LOGIN**ELARA**
„Miss Vance?" Der Wächter sah geradezu geschockt aus, mich zu sehen. Es waren fünf Jahre vergangen, seit ich zuletzt einen Fuß in die Villa der Roux' gesetzt hatte. Und sie sah immer noch genauso aus wie damals. „Ich bin hier, um den Alpha zu treffen." „Er ist gerade im Rudelhaus bei einer Besprechung. Er wird jedoch bald zurückkehren", sagte er. „Wie bald?" „In etwa dreißig Minuten? Man kann die Aktivitäten des Alphas nicht vorhersagen." Er sagte das und ging davon, ließ mich allein im Haus zurück. Na gut. Nur dreißig Minuten. Wenn der Alpha nach dreißig Minuten nicht auftaucht, gehe ich entweder selbst zum Rudelhaus, um ihn zu treffen, oder ich schicke ihm eine sehr ausführliche E-Mail mit vierzig Gründen, warum Alistair und ich die falsche Wahl an Paaren wären. Irgendjemand anderes, nur nicht Alistair. Mein Handy vibrierte in meiner Tasche, und ich zog es heraus. Kris. „Elara, wo bist du?" „Im Haus des Alphas." „Sie ist bei dir zu Hause", wiederholte sie. „Mit wem redest du?" „Mit wem sonst? Mit Alex natürlich. Wie konntest du einfach so rausrennen? Egal, es gibt bald einen Wettbewerb, aber diesmal ist es anders." „Was ist anders? Haben sie schon ausgewählt, wer teilnimmt?" „Es ist ein Schüler pro Klasse. Und es geht um Statistik." Ich zuckte mit den Schultern. „Oh, okay, ich werde mich darauf vorbereiten. Danke." „Die Sache ist…", murmelte Kris und ließ den Satz im Sand verlaufen. „Was ist es?", blinzelte ich. „Weil du und Alistair beide die volle Punktzahl erreicht habt, planen sie, erst einen kleinen Wettbewerb zwischen euch beiden auszutragen. Wer die höhere Punktzahl erreicht, geht zum Wettbewerb." Alistair schon wieder. Es waren erst zwei Tage vergangen, seit er zurückgekommen war, und er drängte sich bereits in jeden einzelnen Bereich meines Lebens. Die Tür öffnete sich, und ich drehte mich um. Wenn man vom Teufel spricht. „Ich rufe dich zurück, Kris." Alistair starrte mich ausdruckslos an. „Was machst du hier?" „Das sollte ich dich eigentlich auch fragen. Die Schule ist noch nicht vorbei." Er machte einen Schritt näher. „Du bist in meinem Haus, Süße. Ich glaube nicht, dass du mir irgendwelche Fragen stellen solltest." Ich schnaubte. Ich hasste es, dass er recht hatte. „Schon gut, ich bin hier, um den Alpha zu treffen. Befriedigt das deine Neugier?" „Nicht ganz", schüttelte er den Kopf. „Weshalb willst du den Alpha treffen?" „Und was geht dich das an?", hob ich die Brauen. Alistair grinste. „Ich kann nicht im selben Haus mit dir bleiben, ohne deine Absichten zu kennen. Schließlich planst du schon einen Mord, seit ich zurückgekommen bin. Es gibt viele scharfe Gegenstände in diesem Haus." „Und ich würde nicht zögern, einen davon an dir auszuprobieren, wenn du diesen letzten Schritt machst." Alistair hielt in seinen Schritten inne, sein Blick sank zu Boden. Mit diesem einen Schritt hätte es keinen Abstand mehr zwischen uns gegeben. Er hob träge den Blick, um mich wieder anzusehen. „Du bist ziemlich mutig für jemanden, der sich auf feindlichem Terrain befindet." Von hier aus konnte ich sein Gesicht deutlich sehen. Er hatte sich verändert. Von dem kleinen Jungen, der immer lächelte