LOGINDer Stein brannte so heiß, dass Raven die Kette zerriss.Er fiel in den Staub, rollte zwischen die Felsen, und in dem Moment, in dem er auf den Boden traf, spaltete er sich. Kein Knall. Kein Licht. Nur ein Ton, tief wie ein Atem, der einem aus dem Schlaf reißt.Damon lag auf den Knien, das Blut lief an seiner Seite hinab und bildete eine dunkle Pfütze. Er stemmte sich nicht hoch. Er versuchte es nicht einmal.Liora presste die Hand auf ihre eigene Wunde, das Gesicht schweißnass, die Augen wach.Vanessa stand zwischen ihnen, drei Schritte von Damon, zwei von Liora, fünf von Raven. Ihre Messer hielt sie tief, wie jemand, der nicht kämpfen muss, weil er das Spiel kennt.„Ich warte“, sagte sie sanft. „Die Nacht ist lang. Aber der Mond steigt. Und der Thron wartet nicht ewig.“Raven sah auf den Stein. Er lag in der Mitte des kleinen Platzes, gespalten von einer Linie, die wie ein Blitz verlief. Und aus dem Spalt drang ein si
Die Wunde brannte.Raven spürte es seit Stunden ein Ziehen am Handgelenk, tief unter der Haut, da, wo das Mal saß, das sie seit ihrer Verstoßung immer wieder versteckt hatte. In all den Jahren hatte es wehgetan, gebrannt, gepocht. Sie hatte gelernt, es zu ignorieren. Aber jetzt, da Damon neben ihr ging, mit der Schulter an der Wand eines Tunnels entlang, der nach Schwefel und alten Göttern roch, war das Mal rot und pulsierend wie ein zweites Herz.Sie sagte nichts. Sie zog den Ärmel über das Handgelenk.Sie gingen schweigend, seit Stunden. Nachdem sie Blackwood verlassen hatten, hatte keiner mehr gesprochen. Damon hatte den Schwert von Arcturus umgeschwungen, auf eine Art, die weder drohend noch schützend war nur vorhanden. Raven hatte gelaufen, geradeaus, den Stein um den Hals, das Messer im Gürtel. Zwischen ihnen war eine Stille gewesen, die nicht leer war, sondern beladen.Am frühen Nachmittag erreichten sie die Schlucht von Graumond
Damon war schneller als Raven.Noch bevor Aldric den Boten über den Hof schleppte, war Damon neben ihm, riss ihm das Messer aus dem Gürtel und drückte ihn an die Wand der Ruine. Die Klinge lag an der Kehle des Fremden, und Damons Stimme war ein einziges Knurren.„Wer hat dich geschickt? Sag es, oder ich schneide dir die Antwort aus dem Hals.“Der Fremde lächelte. Er war jung, nicht älter als dreißig, mit einer Narbe über der rechten Wange und Augen, die zu ruhig waren für einen Mann in seiner Lage.„Du bist schnell für jemanden ohne Wolf“, sagte er.Damon drückte die Klinge fester. Ein Blutstropfen lief an der Kehle hinab.„Warte!“ Raven packte Damons Handgelenk. „Er hat die Botschaft. Töte ihn nicht, bevor ich weiß, was er zu sagen hat.“Damon sah sie an. In seinem Blick lag Misstrauen – aber nicht gegen den Fremden, sondern gegen sich selbst. Er ließ die Klinge sinken, aber nur eine Handbreit.Raven
Raven packte ihre Sachen, noch bevor die Sonne aufging.Ein Wasserschlauch. Ein Messer. Die Decke aus Martas Hütte. Sie war schon halb an der Tür, als Damons Stimme sie aufhielt.„Du gehst nirgendwohin.“Sie drehte sich nicht um. „Du hast nicht das Recht, mir das zu sagen.“„Ich habe jedes Recht.“ Sie hörte, wie er aufstand, hörte das Scharren von Metall über Stein – das Schwert, das ihm nicht mehr gehorchte. „Ich habe für dich auf den Thron verzichtet. Ich habe für dich gegen Lucien gekämpft. Ich bin hinter dir hergesprungen, ohne zu wissen, ob ich lebend unten ankomme. Und jetzt willst du dich allein opfern, ohne ein Wort?“„Ich habe dich nicht darum gebeten, mir zu folgen“, sagte Raven, und diesmal drehte sie sich um. „Du hast es getan, weil du der Held sein willst. Weil du glaubst, dass nur du bestimmen darfst, wer lebt und wer stirbt. Genau das hast du vor Jahren auch getan, als du mich verstoßen hast. Du hast geglaubt, es
Raven fiel.Nicht in Luciens Fänge sie kam nicht so weit. Etwas packte sie mitten in der Luft, riss sie seitwärts, schleuderte sie gegen die Zinnen der Mauer. Ihr Rücken krachte gegen den Stein, ihr Atem blieb weg, und für eine Sekunde sah sie nur weißes Licht.Dann fiel sie auf die Zinnen, rollte über den Rand, und eine Hand packte ihren Knöchel, bevor sie in die Tiefe stürzte.Sie hing über der Mauer. Über ihr: der Morgenhimmel. Unter ihr: dreißig Fuß schwarzer Fels, dann die Armee.Und über ihr am Rand der Zinnen stand eine Gestalt, die sie gut kannte.Vanessa.Sie war zurückgekommen.Blut lief noch immer über ihren Arm, aber sie lächelte, während sie Ravens Knöchel hielt fest genug, um sie nicht fallen zu lassen, und locker genug, dass Raven wusste, dass sie jederzeit loslassen konnte.„Wie geht es dir, Schwester?“, fragte sie sanft. „Ich wollte nach dir sehen.“Raven versuchte, sich hochzuzie
Die Sonne kroch über die Berge wie eine offene Wunde.Raven stand im Staub des zerstörten Tores, umgeben von Bogenschützen, und hörte Damons Worte noch in ihren Ohren: Lass Raven gehen, Vanessa. Nimm mich statt ihrer.Sie hätte lachen können. Vielleicht hätte sie weinen sollen. Stattdessen spürte sie nur eine müde, kalte Wut in ihrer Brust.Immer noch. Immer noch tut er so, als könnte er über mich bestimmen.„Damon“, sagte sie laut. Ihre Stimme schnitt durch die Stille des Platzes. „Du hörst mir jetzt zu. Und du hörst mir gut zu.“Er drehte sich zu ihr um, das blutige Schwert in der Hand, verwirrt. „Raven, ich versuche nur, dich zu retten.“„Nein. Du versuchst, mich zu kontrollieren, so wie du es immer getan hast. Du entscheidest, wer geopfert wird und wer gerettet wird. Du entscheidest, wer kämpft und wer beschützt wird. Aber ich bin nicht mehr die Dienerin, die du vor Jahren verstoßen hast. Ich bin nicht mehr die Frau







