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KAPITEL SECHS

Penulis: MURK ROSE
last update Tanggal publikasi: 2026-07-25 07:32:30

Transport

Kiara hob die Hände so weit, wie es die Ketten zuließen, und spürte, wie sich die Handschellen in ihre Haut schnitten.

Sie schrie nicht. Sie hatte vor langer Zeit gelernt, dass Schreien ihnen nur verriet, wo sie als Nächstes zuschlagen sollten.

Ihre Rippen pulsierten mit jedem Atemzug, ein langsames, bedächtiges Feuer, das sie sich insgeheim fragte, ob eine von ihnen gebrochen war.

„Schmerz ist Information, Vögelchen“, pflegte er zu sagen. „Er sagt dir, was kaputt ist. Er sagt dir nicht, wer du bist.“

Sie lag still auf dem Boden des Wagens und lauschte. Zwei Stimmen murmelten irgendwo über ihr, hinter einer Mauer. Wachen.

„Noch eine für den Berg“, sagte die erste Stimme.

„Rang Null“, antwortete die zweite, jünger, fast amüsiert. „Wolfslos. Götter, warum schicken sie die überhaupt? Sie hält eine Woche durch, wenn sie nicht vorher in den Tunneln erwischt wird.“

„Weniger als das … Ich habe gehört, der letzte Zero, den sie hingeschickt haben, hat die erste Prüfung nicht überstanden. Silbervergiftung. Oder vielleicht waren es die anderen Schüler. Schwer zu sagen, wenn die Krähen sie erst mal erwischt haben.“

Sie waren nicht grausam, sie sahen sie einfach nicht als Person.

Kiara hielt die Augen geschlossen und atmete langsam und gleichmäßig, obwohl ihr Herz wie eine Faust gegen ihre gebrochenen Rippen schlug. Sollen sie ruhig denken, dass du noch bewusstlos bist. Sollen sie ruhig weiterreden.

„Warum halten sie die Akademie überhaupt am Laufen für die Schwachen?“, fragte der jüngere Wächter. „Verschwendung von Silber, wenn du mich fragst.“

„Der Rat sieht gerne zu, wie Dinge kaputtgehen“, sagte der Ältere. „Gibt eine gute Show ab. Außerdem … manchmal überrascht einer von ihnen alle. Selten. Aber es kommt vor.“

Manchmal überrascht einer von ihnen alle.

Kiara klammerte sich an diesen Satz, so wie sie sich früher in der Dunkelheit an die Stimme ihres Vaters geklammert hatte.

Der Karren geriet in eine Schlaglochstelle, und ein stechender Schmerz durchfuhr ihre Hüfte, wo sie auf den harten Dielen gelandet war. Statt aufzuschreien, biss sie sich auf die Innenseite der Wange und konzentrierte sich auf das Gefühl des Holzes unter ihr.

Konzentriere dich auf das, was du gebrauchen kannst. Nicht auf das, was weh tut.

Wieder die Stimme ihres Vaters, jetzt näher, als hätte das Rütteln des Karrens eine Erinnerung freigelegt, die sie zwei Jahre lang verdrängt hatte.

Sie war sieben und saß im Schneidersitz im Dreck hinter dem Reitplatz, die Augen verbunden mit einem der alten Jagdschals ihres Vaters. „Ich kann nichts sehen, Papa.“

„Gut“, hatte Elias gesagt und sich vor sie gehockt, seine Stimme ein tiefes Grollen, das sie in ihrer Brust spürte. „Jetzt sag mir, was du hörst.“

Sie hatte über ihre eigene Frustration hinweggehört, über das Jucken der Augenbinde an ihrer Nase hinweg. „Vögel. In der hohen Kiefer. Drei.“ Eine Pause. „Jemands Stiefel, hinter mir, links.“

„Das bin ich“, hatte er gesagt, und sie konnte das Lächeln in seiner Stimme hören. „Was noch?“

„Wasser. Weit weg. Der Bach.“

„Und der Wind?“

Sie hatte ihr Gesicht ihm zugewandt. „Er kommt aus Osten.“

Ihr Vater hatte ihr selbst die Augenbinde abgenommen; seine Augen waren so stolz gewesen, dass es fast weh tat, sie anzusehen. „Ein Wolf wittert zuerst mit der Nase und dann mit den Ohren, und er denkt nie daran, etwas anderes zu benutzen. Du hast keine Wolfsnase, Kiara. Also wirst du lernen, alles zu benutzen, was ein Wolf vergisst. Das wird dich gefährlicher machen als alle anderen.“

„Auch ohne Wolf?“

„Gerade ohne.“

Die Erinnerung verblasste, als der Wagen erneut ruckte, und Kiara öffnete die Augen in der Dunkelheit. Irgendwo über ihr war es still geworden, die Straße unter den Rädern wurde gleichmäßiger.

Langsam drehte sie den Kopf, ihr wurde übel, aber sie zwang sich, ruhig zu atmen, so wie sie gelernt hatte, Beatrices Schläge ohne mit der Wimper zu zucken zu ertragen. Das ist nur ein weiterer Keller. Du weißt, wie man in einem Keller überlebt.

Der Wagen verlangsamte sein Tempo und blieb dann stehen.

Draußen wurden Stimmen lauter. „Was haben wir?“, fragte eine neue Stimme emotionslos und unbeeindruckt.

„Lieferung vom Silbermond-Rudel“, antwortete der ältere Wächter. „Ein Zero.“

Eine Pause. Kiara hörte, wie Stiefel näher an den Wagen herankamen.

„Noch ein Zero“, sagte die neue Stimme und lachte kurz auf. „Der hält keine Woche durch.“

Die Türen waren nun offen. Es gab kein Zurück mehr.

Kiara öffnete die Augen und blickte ins Licht.

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