Der Morgen kam zu früh. Klara war schon wach, bevor der Wecker klingelte. Sie lag reglos im Gästezimmer, die Decke bis zum Kinn gezogen, und starrte an die Decke, als könnte sie dort eine Antwort finden. Ihr Herz schlug ruhig — zu ruhig für das, was in der Nacht passiert war. Der Kuss hatte sich nicht wie ein Ausrutscher angefühlt. Das war das Problem. Sie stand leise auf, zog sich an und verließ das Zimmer, ohne das Babyphone zu vergessen. Der Flur war still. Das Haus schlief noch. Unten in der Küche setzte sie Kaffee auf, routiniert, fast mechanisch. Als die Maschine leise brummte, schloss sie kurz die Augen. Grenze überschritten. Ganz klar. Nicht im Affekt. Nicht aus Schwäche. Sondern bewusst. Sie wusste, dass sie darüber sprechen mussten. Und gleichzeitig wusste sie, dass sie es am liebsten vermieden hätte. Ava war bereits wach, als Klara das Kinderzimmer betrat. Sie saß im Bett, das Haar zerzaust, aber lächelnd. Kein Fieber. Kein Weinen. Nur dieses zufriedene Gesicht.
Last Updated : 2026-02-15 Read more