Mag-log inEli wurde schon mal angekettet, und es hat ihn fast umgebracht. Als Ronan Vale, der brutale Alpha von Blackthorn, ihn dabei erwischt, wie er durchs Rudelgebiet rennt, ist Eli entsetzt, als der Kerl ihn markiert und für sich beansprucht. Aber Ronan beißt nicht nur. Er fesselt. Mit Seilen, mit Regeln, mit einer Stimme, die Eli die Knie weich werden lässt, und mit Händen, die aus Widerstand Verlangen machen. Eli hatte sich geschworen, dass ihn nie wieder jemand besitzen würde. Dann kam der Alpha, dessen Bindung sich zugleich wie ein Brandmal und wie ein Versprechen anfühlt. Er hasst es, wie sehr er es will. Ronans Stimme. Ronans Hände. Ronans brutale, anbetende Gier. Das ist keine Liebe, das ist Besessenheit. Und Eli hat Angst, dass er langsam Gefallen daran findet.
view moreEli
Der Wald ist zu still.
Keine Grillen, keine Eulen. Nur mein eigener Atem, der mir die Lunge zerfetzt, während ich den Hang hinunterrenne und mir Äste die Arme zerkratzen.
Ich wage es nicht, mich zu verwandeln.
Auf vier Beinen wäre ich schneller, aber meine Fährte wäre auch deutlicher. Und ich kann sie bereits spüren.
Schwarze Gestalten, die zu beiden Seiten wie Schatten durch den Wald gleiten. Wölfe. Große. Und sie haben nicht vor, mich entkommen zu lassen.
Mein Fuß bleibt an einer Wurzel hängen und ich schlage hart hin. Ich verbeiße mir einen Fluch, als die Erde mir die Handflächen aufreißt.
Der Geruch meines Blutes erfüllt die Luft. Scheiße. Ich presse die Hände in die feuchte Erde, um ihn zu überdecken, doch es ist zu spät.
Ein tiefes Knurren rollt durch die Bäume, so mächtig, dass der Boden davon zu beben scheint.
Ich rappele mich auf und renne weiter, ohne auf das Brennen in meinen Knien zu achten.
Vor mir liegt ein Bergrücken. Wenn ich es darüber schaffe, kann ich durch den Bach waten, meine Fährte verwischen und sie abschütteln.
Ich habe das schon einmal geschafft. Ich weiß, wie man flieht.
Aber das hier sind keine gewöhnlichen Wölfe.
Überall stoße ich auf ihre Reviermarkierungen.
An Bäume genagelte Schädel. Blutige Stoffstreifen, die wie Warnungen zwischen den Ästen flattern.
Ich habe sie ignoriert, weil ich glaubte, unbemerkt hindurchzukommen.
Ich muss nur aus den Südlanden raus. Danach kann ich einfach verschwinden.
Rechts von mir knackt ein Zweig. Goldene Augen blitzen auf. Mir sackt der Magen weg.
„Scheiße, Scheiße, Scheiße –“
Ich werfe mich nach links, doch der Boden fällt plötzlich unter mir ab und ich stürze.
Steine reißen meine Haut auf, während ich den Abhang hinunterrolle. Dann pralle ich so heftig gegen etwas Hartes, dass mir die Luft aus der Brust gepresst wird.
Für einen Moment dreht sich alles und Schwärze kriecht in mein Blickfeld. Dann höre ich ihn.
Eine tiefe, raue Stimme, die wie eine Klinge durch die Nacht schneidet.
„Du gehörst jetzt mir.“
Ich stemme mich auf die Ellbogen und weiche zurück, doch über mir löst sich ein Schatten aus den Bäumen.
Er landet in der Hocke. Größer als jeder Mann, den ich je gesehen habe, und gebaut, als hätte man ihn aus der Nacht selbst gemeißelt.
Sein Fell – nein, Moment. Das ist seine Haut. Sie glänzt, während sich schwarze Tätowierungen bei jeder Bewegung über seine Muskeln winden.
Und seine Augen … Wolfsgold, das mich zu durchbohren scheint.
Neben ihm komme ich mir winzig vor. Zerbrechlich.
Er ist ein Alpha.
Dafür brauche ich meinen Wolfsinstinkt nicht. Unter der Wucht seiner Präsenz krümmt sich mein Rücken, und mein eigener Wolf kauert tief in meiner Brust.
