LOGINZwischen Herz und Freundschaft „Wo Freundschaft endet, beginnt das Herz zu sprechen.“ In der kleinen Stadt Monvalle scheint jeder jeden zu kennen – doch hinter vertrauten Fassaden verbergen sich Wünsche, Ängste und Gefühle, die längst nicht mehr ignoriert werden können. Rina führt mit viel Herz die kleine Buchhandlung ihrer Familie und stellt die Bedürfnisse anderer immer über ihre eigenen. Liebe? Dafür bleibt in ihrem Leben kaum Platz. Bis der charismatische Musiker Cody plötzlich auftaucht und etwas in ihr berührt, das sie viel zu lange verdrängt hat. Währenddessen versucht ihre Schwester Kathy, zwischen Familienleben, Verantwortung und ihrem lebhaften Sohn Lio nicht den Halt zu verlieren. Doch auch sie muss lernen, dass manche Menschen auftauchen, wenn man sie am wenigsten erwartet – und das Herz schneller verändern können, als einem lieb ist. Zwischen Konzerten, Sommernächten und den Straßen von Aken erkennen auch Jona und Ren, dass aus tiefer Freundschaft manchmal Gefühle entstehen, die alles komplizierter machen. Doch Liebe bedeutet nicht nur Nähe. Sie bedeutet Risiko. Vertrauen. Und den Mut, jemanden wirklich in sein Herz zu lassen. Zwischen stillen Wasserwegen, warmen Sommerabenden und den kleinen Momenten des Alltags erzählt Zwischen Herz und Freundschaft von Menschen, die ihren eigenen Weg suchen – und dabei entdecken, dass die schönsten Geschichten oft dort beginnen, wo man sie nie erwartet hätte.
View MoreDer Schnee fiel weiterhin leise über Monvalle und legte sich wie eine glitzernde Schicht über die Stadt. Rina saß noch in ihrem kleinen Buchladen, den Blick kurz ins Leere gerichtet, als das vertraute Klingeln der Tür sie aus ihren Gedanken holte.
Sie blinzelte, richtete sich leicht auf — und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, sobald sie Kathy und Lio erkannte.
Die beiden kamen mit roten Wangen und klappernden Schuhen herein, eine kalte Schneewolke gleich mit ihnen.
„Rina!", rief Kathy schon beim Reinkommen, während Lio sofort losstürmte, auf dem Boden herumtippelte und begeistert die Schneereste von seinen Stiefeln klopfte. „Wir sind fast erfroren draußen! Und wir haben alle Weihnachtsgeschenke geschafft — ich sag dir, das war ein Kampf!"
„Ein Kampf mit vielen Süßigkeiten", murmelte Rina schmunzelnd und stand auf, um Lio automatisch die Mütze ein Stück tiefer zu ziehen. „Kommt erstmal rein, bevor ihr mir hier noch zu Eiszapfen werdet."
„Zu spät", meinte Kathy theatralisch und rieb sich die Hände. „Ich spüre meine Finger nicht mehr. Und Lio hat ungefähr drei Mal versucht, heimlich Gummibärchen einzuschmuggeln."
Lio quietschte empört, als wäre das eine völlig ungerechtfertigte Anschuldigung.
„War nur eins!", protestierte er sofort.
Rina lachte leise und zog ihren Schal enger um den Hals. „Nur eins. Natürlich."
Kathy warf ihr einen Blick zu, der eindeutig „Glaub ihm kein Wort“ sagte, bevor sie sich im Laden umsah. „Ich liebe die Weihnachtszeit wirklich… aber die Stadt war heute komplett voll. Überall Menschen, Gedränge, Chaos."
„Und ich war sehr mutig!", warf Lio sofort dazwischen, als müsste er das unbedingt klarstellen.
„Stimmt", bestätigte Kathy gespielt ernst. „Sehr mutig. Vor allem an der Süßigkeitenfront."
Rina griff nach ihrem Buch, das sie vorhin kaum gelesen hatte, und legte es beiseite, ohne wirklich zu merken, dass sie es tat. „Na gut… dann habt ihr euch den Weihnachtsmarkt verdient. Ein bisschen frische Luft, bevor wir nach Hause gehen."
