Die wochenlange, von eisiger Stille geprägte Winterstarre, die wie ein schwerer, schützender Pelz über der Nordhochebene gelegen hatte, begann in den ersten Tagen des März langsam aufzubrechen. Es war kein plötzlicher Umschwung, sondern jener leise, fast unmerkliche Wandel, den nur die wahren Kenner des Hochgebirges zu deuten wussten: Am späten Vormittag, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt über den messerscharfen Zinnen des Hohen Kamms erreichte, begann der an den Südwänden hängende, meterdicke Pulverschnee schwer zu werden, zu tropfen und schließlich in kleinen, silbrigen Rinnsalen über den dunklen Granit abzufließen. Draußen auf den weiten, verschneiten Hängen des Tals zeigten sich die ersten braunen Flecken der freigelegten Erde, und die Luft verlor allmählich ihre beißende, eisige Schärfe. Sie roch nun nach feuchter Tannenrinde, nassem Stein und der elektrischen, sauberen Frische schmelzenden Wassers – dem unverkennbaren Odem des erwachenden Frühlings. Im privaten Salon des Wes
Last Updated : 2026-10-17 Read more