und lachte, war nichts mehr übrig, er sah ganz anders aus. Sein Kiefer war messerscharf, seine Augen eine endlose Tiefe aus dunklem Grün. Sein Haar war zerzaust und sah jedes Mal aus, als wäre es nass, was seinen kompletten Bad-Boy-Look abrundete. Er war eine grell blinkende, wandelnde Warnung. „Würdest du mir hier wehtun? Das würdest du nicht wagen. Schließlich ist das das Haus deines Vaters", grinste ich. „Technisch gesehen sind wir hier beide machtlos." Alistair grinste und ging an mir vorbei. „Wenn es um die Hochzeit geht, kannst du gehen. Ich werde niemanden wie dich heiraten." „Oh", legte ich meine Hände auf die Brust. „Vielen herzlichen Dank. Allerdings möchte ich das deinem Vater selbst klarmachen. Damit er dieses Spielchen nicht noch einmal spielt." „Geh einfach, Elara", sagte er ausdruckslos. „Das ist nicht nötig." Sein Gesichtsausdruck war diesmal ernst, während er mich ansah. Ich schnaubte und setzte mich wieder auf den Stuhl. „Ich werde warten… geduldig." Das war Rache dafür, dass er heute Morgen meine Privatsphäre im Taxi verletzt hatte. Zweitens, „Hast du gesagt, du willst am Wettbewerb teilnehmen?" Die Worte verließen meine Lippen, bevor ich sie zurückhalten konnte. Alistair setzte sich mir gegenüber im großen Wohnzimmer hin und schlug die Beine übereinander. „Hmm", nickte er. Mein Kiefer verkrampfte sich, Hitze durchflutete meine Brust. „Warum? Was für ein Spiel spielst du?" „Ich habe gehört, du seist die Brillanteste. Ich konnte es nicht glauben, also… habe ich mich entschieden mitzumachen." Meine Lippen verzogen sich. „Machst du Witze?" „Nein, Süße." „Hör auf, mich so zu nennen", biss ich die Zähne zusammen. „Warum nicht? Wenn wir heiraten, werde ich dich mit noch mehr Kosenamen nennen." „Alistair", mein Blick verschwamm rot. Er stieß ein kurzes, humorloses Lachen aus. „Ich konnte einfach nicht glauben, dass du die Brillanteste an der Schule bist. Also habe ich beschlossen, das zu testen. Ich hoffe, du bestehst morgen, Elara. Ich hoffe wirklich, dass deinen Unterlagen nichts zustößt." „Das ist eine Drohung, oder?" „Du kannst es nehmen, wie du willst, Elara", zuckte er mit den Schultern, „mir ist es egal. Da du das ja sowieso immer tust." Eine vertraute Dunkelheit kroch in diesem Moment meine Kehle hinauf. Meine Finger ballten sich neben mir zu Fäusten, während ich mich bereit machte, ihm ein paar Worte an den Kopf zu werfen, als sich plötzlich die Tür öffnete. „Meine Güte", starrte Luna Maya mich völlig geschockt an. „Elara!" Sie eilte auf mich zu und zog mich in eine feste, atemlose Umarmung. Hinter ihr starrte Alpha Lance mich ausdruckslos an. „Es ist wirklich schockierend, dich hier zu sehen", sagte er fünf Minuten später, als wir allein im Arbeitszimmer waren. „Ich bin wegen einer sehr wichtigen Angelegenheit gekommen." „Der Hochzeit?" Er hob die Brauen und verschränkte die Finger ineinander. „Willst du sie ablehnen?" „Ja, Alpha." „Warum?", fragte er ausdruckslos. Ich schluckte. „Machst du Alistair immer noch verantwortlich für das, was deinem Vater passiert ist?" „Es tut mir leid", murmelte ich und hob den Kopf. „Aber ich werde Alistair die Schuld geben, bis zu dem Tag, an dem ich sterbe." Alpha Lance nickte langsam. „Das ist verständlich, aber auch bedauerlich. Wenn ihr beide euch weiterhin so verhaltet, wird eure Ehe niemals funktionieren." „Ich werde nicht—" „Dein Vater hat das vorgeschlagen, Elara." Die Worte trafen mich wie ein Schlag in die Magengrube. „Was?" „Diese Hochzeit ist meine Art, unser Versprechen zu halten."