Für einen kurzen Moment blieb ihr Blick an Kathy hängen, als würde sie noch etwas sagen wollen — ließ es dann aber einfach stehen und lächelte nur.
„Gute Idee", sagte Kathy und zog Lio schon halb Richtung Tür. „Bevor er hier noch alles leer räumt."
„Ich räume gar nichts leer!", rief Lio empört, während er schon wieder an der Schneeflocke an seinem Ärmel interessiert war.
Rina schüttelte leicht den Kopf, noch immer lächelnd, und griff nach ihrem eigenen Schal und ihrer dicken Jacke.
Draußen wartete der Schnee — und der Tag fühlte sich plötzlich ein kleines Stück lebendiger an als noch einen Moment zuvor.
Die drei stapften durch den frisch gefallenen Schnee, der unter ihren Stiefeln leise und gleichmäßig knirschte. Kalte Luft brannte in den Lungen, während ihre Atemwolken sich wie kleine Nebelschleier vor ihnen auflösten. Überall glitzerten Lichterketten zwischen den Häusern, warfen warmes Gold auf den weißen Schnee, und der ganze Weihnachtsmarkt wirkte, als wäre er in eine leuchtende Decke aus Magie gehüllt.
Der Duft von Zimt, gebrannten Mandeln und heißem Glühwein lag schwer in der Luft und mischte sich mit dem Rauch der kleinen Stände. Irgendwo lachte ein Kind laut auf, Schlitten ratterten über den kleinen Hügel, und Musik aus einer alten Box klang gedämpft durch das Treiben.
Lio zog begeistert an Kathys Hand. „Ich will da rutschen! Nur einmal!", rief er und zeigte auf den Schlittenhügel.
„Nachher vielleicht“, lachte Kathy und zog ihn sanft weiter. „Erst bleiben wir zusammen, okay?“
Rina ging neben ihnen her, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben, und ließ den Blick über das bunte Treiben schweifen. Für einen Moment war da dieses ruhige Gefühl, das sie immer hier hatte – dieses „alles ist gerade gut“-Gefühl, auch wenn es nur kurz anhielt.
„Rina!“, rief Kathy plötzlich, als hätte ihr gerade etwas wieder eingefallen. Ihre Augen leuchteten. „Stell dir vor… in zwei Monaten ist Tanner endlich in Brysanne!“
Rina blieb automatisch ein Stück stehen, ein kleines Lächeln auf den Lippen. „Ich weiß…“, sagte sie leiser. „Es fühlt sich an, als würde das ewig dauern.“
Kathy drückte Lios Hand etwas fester, während sie weiterliefen. „Ich kann es wirklich kaum erwarten, ihn live zu sehen. Ich hab ehrlich gesagt schon mehrmals das ganze Setlist durchgehört, einfach nur so.“
Rina lachte leise. „Du auch? Ich dachte schon, ich bin die Einzige, die sich die Songs so kaputt hört.“
„Auf keinen Fall“, erwiderte Kathy sofort und grinste. „Ich hab sogar schon angefangen zu überlegen, was wir anziehen könnten. Ich will nicht da stehen und denken: ‚Warum hab ich DAS angezogen?‘“
„Oh Gott, ja“, murmelte Rina und zog ihren Schal ein Stück höher ins Gesicht. „Wir müssen das wirklich vorher planen. Warm, aber trotzdem… irgendwie besonders.“
„Genau das meine ich!“, sagte Kathy begeistert. „Wir müssen perfekt vorbereitet sein.“
Lio hüpfte neben ihnen durch den Schnee und warf eine kleine Handvoll davon in die Luft. „Ich will auch zu Tanner!“, rief er fröhlich, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.
Rina und Kathy mussten gleichzeitig lachen.
Zwischen dem süß-warmen Duft von gebrannten Mandeln und dem schweren, leicht alkoholischen Glühweinaroma lagen die Gassen voller Leben. Weihnachtslieder schwebten aus kleinen Lautsprechern über den Markt, manchmal leise, manchmal vom Wind verschluckt, und mischten sich mit Stimmen, Lachen und dem Knirschen von Schnee unter Stiefeln.
