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Vergessen am Heiligabend
Vergessen am Heiligabend
Penulis: Liliana

Kapitel 1

Penulis: Liliana
Ich war das zweite Kind in unserer Familie – und in den Augen aller die, deren Dasein kaum jemand bemerkte.

Claras und Tims Geburtstage standen fein säuberlich im Kalender, nur meinen vergaßen meine Eltern jedes Jahr.

Clara und Tim bekamen neue Kleider und kleine Anzüge, doch meine neuen Sachen vergaßen sie immer zu kaufen.

Clara und Tim erhielten jedes Jahr ihre Weihnachtsgeschenke, während ich nie eines bekam.

Und heute, auf der Autobahn nach Hause zum Weihnachtsfest, bei Temperaturen weit unter null, hatten mich meine Eltern erneut an einer leeren Raststätte zurückgelassen.

1

Als ich aus der Toilettenanlage der Raststätte kam, sah ich, wie Clara und Tim ins Auto stiegen. Ich wollte ihnen gerade folgen, da fuhr der Wagen schon an.

Ich rannte los, schrie laut:

„Papa! Mama! Ich bin noch nicht eingestiegen!“

Doch das Auto bog rasch ab und reihte sich in den Verkehr ein, bis es nicht mehr zu sehen war.

Ich blickte in die Richtung, in der das Auto verschwunden war, meine Lippen bebten, und ich flüsterte leise:

„Papa, Mama, ich bin noch nicht eingestiegen…“

Meine Stimme war leicht wie Rauch, vom eiskalten Wind zerrissen und verweht in der weiten, leeren Raststätte.

Im nächsten Augenblick überzog eine kalte, dumpfe Leere das kleine Reststück Unglauben und Bitterkeit in meinem Herzen.

Langsam senkte ich den Blick und sah mich um.

Die riesige Raststätte lag unheimlich still.

Unter dem trüben Licht der Laternen war der Himmel milchigweiß, keine Menschenseele weit und breit.

In der Ferne rauschten die Autos über die Autobahn, die Lichter zogen lange, verschwommene Bahnen – doch kein einziges Auto hielt für mich an.

Ich wagte nicht, mich weit zu entfernen; meine Füße fühlten sich schwer an wie Blei, festgenagelt an den Boden. In meinem Inneren glomm noch ein ungewisser Funken Hoffnung.

Vielleicht würden Mama und Papa bald merken, dass ich fehlte, und gleich umkehren, um mich zu suchen.

Ich krallte die Finger in den Stoff meiner Jacke, starrte auf die Straße, an der das Auto verschwunden war, und hoffte immer wieder, das vertraute weiße Auto möge auftauchen.

Es wurde immer kälter. Die Kälte drang in meine Knochen, kroch durch jedes Glied, bis ich vom Innersten her fror.

Meine Zehen waren taub vor Frost, und allmählich spürte ich sie nicht mehr.

Meine Wangen glühten vor Kälte, brannten schmerzhaft, und Tränen sammelten sich in meinen Augen, fielen jedoch nicht.

Ich wusste, selbst wenn ich weinte, käme niemand, um mich zu trösten.

Als ich der beißenden Kälte nicht mehr standhalten konnte, wandte ich mich um und ging langsam zurück in Richtung der Toiletten.

Dort war es wenigstens windgeschützter als draußen.

Im stillen Gebäude hörte ich nur meinen Atem und den Wind, der draußen heulte.

All die gekränkten Gefühle, die ich so lange verschluckt hatte, stiegen plötzlich in mir auf und füllten mein ganzes Herz.

Ich erinnerte mich daran, dass meine Familie im letzten Jahr meinen Geburtstag völlig vergessen hatte.

Erst drei Tage später, als Mama den Kalender sah, fiel es ihr wieder ein.

Eilig backte sie einen kleinen Geburtstagskuchen.

„Das ist dein nachträglicher Geburtstag. Iss schnell den Kuchen.“

Während sie das sagte, sah sie weiterhin auf den Fernseher.

Als Clara Geburtstag hatte, fuhr die ganze Familie in ihren Lieblingsfreizeitpark. Auf der bestellten Torte stand: „Unser ganzer Stolz“.

Tims Geburtstag war noch übertriebener – sie luden die ganze Kindergartengruppe ein, und die Geschenke türmten sich zu einem kleinen Berg.

Seit wir klein waren, wurde Clara immer gelobt, weil sie vernünftig, reif und ganz die älteste Tochter war. Tim brachte die ganze Familie zum Lachen und wurde wie ein Schatz verwöhnt.

Und ich?

„Marie ist brav und macht keinen Ärger.“

Das war die feste Beurteilung, die andere über mich abgaben – wie ein unauffälliges, blasses Muster auf der Tapete im Hintergrund: Es war da, doch niemand achtete darauf.

Ich wusste nicht, wie lange ich im Toilettenraum gesessen hatte. Die Wärme in meinen Armen war allmählich verflogen, und mein Körper begann wieder zu frieren.

Gerade als ich beinahe das Bewusstsein vor Kälte verlor, hörte ich draußen leise Schritte.

Mein Herz machte einen Sprung, ich wurde mit einem Mal hellwach, hob unbewusst den Kopf und starrte auf die Tür.

Ist es Mama?

2

Sie hatte vielleicht doch bemerkt, dass ich nicht ins Auto gestiegen war, und war zurückgekommen, um mich zu suchen?

Die Tür wurde mit einem Knarren geöffnet.

Doch hereinkam eine fremde Frau im dicken Daunenmantel.

Das Licht in meinen Augen erlosch augenblicklich, und meine Mundwinkel verzogen sich zu einem bitteren Lächeln – ich hatte mich wohl wieder selbst getäuscht.

Die Frau erstarrte sichtbar, als sie mich sah.

Wahrscheinlich hatte sie auch nicht gedacht, ein allein sitzendes Mädchen in der Toilette einer so abgelegenen Raststätte zu finden.
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