ANMELDENEine Lüge. Ein Vertrag. Ein Milliardär, der genau weiß, wie er beides zu seinem Vorteil nutzt. Ich wollte nur ein Foto. Ein einziges Foto neben einer schwarzen Mercedes G-Klasse, damit meine Follower glauben, ich gehöre zu einer Welt, die ich mir kaum leisten kann, von außen zu betrachten. Dann erwischte mich Bianca Moretti. Eine einzige Frage genügte. „Gehört sie dir?“ Ich hätte Nein sagen sollen. Stattdessen log ich. Und irgendwie brachte mich diese Lüge direkt in das Auto des gefährlichsten Mannes, den ich je getroffen habe. Albert Rossi interessiert es nicht, dass ich nur mein Gesicht wahren wollte. Es interessiert ihn nicht, dass ich eine mittellose Studentin bin, die so tut, als hätte sie ein Leben, das sie sich niemals leisten könnte. Was ihn interessiert, ist, wie mühelos ich unter Druck gelogen habe. Also gibt er mir eine Wahl. Eine Strafanzeige ... Oder einen Monat lang an seiner Seite bei den gesellschaftlichen Veranstaltungen, die seine Welt von ihm verlangt. Ein Monat. Mehr muss ich nicht überleben. Doch Albert hat Regeln, und wer sie bricht, muss mit Konsequenzen rechnen. Je tiefer ich in seine Welt eintauche, desto mehr erkenne ich, dass der gefürchtete Milliardär und CEO weit mehr verbirgt als seinen Reichtum. Hinter diesen stahlgrauen Augen liegen Geheimnisse. Feinde beobachten jeden seiner Schritte. Und es gibt eine gefährliche Seite an Albert Rossi, die ich niemals hätte sehen dürfen. Ich dachte, ich unterschreibe einen Vertrag, um mich vor einer dummen Lüge zu schützen. Ich wusste nicht, dass ich mich damit in das Leben des Mafia-CEOs unterschrieb. Und Albert hat angefangen, mich seine kleine, lügende Rothaarige zu nennen.
Mehr anzeigenAdelines POV
„Dafür lande ich garantiert im Knast.“ Ich murmele es vor mich hin, während ich mich mit erhobenem Handy einer Mercedes G-Class nähere. Das Oktoberlicht trifft den glänzend schwarzen Lack und lässt das Auto gegen den grauen Gehweg von Manhattan leuchten. Selbst die getönten Scheiben schreien nach Geld, das ich nie haben werde. Perfekt. Das Internet liebt reiche Mädchen. Ich leihe mir nur die Illusion. Mein letztes Reel hat kaum zweihundert Views erreicht. So viel also zu meinem großen Plan, der Armut zu entkommen, indem ich über Nacht Content Creatorin werde. Das Graduiertenstudium zahlt sich nicht von selbst, und meine zwei Teilzeitjobs lassen mir kaum genug Zeit zum Schlafen. Also fälsche ich es. Gutes Licht ist umsonst. Reiche Viertel sind umsonst. Zwanzig Sekunden so auszusehen, als gehörte ich dazu, ist auch umsonst. Und mal ehrlich, wer sagt schon Nein zu kostenlosen Sachen? Ich jedenfalls nicht. Meine heutige Luxus-Kollektion besteht aus einem übergroßen cremefarbenen Pulli, der von meinen Schultern rutscht, zwölf Dollar im Brooklyn-Secondhandladen, und einer Jeans mit Loch am Knie, für das ich nicht extra bezahlt habe. „Das ist Vintage, Darling“, hatte der Verkäufer gesagt, als würde das das Loch erklären, und ich war dumm genug, ihm zu glauben. Ich schaue auf meine braunen Stiefel, die schon bessere Jahre gesehen haben. Aber man stellt sich ins richtige Licht, kippt die Kamera und schneidet die Realität raus. Plötzlich bin ich nicht pleite. Ich bin eine verdammte Influencerin! Ich