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Author: Helsa
last update publish date: 2026-08-20 13:46:24

MARKUS

„Ich trage sie.“

Niemand widersprach.

Ich schob meine Arme unter Klara und hob sie an meine Brust. Die Gefährtenbindung flammte hart auf, in dem Moment, als ihr Körper sich an meinen legte – warme Funken jagten über meine Haut, Bruno krallte sich an der Innenseite meines Schädels fest.

Benjamins Duft lag immer noch überall auf ihr.

Das ließ mein Blut kochen.

Sie passte immer noch an mich, als wäre sie dafür gemacht. Jeder Instinkt schrie, dass hier ihr Platz war … obwohl ich derjenige war, der dieses Recht weggeworfen hatte.

Vorhin war der scharfe Schmerz ohne Vorwarnung in meine Brust eingeschlagen. Ich wusste, dass es sie war. Selbst nach der Ablehnung ließ die Bindung mich ihren Schmerz spüren. Das war der einzige Grund, warum ich angerannt war.

Bruno krallte härter. Ich kam damit nicht besser klar als er. Jeder Instinkt schrie danach, sie enger zu drücken, bis nur noch mein Duft ihre Haut bedeckte.

Ich trug sie hinaus, die anderen dicht hinterher. Alle paar Schritte blickte ich hinunter. Sie sah nie auf. Ihre Augen blieben auf ihren Händen fixiert.

Draußen trat Benjamin vor. „Tschüss, Kla. Ich rufe dich später an.“

Mein Kiefer verriegelte sich.

„Tschüss, Ben.“ Das helle Lächeln, das sie ihm schenkte, schnitt tiefer als jede Klinge. Ich wollte, dass dieses Lächeln mir galt.

Du hast diese Chance weggeworfen, knurrte Bruno.

Ich ignorierte ihn und wartete, während Nina sich verabschiedete. Dann machte ich mich auf den Weg zu ihrem Haus. Tobias ging die ganze Zeit direkt neben mir und blickte mehr als einmal zu Klara. Sie sah keinen von uns an.

Bei jedem Schritt fiel mir auf, wie leicht sie sich anfühlte. Der Gedanke, dass sie vielleicht nicht genug aß, setzte sich schwer und kalt in meiner Brust fest.

Ein paar Minuten später erreichten wir das Haus. Wir hätten ein Auto nehmen sollen, aber beide waren wir ohne nachzudenken direkt von den Trainingsplätzen losgerannt.

Verena wartete bereits drinnen. In dem Moment, als wir durch die Tür traten, eilte sie herbei, die Augen schon glasig.

„Oh meine Göttin, Klara. Was ist passiert?“

Klara antwortete nicht. Sie behielt den Blick gesenkt, den Kiefer angespannt.

„Sie hatte einen Unfall beim Sparring“, sagte Tobias. „Zwei gebrochene Rippen.“

„Oh, Kla. Keine Sorge. Wir kümmern uns um dich.“ Verenas Stimme blieb sanft.

„Nein.“ Klara hob endlich den Kopf. „Du wirst dich nicht um mich kümmern, Verena. Ich kann mich selbst um mich kümmern.“

„Klara—“ begann ich.

Sie schnitt mir das Wort ab. „Bring mich nach oben, Markus.“ Sie sah mich immer noch nicht an.

Ich ballte den Kiefer und tat, was sie verlangte.

Ich trug sie hinauf in ihr Zimmer und setzte sie vorsichtig auf das Bett. Ihr Duft erfüllte den ganzen Raum, warm und vertraut. Ich hätte ihn ewig einatmen können und trotzdem mehr gewollt.

In dem Moment, als Tobias hereinkam, versuchte sie aufzustehen.

„Was denkst du, was du da tust?“ Ich packte ihren Arm, bevor sie Gewicht auf die Füße bringen konnte.

„Ich will duschen.“ Sie zog sich von mir weg.

Ich zwang mich zu nicken. Tobias ging direkt zu ihrem Schrank, holte saubere Kleidung heraus und drehte sich mit diesem älteren-Bruder-Blick um, den ich nur zu gut kannte.

„Du duschst und dann isst du. Keine Diskussion. Ich weiß, dass du wieder wegen deiner Mahlzeiten gelogen hast.“ Er hielt die Kleidung hin und fixierte sie mit dem Blick. „Wann hast du das letzte Mal wirklich etwas gegessen?“

Sie sah zwischen uns hin und her und seufzte. „An meinem Geburtstag.“

Vor zwei Tagen. Sie war zwei volle Tage ohne Essen und Schlaf ausgekommen und hatte trotzdem gedacht, Training sei eine gute Idee.

Tobias’ Ausdruck härtete sich. „Ich bringe das Essen selbst hoch und setze mich dazu, bis der letzte Bissen weg ist. Diesmal kommst du nicht drum herum.“

Klara sagte nichts. Sie nahm die Kleidung und ging langsam ins Bad.

Tobias und ich gingen zurück nach unten. Auf dem Weg zog ich noch einmal tief ihren Duft ein und hielt ihn so lange wie möglich.

Verena wartete in der Küche, ihr üblicher sanfter Ausdruck von etwas Enterem überschattet.

„Was ist los?“ fragte ich.

Tobias begann ohne ein Wort das Mittagessen zuzubereiten.

„Ich bin wirklich traurig über das, was Klara passiert ist“, sagte sie leise. „Aber ich bin wütend auf dich, Markus.“

Ich zog die Augenbrauen hoch. „Warum?“

„Sie ist nicht mehr deine Gefährtin. Du hast sie abgelehnt und mich gewählt. Trotzdem hast du mich hier gelassen und bist in dem Moment zu ihr gerannt, als etwas passiert ist. Dann bist du zurückgekommen und hast sie so getragen.“ Ihre Stimme blieb sanft, aber der Schmerz darunter war klar. „Wie denkst du, hat mich das fühlen lassen?“

„Sie ist verletzt“, sagte ich und behielt den Ton gleichmäßig. „Was hätte ich tun sollen?“

„Sie hat einen Bruder.“ Verena blickte zu Tobias. „Du hättest ihn zu ihr gehen lassen können. Du hättest ihn sie tragen lassen können.“

Meine Fäuste spannten sich an den Seiten. Der Gedanke, dass irgendein anderer Mann sie hielt, während sie verletzt war, saß falsch und schwer in meiner Brust – Bruder oder nicht.

„Verena, ich habe dich gewählt“, sagte ich vorsichtig. „Aber sie ist verletzt, und die Gefährtenbindung hat mich trotzdem zu ihr gezogen.“

Tobias’ Schultern spannten sich, obwohl er sich nie umdrehte.

Verena ließ einen leisen Seufzer aus und setzte sich.

„Ich kann es kaum erwarten, dass du mich markierst. Dann wirst du diesen Zug zu ihr nicht mehr spüren.“

Alles in mir wurde still.

Das wollte ich nicht.

Bruno knurrte in meinem Kopf, während mein Herz und mein Körper nach dem Mädchen oben schmerzten.

Aber ich musste das Rudel immer noch an erste Stelle setzen.

Also zwang ich ein kleines Lächeln …

und sagte nichts.

Die Badezimmertür oben knallte auf.

Klaras Stimme schnitt durch das Haus, roh und scharf vor Schmerz.

„Markus – irgendetwas stimmt nicht.“

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