„Bitte“, krächze ich und hebe die Hände. „Ich wusste nicht, dass dieses Land jemandem gehört.“
„Das wusstest du sehr wohl.“
Seine Stimme ist ein Knurren, so tief, dass es meine Knochen vibrieren lässt.
Er kommt näher. Langsam, bedächtig, wie ein Raubtier.
„Du hast meine Grenze überschritten und meine Luft geatmet. Hast du geglaubt, das wäre umsonst? Oder dass du mir davonlaufen könntest?“
Ich weiche weiter zurück, bis mein Rücken gegen einen Baum stößt.
Es gibt keinen Ausweg mehr. Da trifft mich sein Geruch. Rauch, Zedernholz und Eisen. Etwas in mir zieht sich zusammen, heiß und tief, und trotz meiner Angst winselt mein Wolf nach ihm.
Nein. Nein, nicht das. Nicht er. Bitte. Mein Leben ist ohnehin schon beschissen genug.
Er beugt sich zu mir hinunter. So nah, dass ich die scharfen Spitzen seiner Eckzähne sehen kann. Er ist nicht ganz verwandelt, aber kurz davor.
Er riecht das Blut an meinen Händen und atmet tief ein, als könnte er es schmecken.
„Du riechst nach Beute“, murmelt er, und im nächsten Moment schließt sich seine Hand um meine Kehle.
Ich kralle die Finger um sein Handgelenk, während mein Herz wie wahnsinnig hämmert. Aber er drückt nicht zu. Nicht wirklich. Er hält mich bloß fest, gefangen zwischen seinem Körper und dem Baum. Sein Daumen streicht langsam und besitzergreifend über meinen Puls.
„Du gehörst nirgends hin“, sagt er und legt den Kopf schief. „Stimmt’s?“
Mein Atem stockt. Ich antworte nicht. Er kennt die Antwort längst.
Etwas grollt in seiner Brust – nicht nur ein Knurren, sondern noch etwas anderes. Bevor ich wieder etwas sagen kann, beugt er sich vor, bis sein Mund an meinem Hals liegt.
Seine Lippen streifen meine Haut, und jeder Nerv in meinem Körper erwacht mit einem Schlag. Seine Zähne fahren über meinen Hals, genau dort, wo mein Puls hämmert.
„Du gehörst jetzt mir“, flüstert er noch einmal. Dann durchbrechen seine Zähne meine Haut und seine Fänge versinken in meinem Hals.
Schmerz und Feuer explodieren in mir, heftig und überwältigend. Aber darunter liegt noch etwas anderes.
Ein Sog. Eine Hitze, die meine Wirbelsäule hinabjagt und zwischen meine Beine schießt – falsch, beängstigend und zugleich so berauschend, dass ich mehr davon will.
Mein Wolf heult in mir auf. Nicht nur vor Angst, sondern aus einem sehr viel ursprünglicheren Verlangen.
Ein Schrei bleibt mir in der Kehle stecken, als er das Blut ableckt und die Wunde mit seinem Speichel versiegelt.
Die Welt kippt, als das Band zwischen uns mit einem Ruck einrastet wie eine Fessel.
Er tritt zurück. Seine Augen sind dunkel und wild, und ich spüre das Band zwischen uns pulsieren – lebendig, elektrisch. Eine Kette, die es mir nahezu unmöglich machen wird, ihm zu entkommen.
„Lauf noch mal weg“, sagt er leise, beinahe freundlich. „Dann siehst du, was passiert.“
Danach reißt er mich am Arm hoch und zerrt mich tiefer zwischen die Bäume. Ins Herz seines Rudels und zu dem, was dort auf mich wartet.
