LOGINAmaras Perspektive
Das Sonnenlicht traf mein Gesicht, bevor mein Gehirn begreifen konnte, wo ich war.
Einen Moment lang lag ich einfach da und blinzelte an eine fremde Decke.
Dann kam alles auf einmal zurück – der Kuss, das Taumeln ins Zimmer, das Durcheinander…
Er.
Ich setzte mich zu schnell auf, und der Raum schwankte mit der Bewegung, mein Kopf hämmerte irgendwo hinter meinen Augen. Der Platz neben mir war leer, die Laken zerknittert und kühl – als wäre er schon eine Weile fort.
Ich hörte Wasser im Badezimmer laufen.
Ich wartete nicht.
Meine Hände zitterten, als ich mein Kleid fand, zerknittert auf dem Boden neben dem Bett, und es mir über den Kopf zog. Ich kämpfte mit dem Reißverschluss, den ich nicht ganz erreichen konnte. Meine Schuhe lagen auf gegenüberliegenden Seiten des Zimmers – einer bei der Tür, einer irgendwo bei einem Ledersessel, an den ich mich von gestern Nacht nicht erinnerte. Ich griff meine Tasche, überprüfte zweimal mein Handy, obwohl ich spürte, dass es bereits drin war, und bewegte mich auf wackeligen Beinen zur Tür.
Ich hinterließ keinen Zettel. Ich wusste nicht, was ich auch hätte schreiben sollen.
Der Flur vor seiner Wohnung war ruhig, wirkte teuer.
Ich schaffte es bis zum Aufzug, bevor die Scham wirklich einsetzte – bevor mir der Magen so wegbrach, wie er es schon vor Stunden hätte tun sollen. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die Spiegelwand und schloss die Augen, bis sich die Türen in die Lobby öffneten.
Draußen war die Morgenluft scharf und gnadenlos. Ich stand am Bordstein in dem Kleid vom Vorabend, spürte bis in die Fingerspitzen, was für ein Wrack ich war, und rief Jemimas Nummer mit Fingern an, die nicht aufhören wollten zu zittern.
Sie nahm beim zweiten Klingeln ab.
„Amara? Wo bist du…“
„Kannst du mich abholen?“ Meine Stimme war klein. „Bitte.“
Eine Pause. Ich hörte sie auf der anderen Seite aufrecht sitzen, das Rascheln von Laken, die plötzliche Wachheit in ihrer Stimme.
„Schick mir deinen Standort. Ich komme.“
Ich hörte einen Piepton und seufzte. Erinnerungen an die vergangene Nacht kamen zurück, und ich wusste nicht, ob ich beschamt sein sollte oder nicht.
Wir hatten uns geküsst, viel berührt, und ich hatte ihn praktisch angebettelt, mit mir zu schlafen. Ich erinnerte mich, wie seine Finger mit meinen Brustwarzen spielten, während er in mich eindrang und ich auf dem Bett zuckte und stöhnte.
Irgendwo mittendrin hatte er sich zu mir gebeugt und gesagt: „Habibi…“
Ich hatte seit Jahren keinen so guten Sex mehr gehabt. Scham und Befriedigung kämpften in mir.
Jemima stellte in den zehn Minuten, die sie brauchte, keine Fragen. Sie lehnte sich einfach herüber und stieß die Beifahrertür auf, warf einen langen Blick auf mich – das Kleid, das Mascara, das sicher irgendwo unterhalb meiner Augen gewandert war, das allgemeine Wrack meines Gesichts – und sagte nichts.
Ich stieg ein. Ich schloss die Tür, und in dem Moment, als ich es tat, gab etwas in meiner Brust nach.
„Hey.“ Jemimas Hand fand sofort meine, hielt sie fest. „Hey, sieh mich an. Atme.“
„Ich habe mit jemandem geschlafen“, sagte ich, die Worte herausrutschend, bevor ich sie aufhalten konnte – bevor ich auch nur entschieden hatte, ob ich sie sagen wollte. „Letzte Nacht. Ein Fremder. Ich kenne nicht mal seinen Nachnamen, Jemima, ich kenne nicht mal…“
„Okay.“ Ihre Stimme blieb ruhig, behutsam, wie immer, wenn sie etwas für uns beide zusammenhielt. „Okay. Fang von vorne an.“
Also tat ich es.