bleibe neben der Fahrertür stehen und prüfe mein Spiegelbild im Schaufenster der Boutique. Unordentliche Wellen umrahmen mein Gesicht, weil ich den Föhn ausgelassen habe, oder genauer, weil ich die Stromrechnung nicht rechtzeitig bezahlt habe. In diesem Sonnenlicht schimmern meine haselnussfarbenen Augen fast gold. Reicht. Den Rest machen die Filter. Ich bin mitten in der Pose, Handy gehoben, als ich dieses Lachen höre. Jeder Muskel in meinem Rücken verkrampft, weil ich dieses schrille Lachen kenne. Jeder an der Columbia kennt es. Bianca verdammte Moretti. Motorengeräusch rollt über die Straße, als ihr kirschrotes Cabriolet neben der G-Class hält. Ihr glänzend blondes Haar peitscht im Wind, als käme es direkt aus einem Shampoo-Werbespot. Designer-Sonnenbrille sitzt perfekt auf dem Kopf, während drei Freundinnen sich über die Ledersitze drapieren, als wären sie für ein Magazin-Shooting arrangiert worden. Ich drücke mich gegen das Auto. ‚Bitte sieh mich nicht.‘ „Adeline?“ Ihre Stimme trägt über die Straße. „Bist du das?“ ‚Nee, das ist meine Zwillingsschwester, Chadeline.‘ Meine Augen rollen beinahe nach hinten. Ich senke das Handy und versuche so zu tun, als würde ich irgendetwas anderes machen, Nachrichten checken, eine Caption lesen. Bestimmt nicht neben einem Auto posieren, in dem ich vermutlich nie sitzen werde. „Bianca.“ Ich zwinge ein Lächeln hervor. „Was für ein Zufall, dich mal an einem Ort zu treffen, der meinen Tag nicht noch schlimmer macht.“ Bianca schiebt die Sonnenbrille die Nase herunter, die Augen glänzen. „Ich wusste gar nicht, dass du überhaupt in dieses Viertel kommst. Oh, schönes Auto.“ Eine ihrer Freundinnen lehnt sich mit übertriebener Begeisterung vor. „Warte … ist das der, den du dir nach all den Schichten im Café gekauft hast? Gut für dich.“ „Nee, Amy. Schau dir ihre Stiefel an.“ Eine andere kichert. „Wenn die den Mercedes besitzt, bin ich die Queen of England.“ „Ist der dein?“ Bianca neigt den Kopf, der Antwort schon sicher. Sie weiß, dass ich die Bahn nehme, weiß von meinen zwei Teilzeitjobs und weiß, dass ich einmal Münzen an der Kasse von Trader Joe’s gezählt habe, weil meine Karte nicht reichte. Meine Steuerklasse kann Mercedes nicht mal buchstabieren. ‚Nein, er ist nicht meiner, du dämonische Barbie.‘ Mein Mund öffnet sich, um genau das zu sagen, aber er hat einen eigenen Plan. „Doch.“ Warum habe ich das gesagt? Vier Jahre, in denen Bianca neue Wege gefunden hat, mich daran zu erinnern, wo ich stehe. Stipendienmädchen, Secondhand-Mädchen, die mit Tupperware-Resten auftaucht, während alle anderen vierzig-Dollar-Sushi bestellen, die immer dieselben Secondhand-Funde rotiert, während der Rest Geschichten über Väter austauscht, die Praktika bei Scotch arrangieren. Sie hat mir schon genug genommen. Das hier bekommt sie nicht auch noch. „Wirklich?“ Ihr Ton fordert mich heraus. ‚Sag ihr, dass du scherzt. Grab das Loch nicht noch tiefer.‘ Aber ich werde ihr diesen Moment nicht schenken. „Du glaubst nicht, dass ich ihn mir leisten kann?“ „Dann beweis es“, sagt Bianca und lehnt sich zurück. Handys kommen raus, und ihre Freundinnen sehen viel zu begierig aus, meine öffentliche Hinrichtung zu verfolgen. Die werden darüber reden bis zum Abschluss. Biancas Daumen tippt auf den Bildschirm, und das kleine rote LIVE-Symbol blitzt auf. Mein Magen dreht sich. Sie hat über 700.000 Follower. „Hi, Lovies!