LOGINNachdem Lyra von ihrem Freund Rafael brutal verlassen wurde, geht sie in eine schicke Bar, um ihren Kummer zu ertränken. Was sie nicht ahnt: Ihre eigene Schwester, Cassandre, hat sie mit finsterer Absicht dorthin gelockt sie will Lyras Verletzlichkeit ausnutzen, sie mit einem Aphrodisiakum betäuben und an einen Perversling verkaufen. Unter dem Einfluss der Droge verliert Lyra völlig die Kontrolle und verbringt eine intensive Nacht mit einem Fremden. Im Morgengrauen, überwältigt von Scham und Verwirrung, verlässt sie hastig das Zimmer und hinterlässt einen 100-Euro-Schein sowie eine provokante Nachricht: "Du bist keine 100 wert." Für Alexandre jedoch, CEO eines mächtigen Konzerns, markiert diese Nacht eine Zeitenwende. Er ist entschlossen, diese junge Frau mit dem brennenden Blick wiederzufinden. Doch auf dem Weg seiner Suche stürzt er mit dem Auto und verliert sein Gedächtnis. Zwei Monate später, kaum genesen, nimmt er die Ermittlungen wieder auf und sucht die Adresse auf, die er vor dem Unfall ansteuern wollte. Dort trifft er auf Cassandre, die ohne mit der Wimper zu zucken die Identität ihrer Schwester an sich reißt und vorgibt, die mysteriöse Geliebte von damals zu sein. Doch Lügen haben ihren Preis.
View MoreLyraDas Meer atmet ganz nah.Unter der Terrasse kommen die Wellen, um am Fels zu sterben, bevor sie zurückgehen, geduldig, ewig.Der Wind streicht über meine Haut, hebt die Vorhänge, gleitet durch mein Haar.Jeder Atemzug scheint zu sagen: du bist endlich da.Das Zimmer ist offen zur Welt.Der Mond gießt sein fahles Gold hinein, dasselbe Gold wie das meiner Träume.Alles ist ruhig.Alles wartet.Ich stehe am Fenster, noch in Licht gehüllt.Mein Herz schlägt wie am ersten Tag, und doch schlägt es sanfter.Heute Nacht brennt nichts.Alles erleuchtet.Die Tür öffnet sich einen Spalt.Seine Schritte, langsam, nähern sich mir.Er sagt nichts.Er braucht es nicht.Seine bloße Gegenwart genügt, um das letzte Zittern meiner Seele zu besänftigen.Ich spüre, wie seine Hand meine Schulter streift, wie ein Versprechen.Die Wärme breitet sich aus, langsam, sanft, gebieterisch.Ich schließe die Augen.Die ganze Vergangenheit verschwindet – oder vielmehr, sie verneigt sich.Denn nichts ist vergesse
LyraDer Himmel dehnt sich weit und golden über den Hügeln.Die Villa, weiß zwischen den Zypressen, hat sich mit Blumen bedeckt. Elfenbeinfarbene Bänder flattern an den Fenstern, der Wind spielt mit den Girlanden, und die Glocke der Nachbarkirche läutet hell, wie ein alter Atem, der zum Leben zurückkehrt.Heute erhält Gabriel seinen Namen.Und wir den unseren – den, den wir gemeinsam gewählt haben, nach so vielen Kämpfen.Daniel ist gekommen, um uns in diesem Moment mit seiner neuen Freundin zu unterstützen. Ich glaube, er hat ein neues Kapitel aufgeschlagen.Ich stehe vor dem Spiegel, das leichte Kleid, die Schultern nackt.Um mich herum atmet alles Frieden: der Duft des Jasmins, die Stimmenausbrüche im Garten, das gedämpfte Lachen der Gäste.Ich schließe für einen Moment die Augen.Ich denke an meine Mutter. Was sie wohl gesagt hätte.Vielleicht hätte sie diesmal gelächelt. Vielleicht hätte sie in mir endlich nicht eine Flucht gesehen, sondern eine Rückkehr.Ein leichter Klopfen an
AlexandreDie Stille eines Gefängnisses hat etwas unmenschlich Langsames.Ein ausgesetzter Schlag, eine Zeit, die nicht mehr vergeht.Die Schritte hallen im Flur wider, gezählt, präzise.Der Wärter führt mich vor sich her, sein Schlüsselbund klappert bei jedem Schritt, wie eine Erinnerung an die Welt da draußen.Ich war seit dem Tag ihrer Verhaftung nicht mehr hierher zurückgekehrt.Zwei Monate sind vergangen, aber die Erinnerung ist geblieben: die Tür, die Blitzlichter, ihre Stimme, dieser Schrei, den sie mir wie eine Klinge entgegenschleuderte.Heute ist alles ruhiger.Aber Ruhe ist nur eine andere Form des Krieges.Der Besuchsraum ist klein, kahl.Ein Metaltisch, zwei Stühle, eine kalte Neonröhre.Sie kommt einige Minuten später herein, in Handschellen, flankiert von zwei Aufseherinnen.Als sie mich sieht, bleibt sie stehen.Ihr Gesicht hat sich verändert.Die Züge gespannt, die Haare grau, die Augen von Schlaflosigkeit tief in den Höhlen.Aber in ihrem Blick ist dieselbe eisige St
LyraZwei Monate.Zwei Monate, um die Stücke einer Welt zusammenzuflicken, von der wir glaubten, sie sei endgültig zerbrochen.Zwei Monate, um zu lernen, dass auch die Stille sich verwandeln kann, wenn man sie atmen lässt.Der Prozess hat noch nicht stattgefunden, aber die Wahrheit hat ihre Wirkung getan: Alexandre hat gesprochen. Sein Vater auch.Der Name der D. ist keine Festung mehr, sondern eine Ruine, offen für den Wind.Und aus diesen Ruinen soll heute etwas Neues geboren werden.Das Zimmer ist weiß, fast zu sehr.Der Geruch von Desinfektionsmittel vermischt sich mit dem Lavendelduft, den Mama diskret auf die Vorhänge gesprüht hat.Draußen bricht der Morgen mit einem klaren Himmel an, gewaschen vom Regen des Vortages.Ich habe Schmerzen. Aber es sind lebendige Schmerzen.Die Art von Schmerz, die etwas Ungeheures ankündigt.— Atme, mein Schatz. Atme sanft.Mamas Stimme zittert kaum. Ihre Hände umschließen meine.Neben mir schweigt Alexandre, aber ich spüre seine Gegenwart, schwer