MaraDer Ratssaal fühlt sich jetzt anders an.Keine Anspannung sättigt die Luft, keine Dringlichkeit. Und weil wir seltener tagen, bleibt zwischen den Sitzungen endlich genug Zeit, den Raum gründlich zu lüften.Ronan hat sein Blockhaus inzwischen verlassen, schlendert aber irgendwo draußen mit Eli über das Lagergelände und hält seine Hand. Ich hatte nicht das Herz, die beiden zu unterbrechen.Also sitze ich am Kopfende des langen Tisches, umgeben vom vertrauten Kreis der älteren Wölfe. Zwischen uns liegen Karten ausgebreitet. Die Tinte der letzten Grenzkorrekturen glänzt noch feucht auf dem Papier. Das Licht aus den hohen Fenstern ist kalt, aber stetig, und spiegelt sich in den eisernen Beschlägen und den Messingkanten der großen Türen.Es ist seltsam, wieder zu Hause zu sein und alles so friedlich vorzufinden.„Fangen wir an“, sage ich. Meine Stimme trägt mühelos durch den Raum. Jahrelange Befehlsgewalt hinterlässt Spuren.„Silvercrest hat einen neuen Alpha: Kieran von Silvercrest. E
EliIch erwache träge. Die Welt kehrt in kleinen, zufriedenen Schritten zu mir zurück.Durch die Fensterläden tropft Licht in dünnen goldenen Streifen, warm genug zum Berühren und sanft genug, dass es nicht wehtut. Das Feuer ist zu Glut heruntergebrannt. Die Luft riecht nach uns, und meine Haut trägt noch immer die Spuren dessen, was wir einander angetan haben.Hinter mir ist Ronan schon halb wach. Ich spüre sein solides Gewicht, seinen Arm um meine Taille, als hätte er dort eigenhändig einen Riegel geschmiedet. Er atmet tief und gleichmäßig, die Nase an meinen Nacken gedrückt. Seine Bartstoppeln schaben über die schwachen Spuren der vergangenen Nacht.Diese Ruhe fühlt sich verdient an. Keine Geräusche vom Rudel, keine Nachrichten, kein Krieg, den wir planen müssen. Nur die kleinen Laute eines Zuhauses. Das Knacken des Holzes, das sich setzt. Das Flüstern seines Atems. Mein eigener Herzschlag, der erst noch lernen muss, langsamer zu werden und zu glauben, dass ich wirklich ein Zuhause
RonanDie zweite Nacht brennt ruhiger. Erst im Nachklang entsteht der wirkliche Schaden, wenn die ganze Intensität unserer Hingabe sich in uns festsetzt.Eli sitzt auf der Bettkante, seine Haut im Mondlicht wie mit Silber überhaucht. Die Spuren, die ich gestern Nacht auf ihm hinterlassen habe, blühen wie Beweise einer Eroberung. Jeder einzelne blaue Fleck ist ein präzises Zeichen meines Besitzanspruchs. Er bestätigt, dass Eli sich danach sehnt, was ich ihm gebe, und ich gebe ihm nur, was sein fordernder Trotz ertragen kann.In einer flachen Schale zerreibe ich Knochenasche und vermische sie mit Blut zu einem dünnen, glänzend schwarzen Pigment. Es riecht schwach nach weit entfernten Feuern und dem Nachhall von Asche. Nach dem alten, erbarmungslosen Duft von Schwüren, die länger halten sollen als das Leben. Die Farbe hinterlässt auf allem, was sie berührt, bleibende Flecken. Genau wie es sein soll.Eli beobachtet mich. Seine Lider sind schwer, doch in seinen Augen liegt die scharfe Vorf
EliAls ich aufwache, riecht das Blockhaus nach Holzrauch, schwerem Leder und dem intensiven metallischen Duft von Samen und Schweiß.Ich bin auf eine Weise wund, die sich lehrreich anfühlt. Als hätte mein Körper über Nacht eine neue Sprache gelernt.Die Innenseiten meiner Schenkel schmerzen, und an Kehle und Hüften zeichnen sich Küsse in Form blauer Flecken ab. Ronan ist bereits aufgestanden und halb angezogen. Die Linie seines Rückens ist eine Lektion in Selbstbeherrschung.Er kocht Kaffee. Dieser Mann verströmt schon vor dem Frühstück Beherrschung, und das kann ich unmöglich zulassen.„Alpha“, krächze ich mit rauer Stimme. „Du solltest dich im Nachglanz deiner furchteinflößenden Manneskraft sonnen und nicht irgendwelche Abläufe organisieren.“Er sieht über die Schulter zu mir, nur eine Braue hochgezogen. Das allein verspricht Ärger. „Du solltest dich ausruhen.“„Ausruhen ist langweilig“, murmele ich und strecke mich, bis die Spuren an meinen Rippen protestieren. „Genau wie du.“Er