LOGINOttos Blick verfinsterte sich. Kens Stimme klang nun etwas ruhiger: „Ich weiß, du bist wütend. Du wünschst dir ihr Glück. Doch angesichts der aktuellen Lage wird sie selbst nach einer Scheidung nicht zwangsläufig ihren Frieden finden. Ehe und Gefühle sind nun einmal keine mathematischen Gleichungen mit einer simplen Lösung.“ Otto hüllte sich in Schweigen. Erst nach einer geraumen Weile brach er es: „Deine Selbstgefälligkeit kennt wahrlich keine Grenzen. Hoffentlich bereust du das nicht eines Tages bitter.“ Während der darauffolgenden zwei Tage befand sich Ken auf einer Geschäftsreise in der Nachbarstadt. Susan widmete sich der Übergabe ihrer Aufgaben. Aurelias Angelegenheit verfolgte sie nicht weiter. Bei jeglichen Unstimmigkeiten oder verborgenen Problemen durchschaute Ken die Lage ohnehin besser als sie; weitere Mühen ihrerseits erübrigten sich. Inzwischen duldete Ken Aurelias Aufenthalt in der Villa am Silbersee vollkommen stillschweigend. Seine wahren Absichten blieben
Steckte etwa Ken dahinter? Doch zu derartigen Machenschaften ließ er sich kaum herab. Schließlich machte er seine Beziehung zu Evelyn bereits öffentlich. Offensichtlich hegte er keinerlei Scheidungsabsichten. Folglich entbehrte ein solch umständliches Manöver jeglicher Logik. Wer zog dann im Hintergrund die Fäden? Wer verfügte über derart genaue Kenntnisse ihres Aufenthaltsortes sowie der Verbindung zwischen Aurelia und Ken? Und wer schleuste die junge Frau so mühelos in die Villa am Silbersee ein? „Oliver, behalte unser Gespräch vor Ken für dich. Ich lege jetzt auf.“ Nach Beendigung des Telefonats atmete Susan erschöpft aus. Welche Absicht verfolgte der Drahtzieher damit? Richtete sich dieser Schachzug gegen sie oder gegen Ken? Und was vermochte eine Aurelia allein schon auszurichten? Zur gleichen Zeit in der Wolke-Zeder-Gruppe. Unmittelbar nach einer Besprechung nahm Ken in seinem Büro einen Anruf von Oliver entgegen. Trotz seiner Unkenntnis der genauen Umstände re
„Mama, Aurelia ist zwar sehr hübsch und sanftmütig, aber Mila möchte sie trotzdem nicht zu lange im Haus haben.“ Susan lächelte und fragte: „Magst du Aurelia denn?“ Mila kicherte. „Wenn Mama sie mag, mag Mila sie auch.“ Aurelias unschuldige Ausstrahlung zog Kinder rasch in ihren Bann. Susan brachte ihre Tochter in den Kindergarten. Anschließend fuhr der Fahrer sie zur Arbeit. Im Wagen auf dem Weg ins Unternehmen glitt ihr Blick aus dem Fenster. Allmählich verdüsterte sich ihre Miene. Damals veranlasste sie Aurelias Unterbringung in einem Hotel. Auf Olivers anhaltendes Schweigen bezüglich ihrer Nachrichten hin ließ sie die Angelegenheit auf sich beruhen. Angesichts der sich überschlagenden darauffolgenden Ereignisse geriet Aurelia rasch völlig in Vergessenheit. Umso unerwarteter kam nun ihr plötzliches Auftauchen in der Villa am Silbersee. Laut Aurelias Aussage arrangierte Susan ihre Begleitung dorthin – eine Ansicht, die Ken offensichtlich teilte. Bei einer Lüge Aurelia
Aurelias bernsteinfarbene Augen ruhten erwartungsvoll auf dem Mann.Ken hob den Blick zu Susan und Mila, die soeben die Treppe herabkamen. Dann nahm er die Kaffeetasse entgegen und probierte einen Schluck. Der Kaffee schmeckte vollmundig und aromatisch.„Papa!“, rief Mila und rannte auf ihn zu.Ken stellte die Tasse beiseite.Aurelia wandte sich Susan zu und schenkte ihr ein sanftes, engelsgleiches Lächeln. „Guten Morgen, Evelyn“, lautete ihre unbeschwerte Begrüßung.Susan sah sie stumm an.Aurelia trat näher, ergriff ihre Hand und sagte voller unverhohlener Dankbarkeit: „Vielen Dank, Evelyn, dass Sie mir diesen Aufenthalt ermöglichen.“Susan runzelte unwillkürlich die Stirn.Als Susan in die klaren, unverdorbenen Augen der jungen Frau blickte, wirkte diese so glücklich wie ein Kind mit seinem Lieblingsgebäck. In ihren Zügen ließ sich nicht der Hauch von Berechnung, Gier oder Täuschung ausmachen.Für einen flüchtigen Moment schien es gar, als spräche sie nichts als die Wahrhei
Ken erhob sich und trat mit schweren Schritten vor Susan. Sein Blick glitt an Simon vorbei und ruhte direkt auf ihr. „Komm, wir fahren nach Hause.“ Während er sprach, ergriff er ganz selbstverständlich ihre Hand und schloss sie fest in seine. Dann wandte er sich Simon zu. „Simon, wir verabschieden uns dann.“ Beim Aufeinandertreffen ihrer Blicke schien die Luft für einen Moment zu gefrieren. Ken führte Susan aus der Halle zum Wagen. Das Auto setzte sich langsam in Bewegung und fädelte sich kurz darauf in den Verkehr der Hauptstraße ein. Den Blick stur auf die Straße gerichtet, hielt Ken das Lenkrad umklammert. „Was hast du vor?“ „Ich habe nicht vor zu kündigen“, antwortete Susan. Kens makellose Züge blieben unbewegt. Auch seine gleichmäßige Stimme ließ keinerlei Emotion erkennen. „Wenn du bleiben willst, dann bleib.“ Auf diesen Tonfall hin hüllte sich Susan in Schweigen. Sie hegte nicht die geringste Absicht, ihn in ihre weiteren Pläne einzuweihen. Ottos Kooperation m
Gleich nach Susans Aufbruch rief Simon Otto an.Das Gespräch wurde schnell angenommen.Simon schilderte ihm die Situation. Otto sagte: „Susan darf wirklich nicht länger bei Ken bleiben. Sie soll ihre Arbeit so schnell wie möglich regeln und nach Hohenbrück gehen.“Er kannte Ken nur zu gut. Wenn Ken etwas haben wollte, entging es ihm nie – erst recht keine Frau.Susan war letztlich nur eine Frau. Gegen Ken konnte sie unmöglich bestehen.Susan kehrte in ihr Büro zurück.In den vergangenen Tagen sammelte sich einiges an Arbeit an.Es klopfte an der Tür.Leon trat ein.„Evelyn!“Als ihr Assistent kannte er ihre beruflichen Fähigkeiten nur zu gut. Ganz gleich, wie viel Arbeit anfiel und wie anstrengend es wurde – die Zusammenarbeit mit ihr gab ihm stets das Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten.Natürlich wusste er auch, worüber im Unternehmen gesprochen wurde. Obwohl Herr Kenn nicht vorhatte, Evelyn ohne Weiteres zu entlassen, machte Leon sich dennoch Sorgen.Niemand ahnte, dass