Kathy zog ihren Schal ein Stück höher und sah zu Rina rüber. „Weißt du noch das letzte Video von Tanner?“, fragte sie plötzlich, als könnte sie es kaum für sich behalten.
Rina grinste. „Das, wo er bei dem Refrain einfach komplett eskaliert ist?“
„Ja! Genau das!“, lachte Kathy sofort. „Ich schwöre, ich bekomme jedes Mal Gänsehaut.“
Für einen Moment liefen sie einfach weiter, Schulter an Schulter, während Lio voraus durch den Schnee stampfte und kleine Spuren hinterließ.
„Seine Stimme…“, murmelte Rina dann nachdenklicher, „die bleibt einfach hängen. Egal wie oft man sie hört.“
Kathy nickte heftig. „Und diese Energie auf der Bühne! Als würde er alles um sich herum vergessen.“
Rina lächelte leicht, während sie den Blick über die Lichter schweifen ließ. „Ich glaube, genau deshalb freuen wir uns so drauf. Nicht nur das Konzert… sondern dieses Gefühl danach.“
„Ja“, sagte Kathy leise, fast ein bisschen ehrfürchtig. „Als wäre man für ein paar Stunden in einer anderen Welt.“
Der Wind zog kurz stärker durch die Gasse, wirbelte feine Schneeflocken um sie herum, aber sie gingen einfach weiter – und mit jedem Schritt wurde die Vorfreude ein Stück größer, greifbarer, lebendiger.
Kathy sah ihre Schwester noch immer mit riesigen Augen an. Rina hingegen war bereits aufgesprungen. „Okay.“ „Okay?“, wiederholte Kathy ungläubig. „Ja. Okay.“ „Du willst dich jetzt tatsächlich umziehen?“ „Natürlich. Ich kann ja schlecht im Schlafanzug mit ihm reden.“ Kathy musste kurz lachen. „Das wäre zumindest ehrlich.“ Rina verdrehte die Augen und verschwand mit ein paar Kleidungsstücken im Bad. Keine zehn Minuten später kam sie wieder heraus. Sie trug eine bequeme Jogginghose und einen lockeren Pullover. Ihre Haare hatte sie lediglich zu einem lässigen Pferdeschwanz zusammengebunden. Mehr hatte sie nicht gemacht. Kathy sah sie von oben bis unten an. „Das war’s?“ Rina zuckte mit den Schultern. „Was soll ich denn sonst machen?“ „Ich weiß nicht. Dich ein bisschen hübsch machen?“ Rina schüttelte den Kopf. „Nein.“ Sie ging noch einmal ins Bad, wusch sich gründlich das Gesicht und betrachtete anschließend ihr Spiegelbild. Ihre Augen waren noch leicht gerötet. Man sah
Vielleicht hatte Kathy recht. Vielleicht musste sie nicht sofort wissen, für wen ihr Herz sich entscheiden würde. Aber sie konnte zumindest dafür sorgen, dass Ryan und Cody wussten, was in ihr vorging.Sie richtete sich langsam auf und griff nach ihrem Handy.„Ich schreibe ihnen.“Kathy sah sie an.„Beiden?“Rina nickte.„Beiden.“Sie öffnete zuerst Ryans Chat.Eine ganze Weile starrte sie auf das leere Nachrichtenfeld.Dann begann sie zu tippen.Sie las die ersten Worte noch einmal, löschte einen Satz und schrieb ihn erneut. Schließlich atmete sie tief durch und ließ ihre Finger über die Tastatur gleiten.Hey, um ehrlich zu sein, weiß ich nach deiner Nachricht nicht, was ich antworten soll. Du hast mir auch gefehlt und, um ehrlich zu sein, mehr, als ich zugeben möchte. Und dennoch bin ich gerade total verwirrt. Vor allem, weil du wusstest, dass ich ein Date mit Cody hatte. Ich hätte dir das gerne selber gesagt. Und um ehrlich zu sein, wollte ich euch beide kennenlernen. Ich wollte he
