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KAPITEL FÜNF

Penulis: MURK ROSE
last update Tanggal publikasi: 2026-07-06 17:54:37

**Der Friedhof der Alphas**

**Kiaras Perspektive**

Die Fahrt im Transporter fühlte sich an, als würde sie Jahre dauern. Jedes Mal, wenn die Reifen in ein Schlagloch gerieten, schrien meine blauen Rippen protestierend auf. Ich saß in dem pechschwarzen Raum und zählte meine Herzschläge, um den Verstand zu behalten. Ich wusste nicht, wie weit wir gefahren waren, aber die dünner und kälter werdende Luft verriet mir, dass wir hoch in den Bergen waren.

Als der Transporter endlich anhielt, wurden die hinteren Türen mit einem heftigen Knall aufgerissen. Das Licht war so grell, dass es sich wie Nadeln in meinen Augen anfühlte. Eine grobe Hand packte mich am Rücken meines Hemdes und zerrte mich heraus, warf mich auf den harten, gefrorenen Boden.

Ich keuchte, als die kalte Bergluft meine Lungen traf. Sie schmeckte nach Eisen und Schnee. Ich stemmte mich auf zitternden Händen hoch und sah mich um.

Die Alpha-Akademie sah nicht aus wie eine Schule. Sie sah aus wie ein Gefängnis, gebaut für Riesen. Gewaltige Wände aus schwarzem Stein erhoben sich in Richtung Himmel, gekrönt von gezackten Eisenstacheln. Die Tore waren aus schwerem, dunklem Silber – einem Metall, das die meisten Werwölfe allein durch seine Nähe krank und schwach werden ließ.

Der Innenhof war voller Menschen, doch niemand sprach. Die Stille war schwer und bösartig. Dutzende junger Alphas – Männer und Frauen, die aussahen als wären sie aus Muskeln und Granit gemacht – standen herum und beobachteten die Neuankömmlinge. Sie waren die Elite. Die Besten. Die Gefährlichsten.

Und mittendrin war ich: klein, zerschlagen, in einem Kleid aus getrocknetem Wein und Blut.

„Ist das ein Witz?"

Die Stimme war tief wie das Grollen eines Erdbebens. Die Menge teilte sich, und ein Kerl trat nach vorne. Er war riesig – leicht einen Kopf größer als Ronan – mit Schultern so breit, dass er die Sonne zu verdecken schien. Sein Haar war schwarz wie ein Rabenflügel, und seine Augen waren ein durchdringendes, eisiges Blau, das scheinbar direkt durch Kiara hindurchschnitt.

Das war Kingston.

Noch bevor er ein Wort sagte, konnte ich die Macht spüren, die von ihm ausging. Es war ein schweres, erdrückendes Gewicht.

Kingston ging in einem langsamen Kreis um mich herum, seine Nase rümpfte sich vor Abscheu. Er sah mich nicht nur an – er inspizierte mich, als wäre ich ein Käfer, den er gleich unter seinem Stiefel zerquetschen würde.

„Ich habe den Transport aus einer Meile Entfernung gerochen", sagte Kingston, seine Stimme hallte über den stillen Innenhof. „Ich erwartete einen Rivalen. Ich erwartete eine Herausforderung. Aber was haben sie abgeliefert? Einen menschlichen Snack?"

Die Menge brach in grausames Gelächter aus. Das Geräusch war scharf wie bellende Hunde.

„Sie hat nicht mal einen Duft", schrie ein Mädchen mit einer gezackten Narbe auf dem Arm. „Sie ist eine Null! Schaut euch ihr Rangzeichen an!"

Ich blickte hinunter. Die Wachen hatten mir eine kleine Metallscheibe am Kragen befestigt, während ich bewusstlos war. Darauf war eine große, kalte „0" eingeprägt. Um mich herum sah ich andere mit „4ern", „5ern" und sogar einer „9" auf Kingstons Brust.

Kingston blieb vor mir stehen. Er beugte sich herunter, sein Gesicht nur Zentimeter von meinem entfernt. Sein Geruch war überwältigend – Wildfeuer und altes Leder.