Ich erzählte ihr, wie ich Nicholas und Celine erwischt hatte, den leeren Blick auf seinem Gesicht, als hätte ich etwas Unbequemes unterbrochen und nicht sein ganzes Leben erschüttert.
Ich erzählte ihr von der Bar, dem Beinahe-Unfall auf der Straße, dem Mann im Flur, den ich dabei erwischt hatte, wie er jemand anderen küsste, und wie er mir zurück zur Bar gefolgt war, als schuldete ihm die Nacht noch etwas. Ich erzählte ihr von der Ohrfeige und davon, dass er nicht mal gezuckt hatte. Von den Drinks danach, dem Lachen, dem Kuss, den ich selbst begonnen hatte.
Als ich beim Aufwachen in seinem Bett ankam, schluchzte ich zu heftig, um weitersprechen zu können, und Jemima war sehr, sehr still geworden.
„Ich habe ihm acht Jahre lang vertraut“, presste ich heraus. „Und alles in einer einzigen Nacht mit einem Mann ruiniert, den ich nicht mal kenne.“
„Nein.“ Jemimas Stimme schnitt scharf durch. „Nein, das wagst du nicht. Du wagst es nicht, dich hier hinzusetzen und dich zur Schurkin deiner eigenen Geschichte zu machen.“
„Jemima…“
„Er war vor dem Mittagessen in seinem Büro mit der Zunge seiner Sekretärin in seinem Mund“, zischte sie und klammerte sich jetzt ans Steuer, die Knöchel weißend. „Du hattest eine einzige Nacht. Eine. Nachdem du gesehen hast, wie deine Ehe in Echtzeit implodiert. Das ist nicht dasselbe, und ich brauche, dass du mich das sagen hörst.“
Ich widersprach nicht. Ich hatte keine Kraft dazu.
Sie fuhr eine Weile schweigend, ihr Kiefer angespannt, etwas Gefährliches loderte hinter ihren Augen – ein Ausdruck, den ich aus Jahren der Freundschaft kannte: der Blick, kurz bevor sie etwas tat, wofür sie sich später nicht entschuldigen würde.
„Wir holen deine Sachen“, sagte sie schließlich.
„Jemima, ich habe schon—“
„Heute. Jetzt. Die sanfte Version mache ich nicht mehr.“
Ich wehrte mich nicht dagegen. Ein kleiner, erschöpfter Teil von mir war fast dankbar, dass jemand anderes die Entscheidungen traf.
Das Haus sah genauso aus wie am Tag zuvor – die Veranda noch warm beleuchtet, der Rasen noch makellos gemäht, alles so täuschend intakt. Jemima parkte hart in der Einfahrt und war aus dem Auto, bevor ich meinen Sicherheitsgurt abgeschnallt hatte.
Nicholas öffnete die Tür, bevor wir sie erreichten. Er sah schlimmer aus, als ich ihn in Erinnerung hatte.
„Amara.“ Erleichterung brach über sein Gesicht, schnell gefolgt von Verwirrung, als er Jemimas Ausdruck sah. „Was macht sie hier…“
„Die kommt dir aus dem Weg.“ Jemima ging an ihm vorbei, ohne langsamer zu werden.
Ich folgte ihr hinein und bewegte mich diesmal schneller. Ich verweilte in keinem der Zimmer. Ich ließ meinen Blick nicht auf den Fotos an den Wänden ruhen, dem Hochzeitsbild im Flur, dem Leben, das wir aufgebaut hatten und das offensichtlich nichts bedeutet hatte.
„Amara, bitte, können wir einfach reden…“
„Es gibt nichts zu reden.“ Ich bewegte mich weiter, griff, was ich konnte, stopfte alles in die Tasche, die Jemima aus dem Auto mitgebracht hatte.
Er folgte uns zur Tür, seine Stimme wurde mit jedem Schritt lauter. „Ich habe einen Fehler gemacht. Einen einzigen Fehler. Ich bitte dich…“
„Es reicht nicht, dass du einen dummen Fehler gemacht hast – jetzt willst du ihn auch noch rechtfertigen? Blödmann“, unterbrach Jemima ihn kalt, ohne ihn auch nur anzusehen.
