Chopin. Die Ballade Nr. 1 in g-Moll. Ich erkenne sie an den ersten Takten, diesem dramatischen Aufstieg, diesem Sturm von Noten, der die Welt zu verschlingen scheint. Seine Finger fliegen über die Tastatur, präzise, kraftvoll, beseelt. Er spielt mit einer Meisterschaft, die bloßes Talent übersteigt. Er spielt mit seiner Seele, oder was davon übrig ist. Ich kann meine Augen nicht abwenden. Ich kann meine Ohren nicht verschließen. Ich bin Gefangene dieser Musik, wie ich Gefangene von ihm bin. Die Ballade entfaltet sich, mal zärtlich, mal wütend, und ich spüre, wie die Tränen aufsteigen. Nicht aus Traurigkeit, nein. Aus Frustration. Aus Wut. Aus zu intensiver Schönheit, um sie zu ertragen. Die Tränen laufen über meine Wangen, ohne dass ich sie zurückhalten kann. Sie fallen auf meine Knie, auf die seidenen Seile, die mich fesseln. Nikolai spielt weiter, unerschütterlich, meisterhaft. Er geht über zu Skrjabin. Die Sonate Nr. 4. Ein ekstatisches, sinnliches Werk, das zu einem Höhepunkt a
Last Updated : 2026-10-15 Read more