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Kapitel sechs: Meine Frau

Author: WritebyMma
last update publish date: 2026-10-14 19:54:35

Amaras Perspektive

Nicholas ließ mein Handgelenk so schnell los, dass mir die Taschen vollständig zu Boden fielen.

Ich stand da und starrte den Mann vor mir an. Ich versuchte zu begreifen, wie der Fremde aus der Bar plötzlich vor meinem Haus gelandet war und, was noch wichtiger war, warum er mich gerade seine Frau genannt hatte.

Zayn sah Nicholas nur kurz an, dann wandte er sich mir zu. Sein Blick fiel sofort auf mein Handgelenk, und seine Finger berührten vorsichtig die Stelle, an der Nicholas mich festgehalten hatte.

„Hat er dir wehgetan?“, fragte er.

Ich öffnete den Mund, aber zuerst kam kein Ton heraus. Nicholas trat vor, das Gesicht voller Wut.

„Wer zum Teufel sind Sie?“, fuhr er ihn an.

Zayn blickte ihn langsam an. „Der Mann, der Ihnen sagt, dass Sie die Finger von ihr lassen sollen.“

Nicholas lachte humorlos auf und zeigte auf mich. „Sie ist meine Frau.“

Zayn sah wieder mich an, dann zurück zu ihm. „Nicht mehr.“

Mein Kopf fuhr zu ihm herum. „Wie bitte?“

Ich hatte endlich meine Stimme wiedergefunden, aber er antwortete mir nicht. Nicholas blickte zwischen uns hin und her, als hätte er etwas Wichtiges verpasst.

„Amara, was soll das?“

Ich schüttelte den Kopf, denn ich hatte keine Ahnung, was hier vor sich ging. Zayn trat näher, hielt aber genug Abstand, sodass ich mich nicht bedrängt fühlte.

„Sie sollten gehen“, sagte er zu Nicholas. „Das hat nichts mit Ihnen zu tun.“

Nicholas warf ihm einen harten Blick zu. „Es hat sehr wohl mit mir zu tun. Sie ist meine Frau.“

Ich bückte mich und hob eine meiner Taschen auf, meine Hände zitterten noch immer von allem, was passiert war.

„Nicht mehr lange“, sagte ich leise.

Nicholas wandte sich mir zu. „Amara, bitte.“

Ich sah ihn an und sah denselben Mann, der mich angefleht hatte, sein Büro nicht zu verlassen, nachdem ich ihn mit Celine erwischt hatte. Nichts an seinem Gesicht konnte ändern, was ich gesehen hatte.

„Ich habe dir gesagt, dass ich fertig bin.“

Zayn warf Nicholas noch einen Blick zu. „Sie haben sie gehört.“

„Wer sind Sie?“, fragte Nicholas erneut, und diesmal lächelte Zayn, ohne dabei amüsiert zu wirken.

„Zayn Kareem.“

Nicholas' Gesichtsausdruck veränderte sich sofort. Er kannte den Namen. Ich erkannte es daran, dass er für einen Moment verstummte.

Ich hatte Nicholas schon früher von Zayn sprechen hören, meist, wenn es um Leute ging, die in der Geschäftswelt von Seattle zu viel Kontrolle besaßen. Zayn war nicht einfach irgendein reicher Mann, der sich ins falsche Haus verirrt hatte. Er war der Milliardär, den jeder kannte.

Nicholas sah mich mit einer neuen Art von Fassungslosigkeit an. „Du kennst ihn?“

Ich hätte fast gelacht, so lächerlich war die Frage. „Ich habe ihn gestern Abend kennengelernt.“

Zayns Augenbraue hob sich leicht. „Genau genommen ist sie in mich hineingelaufen.“

Ich drehte mich zu ihm um. „Das hilft nicht.“

„Ich weiß.“ Seine Antwort kam so ruhig, dass ich beinahe wieder die Beherrschung verlor.

