LOGINDie siebzehnjährige Lily hat ihr ganzes Leben als Außenseiterin des Rudels verbracht. In der Schule wird sie unerbittlich schikaniert, besonders von den Alpha-Zwillingen Lucas und Liam, die sie mit grausamen Spitznamen verspotten. Sie erträgt die Demütigungen nur, weil sie weiß, dass sie an ihrem achtzehnten Geburtstag endlich entkommen kann. Ihr Plan ist einfach: weglaufen, das Rudel hinter sich lassen und weit weg von der Schande ihrer Familie und der Grausamkeit, die sie täglich ertragen muss, ein neues Leben beginnen. Doch in der Nacht ihres achtzehnten Geburtstags ändert sich alles. Während des Festes der Mondgöttin, bei dem die Seelengefährten offenbart werden, gerät Lily plötzlich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Mondgöttin schockiert das gesamte Rudel, indem sie Lily als die vorherbestimmte Gefährtin beider Alpha-Zwillinge auswählt. Mit einem Schlag werden ihre Pläne zerstört, und ihr Leben versinkt im Chaos. Wird sie ihr Schicksal annehmen, oder wird sie darum kämpfen, den Fesseln zu entkommen, die sie an die Alphas binden, die ihr das Leben zur Hölle gemacht haben?
View MoreDie Schulglocke läutete und kündigte einen weiteren Tag voller Qualen für Lily Winters an.
Sie seufzte und packte ihre Bücher in den Rucksack. So sehr sie auch versuchte, sich einzureden, jeder Tag sei ein weiterer Schritt in Richtung Freiheit, es wurde einfach nicht leichter. Sie war siebzehn Jahre alt und wurde von allen in ihrem Rudel wie Dreck behandelt. Und das lag nicht an etwas, was sie getan hatte, nein, es lag an ihrer Familie. Ihr Vater war vor Jahren aus dem Rudel verbannt worden, weil er gegen eine unausgesprochene Regel verstoßen hatte, die sie damals noch nicht verstand. Ihre Mutter hatte sich danach nur mit Mühe über Wasser gehalten, Gelegenheitsjobs angenommen und darum gekämpft, die Familie über Wasser zu halten. Seit der Schmach ihres Vaters behandelte das Rudel Lily, als trüge sie seine Schande. Sie konnte sich noch genau an den Tag erinnern, an dem das Mobbing begann, als sie gerade mal zehn Jahre alt war. Und das Schlimmste kam von den Alpha-Zwillingen. „He, Wolfsdreck!“, rief eine höhnische Stimme hinter ihr. Sie beschleunigte sofort ihre Schritte. Ohne sich umzudrehen, wusste sie bereits, wessen Stimme es war. Jeder wusste es. Sie gehörte Liam, einem der Alpha-Zwillinge und dem zukünftigen Anführer des Rudels. Leider war es nicht nur Liam, der sie täglich quälte; sein Bruder Lucas war genauso schlimm, wenn nicht sogar noch schlimmer. Bevor sie ihren Spind erreichte, stand Liam mit einem breiten Grinsen vor ihr. Sein Zwillingsbruder Lucas lehnte lässig an ihrem Spind und beobachtete sie mit kalten, berechnenden Augen. Lily zwang sich, den Kopf zu senken, während sie ihren Rucksack festhielt. Sie wollte keinen weiteren Streit mit den Alpha-Zwillingen. Sie hatte ihre unerbittlichen Schikanen schon satt. „Ich bin heute nicht in Stimmung, Liam“, sagte sie und versuchte, an ihm vorbeizugehen. Liam lachte. „Keine Lust? Du bestimmst nicht, wann du dich wie ein Drecksack benehmen willst, Wolfsdreck“, sagte er barsch. Lucas grinste von seinem Platz aus, die Arme vor der Brust verschränkt. „Ignorier sie, Liam. Sie will nur die Starke spielen. Erbärmlich. Genau wie ihr Vater“, sagte er angewidert. Lilys Hände ballten sich zu Fäusten, aber sie sagte nichts. Sie hatte im Laufe der Jahre gelernt, dass Gegenwehr alles nur noch schlimmer machte. Stattdessen ließ sie ihre Worte wie einen eisigen Wind an sich vorbeiziehen. Nur noch ein paar Tage, erinnerte sie sich. Nur noch ein paar Tage bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag, dann wäre sie sie alle los. „Komm schon, Lily“, sagte Liam mit gespielter Freundlichkeit. „Sei froh, dass wir überhaupt mit dir reden. Du hast Glück, dass wir es deiner Mutter, die auch noch im Restaurant arbeitet, nicht noch schlimmer machen. Du weißt doch, dass unser Vater der Besitzer ist, und sie könnte ihren Job ganz leicht verlieren, wenn wir es wollten.