“ Sie strahlt in die Kamera, bevor sie sie zu mir schwenkt. „Ihr glaubt nicht, wer endlich dem Club der reichen Mädchen beigetreten ist. Unsere süße Adeline hat sich einen G-Wagon gekauft. Lasst uns ihr gratulieren.“ Ich bin offiziell jenseits des Rückzugspunkts. Jetzt zurückrudern, und ich bin für den Rest meiner Zeit an der Columbia und im Internet die erbärmliche Betrügerin. Meine Füße machen quälende Schritte zur Fahrertür. Meine Hand schließt sich um den Griff, das Metall warm von der Sonne. Ich habe genug virale Sketche gesehen, um den Move zu kennen. So tun, als hätte ich die Schlüssel in einem Café in der Nähe vergessen, genervt tun, mit fünfzig Prozent Würde abziehen. Der Griff gibt unter meiner Hand nach, und die Tür schwingt auf. Mir wird schwindelig, und ich glaube, ich könnte tatsächlich ohnmächtig werden. Nein. Nein nein nein. Mein Gehirn fährt komplett runter, als die Tür aufschwingt. Mein Herzschlag wird so laut, dass die Straße zu verschwinden scheint. Ein Mann schaut von seinem Handy auf. Dunkles Haar ordentlich nach hinten gekämmt. Ein anthrazitfarbenen Anzug, der so perfekt sitzt, dass er illegal sein sollte. Stahlgraue Augen legen sich auf mich, ohne Panik oder Überraschung, nur leichte Irritation über die Unterbrechung. Sein Daumen bleibt über dem Handy schweben. Diese Augen nageln mich fest. Ich bin so tot. Ich sollte meine Secondhand-Stiefel schnappen und rennen, bis die Stadt meine Schande verschluckt, aber Bianca und ihre Clique stehen praktisch im Cabriolet, um zu sehen, was passiert, und ein Gedanke schiebt alles andere beiseite. Durchziehen oder für immer gedemütigt sein. Mein Körper bewegt sich, bevor mein Gehirn wieder online ist. Ich gleite hinein. Wir erstarren. Seine Hände streifen kurz meine Taille, bevor sie sich heben, um das zu vermeiden. Ein Muskel zuckt in seinem Kiefer. Er atmet normal, warme Luft fächelt über mein Kinn, während mir klar wird, dass ich meinen Atem angehalten habe. Seine Augen bleiben auf meinen, so ruhig, dass meine eigene Panik peinlich laut wirkt. Der Duft von Zedernholz erreicht mich, vermischt mit etwas Dunklerem. Oud vielleicht. Teuer auf jeden Fall. „Mach die Tür zu.“ Seine raue, tiefe Stimme rollt in meine Ohren. Ich blinzle ihn an, dann merke ich, dass er mit mir spricht. Ich ziehe die Tür zu, die Hände zittern. „Bitte“, flüstere ich. „Warte, bis sie weg sind, und ich schwöre, ich erkläre alles.“ Draußen macht Biancas Cabriolet eine Show mit dem Motor, die Handys senken sich. Durch das getönte Glas sehe ich ihr Gesicht ein letztes Mal, das Grinsen wankt. Die Ampel springt auf Grün, und sie fahren in die Stadt. Die Luft im Auto fühlt sich plötzlich schwer an. Die Klimaanlage macht nichts gegen die Hitze unter meiner Haut. „Ich sehe, Sie machen es sich ganz gemütlich.“ Ich sitze immer noch auf seinem Schoß, als gehörte ich dorthin. Ich rutsche hastig auf den Beifahrersitz und drücke mich gegen die Tür. „Es tut mir so leid. Ich schwöre, normalerweise bin ich keine Autodiebin … es tut mir so leid.