„Du hast mich deine Frau genannt.“

Er sah mich einen Moment lang an. „Das habe ich.“

„Warum?“

Sein Blick wanderte zur Straße, wo mehrere Leute stehen geblieben waren, um zuzusehen. Ich folgte ihm und entdeckte zwei Männer neben einem geparkten Auto, beide mit Kameras in den Händen.

Mir sackte der Magen weg. „Sind das Reporter?“, fragte ich.

Zayn nickte. „Sie sind mir gefolgt.“

Ich starrte ihn an. „Und sie haben gehört, wie du mich deine Frau genannt hast?“

„Sie haben alles gehört.“

Ich sah zu Jemimas Auto, aber sie war schon weggefahren, nachdem sie mir gesagt hatte, sie würde mir Raum lassen, damit ich mich mit Nicholas auseinandersetzen konnte.

Plötzlich wünschte ich, sie wäre noch da. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mit diesem Mann, meinem betrügerischen Ehemann, meiner Scheidung und einer Gruppe von Reportern umgehen sollte, die gerade offenbar alles mit angesehen hatten. Nicholas kam wieder näher, aber diesmal trat Zayn zwischen uns.

„Nicht.“

Seine Stimme war ruhig, aber Nicholas blieb stehen. Ich hob den Rest meiner Sachen auf und drückte sie an mich.

„Ich gehe.“

Nicholas sah mich an. „Amara.“

Ich antwortete ihm nicht. Ich ging auf das Tor zu, doch bevor ich es erreichen konnte, sprach Zayn erneut.

„Amara, warte.“

Ich blieb stehen, drehte mich aber nicht sofort um. Nicholas stand hinter mir, doch ich hatte seine Entschuldigungen satt. Als ich mich umwandte, sah Zayn mich an.

„Was?“, fragte ich.

Er blickte zur Straße. „So kannst du nicht gehen.“

Ich folgte seinem Blick und sah die Reporter noch immer bei den Autos stehen, die Kameras bereits direkt auf uns gerichtet.

„Du hast das verursacht“, sagte ich.

„Ich weiß.“ Er widersprach nicht.

„Dann bring es in Ordnung.“

Er nickte langsam. „Das werde ich.“

Nicholas trat wieder nach draußen. „Amara, bitte.“

Ich sah ihn an. „Ich bin fertig damit, dir zuzuhören.“

Seine Reue war mir inzwischen egal. Ich nahm meinen Koffer und ging zu meinem Auto.

Zayn folgte mir in einigem Abstand. „Lass mich dich nach Hause bringen“, sagte er.

„Ich kenne dich nicht.“

„Ich weiß.“ Er blickte erneut zu den Reportern. „Aber sie glauben bereits, dich zu kennen, und zwar wegen mir.“

Ein weiterer Blitz leuchtete auf, und ich hielt mir die Hand vors Gesicht und wünschte, der Boden würde sich auftun.

„Das ist unfassbar.“

Zayn ging zu den Reportern und sprach leise mit ihnen. Nach einem kurzen Gespräch zogen sie ab. Ich sah zu, wie er zurückkam.

„Was hast du ihnen gesagt?“, fragte ich.

„Dass sie für einen Abend genug Bilder haben.“

Ich schüttelte den Kopf. „Du erklärst mir immer noch nicht, warum du mich deine Frau genannt hast.“

Er sah mich einen Moment lang an. „Weil Nicholas dich gehen lassen musste.“

„Das ergibt keinen Sinn.“

„In dem Moment hat es Sinn ergeben.“

Ich öffnete endlich meine Autotür. „Na schön, jetzt habe ich ein weiteres Problem.“

Er beugte sich leicht zu mir. „Morgen reden wir.“

„Worüber?“

Seine Augen blieben auf meinen gerichtet. „Darüber, dass jeder, der uns heute Abend gesehen hat, glaubt, du seist meine Frau.“

Ich starrte ihn an. „Das ist nicht dein Ernst.“

Er schenkte mir ein kleines Lächeln. „Ich wünschte, es wäre ein Scherz.“

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