Manchmal merkt man erst im Rückblick, wie viel sich beruhigt hat. Ein Jahr war vergangen. Ava war gewachsen – nicht nur körperlich. Sie war selbstständiger, wacher, manchmal auch widerspenstiger. Aber sie wirkte stabil. Sicher. Der Schulwechsel stand an. Die Grundschule in ihrem alten Einzugsgebiet hätte bedeutet: täglich pendeln, alte Strukturen, alte Begegnungen. Miriam war anfangs skeptisch gewesen, als Julian vorgeschlagen hatte, Ava näher an ihrem jetzigen Zuhause anzumelden. „Das ist ihr Umfeld“, hatte er ruhig gesagt. „Hier sind ihre Freunde aus der Kita. Hier ist ihr Alltag.“ Diesmal war Miriam sachlich geblieben. Sie hatten lange gesprochen. Ohne Spitzen. Ohne alte Vorwürfe. Am Ende hatte sie zugestimmt. Nicht begeistert. Aber bewusst. Und Ava? Die hatte nur gefragt: „Gehe ich dann von hier zur Schule?“ „Ja“, hatte Klara gesagt. Ava hatte gestrahlt. Manchmal ist es so einfach. ⸻ Die Einschulung war ein warmer, klarer Morgen. Klara stand neben Julian, als Ava
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