“ „Ein Fingerschnippen genügt, und du bist ein mittelloser Bettler“, fügte Lucas hinzu und lachte. Sie knirschte mit den Zähnen. Es war jeden Tag dasselbe: Beleidigungen, Hänseleien und Demütigungen. Sie wusste nicht, warum sie ausgerechnet sie zu ihrem Lieblingsziel auserkoren hatten, aber sie hatte es längst aufgegeben, die verdrehten Gedanken der Alpha-Zwillinge zu ergründen. Liam trat näher und überragte sie mit seiner einschüchternden Präsenz. „Warum bellst du nicht für uns, Wolfsmüll? Beweise, dass du noch zum Rudel gehörst“, sagte er und stieß sie weg. Lily funkelte ihn wütend an, ihr Herz hämmerte ihr bis zum Hals. Sie wollte schreien, ihn wegstoßen und weit wegrennen. Aber sie tat es nicht. Stattdessen holte sie tief Luft und ging wortlos zu ihrem Spind. „Was soll’s“, murmelte Liam, sein Lächeln verschwand, als er ihr nachsah. „Du wirst immer nur eine Versagerin sein, Winters. Genau wie dein Vater.“ Das tat weh, aber Lily zwang sich weiterzugehen. Sie hatte gelernt, den Schmerz ihrer Worte zu ignorieren. Es war der einzige Weg zu überleben. Als sie ihren Spind erreichte, zitterten ihre Hände. „Na, willst du etwa weinen?“, fragte Lucas und lachte, um sich über ihre Erschütterung lustig zu machen. Schnell griff sie nach ihren Büchern und versuchte, sich zu beruhigen. Als sie den Spind schloss, sah sie zu Lucas auf, der sie mit seinen dunkelblauen Augen anstarrte. Sein Gesichtsausdruck war undurchschaubar, aber sein Blick verweilte ihr einen Moment zu lange. Sie wandte sich ab und spürte einen Schauer über den Rücken laufen. Warum konnten sie sie nicht einfach in Ruhe lassen? Auf dem Weg zum Unterricht schweiften Lilys Gedanken zu dem Plan ab, an dem sie schon seit Monaten arbeitete. In wenigen Tagen würde sie achtzehn werden. Sobald es soweit war, konnte sie das Rudel verlassen. Sie hatte etwas Geld gespart und es heimlich versteckt, falls es jemand bemerken sollte. Sie hatte ihren Fluchtweg bis ins kleinste Detail geplant, damit nichts schiefgehen konnte. An ihrem Geburtstag würde sie sich davonschleichen und niemand würde sie je wiedersehen. Kein Rudel mehr, keine Alpha-Zwillinge mehr, kein Mobbing mehr. Sie konnte neu anfangen, weit weg von den Menschen, die sie, solange sie denken konnte, wie Dreck behandelt hatten. Ihre Gedanken wurden von der Stimme von Mrs. Davis, der Geschichtslehrerin, unterbrochen. „Lily Winters! Aufpassen!“ Lily schreckte aus ihren Tagträumen auf und sah, dass die ganze Klasse sie anstarrte. Mrs. Davis runzelte die Stirn, sichtlich genervt von ihrer Ablenkung. „Tut mir leid“, sagte Lily mit hochrotem Kopf. Sie hörte das Lachen ihrer Klassenkameraden und wusste, ohne hinzusehen, dass Lucas und Liam sie ebenfalls auslachten. Der Rest des Tages verlief wie immer mit Beleidigungen und Getuschel ihrer Mitschüler. Jemand hatte sie sogar auf der Toilette angestarrt. Wohin sie sich auch wandte, schien sie auf weitere gemeine Bemerkungen zu stoßen, auf weitere Erinnerungen daran, dass sie nicht dazugehörte. Als die Schulglocke endlich läutete und das Ende des Schultages signalisierte, war Lily völlig erschöpft. Sie wollte einfach nur nach Hause, sich in ihrem Zimmer einschließen und den Tag vergessen. Doch als sie zur Tür ging, spürte sie jemanden hinter sich. Sie drehte sich um und sah Lucas, der mit den Händen in den Hosentaschen dastand und sie mit einem Blick fixierte, der ihr ein mulmiges Gefühl gab. „Was zum Teufel willst du?“, fragte sie und versuchte, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen. Lucas sagte einen Moment lang nichts. Sein Blick huschte über sie, als ob er über etwas nachdachte. Dann schüttelte er den Kopf. „Nichts“, antwortete er und ging wortlos an ihr vorbei. Lily starrte ihn verwirrt und beunruhigt an. Irgendetwas war in letzter Zeit seltsam an ihm. Normalerweise war er genauso grausam wie Liam, wenn nicht sogar noch grausamer. Aber in letzter Zeit … stimmte etwas nicht. Sie konnte es nicht genau benennen, aber es beunruhigte sie. Sie schüttelte den Kopf und versuchte, den Gedanken zu verdrängen. Es spielte keine Rolle. In wenigen Tagen würde sie fort sein. Sie würde nie wieder mit Lucas, Liam oder irgendjemandem aus dem Rudel zu tun haben. Zumindest hoffte sie das. Als sie aus der Schule in die kühle Luft trat, überkam sie ein seltsames Gefühl. Es war, als ob etwas sie beobachtete und auf sie wartete. Sie