“ Er richtet einen Ärmel, dann pflückt er eine einzelne Strähne meines rotblonden Haars von seiner Jacke zwischen zwei Fingern. Er betrachtet sie kurz, bevor er sie auf den Boden schweben lässt. „Erklären Sie, ohne zu schwafeln“, sagt er, ein leichter italienischer Akzent unter den Worten. Ich hole Luft. „Ich habe gelogen.“ Er sagt nichts. Irgendwie ist das schlimmer. „Sie hat gefragt, ob das Auto meins ist.“ Stille. „Ich hab panisch reagiert.“ Noch mehr Stille, und ich schwöre, ich höre Grillen zirpen. „Die Tür ging auf. Ich dachte wirklich, es wäre leer.“ Ich presse beide Hände aufs Gesicht. „Das ist wahrscheinlich Hausfriedensbruch. Eigentlich ist es definitiv Hausfriedensbruch. Aber bitte verklagen Sie mich nicht.“ Als ich endlich aufhöre, dehnt sich die Stille so lange, dass ich berechne, wie schnell ich den Türgriff erreichen kann. Er schaut zur Straße, wo Bianca verschwunden ist, dann zurück zu mir. Seine Finger ruhen auf seinem Knie, während seine Augen über mein Gesicht wandern. „Also …“ Er lehnt sich zurück, der Blick lässt mich nicht los. „Sie haben gelogen, dass Sie mein Auto besitzen. Das ist eine ungewöhnliche Art, sich vorzustellen.“ Während er spricht, gleitet mein Blick von seinem Gesicht und landet auf einem großen rostfarbenen Fleck in der Nähe der Fußmatte. Mein Atem stockt. Wein, das muss es sein. Reiche Leute trinken teuren Rotwein. Richtig? Er merkt, wohin ich schaue, und neigt den Kopf. Mein Herz schlägt mir in die Kehle. „H-Herr, ich schwöre, es war ein Versehen. Ich stelle mich der Polizei, wenn Sie wollen.“ Meine Hand findet den Türgriff, verzweifelt nach einem Ausweg. Meine Finger schließen sich darum. Ich ziehe, und nichts passiert. Ich ziehe fester. Das Schloss rührt sich nicht. Bevor ich es noch einmal versuchen kann, schließen sich seine Finger um mein Handgelenk und ziehen mich zu ihm zurück. Bei der Nähe kann ich seine dunklen Wimpern zählen. „Niemand geht, bis ich sage, dass das Gespräch vorbei ist.“ Sein Blick verweilt auf meinem Haar. „Kleine Rothaarige“, murmelt er, als hätte er endlich entschieden, wie er das Problem nennen will, das in seinem Auto sitzt. Ich schlucke. Okay, ich habe mich mit dem Falschen angelegt. Er verweilt weiter, ein Finger tippt gegen die Lederarmlehne. „Sie lügen sehr leicht.“ Stille legt sich wieder zwischen uns, und die Sekunden dehnen sich, bis meine Finger wieder zum Türgriff zucken. „Sie werden es mir zurückzahlen.“ „… Entschuldigung?“ Wenn er Geld erwartet, wird er zutiefst enttäuscht sein. „Ich brauche eine Begleitung für gesellschaftliche Anlässe.“ Sein Blick trifft meinen. „Einen Monat. Dann sind wir quitt.“ „Sie wollen, dass ich mit Ihnen zu Events gehe? Herr, das ist doch keine chinesische Serie …“ Er unterbricht mich. „Stimmen Sie zu, und ich lasse die Sache ruhen. Es sei denn, Sie möchten lieber, dass ich den Vorfall melde.“ Er neigt den Kopf und beobachtet, wie die Panik in mein Gesicht zurückkehrt. „Ich stelle mir vor, die Polizei fände das Sicherheitsvideo ziemlich unterhaltsam.“ Wenn man so darüber nachdenkt, klingt es lächerlich, wenn er es sagt. „Mich deswegen anzeigen? Bitte, ich kann leicht sagen, dass ich mich versehen habe.“ „Können Sie versuchen, wenn das hinter Gittern funktioniert.