LOGIN— Weiter, Adrian. Ihre heisere Stimme. Ihre Finger, die sich in die Laken krallen. Ihr Rücken, der sich durchbiegt. — Ja, genau so… mach weiter… Er hört auf sie. Er würde alles tun, was sie verlangt. Seine Hände auf ihren Hüften, sein Rhythmus wird schneller. Sie beißt sich auf die Lippe. — Sieh mich an. Sie öffnet trübe, versunkene Augen. Geweitete Pupillen. — Sag mir, was du willst. — Dich. Nur dich. Sie küsst ihn. Wild. Geschmack nach Whiskey, Salz und ihm. Ihre Zunge, ihre Zähne, diese Art, wie sie ihn verschlingt, als wäre es das letzte Mal. Ihre Fingernägel graben Furchen in seinen Rücken. Ihre Beine rutschen höher. — Hör nicht auf. Er hört nicht auf. Er wird langsamer. Lässt sie zappeln. Sieht zu, wie sie sich windet, nach seinem Rhythmus sucht, ihn wortlos um Gnade anfleht. — Adrian… bitte… Dieser Name in ihrem Mund. Diese Art, wie sie ihn ausspricht – wie ein Gebet. Er wird schneller. Taucht tief in sie ein. Tiefer. Noch tiefer. Bis sie nur noch Atemlosigkeit ist, nur noch Stöhnen, nur noch hingegebener Körper. Sie kommt zuerst. Ihre Finger krallen sich in seine Schultern, ihre Nägel bohren sich hinein, ihr Bauch wölbt sich, ihr Schrei hallt durch das Zimmer. Er folgt ihr wenig später, die Stirn an ihrem Hals, ihre Haut einatmend, zitternd an ihr. — In Mayas Leben gibt es nur eine Regel: keine Liebe. Liebe zerstört alles. Also zieht sie One-Night-Stands vor: Nächte ohne Morgen, ohne Namen, ohne Versprechen. Ein Drink. Ein Blick. Jeder verschwindet wieder. Bis zu ihm. Adrian. Magnetisch. Beunruhigend. Er sollte nur eine weitere Nacht sein. Aber er kommt zurück. Er will nicht nur ihren Körper. Er will sie verstehen. Herausfordern. Besitzen. Zu spät begreift Maya, dass manche Begegnungen kein Zufall sind.
View MoreKapitel 41: Die ersten SchrittePOV ClaudeDie Praxis von Dr. Armand befand sich im dritten Stock eines alten Steingebäudes, weit weg von den Glastürmen meiner früheren Welt. Der Aufzug roch nach Wachs und nach Zeit. Ich war zu früh. Ich stand im stillen Flur, starrte auf das goldene Schild an der Tür, mein Herz raste, als stünde ich vor einem Tribunal. In gewisser Weise war es das. Dem Tribunal meines eigenen Gewissens.Das Wartezimmer war klein, gemütlich, mit alten Büchern und einem tiefen, abgenutzten Ledersessel. Keine protzigen Zeitschriften. Keine Fahrstuhlmusik. Nur das feierliche Ticken einer Uhr und das Gewicht der Stille.„Monsieur Martin?“Dr. Armand war ein Mann um die Sechzig, mit ruhigen Augen hinter einer dünnen Brille. Er streckte mir nicht mit einem geschäftsmäßigen Lächeln die Hand hin. Er neigte nur leicht den Kopf und winkte mich herein.Der Sessel ihm gegenüber war weich, umhüllend. Eine Einladung, zusammenzubrechen. Ich saß aufrecht da, die Hände auf den Knien,
Kapitel 40: Der Weg der AschePOV BellaEINIGE WOCHEN SPÄTERDie Tage nach der Entdeckung waren ein weißer Fleck. Eine Mondlandschaft aus purem Schmerz, in der die Zeit keinen Sinn mehr hatte. Ich funktionierte wie ein Automat: Schlösser austauschen, einen Anwalt konsultieren, Papiere unterschreiben, deren Worte an mir abglitten, ohne einzudringen. Die Wut und die Tränen hatten einer inneren Kälte, einer tiefen Müdigkeit Platz gemacht.Dann begann Claudes Schweigen anders zu wiegen. Nicht sein eigenes Schweigen – er hatte einmal von einer unbekannten Nummer aus versucht anzurufen. Ich hatte es klingeln lassen. Nein, es war das Schweigen der anderen. Thomas, sein Partner, rief mich schließlich an, die Stimme verlegen. Nicht, um Partei zu ergreifen. Um mir mit einem greifbaren Unbehagen mitzuteilen, dass Claude einen katastrophalen beruflichen Fehler gemacht hatte. Dass er beurlaubt worden war. Dass er … nicht gut aussah.„Er kommt nicht mehr ins Büro, Bella. Und wenn er da ist, ist er