sah sich um, bemerkte aber nichts Ungewöhnliches. Doch das Gefühl ließ nicht nach. Lily beschleunigte ihre Schritte, ihr Herz hämmerte ihr bis zum Hals. Sie musste so schnell wie möglich weg.Die sanften Strahlen der Morgensonne schossen durch die Vorhänge von Lilys Zimmer und malten die Wände in Gold- und Bernsteinfarben.Sie rührte sich unter der Decke, ihr Körper war immer noch warm vom Kokon ihrer Decke. Als sich ihre Augen öffneten, kamen die Erinnerungen an die vergangene Nacht wie eine Flut zurück.Sie erinnerte sich daran, wie Lucas ihre Taille gepackt hatte, als sie ihn überspannte, und an die Art und Weise, wie Liams Augen sich in eine andere Farbe verwandelten, als er mit solcher Leichtigkeit in sie eindrang, dass ein Keuchen ihren Lippen entwich.Die letzte Nacht war magisch gewesen und sie hätte es gegen nichts eingetauscht.Ihre Lippen kräuselten sich zu einem kleinen, glückseligen Lächeln, als sie sich aufsetzte, die Laken sammelten sich um ihre Taille.Die Erinnerung an die Küsse von Lucas und Liam, die Art und Weise, wie ihre Berührungen ihr Schauer über den Rücken jagt hatten, und die Art und Weise, wie sie sie mit ungewahrter Zuneigung angeschaut hatten
Der Raum war ruhig, bis auf das schwache Summen des Mondlichts, das durch die Vorhänge kam, warf ein schönes Leuchten um den Raum, das ihn eleganter aussehen ließ.Lily saß mit gekreuzten Beinen auf ihrem Bett, ihr Telefon an ihr Ohr gedrückt, während sie mit Maya sprach. Ihre Stimme war leise, von Frustration und Sorge gefärbt.Die jüngsten Aktivitäten der letzten paar Tage waren sehr anstrengend für sie und es begann, ihren Tribut von ihr zu fordern.Sie brauchte einen Weg, um der Realität zu entkommen, dass ihr Leben jetzt von Alex bedroht wurde und das Gespräch mit Maya eine dieser Fluchten war, nach denen sie sich sehnte.„Ich verstehe einfach nicht, wie jemand so... besessen sein kann“, murmelte Lily, ihre Finger drehten untätig die Ecke ihres Bettlakens. "Es ist, als wäre er in meinem Kopf, und egal, was ich tue, ich kann das Gefühl nicht loswerden, dass er immer zuschaut."Mayas Stimme kam durch das Telefon, beruhigend, aber fest.„Er ist nicht in deinem Kopf, Lily. Er ist ein
Die großen Korridore von Lucians Herrenhaus waren unheimlich still, bis auf das gedämpfte Geräusch von eiligen Schritten und geflüsterten Atemzügen, als Lily, Lucian, Lexa, Lucas, Liam und Maya sich auf den Weg zur Quelle des Schreis machten.Die flackernden Lichter an den Wänden warfen lange, schwankende Schatten, und die Spannung in der Luft war fast erstickend."Ich sage nur", begann Lucas und brach die Stille mit einem leisen Murmeln, "wir wissen nicht einmal, worauf wir uns eingehen. Vielleicht sollten wir vorsichtiger sein.“„Ich stimme zu“, fügte Liam mit leicht scharfer Stimme hinzu. "Das Ins Unbekannte zu laden ist kein kluger Schachzug."Lucian warf einen Blick über seine Schulter, sein Gesichtsausdruck war ruhig, aber befehlend."Niemand lädt irgendwo auf. Wir bewegen uns mit einem Ziel."„Das ist leicht für dich zu sagen“, erwiderte Liam, sein Ton biss. „Du bist nicht derjenige, der dafür verantwortlich ist, Lily zu schützen.“Lily stöhnte hörbar und verdrehte die Augen.„
Lucian führte die Gruppe durch einen langen, schwach beleuchteten Korridor, der mit Bücherregalen gesäumt war, die sich bis zu einer hohen Decke erstreckten. Jedes Regal war mit alten Bänden gefüllt, ihre Dornen waren geknackt und verblasst, einige tragende Runen, die schwach im schwachen Licht leuchteten.Die Luft war schwer vom Duft von gealterten Wänden und poliertem Holz, und die Atmosphäre summte mit einem Gefühl der Ehrfurcht."Ist das Ihre persönliche Bibliothek?" Fragte Lily mit leiser Stimme, als ob sie befürchtete, die stille Majestät des Raumes zu stören.Lucian blickte zurück, ein kleines Lächeln zog an seinen Lippen."Ein Teil davon. Mein Studium ist gerade erst voraus.“"Teil davon?" Maya hallte wider, ihre Augen weit aufgerissen. "Du könntest damit ein Museum eröffnen."Lucas und Liam tauschten skeptische Blicke aus, offensichtlich unbeeindruckt.„Bücher sind in Ordnung, denke ich“, murmelte Lucas, „aber sie werden Alex nicht aufhalten.“Lucian ignorierte den Kommentar





