LOGINClara Hoffmann hat sich ihr Leben mit bloßen Händen, mit ihrem Verstand und ihrer Liebe aufgebaut. Fünfzehn Jahre lang hat sie einer Ehe gegeben, die sie für heilig hielt, einem Mann, den sie für den ihren hielt. Sie hat sich in jeden Winkel ihrer gemeinsamen Welt gegossen, ohne jemals Anerkennung zu fordern, ohne je daran zu denken, dass das Fundament, das sie so sorgfältig gelegt hatte, als Sprungbrett für jemand anderen dienen würde. Als William Hoffmann ihr an ihrem Hochzeitstag die Scheidungspapiere überreicht und seine jüngere Geliebte der Frau vorzieht, die ihn zu dem gemacht hat, was er ist, bettelt Clara nicht. Sie zerbricht nicht. Sie atmet, packt ihre Tasche und geht in eine Morgendämmerung, die ihr allein gehört. Doch die Welt, die William mit seiner neuen Liebe betreten zu haben glaubte, beginnt fast sofort zu bröckeln. Und während Clara aufsteigt, wiederaufbaut und zurückgewinnt, beginnt William die erschütternde Wahrheit zu verstehen: Die Frau, die er weggeworfen hat, war die unsichtbare Triebkraft hinter jedem Erfolg, den er je als seinen eigenen beansprucht hat. Er kommt zurück. Natürlich kommt er zurück. Aber Clara Hoffmann wartet nicht mehr an der Tür. GESCHIEDEN IN DER MORGENDÄMMERUNG ist eine mitreißende, emotional aufgeladene Geschichte über die Frau, die einen Mann in die Größe liebte und den Mut hatte, sich selbst ins Leben zurückzulieben.
View MoreAm Ende des ersten Halbjahres des funfzehnten Jahres, an einem Juniabend, in dem die Munchner Abende lang waren, weil der Juni die langen Abende hatte, die das Draussen ermoglichten und die das Sitzen vor dem Schreibtisch hinausschoben in den Bereich des Unnowtigen, weil das Draussen das Drinnen vertrat, in dem milden Juniabendlicht das Denken moglich war, das das kunstliche Licht nicht ermoglichte, setzte Clara sich in den Garten der Munchner Wohnung, den kleinen Garten, den sie und Alexander in dem ersten Jahr in Munchen als den Garten entdeckt hatten, den sie hatten, und das siebte Notizbuch lag auf dem Gartentisch, geschlossen. Sie offnete es nicht sofort. Sie sass und sah den Garten an, den Juniabend, das Licht, das durch die Baume fiel, und sie dachte, ohne aufzuschreiben, was sie dachte, weil das Denken ohne Aufschreiben manchmal das Richtige war, das Denken, das sich nicht in die Form des Satzes zwang, das freie Denken, das die Notizbicher manchmal nicht ermoglichten, weil d
Katrins Anruf kam an einem Dienstag im Mai des funfzehnten Jahres, fruh, bevor der Tag begann, und das Fruhe des Anrufs war das Zeichen, das Clara sofort verstand: das Fruheanrufen war das Zeichen, dass Katrin etwas sagen wollte, das den Tag beginnen musste, damit der Tag richtig begann. Olivias viertes Buch, sagte Katrin, Briefe, die ich nicht schicke, wird im Herbst erscheinen. Das ist die Entscheidung, die ich gestern getroffen habe, nach dem letzten Lesen des Manuskripts. Ich habe es in einem Satz gelesen, vier Stunden, weil ich verstehen wollte, ob es ein Buch war, das ich ohne Unterbrechung lesen konnte, und wenn ein Manuskript vier Stunden ohne Unterbrechung gelesen werden kann, dann ist es ein Buch, das seine Leserinnen nicht loslasst. Clara horte das und dachte an den Vorabend, an dem Abend, an dem Olivia das Paket geschickt hatte, bevor die Angst es verhinderte, den Abend, der das dritte Dokument nach Munchen gebracht hatte. Das vierte Dokument war anders entstanden: es w
