KAPITEL 55 — Das AngebotSelenas POVDas Krankenhaus wirkte heute Morgen viel zu hell.Jedes Licht summte, als wäre es auf meine Nerven abgestimmt, jeder Monitor piepte eine Spur zu laut.Ich bewegte mich mit meiner gewohnten, einstudierten Ruhe durch den Flur, lächelte, wenn ich musste, nickte, wenn man mich ansprach, während sich tief in meinem Inneren alles fest zusammenzog, als würde etwas nur darauf warten.Denn Krieg kündigt sich nicht immer mit Blut an.Manchmal kommt er in Form von Stille.„Dr. Selena“, rief eine Krankenschwester. „Sie haben Besuch.“Ich wusste bereits, wer es war.Ich roch ihn, bevor ich ihn sah.Raymond stand bei den Getränkeautomaten am Ende des Flurs, leger gekleidet, die Hände in den Taschen, mit einem sanften Gesichtsausdruck, der jeden täuschen konnte, der ihn nicht so gut kannte wie ich.„Du bist früh“, sagte ich.Er lächelte. „Ich konnte nicht schlafen.“„Dann sind wir schon zwei.“Einen Moment lang standen wir einfach da, sahen zu, wie Pfleger Patien
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