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Kapitel 5: Die erste Konfrontation

작가: Déesse
last update 게시일: 2026-07-14 02:32:46

Lyanna

---

Am nächsten Tag holt mich eine ältere Dienerin ab. Ihr runzliges Gesicht ist undurchdringlich, ihre Augen gesenkt. Seine Majestät wünscht mich vor der Zeremonie zu sehen. In seinen Privatgemächern. Allein.

Mein Herz setzt aus. Dann schlägt es weiter, zu schnell, zu heftig.

Ich folge ihr durch das Labyrinth der Gänge. Meine eiskalten Finger sind ineinander verschränkt. Die geschnitzte Doppeltür mit den Wölfen erhebt sich vor mir. Die Dienerin klopft zweimal und tritt zur Seite.

„Herein."

Diese Stimme. Tief, dunkel, magnetisch. Sie durchdringt die Tür und hallt in meiner Brust wider. Ich atme ein. Ich stoße den Türflügel auf.

Der Raum ist riesig. Ein monumentaler Kamin, Regale voller Bücher, ein Tisch, bedeckt mit Karten und Pergamenten. Und in der Mitte, in einem massiven Sessel sitzend, ist er da. Kael. Der Eiskönig.

Kein Umhang, keine Rüstung. Nur ein schwarzes Hemd, am Kragen halb geöffnet, das den Ansatz seiner Brust erahnen lässt, das braune Haar darauf, die kraftvollen Muskeln. Seine Ärmel sind bis zu den Ellbogen hochgekrempelt und geben muskulöse Unterarme frei, mit hervortretenden Adern. Sein dunkles Haar ist leicht zerzaust, als wäre er gerade mit der Hand hindurchgefahren. Er ist über eine Pergamentrolle gebeugt, doch als ich eintrete, hebt er den Kopf und sein Blick nagelt mich auf der Stelle fest.

Die Tür schließt sich hinter mir. Wir sind allein.

„Komm näher."

Ich mache drei Schritte. Keinen mehr. Er deutet dieses kaum wahrnehmbare Lächeln an.

„Du bleibst weit weg. Hast du Angst vor mir, Prinzessin?"

„Ich fürchte Euch nicht. Ich hasse Euch."

Er neigt den Kopf, amüsiert.

„Hass und Angst sind Schwestern. Sie schlafen im selben Bett."

„Dann müssen sie sich beide prächtig amüsieren. Denn mein Hass ist groß."

Er steht auf. Langsam. Sein Körper entfaltet sich, riesig, und plötzlich wird mir bewusst, wie massiv er ist. Er ist doppelt so groß wie ich, seine Schultern sind breit genug, um den Horizont zu versperren, seine Schenkel kraftvoll unter dem dunklen Stoff. Er durchquert ohne Eile den Raum und bleibt einen Meter vor mir stehen. Nah genug, dass ich seinen Geruch wahrnehme. Zedernholz, Moschus, männliche Wärme. Der Geruch, der meine Laken durchdringt. Der Geruch, der mich nicht schlafen ließ.

Ich muss den Kopf heben, um seinem Blick standzuhalten.

„Warum ich?" Meine Stimme ist heiserer, als mir lieb ist. „Ihr hättet jede Prinzessin des Kontinents heiraten können. Warum ein Ultimatum, eine Belagerung, eine Drohung?"

Er sieht mich lange an. Seine Augen gleiten über mein Gesicht, verweilen auf meinen Lippen, wandern meinen Hals hinab. Ich spüre seinen Blick auf meiner Haut lasten, und meine Kehle schnürt sich zu. Er betrachtet den Ansatz meiner Brüste, den der dezente Ausschnitt meines Kleides erahnen lässt, dann heben sich seine Augen wieder zu meinen, schwer von einer Intensität, die mir den Atem raubt.

„Du bist die Einzige, die die Augen nicht senkt."

„Wie bitte?"

„Alle Prinzessinnen, die man mir vorgestellt hat, senkten die Augen. Aus Angst, aus Berechnung, aus Heuchelei. Du nicht. Selbst nach drei Wochen Belagerung und einem Königreich am Rande des Abgrunds hältst du mir stand. Du bist verängstigt, und dennoch bleiben deine Augen in meine gebohrt. Das gefällt mir. Das gefällt mir sehr."