“ Er sagt es so ruhig, dass ich nicht erkennen kann, ob er blufft oder genug Einfluss hat, um aus einem dummen Fehler ein ernstes Problem zu machen. Bei einem Mann, dessen bloße Anwesenheit meine Instinkte schreien lässt, bin ich nicht bereit, das herauszufinden. Das ist im Grunde Erpressung, aber ich habe mich selbst da reinmanövriert, und ich kann keinen Strafregistereintrag bis zum Dean der Columbia gelangen lassen. Warte. Der Ausweg ist direkt da. Einen Monat so tun, den Rauswurf vermeiden, Biancas kleine Show von allein zerfallen lassen. Wie schwer kann das schon sein? „Einen Monat.“ Ich hebe das Kinn. „Dann ist Schluss.“ Er streckt die Hand aus. „Albert Rossi.“ Seine Hand ist warm, als ich sie nehme, der Griff fest. Ich ziehe meine schneller zurück als nötig. „Adeline Carter.“ Er holt eine Visitenkarte aus dem Portemonnaie, schweres Papier, sein Name und ein Wort darunter. CEO. Meine Brust zieht sich zusammen. „Meine Assistentin schickt die Details. Erstes Event Samstag.“ Sein Blick wandert über meinen Secondhand-Pulli, meine zerrissene Jeans, den nackten Abhang meiner Schulter, wo der Stoff verrutscht ist. „Besitzen Sie Abendgarderobe?“ Hitze steigt mir in den Nacken. „Was glauben Sie, was ich besitze?“ schnappe ich, dann hole ich Luft. „Keine Sorge, ich kriege das hin.“ Sein Mund zuckt, aber er glättet ihn. „Ich kümmere mich um die Garderobe. Teil der Vereinbarung.“ „Ähm, da wir gerade die Bedingungen klären.“ Ich räuspere mich. „Bekomme ich auch Geld? Eine Auftrittsgage?“ Sein Mund krümmt sich endlich. Ich hasse es, dass ich das bemerke. „Nein.“ Als ich widersprechen will, nickt er zur Tür. Ich greife den Griff und steige aus, die Tür schließt sich hinter mir mit einem endgültigen Klick. Der Motor schnurrt, als die G-Class in den Verkehr einbiegt und Richtung Park Avenue verschwindet. Ich schaue auf die Karte in meiner Hand, sein Duft haftet an meinem Pulli. Mein Bildschirm leuchtet auf. Unbekannte Nummer: Gala-Event Samstag, 19 Uhr. Auto holt Sie um 18:30 ab. Kleid kommt Freitag. M. Romano, Executive Assistant von Mr. Rossi. Sie haben meine Adresse, einfach so. Natürlich haben sie die. Männer wie Albert Rossi machen nichts halb, obwohl er anscheinend zu gierig ist, mich für meine Premium-Anwesenheit zu bezahlen. Der Bildschirm leuchtet wieder auf. Eine völlig andere Nummer, und mein Lächeln stirbt. NUL/: Halten Sie sich von Albert Rossi fern, bevor er Sie zerstört. Das ist Ihre einzige Warnung.Alberts POVEine Klinge schlägt in den vergoldeten Rahmen auf der anderen Seite des Raums, noch bevor ich mich in meinen Stuhl gesetzt habe, und bohrt sich mittig in das Auge irgendeines Rockefeller-Vorfahren, den in diesem Hotel niemand zu identifizieren versucht hat.Vivian wirkt nicht besonders stolz auf den Treffer. Sie kommt in ruhigem Tempo herüber, die Absätze kaum hörbar auf dem Teppich, und reißt das Messer mit einer Drehung des Handgelenks heraus.„Die sollten das gute Silber wirklich nicht so rumliegen lassen.“ Sie schlendert zurück zum Tisch, die Klinge dreht sich einmal zwischen ihren Fingern, bevor sie sich gegenüber von mir fallen lässt. „Fördert schlechtes Benehmen.“Manhattan erstreckt sich hinter ihr durch die Glaswand, vierzig Stockwerke tiefer, Gold und Rot sickern in das Gitter der Stadt. Kerzenlicht sitzt niedrig auf dem Tisch, und schwere Vorhänge warten noch zurückgezogen, bereit, den Raum abzuschließen, sobald das Personal den letzten Durchgang hinter sich hat