**ALISTAIR**Meine Beine marschierten zum Arbeitszimmer meines Vaters, während ich die Tür aufstieß und eintrat.„Du hättest es mir sagen sollen", sagte ich ausdruckslos.Vater blickte nicht von dem auf, was er gerade studierte. „Dir was genau sagen sollen, Alistair? Dass es Harris' Wunsch war?"„Nein", trat ich näher. „Dass du sie damit bedroht hast."Er blickte schließlich auf, diesmal verengten sich seine Augen. „War das etwas Schlechtes, zu tun?"„Vater—"„Ich tue, was du nicht kannst, Alistair. Ich halte sie direkt an deiner Seite—"„Nein, du benutzt sie!", unterbrach ich ihn. „Du willst Elara benutzen, um mich unter Kontrolle zu halten", biss ich die Zähne zusammen.Vater lachte leicht. „Ist sie nicht diejenige, die dich verändert, Alistair? Ich habe dir gesagt, entweder hältst du Elara nah bei dir, oder sie wird zum Wolf, der dich beißt. Was, glaubst du, will ich lieber, Alistair?"„Sie dazu zu zwingen, ist nicht der richtige Weg", erwiderte ich.„Ich mache meinen Teil so, wie
**ELARA**„Du hattest eine einzige Aufgabe", biss ich die Zähne zusammen. „Dich mit allem, was du hast, gegen diese Hochzeit zu stellen, und du kannst nicht einmal so etwas Simples bewältigen?"„Bewältigen?" Alistairs Brauen schossen hoch. „Du bist diejenige, die versprochen hat, alles zu tun, um sie zu verhindern. Warum genau gibst du mir also gerade die Schuld? Du bist diejenige, die versagt hat, nicht ich."Das Wort „versagt" ließ meinen Magen sich umdrehen. Ein gereiztes Gefühl kroch meine Brust hinauf, ließ mich fast würgen.Ich versage nicht.Elara Vance versagt nicht.„Da ich dich informiert habe, tu alles, was du kannst, um ihre Meinung zu ändern. Ich habe meinen Teil der Arbeit erledigt", sagte Alistair ausdruckslos und drehte sich zum Gehen um.„Roux", rief ich scharf. Er hielt inne, ohne sich umzudrehen.„Gib niemals dieser Hochzeit nach. Niemals."Er antwortete nicht. Stattdessen ging er einfach weiter.Wenn Alistair nachgab, wäre ich die Einzige auf der anderen Seite des
**ELARA**Hier mit jemandem eingesperrt zu sein, der kurz vor dem Tod stand, war heute… oder heute Nacht nicht in meinen Plänen vorgesehen.Ich fing Alistair auf, bevor er hinfallen konnte, und legte seinen Kopf auf meinen Schoß, starrte auf sein bewusstloses Gesicht.„Alistair… wach auf", flüsterte ich.Ich drückte meine Hand auf seinen Kopf, sein Körper war kalt, seine Lippen leicht blass.Wie lange war er schon krank, um so ohnmächtig zu werden?Ich griff nach meinem Handy, schaltete es ein, um die Netzanzeige zu prüfen. Sie war völlig schwach, aber ich konnte versuchen, Mr. Angelo anzurufen oder ihm eine Textnachricht zu schicken.„Entschuldigung, aber die Nummer, die Sie zu erreichen versuchen, ist derzeit nicht verfügbar", war die Antwort, die ich dreimal erhielt.Ich tippte eine Textnachricht.