irgendetwas vorzutäuschen.
— Trink, Lyra. Es wird dir guttun.
Ich nicke wieder. Immer wieder. Mein Wille hat sich im Alkohol aufgelöst.
Aber etwas stimmt nicht. Es ist nicht nur der Rausch. Es ist dichter. Klebriger.
Ich spüre, wie ich fortgleite, ohne mich zu wehren.
Ich stehe auf, schwankend.
— Ich gehe kurz auf die Toilette …
Cassandre küsst mich auf die Schläfe.
— Komm schnell zurück, ja?
Während ich den Ausgang suche, verschwindet Cassandre im hinteren Teil der Bar. Dorthin, wo das Licht nicht mehr reicht. Wo die schlimmsten Pakte geschlossen werden.
Sie trifft den Mann. Dieses Monster, das vor krankem Verlangen trieft.
— Also, das ist meine Schwester. Hübsch, nicht wahr? haucht sie tonlos.
Er mustert sie mit dem Blick eines Raubtiers.
— Eine Million Euro. Sie ist Jungfrau. Du wirst nichts verlieren.
Cassandre presst die Zähne zusammen, doch sie weicht nicht zurück. Das Bild ihrer Schulden, der Drohungen, der Gläubiger, die an ihre Tür hämmern — alles drängt sich auf. Sie hat keine Lösung mehr. Nur diese Schwester. Zu sanft. Zu sauber.
Und sie sagt sich,
dass es gerecht ist. Dass nun eben sie an der Reihe ist.
— Du hast den Schlüssel, sagt sie. Sie gehört dir. In einer Stunde wird sie nicht mehr stehen können.
Ich suche die Toilette, aber alles schwankt. Die Wände dehnen sich wie in einem schmutzigen Traum. Meine Beine geben nach.
Ich stoße die Tür auf, taumle auf meinen unsicheren Absätzen — und pralle direkt gegen einen harten Oberkörper, fest wie eine Rüstung. Der Mann verströmt einen betörenden Duft aus Leder, warmen Gewürzen und edlem Holz, der meine Sinne überflutet.
Ich spüre seine festen Finger an meiner Taille, seinen leisen Atem an meiner Haut — und für einen Moment verliere ich vollkommen das Gefühl für Zeit.
Ich hebe den Blick.
Er ist nicht wie die anderen.
Er lächelt nicht. Er fragt nichts. Er berührt mich nicht mehr als nötig. Er betrachtet mich wie ein Rätsel, das es zu lösen gilt, eine unvorhergesehene Variable in einer allzu perfekt kontrollierten Gleichung.
— Du solltest nicht hier sein, sagt er mit tiefer, kühler Stimme.
— Ich wollte … nur …
Ich weiß nicht mehr. Ich kann nicht mehr denken. Meine Lippen bewegen sich, ohne dass ein Laut entsteht.
Ich bin leer.
Und doch spüre ich, dass dieser Mann in mir gerade etwas gesehen hat, das selbst Cassandre nie zu lesen vermochte.
CASSANDREDas Erwachen im Gefängnis ist niemals sanft. Das fahle Licht dringt kaum durch das hohe kleine Fenster, aber die Geräusche des Morgens treffen mich bereits wie Schläge: zuschlagende Türen, quietschende Ketten, das Gebrüll der Wärterinnen und das spöttische Gelächter der Insassinnen. Jedes Geräusch ist eine klatschende Ohrfeige, eine Erklärung: Du existierst hier nicht mehr, Cassandre.Ich versuche mich aufzurichten, aber eine Hand stößt mich heftig zur Seite, bringt mich aus dem Gleichgewicht.— He! röchelt eine schrille Stimme, die der kleinsten Insassin, die ich am Vortag gesehen hatte.Ich beiße die Zähne zusammen und spüre, wie ein eisiger Schauer meinen Rücken hinabrinnt. Innerlich brodelt es vor purer Wut. Meine gedemütigte Prinzessin schwankt bereits, zertrampelt von diesen Monstern, die über ihr Unglück lächeln.
CASSANDREDie drückende Stille der Zelle wird von einem metallischen Knall und einem unterdrückten Schrei aus dem hinteren Teil des Ganges durchbrochen. Ich halte den Atem an, die Hände verkrampft auf meinen Knien. Die Schatten tanzen an der Wand, geworfen vom schwachen Licht der an der Decke hängenden Lampen, und jedes Geräusch wird zu einer Note in einer Sinfonie der Angst. Hier dehnt sich die Zeit, und jede Sekunde scheint mich daran zu erinnern, dass ich allein bin, allein auf der Welt, allein angesichts meines Zusammenbruchs.Die Tigerin, regungslos auf ihrem Bett, wirft mir einen vielsagenden Blick zu. Ich lächle schwach, ein halb ironisches, halb sadistisches Lächeln, aber innerlich zittert mein Herz. In diesem Theater des Elends wird sie sowohl Richterin als auch Verbündete sein … oder vielleicht nur ein bedrohlicher Schatten unter vielen.— Erste Runde, sagt sie mit tiefer Stimme. Die W&
CASSANDREDie Tür knallt mit einem metallischen Krachen hinter mir zu, das bis in meine Knochen hallt. Eine Nummer, ein Code, ein von der Welt vergessener Name: Cassandre existiert nicht mehr. Übrig bleibt nur, was das System sehen will. Eine Zelle. Eine Stange. Ein Eisenbett. Und dieser Geruch … eine Mischung aus ranzigem Desinfektionsmittel und Muff, der mir in der Nase brennt und an der Haut klebt.Ich trete vor, steif wie eine Nadel. Der Wärter deutet mit einer knappen Geste auf das Bett, das der Wand am nächsten ist. Ich setze mich, die Hände verkrampft auf den Knien. Meine Absätze klacken auf dem Boden, jedes Geräusch eine grausame Erinnerung: Die Außenwelt geht ohne mich weiter, und ich … ich stecke hier fest.Drei andere Frauen teilen die Zelle. Die erste kaut nervös auf etwas herum, das wie Papier aussieht, irrer Blick, scheinbar den Untergang der Menschheit planend. Die zweite schnarcht wie ein Bär im Winterschlaf, ein seliges Lächeln auf den Lippen, gleichgültig gegenüber m
TANIAIch klebe an ihm, jeder Zentimeter meines Körpers brennt von seiner Nähe. Sein warmer Atem an meinem Nacken, seine Hände, die über meine Arme und Schultern gleiten – alles überwältigt mich. Meine Knie geben leicht nach, aber er stützt mich, solide und unerbittlich, und ich fühle mich zugleich beschützt und völlig verletzlich.— Du schauderst … murmelt er, ein zynisches Lächeln in der Stimme. Und jedes Schaudern macht mich noch … neugieriger.Mir entfährt ein kurzer Atemzug, fast ein Stöhnen, und er lacht leise, ein tiefer, samtiger Klang, der mich noch mehr erschauern lässt.— Hörst du dein eigenes Verlangen? murmelt er, seine Stimme streift mein Ohr. Selbst dein Atem verrät dich.TANIA (Gedanke)Jeder Atemzug, jedes Schaudern, jedes kleine Geräusch verrät mich … und doch will ich mich nicht entfernen. Ich will ihn. Ich will seine Gegenwart spüren, seine Kraft, seine Beherrschung.Lucas senkt seine Lippen auf meine Schulter, nur eine Berührung, und ein stärkerer Schauer durchfäh