Alberts POV Die Tür fällt hinter mir ins Schloss, und Julian fährt los, ohne auf Anweisungen zu warten. Das Café schrumpft im Seitenspiegel, während ich mich im Sitz zurechtsetze und aus Gewohnheit nach meinem Manschettenknopf greife. „Freund?“ Julians Blick streift den Rückspiegel, Amüsement schwingt in dem einen Wort mit. Ich antworte nicht sofort. Durch das Fenster sehe ich Adeline auf dem Bürgersteig stehen, in der Schürze, der Kaffeefleck am Stoff in der Nähe ihrer Hüfte, der Dutt auf einer Seite schon halb aufgelöst, wo sie wohl während der Schicht daran gezogen hat. Die Haut unter ihren Augen wirkt schwerer als gestern, und die losen Strähnen um ihr Gesicht machen deutlich, dass der Dutt die Schicht nicht überlebt hat. Ihre Arme verschränken sich, lösen sich wieder, die Hände scheinen nicht zu wissen, wohin mit sich, jetzt, da ich nicht mehr vor ihr stehe. Dann krümmt sich ihr Mund, ungeschützt, in dem Moment, in dem sie glaubt, niemand sieht hin. Sie merkt, dass sie läche
Adelines POVEin Hammer fährt mir in den Schädel, kaum dass ich den Kopf vom Kissen heben will, und ich lasse mich mit einem Stöhnen zurückfallen, das mir die Kehle aufkratzt. Sonnenlicht schneidet in einem Winkel durch die Jalousien, der extra dafür gemacht scheint, mich zu quälen, und trifft mich direkt in die Augen, egal wohin ich mich drehe.Ein Drink. Ein einziger fürchterlicher Drink hatte meinen ganzen Körper gegen mich aufgebracht. Aber teurer Alkohol trifft wohl anders.Bruchstücke der Nacht tauchen in keiner bestimmten Reihenfolge auf, während ich daliege und warte, bis die Decke aufhört zu schwanken. Das Balkongeländer unter meinen Fingern. Albert, der den Handschuh Finger für Finger auszieht. Das Glas, das meine Handfläche wärmt, kurz bevor die Ränder von allem in goldenes Licht verschwimmen und seine Stimme von irgendwo über mir kommt. Danach eine Lücke, wo der Rest der Nacht sein sollte.Ich stemme mich auf die Ellbogen, und eine Stimme antwortet aus Richtung meiner Küch
Adelines POVAntonio klatscht zweimal in die Hände, laut genug, um das Pokerspiel hinter uns zu übertönen. „Damen. Langweiliges Männergespräch. Ihr seid entlassen.“Ein Raunen aus Stöhnen und Kichern geht durch die Gruppe, während sich Stühle über den Boden schaben. Ich fange Alberts Blick kurz auf, doch Antonios Hand legt sich auf meine Schulter und lenkt mich mit den anderen Frauen zum anderen Ende des Casinos.Sobald wir vom Pokertisch weg sind, ersetzen Champagnergläser die Chipstapel, und das Gespräch wechselt in den Klatsch, den Leute nur teilen, wenn sie glauben, niemand Wichtiges könne sie hören. Eine der Frauen aus dem Aufzug dreht sich um, derselbe rote Lipgloss glänzt auf ihrem Mund, und ihre Augen verengen sich, als sie auf mich fallen.„Also bist du diese Adeline.“„Ich habe das Gefühl, du hast mehr über mich gehört als ich über dich.“ Ich lächle sie an.Ihr Mund wird schmal, und statt zu antworten, dreht sie sich zum Billardtisch um.„Billard“, sagt eine andere Frau und











