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Kapitel 2

Penulis: Liliana
Sie musterte mich von oben bis unten und fragte mit sanfter Stimme:

„Hallo, bist du hier ganz allein? Wo sind deine Eltern?“

Beim Wort „Eltern“ spürte ich einen schmerzhaften Kloß im Hals, meine Nase wurde heiß, und ich kämpfte gegen die Tränen an. Mit heiserer Stimme brachte ich hervor:

„Ich wurde von meinen Eltern hier vergessen. Können Sie mir vielleicht Ihr Telefon leihen, damit ich sie anrufen kann?“

Als sie das hörte, zeigte sich Mitgefühl in ihrem Gesicht. Sie griff sofort in ihre Manteltasche, zog ihr Handy heraus und reichte es mir mit den Worten:

„Ruf schnell an, Kind. Es ist so kalt, du darfst dich nicht erkälten.“

Ich nahm das Handy, aber meine Finger waren so steif vor Kälte, dass ich mehrere Male die falsche Nummer wählte.

Erst nach einigen Versuchen gab ich die richtige Telefonnummer unseres Hauses ein, holte tief Luft und drückte auf die grüne Taste.

Im Hörer ertönte das monotone Tuten der Leitung – jedes Signal klang wie ein Schlag auf mein Herz, schwer von Unsicherheit und Hoffnung.

Doch als das Tuten verstummte, war niemand drangegangen.

Meine Hände zitterten leicht, das kleine Fünkchen Hoffnung in meinem Herzen wurde noch schwächer, und eine eisige Leere breitete sich in mir aus.

Die Frau neben mir sah mich an und sagte leise tröstend:

„Nur keine Sorge, vielleicht war es das Netz. Versuch es noch einmal.“

Ich nickte und drückte erneut auf die Rückruftaste. Mit dem Ohr ganz nah am Telefon hörte ich das endlose Warten, atmete im Rhythmus des Summtons.

Beim siebten Ton wurde der Anruf schließlich entgegengenommen.

Mamas Stimme, begleitet vom Windgeräusch und Musik aus dem Autoradio, klang gedämpft: „Hallo?“

In diesem Augenblick löste sich all die Anspannung in mir, und ich spürte, wie sich meine Augen mit Wärme füllten.

Die ganze aufgestaute Angst und Kränkung schnürten mir die Kehle zu, sodass ich nur heiser und fast tonlos sagen konnte:

„Mama. Ich bin nicht ins Auto gestiegen. Ihr habt mich an der Raststätte vergessen.“

Kaum hatte ich den Satz beendet, kam Mamas Erwiderung sofort und gnadenlos zurück. Ihre Stimme klang fest entschlossen und voller Ungeduld:

„Unmöglich! Vor der Abfahrt habe ich extra gefragt, ob alle da sind. Clara und Tim haben beide ja gesagt. Wie sollte ich dich da vergessen haben?“

Am anderen Ende der Leitung entstand eine kurze Stille. Ich konnte mir genau vorstellen, wie Mama sich umdrehte und auf den Rücksitz blickte.

Diese wenigen Sekunden der Stille schmerzten mich tiefer als der kalte Wind.

Ich hatte erwartet, ihre Panik und Schuld zu hören, doch stattdessen kam nur ein scharfer Vorwurf:

„Du Dummkopf, warum hast du nichts gesagt, dass du nicht im Auto bist! Hättest du damals nicht einfach laut rufen können?“

„Jetzt rufst du erst an, nachdem das Auto schon weit gefahren ist, und machst nur Ärger!“

Die eisigen Vorwürfe zerschlugen meinen letzten Rest an Hoffnung.

Ich biss mir fest auf die Unterlippe, zwang die Tränen, die mir in die Augen stiegen, zurück und sagte mit zitternder Stimme:

„Ich habe gerufen. Ich bin gerannt und habe euch gerufen, aber ihr habt es nicht gehört. Das Auto ist einfach abgebogen.“

Meine Rechtfertigung brachte Mama kurz zum Schweigen, doch das Schweigen verflog schnell. Gleich darauf suchte sie sich einen neuen Grund, um mich zu tadeln:

„Das lag doch nur daran, dass du zu langsam warst!“

„Ich habe dir gesagt, du sollst dich beeilen, aber du trödelst immer. Jetzt sind wir schon an der Mautstelle vorbei. Auf der Autobahn darf man nicht einfach umdrehen – wie sollen wir dich da abholen?“

Da mischte sich Claras Stimme in das Gespräch, spöttisch und scheinheilig:

„Selbst schuld! Sie war einfach zu langsam, wen will sie da beschuldigen? Ich habe sie doch gedrängt, sich zu beeilen. Aber nein, sie musste ja wieder trödeln. Jetzt hat sie, was sie wollte.“

Ich ballte das Handy fester, bis meine Fingerknöchel weiß wurden. Wut und Kränkung stiegen gleichzeitig in mir auf.

Dabei war sie es gewesen, die mir den Platz in der Reihe weggeschnappt hatte, weshalb ich mich neu anstellen musste – und nun gab sie mir auch noch die Schuld.

Kurz darauf drang Tims helle, aber gehässige Stimme hervor, die von verzogener Selbstsucht zeugte:

„Mama, Papa, ich will nicht zurückfahren! Ich will sofort zu Oma und die Weihnachtsgans essen!“

Gerade als mir die Tränen fast über die Wangen liefen, erklang Papas tiefe Stimme durch das Telefon.

In seinem Ton lag keine Spur von Wärme, nur eine nüchterne Anordnung, als ginge es ihn nichts an:

„Schluss jetzt mit dem Streit. Dein Onkel Thomas fährt heute auch in die Heimat, er nimmt denselben Weg.“

„Warte einfach an der Raststätte, lauf nicht herum. Wenn er ankommt, fährst du mit ihm zurück.“

„Aber Papa, ich weiß nicht mehr, wie sein Auto aussieht, und wann kommen sie…“
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