LOGINDie schwere Tür des Zimmers fiel hinter Deborah und Selena ins Schloss. Alice schlüpfte wie ein Geist hinter dem Samtteppich hervor. Ihre Knie zitterten heftig, ihr Herz hämmerte so heftig in ihrer Brust, dass sie es bis in den Hals spürte.
Nun war ihm das ganze Ausmaß des Unheils klar. Glasklar
Die große Ratshalle war von drückender Spannung erfüllt. Die Rudelältesten saßen in starren Reihen. König Duke thronte auf dem erhöhten Podium, sein Gesichtsausdruck von strengem Urteil gezeichnet. Die 72 Stunden waren offiziell abgelaufen, und der Hofstaat war versammelt, um Vergeltung für Prinz Kanes angebliche Schmach zu fordern. Kane stand inmitten der Steinplatten, groß und unnachgiebig. Das Gift war vollständig aus seinen Adern verschwunden, ersetzt durch einen wilden, messerscharfen Fokus. Neben ihm stand Deborah, umhüllt von stiller, siegreicher Selbstgefälligkeit, während Derek nahe den äußeren Säulen lauerte, sein schmieriges Grinsen hinter einer Maske diplomatischer Feierlichkeit verborgen. Als ich den Saal betrat, wandte sich Kane mir zu, seine goldenen Augen blitzten vor unmittelbarer, intensiver Erleichterung auf. Er
Der Morgen brach über der Draven-Festung an, mit der scharfen, kalten Endgültigkeit eines Henkersmessers. Die von König Duke gewährten zweiundsiebzig Stunden waren nun offiziell abgelaufen. Ich betrat die zentrale Galerie in Richtung des großen Ratssaals, die Haltung aufrecht, das Kinn erhoben, die kalte Wahrheit wie eine geladene Waffe in meinem Kopf. Ich wusste alles. Ich hatte Derek in seinem eigenen Lügennetz gefangen, und in wenigen Minuten würde ich ihm vor dem König, Prinz Kane und der gesamten Versammlung der Rudelältesten die Maske vom Gesicht reißen. Doch als ich den westlichen Torbogen zu den Gemächern des Adels umrundete, zerriss ein scharfer, hysterischer Aufschrei die Stille des Korridors.„Packt sie! Bewacht die Türen!“ Deborahs Kreischen hallte von den Steinmauern
Bei Einbruch der Dunkelheit tauchte ein weiterer anonymer Brief auf, doch diesmal lag er nicht verstreut in den öffentlichen Hallen, sodass jeder Diener und Adlige ihn bestaunen konnte. Er war an einem einzigen, gezielten Ort platziert worden, genau dort, wo er gefunden werden sollte, wie ein roher Köder in einer Stahlfalle. Der Brief enthielt präzise Koordinaten: eine stille, schattige Lichtung tief im Inneren des alten Waldes, der an die Palastmauern grenzte. Er behauptete, der letzte, unumstößliche Beweis der Verschwörung – die verbliebene Phiole mit dem Schattenrauch, die gefälschten Wachbefehle und das vollständige Protokoll der Nacht auf der Terrasse – sei genau dort, unter den moosbewachsenen Wurzeln der alten, hohlen Eiche, verborgen. Eine schwere, dunkle Gestalt bewegte sich lautlos durch das dichte Dickicht, die feuchten Kiefernnadeln knirschten leise unter schwarzen Lederstiefeln.&nbs
Deborah knallte das zweite Pergament auf den massiven Eichentisch. Ihre Hände zitterten so heftig, dass die Kristallflakons neben ihr auf dem Stein klirrten. „Wie kann das jemand wissen?!“, schrie sie, ihre Stimme sank zu einem rauen, panischen Flüstern, während sie in ihrem Schlafzimmer auf und ab ging.„Du sagtest, der Schattenrauch habe keine Spuren hinterlassen! Du sagtest, niemand habe gesehen, wie wir ihn von der Terrasse gezerrt haben!“ Selena antwortete nicht sofort. Sie beugte sich über einen niedrigen Holzaltar in der Ecke des Zimmers, ihre klauenartigen Finger schwebten über einer dunklen, wolkenverhangenen Glaskugel. Ihre Augen waren ganz weiß, ihre Lippen bewegten sich in einer schnellen, stummen Beschwörung, während sie versuchte, die Wahrsagekunst zu zwingen, die Identität desjenigen preiszugeben, der die Notizen geschrieben hatte.
Kane stand am hohen, schmalen Fenster seines Arbeitszimmers, die Hände fest hinter dem Rücken verschränkt, die breiten Schultern gegen das Gewicht der tickenden 72-Stunden-Uhr stemmend. Ich saß auf dem niedrigen Samtsofa am Kamin und starrte auf meine Hände. An meinen Handgelenken war noch immer der schwache Schatten eines blauen Flecks zu sehen, wo Derek mich vor Tagen festgehalten hatte, aber im Moment kreisten meine Gedanken nicht um ihn. Sie rasten, versuchten, jede Sekunde jener schrecklichen Nacht auf der mondbeschienenen Terrasse nachzuvollziehen.„Das ergibt keinen Sinn, Kane“, sagte ich leise und durchbrach mit meiner Stimme die Stille. „Die Terrasse war völlig abgelegen. Nur eine Handvoll Leute wussten überhaupt, dass wir dort oben waren.“
Im Ratssaal herrschte eine bedrückende Stille. Sonnenlicht strömte durch die Fenster und erhellte die wütenden, schockierten Gesichter der Rudelältesten, die am Ratstisch saßen. Mitten auf dem kalten Steinboden standen Kane und Deborah. Deborah war in einen weiten Seidenumhang gehüllt, ihre Hände zitterten, als sie den Stoff fest um ihren Hals klammerte. Tränen rannen ihr über die Wangen – ein perfekt getimter Ausdruck purer Demütigung."Er hat mich dazu gezwungen. Es war aber nicht absichtlich, er war einfach nur betrunken", schluchzte sie leise, ihre Stimme hallte von den hohen Steinsäulen wider.„Wir haben uns vor den heiligen Gelübden gepaart … vor dem Königreich! Er hat seinen Alpha-Status ausgenutzt, und nun ist meine Tugend als Luna-Kandidatin völlig zerstört