Wir hatten das Tor fast erreicht, als seine Hand herausschoss und sich um mein Handgelenk schloss – fest genug, dass ich aufkeuchte und meine Tasche von meiner Schulter glitt und zu Boden fiel.
„Lass mich los.“ Meine Stimme zitterte, aber ich versuchte noch nicht, mich loszureißen – zu verblüfft von der plötzlichen Kraft.
„Nicht, bis du mir zuhörst“, sagte er, jetzt verzweifelt, seine Finger grabend.
Jemimas Gesicht wurde zum Ausdruck eines Mörders. Sie trat vor, aber bevor eine von uns etwas tun konnte, schnitt eine Stimme durch die Morgenluft hinter uns – leise, wütend und unverkennbar vertraut.
„Nimm deine Hände von meiner Frau.“
Zayns Sicht„Sag mir, dass du Witze machst.“Ich sah über den Schreibtisch hinweg zu Jared, der gerade eine weitere Mappe vor mir abgelegt hatte.„Tue ich nicht.“ Er schlug sie auf und drehte die erste Seite zu mir. „Der Kunde möchte noch ein Abendessen, einen Wohltätigkeitsauftritt und eine Veranstaltung am Wochenende.“Ich nahm das Blatt und las die Liste selbst durch. „Wir verhandeln einen Geschäftsabschluss.“„Ich weiß.“ Jared lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Offenbar wollen sie auch sehen, wie glücklich ihr verheiratet seid.“Ich legte das Blatt auf meinen Schreibtisch. „Warum interessiert sie mein Privatleben so sehr?“Jared zuckte mit den Schultern. „Weil die Geschichte für sie funktioniert.“Ich lehnte mich zurück und starrte kurz an die Decke, bevor ich erneut nach der Mappe griff.„Das wird langsam lächerlich.“Jared lächelte. „Du bist derjenige, der verkündet hat, dass du verheiratet bist.“„Ich habe eine einzige Sache verkündet. Sie haben daraus einen Vollzeitjob gemac
Amaras Perspektive„Siehst du nach einer Veranstaltung immer so zufrieden mit dir selbst aus?“Ich wandte mich Zayn zu, während wir in der Nähe des Ballsaaleingangs standen und warteten, bis die letzten Fotografen ihre Bilder gemacht hatten.„Ich bin nicht zufrieden mit mir.“Er warf mir einen Blick zu. „Du lächelst seit fünf Minuten.“Ich sah weg und berührte den Rand meines Glases. „Ich habe über etwas gelacht, das jemand gesagt hat.“„Du hast über Jareds Geschichte gelacht, dann hast du gelacht, als der Kellner sein Tablett fallen ließ, und du hast gelächelt, als diese Frau gefragt hat, ob wir eine große Hochzeit planen.“Ich sah ihn an. „Du hast mitgezählt?“Er schob eine Hand in die Tasche. „Ich bemerke Dinge.“Ich schüttelte den Kopf und sah durch den Raum. Auf den Tischen standen noch halb leer gegessene Teller, Weingläser und gefaltete Servietten, während Kellner umhergingen und das Geschirr abräumten.Die Musik war langsamer geworden, und einige der Gäste gingen bereits. Ich
Zayns Perspektive„Willst du den ganzen Morgen weiter auf diese Bilder starren?“Ich sah von meinem Handy auf und fand Jared an den Türrahmen meines Büros gelehnt, einen Kaffee in der Hand. Ich schaltete den Bildschirm aus und legte das Handy neben die Unterlagen auf meinem Schreibtisch.„Ich habe die Berichterstattung geprüft.“Er kam herein und ließ eine Mappe vor mir fallen. „Du hast die Berichterstattung schon sechsmal geprüft.“Ich öffnete die Mappe trotzdem. Die Fotos vom Vorabend waren über die Seiten verteilt, die meisten zeigten Amara neben mir, meine Hand an ihrer Taille oder unsere verschränkten Hände, als wir das Restaurant betraten.Ein Bild hatte eingefangen, wie sie zu mir aufsah, während ich sprach, und der Fotograf hatte es geschafft, den Moment weit intimer wirken zu lassen, als er gewesen war. Ich betrachtete es noch eine Sekunde, bevor ich es beiseiteschob.„Die Geschichte funktioniert.“ Jared zog den Stuhl mir gegenüber heran und setzte sich. „Deine Mutter hat mic