Kapitel 39: Der ZusammenbruchPOV ClaudeDie Nacht war ein langer Tunnel aus Kälte und Leere. Ich ging ziellos, das gefrorene Kopfsteinpflaster hämmerte gegen meine dünnen Sohlen, der Wind durchdrang mein Hemd, als wäre ich bereits nur noch ein Geist. Keine Brieftasche. Kein Telefon. Nichts in den Taschen außer den Schlüsseln zu Rosys Duplex, ein metallischer Gegenstand, der mir auf der Haut brannte. Ich warf sie in einen Gully, das Klirren verschluckte die Stille.Das Hotel „L'Étape“, eine verwitterte Fassade nahe dem Güterbahnhof. Das flackernde Neonlicht betonte den fleckigen Teppich und den muffigen Geruch. Ich bezahlte die Nacht mit den letzten zusammengeknüllten Scheinen, die ich in einer Hosentasche vergessen hatte. Das Zimmer war eine Zelle: ein hartes Bett, ein Röhrenfernseher, ein schmutziges Fenster mit Blick auf eine Backsteinmauer.Ich brach auf dem Bett zusammen, ohne meine Schuhe auszuziehen. Der Schlaf kam nicht. Nur ein Strudel aus Bildern: Bellas zerrüttetes Gesicht.
Kapitel 38: Der NachtrufPOV RosyDer Schlaf war ein ruhiges, schwarzes Meer, die Art von tiefem Schlaf zufriedener Eroberer. Die Wohnung war still, nur bevölkert von der Erinnerung an den Abend, den Eintopf, den Wein, seinen Körper an meinem. Ich lächelte im Schlaf, die neuen Laken umhüllten meinen Sieg.Da riss das Telefon die Stille entzwei.Das Geräusch, schrill und beharrlich im Dunkeln, riss mich aus meinen Träumen. Ich stöhnte auf, eine Hand tastete auf dem Nachttisch, suchte den leuchtenden Bildschirm. 3:17 Uhr. Eine Geisterstunde.Es war er.Ein Anflug von Ärger zuerst. Er konnte besitzergreifend sein, aber nie so sehr. Nie zu dieser Stunde. Dann, eine Sekunde später, ein kleines Kribbeln der Aufregung. Vielleicht konnte er nicht schlafen. Vielleicht war er besessen, brauchte mich jetzt, sofort, mitten in der Nacht. Der Gedanke war stark.Ich wischte mit dem Finger über den Bildschirm, die Stimme noch schlaftrunken.„Hallo? Claude? Weißt du, wie spät es ist?“Seine Stimme tra
Kapitel 8POV MayaDer Tag war lang gewesen wie eine Strafe.Acht Stunden Meetings, Akten, Fassadenlächeln und kalter Kaffee, im Stehen zwischen zwei Notfällen hinuntergestürzt – und während der ganzen Zeit, als ständiger Hintergrund, dieser Gedanke, der alle zwanzig Minuten mit der Regelmäßigkeit
Kapitel 3POV MAYAAls ich in seiner Wohnung ankam, hing sein Parfum noch in der Luft, diese Mischung aus Zedernholz und etwas Animalischerem, das nur er war. Er ließ mir nicht einmal Zeit, meine Tasche abzustellen. Seine Hände griffen nach meiner Taille, zogen mich mit einer Gier an sich, die mir
Kapitel 2POV MAYADer Whiskey war zu stark und nicht kalt genug.Ich trank ihn trotzdem.— Kommst du oft hierher? fragte ich.Ich weiß. Als Einstieg hatte ich schon bessere gehabt. Aber ich wollte ihn reden hören. Einschätzen. Die Kontrolle über eine Situation zurückgewinnen, die mir entglitten wa
Kapitel 1 — Die RegelPOV MAYAIch habe nur eine einzige Regel im Leben: Niemals bis zum Morgen bleiben.Kein gemeinsames Frühstück. Kein "Hast du gut geschlafen?", geflüstert zwischen zerknitterten Laken. Kein Blick, der zu lange verweilt, der nach etwas sucht, das ich nicht zu geben gedenke. Ich