„Weißt du, wo du bist, Null?", zischte Kingston. „Hier kommen die Starken, um zu Monstern zu werden. Wir fressen Leute wie dich zum Frühstück. Warum bist du hier? Hat dein Rudel es satt, einen Mund zu füttern, der nicht zurückbeißen kann?"

Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Jeder Instinkt in mir schrie, zu rennen, mich zu verstecken, zu weinen. Aber dann erinnerte ich mich an Beatrices Grinsen. Ich erinnerte mich an das Gefühl des Küchenbodens gegen mein Gesicht.

Ich sah Kingston direkt in die Augen. Ich blinzelte nicht. Ich wich nicht zurück.

„Ich bin hier, um zu bleiben", sagte ich. Meine Stimme war klein, aber sie war fest. „Gewöhn dich an den Anblick."

Der Innenhof wurde wieder totenstill. Kingstons Augen verengten sich. Ein dunkler, gefährlicher Ausdruck huschte über sein Gesicht. Er streckte die Hand aus – blitzschnell – und packte mein Kinn. Sein Griff war so hart, dass ich dachte, mein Kiefer könnte brechen.

„Du hast einen großen Mund für jemanden ohne Zähne", knurrte Kingston. „Vielleicht sollte ich sie herausreißen, damit du aufhörst, so viel Lärm zu machen."

„Hör auf damit, Kingston."

Eine neue Stimme durchbrach die Spannung. Ein Kerl mit zerzaustem braunem Haar und müden, freundlichen Augen trat aus den Schatten eines Steinpfeilers hervor. Er war nicht so groß wie Kingston, aber er bewegte sich mit einer stillen Selbstsicherheit, die die Menschen aus seinem Weg treten ließ.

„Sie hat mehr Rückgrat als die Hälfte der Kerle in der Aufnahmereihe", sagte der Kerl und blieb neben mir stehen.

Kingston ließ mein Kinn los und schubste mich einen Schritt zurück. „Halt dich da raus, Tim. Sag mir nicht, dass du wieder anfängst, Streuner zu sammeln. Dieses Ort wird sie bis zum Abendessen töten. Du verschwendest nur deine Zeit."

„Vielleicht", sagte Tim und warf Kingston einen gelangweilten Blick zu. „Aber wenigstens verschwende ich meine Zeit nicht damit, Mädchen halb meiner Größe einzuschüchtern. Geh jemanden finden, der tatsächlich zurückschlagen kann."

Kingston stieß ein tiefes Knurren aus – ein Geräusch, das die Luft vibrieren ließ. Er warf mir einen letzten Blick voller puren Hasses zu, bevor er auf dem Absatz kehrtmachte und davonging. „Mach dich nicht zu bequem, Null. Der erste Prüfungslauf beginnt bei Sonnenuntergang. Ich werde dafür sorgen, dass du die Erste bist, die fällt."

Sobald sich die Menge aufzulösen begann und der Druck in der Luft nachließ, wandte Tim sich mir zu. Er griff in seine Tasche und zog ein sauberes Taschentuch heraus, das er mir hinhielt.

„Du solltest dein Gesicht abwischen", sagte Tim leise. „Die Alphas hier... sie sind wie Haie. Wenn sie Blut sehen, greifen sie an. Und du bist davon bedeckt."

Ich nahm das Tuch, meine Finger zitterten. „Warum hast du mir geholfen?"

Tim zuckte die Schultern, ein kleines, trauriges Lächeln auf den Lippen. „Ich hasse diesen Ort. Ich hasse den ‚Recht hat, wer die Macht hat'-Unsinn, den sie hier lehren. Meine Familie hat mich hierher geschickt, um einen Killer aus mir zu machen, aber ich würde lieber einfach ein Mensch sein. Ich bin Tim."

„Kiara", flüsterte ich.

„Folg mir, Kiara", sagte Tim und nickte in Richtung eines dunklen Durchgangs. „Ich zeige dir die Silberschlafsäle. Da du eine Null bist, wirst du dort wohnen."

Während wir durch die Flure gingen, bemerkte ich etwas Seltsames. Die Wände waren mit schimmernden Silberadern durchzogen. Die Luft fühlte sich schwer an, als würde ich durch Wasser gehen.

„Was ist das für ein Ort?", fragte ich, meine Stimme hallte.

