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Kapitel 7

Author: Blanc Ball
Früher ließ Shiloh alles stehen und liegen, sobald Manuel Magenschmerzen hatte, und kochte ihm Hühnersuppe.

Einmal brach sie sich bei der Arbeit sogar den Arm. Er steckte noch im Gips, doch als Manuel über seinen Magen klagte, ging sie schnurstracks in die Küche und kochte die Suppe selbst.

Doch als sein Magen jetzt wieder wehtat, wandte sie sich ab und kehrte ihm nur den Rücken zu.

Ein erdrückender Schmerz schnürte Manuel die Brust zu.

Seine Stimme drohte zu brechen.

„Shiloh, warum bist du in letzter Zeit so kalt zu mir? So warst du früher nie.“

Ohne sich umzudrehen, sagte Shiloh: „Früher? Warst du nicht immer genervt von mir? Jetzt, wo ich dich nicht mehr belästige, was könnte dich daran noch stören?“

Ihre Worte machten Manuel sprachlos.

Früher hatte Shiloh sich immer an ihn geklammert. Sie wollte wissen, wohin er ging und was er tat. Sie kümmerte sich um alles.

Er fand das lästig. Er hasste es, wie sie wegen jeder Kleinigkeit eifersüchtig wurde. Er hatte sie mehr als einmal dafür zurechtgewiesen.

„Du bist die Herrin dieses Hauses. Benimm dich auch so. Rainee ist Familie, und du bist eifersüchtig auf sie? Das ist peinlich.“

Jetzt hatte sie ihm endlich gegeben, was er wollte.

Sie lief ihm nicht mehr nach. Fragte nicht mehr nach seinem Leben.

Warum also fühlte es sich an, als würde ihm das Herz herausgerissen?

„Ich weiß, dass du wegen Zach noch immer leidest“, sagte Manuel mit einem Seufzen. „Vertrau mir. Ich werde es wiedergutmachen. Wir haben eine lange Zukunft vor uns. Ich habe viel Zeit, dich zurückzugewinnen.“

Er beugte sich hinunter und küsste Shiloh auf die Stirn.

Dann ging er.

Was er nicht wusste, war, dass Shiloh in der Sekunde, in der er hinausging, zwei Nachrichten erhielt.

Die erste war von einem Gerichtsbeamten:

[Frau Schaffer, Ihre Scheidung ist rechtskräftig. Der Richter hat den Beschluss heute Morgen unterzeichnet. Ihre beglaubigte Ausfertigung liegt zur Abholung bereit.]

Die zweite war von der Raumfahrtbehörde:

[Professor Schaffer, das Projekt Weltraumaufzug beginnt morgen offiziell. Senden Sie uns Ihren Standort, und wir organisieren die Abholung.]

Shiloh starrte lange auf die Nachrichten.

Dann lächelte sie endlich.

Sie hatte es geschafft.

Der Tag, an dem sie endlich gehen konnte, war gekommen.

Aber zuerst gab es noch eine letzte Sache zu erledigen.

Shiloh stieg aus dem Bett und machte sich auf ihren Krücken auf den Weg zu Rainees Zimmer, einen schmerzhaften Schritt nach dem anderen.

Es war spät. Manuel war nicht bei Rainee.

‚Gut. Er stünde sowieso nur im Weg.‘

„Was machst du hier, Shiloh?“

Rainees übliches, hilfloses Schauspiel war verschwunden.

Sie musterte Shiloh mit offener Verachtung.

„Suchst du meinen Bruder? Erbärmlich. Du bist so schwer verletzt, und Manuel kümmert es nicht einmal. Ich hatte ein paar Kratzer, und er ist die ganze Nacht bei mir geblieben. Er ist nur gegangen, weil ich gesagt habe, mein Magen tut weh, und ihn für mich kochen ließ. Wenn ich das nicht getan hätte, wäre er immer noch hier. Du bist all diese Jahre mit Manuel verheiratet gewesen. Hat er jemals für dich gekocht?“

Shiloh sagte nichts. Sie war es leid, um einen Mann zu kämpfen.

Es gab nur eine einzige Sache, die sie noch wissen musste.

„Ich will die Wahrheit. An dem Tag, als du Zach zum Wellenreiten mitgenommen hast ... ist er von seinem Brett gefallen, oder hast du ihn geschubst?“

Rainee brach in Gelächter aus. „Du willst wirklich die Wahrheit? Nur zur Warnung – du wirst sie vielleicht nicht verkraften.“

„Das werde ich“, sagte Shiloh mit zusammengebissenen Zähnen.

Rainees Lächeln wurde breiter. „Wirklich? Dann hör zu. Manuel war an diesem Tag auch dort. Als die Wellen uns trafen, fielen Zach und ich beide ins Wasser. Manuel zögerte nicht. Er kam direkt zu mir ... während dein armer Sohn weggespült wurde.“

Jeder Nerv in Shilohs Körper erstarrte.

Das dämmrige Krankenzimmer fühlte sich an wie ein Albtraum, aus dem sie nicht aufwachen konnte.

Manuel war dort gewesen, als Zach starb.

„Und weißt du, was das Lustigste ist?“, lachte Rainee. „Manuel wusste, dass ich schwimmen kann, aber ich war trotzdem die erste Person, die er gerettet hat. Für ihn haben du und dein Sohn zusammen nie so viel bedeutet wie ich.“

Tränen verschleierten Shilohs Sicht.

Sie schwor sich, dass dies das letzte Mal war, dass sie jemals wegen Manuel weinte.

Sie wischte sich die Tränen ab und humpelte auf ihren Krücken aus dem Krankenhaus.

Langsam, aber stetig.

‚Manuel, für uns gibt es kein Morgen. Es gab nie eine lange Zukunft. Alles, was uns bleibt, ist, uns nie wiederzusehen.‘

Shiloh nahm ein Taxi zum Gerichtsgebäude.

Sie wartete die ganze Nacht draußen. Im Morgengrauen erhielt sie endlich ihren Scheidungsbeschluss.

Sie steckte ihre Ausfertigung ein und bat den Gerichtsbeamten, Manuels Exemplar an das Preston-Anwesen zu schicken.

Danach wartete sie draußen, bis der Militärjeep der Raumfahrtbehörde sie abholte.

Sie stieg ohne zu zögern ein.

Dann holte sie ihr Telefon heraus und lud die Aufnahme vom Vorabend hoch.

Als sie Rainee konfrontierte, hatte sie heimlich alles aufgenommen.

Zachs Tod war als Unfall eingestuft worden. Das Gesetz konnte Rainee oder Manuel nicht bestrafen.

Aber das Internet konnte über die beiden richten.

Es war das Letzte, was Shiloh für Zach tun konnte, bevor sie ging.

Dann warf Shiloh ihr Telefon weg.

Der Militärjeep fuhr auf den endlosen Horizont zu.

Zum ersten Mal seit Langem fühlte sie sich frei.

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