Mag-log inRonanAls die Tür endlich hinter uns zufällt, verstummt der Lärm der Burg. Nur Elis Atem bleibt, und er klingt falsch. Zu flach, zu schnell, irgendwo zwischen Beherrschung und Zusammenbruch gefangen.Er sieht mich nicht an. Er starrt nur auf meine Brust, die Arme an mich geklammert, die Schultern zitternd. Der Geruch von Alarics Halle haftet noch an seiner Haut. Parfüm, gewürzter Wein und blank polierte Grausamkeit. Er brennt mir in der Kehle.Ich frage nicht, was geschehen ist. Durch die Verbindung spüre ich seine Umrisse. Sein Herz hämmert wild, sein Wolf läuft rastlos auf und ab, sein Geist ist so fest zusammengerollt, dass er summt. Für diese Art von stiller Panik gibt es keine Worte. Es gab nie welche. So war Eli, als ich ihn zum ersten Mal einfing: verzweifelt verängstigt und bereit, beim geringsten Anlass anzugreifen.„Eli.“Sein Kopf fährt hoch. Seine Augen sind zugleich hell und leer. Eine Leere, die bedeutet, dass er noch immer an einem Ort gefangen ist, der nicht hier ist.
EliHinter mir schließt sich die Tür mit einem Geräusch von Endgültigkeit. Kein Knall, nur ein Klicken, leise genug, um absichtlich zu wirken. Das Geräusch eines Raubtiers, das sich seiner Beute bereits sicher ist.Die Kammer ist kälter als die Korridore, obwohl im Kamin ein Feuer brennt. Die Wände schimmern von tausend Spiegelbildern, und jedes fängt das Licht auf falsche Weise ein. Spiegel. Vom Boden bis zur Decke. Manche sind vom Alter verzogen, andere so neu, dass ich darin den Puls an meiner Kehle erkennen kann.Wohin ich auch sehe, bin ich. Hundert verschiedene Fassungen. Größer, kleiner, von Glaslinien zerbrochen. Sie bewegen sich, wenn ich mich bewege, blinzeln, wenn ich blinzele, zucken zusammen, wenn ich es nicht tue. Es ist nur eine Täuschung der Augen, doch ich spüre sie im Magen.Dieser Raum wurde zur Demütigung gebaut.Alaric wartet am anderen Ende. Zunächst spricht er nicht. Mit hinter dem Rücken gefalteten Händen steht er da und studiert mich durch all meine verstreute
RonanIch warte in der Halle vor den Gästezimmern. Meine Jacke ist halb geöffnet, mein Messer liegt quer über meinen Knien, und die Tür steht weit offen.Das Feuer ist zu Glut heruntergebrannt. Jede einzelne glimmt wie ein offenes Auge. Seit Stunden habe ich mich nicht bewegt. Wenn ich zu laut atme, könnte mir ein Geräusch entgehen.Ein paar Schritte entfernt sitzt Mara mit dem Rücken an der Wand. Ein Knie ist angewinkelt, ihr Messer liegt darauf. Seit Eli gegangen ist, hat sie kein Wort gesprochen. Sie weiß, dass es nichts zu sagen gibt. Nichts, was die schreiende Panik in meinem Kopf beruhigen könnte.Jace und Hazel habe ich schlafen geschickt. Morgen können wir es uns nicht leisten, alle nutzlos zu sein. Kieran bot an, bei mir zu warten, und ich starrte ihn an, bis er ging. Mara ignorierte meinen Befehl und starrte zurück.Eli ist stark, aber nicht unzerbrechlich. Niemand ist das. Und er wird die Wunden, die Ashgrave ihm zugefügt hat, immer mit sich tragen.Ich habe so verdammt har
EliSeit wir hereingekommen sind, hat Ronan nicht aufgehört, auf und ab zu gehen. Schweigend durchmisst er den Teppich von einem Ende zum anderen, während sich hinter seinen Augen ein Sturm zusammenbraut.Als drei gemessene Schläge an der Tür erklingen, spannen wir uns alle an. Daran ist nichts Zögerliches. Ganz sicher kein Diener.Mara steht bereits mit dem Dolch in der Hand vor der Tür. „Wer ist da?“„Euer Gastgeber“, antwortet Alaric. Obwohl seine Stimme durch die geschnitzte Eiche gedämpft wird, klingt sie noch immer beißend. „Ich habe eine Bitte. Sie würde mir sehr dabei helfen, zu einer Entscheidung über euren Vorschlag zu gelangen.“Ronans Zorn trifft die Verbindung wie ein Hammer eine Glocke. Hell und gefährlich vibriert er mir über die Wirbelsäule. Ohne ihn anzusehen, berühre ich die Rückseite seines Handgelenks, und er hält inne.Mara öffnet die Tür.Alaric gleitet herein. Seine beiden Wachen bleiben an der Schwelle stehen und geben sich Mühe, wie Stein auszusehen. Er blickt
AlaricAlles in Silvercrest muss glänzen. Ganz besonders, wenn ich beabsichtige, unter all dem Glanz zu töten.Die Haupthalle erstrahlt im Licht von hundert Kerzen. Silber fängt jede Flamme ein, bis selbst die Luft wie geschmolzen wirkt.Ich habe die Umgebung mit Bedacht gewählt. Schönheit macht Menschen unvorsichtig. Außerdem erinnert sie sie daran, wem das Licht gehört.Kieran steht zu meiner Rechten, steif wie ein Schwert, das zu lange im Frost lag. Er riecht nach fremdem Schnee und Schuld. Mein Sohn kehrt mit Wölfen auf den Fersen zurück und nennt es Frieden. Hätte er seine Würde und sein Leben behalten wollen, wäre er besser fortgeblieben.Ronan Vale sitzt mir gegenüber. Schultern wie Mauern, Augen wie Eisen um Mitternacht. Seine Größe könnte beeindruckend wirken, hätte ich nicht die Übermacht auf meiner Seite.Er trägt die Erschöpfung gut. Beinahe überzeugend. Doch ich kann seine Geduld schmecken, jene Art von Geduld, hinter der Gewalt lauert.Der Omega sitzt neben ihm, mit eine
MaraSilvercrest erhebt sich aus dem Schnee wie in Stein gemeißelte Arroganz. Seine Mauern drängen sich nicht schutzsuchend aneinander, wie es die meisten Festungen tun. Sie greifen nach dem Himmel, zu makelloser Blässe poliert, damit sie jedes noch so schwache Licht einfangen und auf die Welt zurückwerfen können.Sogar der Frost sieht einstudiert aus, als hätte man ihn so angeordnet, dass er der Architektur schmeichelt. Die Botschaft ist eindeutig. Wir sind ausgesprochen wichtig.Wölfe beobachten uns von den Wehrgängen, während wir uns den Toren nähern. Kieran wird als Erster langsamer und verwandelt sich in einen Menschen zurück, noch bevor wir ihnen zu nahe kommen. Eine bewusste Vorführung. Keine Waffe, kein Fell, nur sichtbar zur Schau gestellte Reue. Er versteht sich sehr gut darauf, so zu tun, als würde er kriechen.Ronan hält sich dicht hinter ihm, seine Stiefel schieben sich durch den Schneematsch.Jede Linie seines Körpers verkündet Erschöpfung. Die Maske eines Alphas, den ma