Seine Hand hebt sich. Ich verkrampfe mich, aber er berührt mich nicht. Er streicht eine Strähne beiseite, die mir in die Stirn gefallen ist, mit einer fast zärtlichen Geste. Seine Finger streifen meine Schläfe. Die Berührung ist ein elektrischer Schlag. Mein Atem beschleunigt sich. Er spürt meine Reaktion, seine Augen verdunkeln sich, und er lässt seine Finger an meiner Schläfe entlanggleiten, zu meinem Ohr, bis zum Ohrläppchen, das er kaum berührt. Mein ganzer Körper erschauert und ich verabscheue das, verabscheue ihn dafür, dass er mir das antut.

„Und dann", murmelt er, „ist da noch diese Liebesgeschichte."

Mein Blut gefriert.

„Ich weiß alles, Lyanna von Valcourt. Ich weiß, dass du dem Ritter Eryk von Montclair seit der Jugend versprochen bist. Ich weiß, dass du ihn drei Nächte hintereinander in den Gärten getroffen hast, bevor du in meine Kutsche gestiegen bist. Ich weiß, dass du ihn liebst und dass er dich liebt. Ich weiß, dass ihr euch an der alten Eiche geküsst habt, dass seine Hände deinen Körper erkundet haben, dass du in der Nacht seinen Namen gestöhnt hast."

Jedes Wort ist eine Klinge. Meine Wangen entflammen. Die Wut steigt auf.

„Ihr habt uns ausspionieren lassen?"

„Ich habe dich ausspionieren lassen. Nuance. Ein König muss alles über seine zukünftige Königin wissen. Einschließlich dessen, was sie zum Stöhnen bringt."

„Ihr habt kein Recht. Kein einziges."

Ich mache einen Schritt auf ihn zu, zitternd, meine Fäuste so fest geballt, dass meine Nägel sich in meine Handflächen bohren.

„Ihr habt mich gezwungen, den Mann zu verlassen, den ich liebe, Ihr habt meinem Volk gedroht, Ihr habt mein Zuhause belagert, und Ihr wagt es, mir zu sagen, dass Ihr alles über meine Nächte wisst?"

„Es amüsiert mich nicht", sagt er leise. „Aber es wird mich nicht aufhalten."

Er weicht zurück, kehrt zu seinem Sessel zurück, als ob nichts wäre. Aber in seinen Augen, dieses dunkle Funkeln, diese besitzergreifende Flamme, die nicht erlischt.

„Ich habe Eurem Ritter einen diplomatischen Posten angeboten. Weit weg. Er hat abgelehnt. Er sagte, er würde niemals dem Mann dienen, der ihm seine Verlobte gestohlen hat. Rührend. Treu. Dumm, aber treu."

„Ihr habt ihm nichts gestohlen. Mein Herz wird Euch niemals gehören."

Er hebt den Blick von seiner Pergamentrolle. Sein Blick taucht in meinen, tief, unerträglich.

„Ich will dein Herz nicht, Lyanna. Noch nicht. Zuerst will ich deinen Körper. Der Rest wird folgen."

Die Luft gefriert in meinen Lungen. Mein Bauch zieht sich zusammen.

„Ihr seid ein Monster."

„Ja. Aber ein geduldiges Monster. Du kannst gehen. Die Zeremonie findet in zwei Stunden statt. Sei pünktlich. Und sei schön. Ich möchte, dass alle Männer meines Königreichs mich heute Abend beneiden."

Ich drehe mich auf dem Absatz um, knalle die Tür zu, lehne mich gegen die Wand des Korridors. Mein Herz hämmert. Meine Wangen brennen. Und zwischen meinen Schenkeln, eine Wärme, die ich nicht benennen will, ein dumpfes Pulsieren, das nicht aufhören will.

Ich will dein Herz nicht. Zuerst will ich deinen Körper.

Ich presse meine Handflächen gegen meine Schläfen. Ich sage mir, dass ich ihn verabscheue. Aber sein Blick bleibt hinter meinen Lidern eingebrannt. Die Berührung seiner Finger an meiner Schläfe. Das verhüllte Versprechen in seiner Stimme.

In zwei Stunden werde ich seine Frau sein.

In einigen Stunden werde ich in seinem Bett sein.

Und der Schrecken, der mich erfüllt, ist nicht nur Angst. Er ist durchsetzt mit einer brennenden Neugier, einer beunruhigenden Erwartung, die ich nicht benennen, nicht anerkennen will. Eine Erwartung, die tief in meinen Lenden pocht, die meine Schenkel beim Gehen aneinanderpresst. Eine Erwartung, die mich beschämt und die mich dennoch nicht loslässt.

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