Lucien hatte in dreihundert Jahren viele Arten von Angst kennengelernt.Die Angst, die ihn gepackt hatte, als Elara in seinen Armen gestorben war. Die Angst der langen Nächte danach, in denen er wachte und auf Hände starrte, die er nie wieder sauber bekam. Die Angst, die ihn jedes Mal traf, wenn ein Seher oder ein Grenzläufer von seltsamen Träumen und alten Zeichen berichtete. Die Angst, die ihn in der Menschenstadt erfasst hatte, als er ihren Duft zum ersten Mal wieder roch.Aber die Angst, die ihn jetzt fraß, war anders.Er saß in der dunklen Ecke der Halle, den Rücken an der kalten Steinwand, und beobachtete Elara. Sie schlief unruhig auf einer provisorischen Liege aus Decken und Mänteln. Das Symbol auf ihrer Handfläche glühte schwach im Halbdunkel – golden, lebendig, als hätte es einen eigenen Puls. Ihr Atem ging im selben Rhythmus wie das ferne, ständige Ziehen des Mondes draußen. Lucien konnte ihn spüren. Jeden Schlag. Jede Pause.Sie veränderte sich.Nicht nur die Kraft. Nicht
Última atualização : 2026-09-20 Ler mais