Rina blieb noch eine Weile an Kathys Schulter gelehnt.Doch je länger sie darüber nachdachte, desto unruhiger wurde sie.„Ich kann nicht einfach nichts tun.“Kathy seufzte leise.„Rina …“„Nein.“Sie richtete sich auf und wischte sich über das Gesicht.„Ich kann doch nicht einfach hier sitzen und warten.“„Du musst auch nicht warten. Du kannst schlafen, duschen, einen Film schauen …“„Kathy.“Rina sah sie ernst an.„Ich muss ihnen antworten.“Kathy musterte sie.„Du willst ihnen antworten.“„Ja.“„Dann tu das.“Rina griff nach ihrem Handy.„Genau das ist ja das Problem.“Sie entsperrte den Bildschirm.Die beiden Nachrichten waren noch da.Cody.Ryan.Allein ihre Namen reichten aus, um ihren Magen wieder zusammenziehen zu lassen.„Was soll ich denn schreiben?“Kathy zuckte mit den Schultern.„Die Wahrheit.“Rina starrte sie an.„Welche Wahrheit?“„Deine.“„Das ist nicht hilfreich.“„Doch.“„Nein, ist es nicht.“Kathy musste trotz allem grinsen.„Du wolltest doch ehrlich sein.“„Bin ich
Während Rina noch immer versuchte zu begreifen, was gerade alles auf sie hereingebrochen war, beobachtete Mimi sie aufmerksam.Sie kannte die beiden Schwestern gut genug, um zu wissen, wann es besser war, sich zurückzuziehen.Das hier war kein normales Gespräch mehr.Nicht nach den Nachrichten von Ryan und Cody. Nicht nach der Erkenntnis, dass beide Männer zu Hwarang gehörten. Und schon gar nicht, nachdem Rina gerade zwischen zwei Menschen stand, die ihr inzwischen auf ganz unterschiedliche Weise etwas bedeuteten.Mimi stand auf.„Ich glaube, ich lasse euch zwei jetzt besser allein.“Rina sah zu ihr.„Mimi …“„Nein, wirklich.“Mimi griff nach ihrer Tasche und lächelte ihr aufmunternd zu.„Ihr müsst reden. Und zwar ohne dass ich daneben sitze und euch mit meinen klugen Kommentaren nerve.“Kathy schnaubte leise.„Als ob du das jemals freiwillig lassen würdest.“„Heute schon.“Mimi zog ihre Jacke an und sah noch einmal zu Rina.„Und du musst jetzt gar nichts entscheiden, okay?“Rina nick
„Entschuldigen Sie …" Schon bei den ersten Worten hatte Rina das Gefühl, dass seine Stimme den ganzen Raum ausfüllte – ruhig, tief und warm genug, um sich sofort in die Stille des Buchladens einzufügen. „Ich suche nach einem Buch", sagte er weiter. „Es ist schon älter, und ich hatte gehofft, viell
„Na, Giotto?", sagte sie leise und sah zu ihrem treuen Begleiter hinüber. Er hatte den Kopf leicht schief gelegt und beobachtete sie aufmerksam, als würde er jedes ihrer Worte genau abwägen. „Zeit für die Arbeit." In dem Moment sprang er auf. Ein kleines, freudiges Aufrichten – sofort wach, sof
„Ach, das regeln wir schon!", antwortete Mimi ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Ihre Stimme klang, als hätte sie das komplette Szenario längst durchgeplant. „Hauptsache, wir kommen heil hin und wieder zurück. Und unterwegs können wir Musik hören, Snacks einpacken, vielleicht sogar Playlists vor
Kathy trug Lio vorsichtig die Treppe hinauf. Die Stufen knarrten leise unter ihren Schritten, während im oberen Flur nur das warme Licht einer kleinen Lampe brannte. Behutsam zog sie ihm den dicken Schlafanzug an, und der Kleine ließ es halb schlafend, halb zufrieden über sich ergehen. Er gähnte n

