Lena Fischer hatte im Fruhjahr des funfzehnten Jahres eine Entscheidung getroffen, die sie Clara in einem Telefongesprach im April mitteilt, mit der direkten Art, die Lenas Art war, wenn sie etwas entschieden hatte und wenn das Entscheidene sagen das Nachste war: Sie wurde die Fischer Beratung in eine andere rechtliche Form uberfuhren, von einem Einzelunternehmen in eine Gesellschaft, die mehrere Beraterinnen und Berater aufnehmen konnte, weil die Nachfrage grosser war als das, was eine einzelne Person leisten konnte, und weil die Arbeit nicht verschwinden durfte, wenn sie selbst nicht mehr arbeitete. Ich mochte nicht, dass die Fischer Beratung mit mir endet, sagte Lena. Ich mochte, dass sie nach mir weiterbesteht, mit den Menschen, die ich ausgebildet habe, mit Petra und mit den anderen, die kommen werden. Das ist die Bedingung fur eine Arbeit, die nachhaltig ist: dass sie nach der Person weitergeht, die sie begonnen hat. Das ist das sechste Buch, das sich selbst anwendet, sagte C
Clara hatte Rosa Elena zweimal gesprochen, bevor das siebte Buch begann: einmal in Bogota im Mai des dreizehnten Jahres, in der Gemeinschaftsbibliothek, das erste kurze Gesprach. Und einmal per Videokonferenz im September, als das Kapitel uber die Bibliothek im Entstehen war und als Clara Fragen hatte, die das erste Gesprach nicht beantwortet hatte. Das dritte Gesprach fand im Marz des funfzehnten Jahres statt, und es war das langste, drei Stunden, weil Clara jetzt andere Fragen hatte als in den ersten beiden Gesprachen. In den ersten beiden hatte sie die Geschichte gefragt: Was war die Bibliothek? Wie war sie entstanden? Was hatte sie ermoglicht? Das waren die Fragen der Chronik, die Fragen, die das Kapitel aufgebaut hatten. Das dritte Gesprach fragte etwas anderes: Was hatte das alles mit Rosa Elena gemacht? Nicht mit der Bibliothek. Mit ihr. Rosa Elena dachte lange nach, bevor sie antwortete. Das war das Charakteristische ihrer Antworten: die Langsamkeit, die nicht Zogerlichkeit
Der Oktober brachte den Herbst früh nach Berlin, das gab es manche Jahre, mit dieser besonderen Qualität, der Herbstluft, mit ihrem Dunst am Horizont und der Art, wie das Licht der Stadt älter wirkte, weniger sicher an seinen Kanten. Clara hatte dieses Wetter immer gemocht. Es fühlte sich an wie ei
Der erste Klient kam durch unerwartete Kanäle.Clara hatte noch nicht offiziell gestartet. Clara Consulting existierte als eingetragene Einheit mit einer sauberen Website, die Isabellas Neffe, ein Webentwickler, in drei Tagen aus einem Briefing gebaut hatte, das sie in einer Sitzung geschrieben hat
Sie blieb neun Tage in München.Sie hatte sieben geplant, aber am siebten Tag wachte sie auf und stellte fest, dass sie noch nicht zurückwollte, dass der besondere Frieden des Hauses ihrer Mutter etwas Strukturelles in ihr tat, das noch nicht vollständig war, und sie rief Isabella an, um es zu erkl
München empfing sie, wie es das immer getan hatte, mit der besonderen ungehasteten Wärme einer Stadt, die kein Interesse daran hat, jemanden zu beeindrucken.Die Luft war hier anders. Kühler, selbst am Mittag, mit der frischen mineralischen Qualität, die von den Bergen kam und jeden Atemzug wie ein