Amaras Perspektive„Das ziehe ich nicht an.“Jemima hielt das Kleid vor sich und sah mich an. „Du hast es noch nicht einmal anprobiert.“Ich betrachtete das Kleid noch einmal. Es war wunderschön, aber nichts, was ich normalerweise für einen Abend wählen würde, an dem Kameras jede meiner Bewegungen verfolgten.„Es sieht aus wie etwas, das eine Frau trägt, die will, dass alle sie bemerken.“Jemima legte es aufs Bett. „Alle werden dich sowieso bemerken.“Ich nahm ein anderes Kleid vom Stuhl und hielt es an meinen Körper. „Dieses hier.“Sie sah es an und nickte. „Das passt.“Ich zog mich um und stellte mich vor den Spiegel, während Jemima mein Haar richtete. Ich hatte die letzte Stunde damit verbracht, mir einzureden, dass der heutige Abend nicht mehr als eine weitere Verpflichtung sei, aber der Gedanke, neben Zayn zu stehen, während die Leute mich seine Frau nannten, kehrte immer wieder zurück.„Du denkst zu viel“, sagte Jemima.„Ich weiß.“ Ich rückte einen meiner Ohrringe zurecht. „Ich
Amaras Perspektive„Ich verstehe immer noch nicht, warum er ausgerechnet mich ausgewählt hat.“Ich saß am Esstisch, Zayns Vereinbarung aufgeschlagen vor mir, und neben mir blätterte Jemima durch die Seiten.Ich hatte das Dokument bereits zweimal gelesen, kehrte aber immer wieder zu bestimmten Abschnitten zurück. Mein Geld blieb mein Geld. Meine Selbstbestimmung blieb meine. Mein Erbe blieb geschützt. Sogar meine Wohnsituation blieb mir überlassen. Ich tippte mit dem Finger auf die Seite.„Es muss etwas geben, das du mir nicht sagst.“Jemima sah von ihrer Kopie auf. „Vielleicht hat er wirklich gemeint, was er gesagt hat.“Ich sah sie an. „Männer bieten normalerweise nicht so viel an, ohne etwas dafür zu wollen.“Sie warf mir einen kleinen Blick zu. „Du darfst misstrauisch sein.“Ich blätterte eine weitere Seite um. Am Ende wartete keine versteckte Bedingung auf mich. Zayn hatte dafür gesorgt, dass die Vereinbarung klar war, und irgendwie machte mich das noch unruhiger, weil ich erwarte
Zayns Perspektive„Stimmt es?“Ich hielt mitten im Ausziehen meiner Jacke inne, als ich die Stimme meiner Mutter aus dem Wohnzimmer hörte. Sie stand neben dem Sofa, das Handy in der Hand, und sobald sich unsere Blicke trafen, hielt sie es mir entgegen.„Du heiratest?“Ich sah auf den Bildschirm und erkannte den Artikel, den sie gelesen hatte. Mein Name stand neben Amaras, dazu ein weiteres Foto vom vorigen Abend.„Wo hast du das gehört?“, fragte ich.Sie ließ das Handy sinken und starrte mich an. „Es steht überall.“Ich legte meine Schlüssel auf den Tisch. „Es ging alles sehr schnell.“Ihr Gesicht strahlte sofort vor Freude, und sie kam auf mich zu. „Du hast endlich auf mich gehört.“Ich wollte sie beinahe korrigieren, ließ es aber. Sie griff nach meinem Arm.„Ich sage dir seit Jahren, dass du der Ehe nicht ewig ausweichen kannst.“Ich sah auf ihre Hand an meinem Ärmel und dann in ihr Gesicht. Sie war aufrichtig glücklich. Da war kein Misstrauen in ihren Augen, nur Erleichterung.„Wie