*Wir sind in einer Hütte im Wald. Bitte kommen Sie schnell. Alistair ist zusammengebrochen…*Meine Finger zögerten über der Nachricht. Wenn ich ihn hier ließe und vorgäbe, ihn nicht gefun
**ELARA**Verwandelt.Genau, er hatte sich zurückverwandelt.Was bedeutete—Ein Blitz zuckte am Himmel und erhellte einen Teil von Alistair, den ich absolut nicht sehen musste. Ich wirbelte so schnell herum, dass ich fast auf dem nassen Boden ausrutschte, meine Hände schossen hoch, um meine Augen zu bedecken, als könnte ich die letzten drei Sekunden meines Lebens ungeschehen machen.„Zieh dich an!"Stille.Dann,„Womit, Süße?"Ich ballte meine Hände so fest zu Fäusten, dass sich meine Nägel in meine Handflächen bohrten.„Mit deinen Kleidern", biss ich die Zähne zusammen. „Wo sind deine Kleider?"„Irgendwo in diesem Wald", antwortete Alistair gelangweilt.„Dann geh sie suchen!"Er lachte leicht, bevor ich Schritte hörte, die sich entfernten. Ich drehte mich nicht um. Ich stand genau dort, wo meine Füße verankert waren, starrte auf die Bäume, als wären sie meine einzige Hoffnung auf Überleben.„Ich bin fertig", sagte Alistair drei Minuten später.„Meinst du das ernst?", schluckte ich, m
**ELARA**Alistair kritzelte etwas auf sein Blatt, bevor er aufstand, um eine Frage zu beantworten.„Richtig", sagte der Fragesteller begeistert.Ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen, während er sich wieder hinsetzte.„Ist das er?", fragte Valeria plötzlich neben mir.Ich drehte mich um und sah sie an. „Wer?"„Alpha-Prinz Alistair. Ist er dein Freund?"Meine Augen verengten sich zuerst, bevor sich Missmut durch meine Adern schob. „Warum sagst du so etwas?"Valeria sah mich fragend an, hob die Brauen. „Ist er es nicht?"„Ist er nicht", schoss ich zurück. „Tatsächlich ist er die Person, für die ich eine Frau suche. Also schieß deinen Schuss ab, wenn du ihn willst."„Meinst du das ernst?" Ihre Augen leuchteten auf.Wie erwartet.„Ja, aber ziel gut mit deinen Pfeilen. Du bist nicht die Einzige, der ich das erzähle. Ich bringe mindestens 20 Alpha- und Beta-Frauen zu der Party. Bei zwanzig sollte es doch mal klicken." Ich grinste.„Aber warum suchst du eine Frau für ihn? Sollten das n
**ALISTAIR**Elara warf mir noch einen Blick zu – das siebte Mal in weniger als zwanzig Minuten.Auf dem Sitz uns gegenüber saß Miss Claire. Neben ihr Mr. Angelo, ihre Blicke fest auf uns gerichtet. Sie beobachteten uns… Elara. Hinter uns saßen jüngere Schüler aus anderen Klassen, entweder aggressiv lernend oder mit derselben Energie zu uns starrend.Elara schaute wieder weg, starrte auf ihr Notizbuch. Ich konnte trotzdem erkennen, dass sie sich nicht konzentrierte.„Wenn du etwas zu sagen hast, Elara… dann sag es", drehte ich mich zu ihr um.Miss Claire und Mr. Angelo taten dasselbe, starrten sie an.Elara zögerte. „Äh…"Ich wandte mich den beiden Augenpaaren zu. „Ich glaube, als Schüler sollten wir eine gewisse Privatsphäre haben. Ihr macht es uns schwer, uns zu unterhalten."„Dich zu beschützen ist unsere Verantwortung als eure Lehrer. Ganz zu schweigen davon, dass du der Alpha-Prinz bist", erwiderte Mr. Angelo ausdruckslos, ohne den Blick abzuwenden.„Elara wird mir nicht schaden"







