Wahrheit oder Pflicht? – Ich ging
Immer wenn sie „Wahrheit oder Pflicht“ spielten, forderte Clara, die Jugendliebe meines Freundes, ihn absichtlich dazu heraus, mir denselben Streich zu spielen, und Ronan spielte jedes Mal bereitwillig mit: Er tat so, als würde er mir einen Heiratsantrag machen.
Beim letzten Mal war ich darauf hereingefallen. Voller Freude streckte ich ihm die Hand entgegen, doch ein Mechanismus im Inneren des Rings schnappte zu, und ich schrie vor Schmerz auf.
Ronan und Clara krümmten sich vor Lachen und ignorierten meinen Finger, der bereits violett angelaufen war.
Danach drückte Ronan mich gegen die Wand und schwor mir, dass er mir in diesem Jahr einen echten Heiratsantrag machen würde.
Als seine Leibwächter mich also in den Privatclub brachten, in dem wir uns kennengelernt hatten, zog ich ein teures weißes Seidenkleid an, stylte meine Haare und legte mein makellosestes Make-up auf.
Ich spielte diese berührende Szene immer wieder in Gedanken durch und stellte mir vor, wie ich nickte und „Ja“ sagte.
Doch als ich mit klopfendem Herzen die Tür zum VIP-Raum aufstieß, wurde mir plötzlich ein volles Glas tiefroten Weins ins Gesicht geschüttet. Er lief mir über das Kinn und auf mein Kleid hinab.
Das Gelächter einer Frau brach aus der Menge hervor.
„Ich hab’s dir doch gesagt, Aurora kommt bestimmt, oder? Ronan, du hast verloren!“
Ronan kam mit resigniertem Blick auf mich zu und tupfte mir sanft mit einer Serviette das Gesicht ab, seine Stimme wie immer weich. „Hast du dich extra für mich so schick gemacht? Schade um das schöne Kleid.“
„Clara hat mich herausgefordert, darauf zu wetten, ob du den Mut hättest, heute Abend auf unser Revier zu kommen. Ich habe darauf gewettet, dass du es tun würdest. Die Wette lautete: Wenn du nicht kämst, würde ich dir morgen einen Heiratsantrag machen. Wenn du aber kämst, müssten wir ein weiteres Jahr warten.“
„Tut mir leid, Schatz. Da du jetzt hier bist, können wir dieses Jahr wohl nicht heiraten.“
Ich sah ihm in die Augen. Nach einem langen Moment fragte ich ihn: „Weißt du denn noch, was morgen ist?“
Er zuckte lässig mit den Achseln und lächelte. „Natürlich. Unser sechster Jahrestag. Den kann ich nicht vergessen.“
Der Wein lief kalt und klebrig über mein Schlüsselbein hinab. Ich fröstelte.
Plötzlich erschien mir das alles völlig sinnlos.
Unser Jahrestag bedeutete ihm nichts im Vergleich zu einem ihrer Streiche.
Genau wie ich. Ich konnte gegen Clara, seine Jugendliebe, nie gewinnen.
Ich löste das schlichte silberne Armband von meinem Handgelenk, das ich sechs Jahre lang getragen hatte.
„Es ist vorbei. Wir machen Schluss.“