„Die Akademie ist auf einer Silbermine gebaut", erklärte Tim. „Es soll die Alphas schwächen. Wenn sie ihre Wölfe nicht nutzen können, müssen sie lernen, mit ihrem Verstand und ihrem menschlichen Körper zu kämpfen. Es gleicht das Spielfeld aus... ein bisschen. Aber für die meisten dieser Kerle macht es sie nur mürrisch und gewalttätig."

Ich betrachtete die Silberwände. Ich fühlte mich... gut. Tatsächlich fühlte ich mich hier besser als im Innenhof. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich nicht die Einzige, die sich nicht verwandeln konnte. Das Silber war ein Gefängnis für die anderen – für mich war es nur ein Gebäude.

Tim führte mich zu einem kleinen, beengten Zimmer mit zwei schmalen Feldbetten. „Das ist vorerst dein Zuhause. Es ist nicht viel, aber die Türen haben schwere Schlösser. Benutze sie."

Er setzte sich auf eines der Betten und sah mich ernst an. „Hör zu, Kiara. Kingston hat nicht gelogen. Die Prüfungen hier sind darauf ausgelegt, die Schwachen auszusieben. Heute Nacht ist die ‚Prüfung durch Feuer.' Es ist ein Rennen durch die unteren Tunnel. Es ist dunkel, voller Fallen, und es gibt keine Regeln. Jedes Jahr sterben Menschen."

Ich setzte mich auf die Kante des anderen Feldbettes, den Kopf in den Händen. Die Kopfschmerzen von der Prügelei kehrten mit aller Gewalt zurück. „Ich habe keinen Wolf, Tim. Wie soll ich gegen Alphas rennen?"

Tim lehnte sich vor, seine Stimme ein Flüstern. „Weil sie sich bei allem auf ihre Wölfe verlassen. Auf ihren Geruchssinn, ihre Sehkraft, ihre Stärke. Aber in den Silbertunneln sind ihre Wölfe krank. Sie werden schwindelig sein. Sie werden langsam sein. Sie werden in Panik verfallen, weil sie ihr Tier nicht spüren können."

Er zeigte auf seinen Kopf. „Du hast dein ganzes Leben damit verbracht, als Mensch zu leben. Du weißt, wie man seine Augen und Ohren ohne die Hilfe eines Wolfes benutzt. Das ist dein Vorteil. Wenn du ruhig bleiben kannst, während sie den Verstand verlieren, könntest du es gerade noch schaffen."

Ich sah auf meine Hände. Sie waren klein und zerschlagen, aber Tim hatte recht. Ich hatte mein ganzes Leben im ‚Silber' gelebt – auch ohne die Mine. Ich war es gewohnt, die Schwächste zu sein. Ich war es gewohnt, schneller denken zu müssen als alle anderen.

„Ich werde dir helfen", sagte Tim. „Ich kann das Rennen nicht für dich gewinnen, aber ich kann dir zeigen, wie man sich bewegt. Ich kann dein Freund sein, wenn alle anderen dein Feind sind."

Ich blickte zu ihm auf, meine Augen brannten mit einer neuen Art von Licht.

„Ich will nicht nur überleben, Tim. Ich will gewinnen. Ich will nach Hause zurückgehen und ihnen zeigen, dass das Mädchen, das sie weggeworfen haben, diejenige ist, die ihre Welt niederreißen wird."

Tim starrte mich eine lange Sekunde an, ein Ausdruck von Überraschung und Respekt huschte über sein Gesicht. „Nun", sagte er und stand auf. „In dem Fall sollten wir besser anfangen. Du hast drei Stunden bis Sonnenuntergang, und ich muss dir beibringen, wie man einen Wolf kämpft, wenn er am schwächsten ist."

Ich stand ebenfalls auf. Meine Rippen schmerzten noch immer, und meine Lippe war noch immer aufgeplatzt, aber ich spürte, wie sich eine kalte, harte Entschlossenheit in meinen Knochen festigte.

Die Akademie sollte mein Grab sein. Doch während ich Tim aus dem Zimmer folgte, wusste ich, dass sie in Wirklichkeit meine Schmiede sein würde.

Die Wölfe würden bald herausfinden, dass ein Mädchen mit einer Seele viel gefährlicher ist als ein Junge mit einem Wolf.

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