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Mein Zimmer ging an ihre Lieblingstochter

Mein Zimmer ging an ihre Lieblingstochter

By:  HeliotropeKumpleto
Language: Deutsch
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An dem Tag, an dem wir in unser neues Haus zogen und meine Adoptivschwester mein Zimmer bezog, beschloss ich zu gehen. An diesem Morgen postete Mama den Grundriss in unserer Familiengruppe. Es gab drei Schlafzimmer. Eines für meine Eltern. Eines für meinen älteren Bruder. Und das größte, hellste Zimmer trug die Aufschrift: Sophies Zimmer. Mein Name tauchte auf dem Plan nirgends auf. Vor zehn Jahren war Sophies Vater ertrunken, als er versuchte, meinen Bruder zu retten. Seitdem behandelte meine Familie jedes Opfer, das sie für Sophie brachte, als etwas, das ich ihr schuldete. Als ich fragte, wo ich schlafen sollte, zögerte Mama kaum. „Du gehst bald für dein Masterstudium weg. Ein eigenes Zimmer für dich wäre reine Verschwendung.“ Dann wandte sie sich wieder Sophie zu und half ihr, rosa Vorhänge auszusuchen. Mein Bruder trug ihre neuen Möbel hinein. Mein Freund, mit dem ich seit drei Jahren zusammen war, baute ihr das Bücherregal auf. Ich saß auf einem Umzugskarton und begriff endlich. Sie hatten mich nicht vergessen. Sie hatten entschieden, dass Sophie mein Zimmer, meine Familie und sogar den Mann verdiente, der eigentlich mich lieben sollte. Da sie längst entschieden hatten, dass in dieser Familie kein Platz für mich war, beschloss ich, ihnen genau das zu hinterlassen, was sie sich wünschten. Ich öffnete den vertraulichen Forschungsvertrag auf meinem Handy und unterschrieb. Zehn Jahre. Keine Heimreisen. In zehn Tagen würde ich aus ihrem Leben verschwinden. Für immer.

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Kabanata 1

Kapitel 1

Nachdem ich auf „Annehmen“ gedrückt hatte, wischte ich mir die Tränen aus den Augenwinkeln.

Tief in mir hoffte ein kleiner, dummer Teil von mir immer noch, dass es jemandem auffallen würde.

Ich wollte, dass Mama fragte, warum ich so auf mein Handy starrte. Ich wollte, dass Ryan wenigstens einen Moment lang von Sophies Vorhängen aufsah und merkte, dass etwas nicht stimmte. Am meisten wollte ich, dass Ethan aus ihrem Zimmer kam und fragte, warum ich aussah, als würde ich gleich weinen.

Niemand tat es.

Ethan kam aus Sophies Zimmer, die Stirn schweißglänzend.

Ich sah ihn ein paar Sekunden lang an, bevor ich seinen Namen rief.

„Ethan, du arbeitest schon den ganzen Nachmittag. Setz dich doch kurz zu mir.“

Ich hasste, wie hoffnungsvoll das klang.

Er wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, aber sein Blick war schon zu Sophies Tür zurückgewandert.

„Gleich. Ihre Vorhangstange hängt schief, das würde sie stören.“

Er stellte die Flasche ab und ging an mir vorbei, ohne mich auch nur anzusehen.

Ich blieb auf dem Karton sitzen und hörte, wie er Sophie bat, zurückzutreten, damit er die Stange richten konnte.

Drei Jahre.

Ich liebte Ethan seit drei Jahren, und er hatte sich noch nie so viel Mühe mit etwas gegeben, das mir gehörte.

An dem Tag, an dem ich in mein Studentenwohnheim zog, hatte ich fünf schwere Kartons und ein Zimmer im sechsten Stock – ohne Aufzug.

Ethan hatte versprochen, mir zu helfen.

Eine Stunde bevor ich ankam, schrieb er, es sei etwas Dringendes dazwischengekommen.

Ich trug jeden Karton allein nach oben.

An diesem Abend öffnete ich Sophies Social-Media-Seite.

Sie hatte Fotos von einem Freizeitpark gepostet.

Auf jedem Bild stand Ethan neben ihr.

Als Ethan später anrief, sagte ich trotzdem, es sei schon in Ordnung.

Seit drei Jahren sagte ich immer wieder: Es ist schon in Ordnung.

Bevor ich mich weiter in Erinnerungen verlieren konnte, streckte Mama den Kopf aus der Küche.

„Nora, willst du da den ganzen Tag sitzen bleiben? Geh Sophie helfen, die neue Bettwäsche aufzuziehen. Die Bettwäsche liegt neben ihrer Tür.“

Ich sah zum Flur hinüber.

Meine Sachen standen in ein paar zerbeulten Kartons in der Ecke gestapelt.

Niemand hatte sie angefasst, niemand hatte gefragt, wo sie hingehörten.

„Mama“, fragte ich, „wo soll ich meine Sachen hinstellen?“

Sie folgte meinem Blick und deutete dann auf eine schmale Tür neben dem Waschraum.

„Räum die Abstellkammer aus und bleib vorerst dort.“

Für einen Moment dachte ich, ich hätte mich verhört.

„Die Abstellkammer?“

„Nur vorübergehend.“ Als sie meinen Gesichtsausdruck sah, wurde ihr Ton schärfer. „Du hast schon mal dort geschlafen. Tu nicht so, als würden wir dich auf die Straße setzen.“

Ich hatte tatsächlich schon einmal dort geschlafen.

Damals, als Sophie zum ersten Mal bei uns einzog.

Ryan war als Kind vom Flussufer abgerutscht. Sophies Vater, Daniel Carter, war ihm ins Wasser nachgesprungen. Ryan überlebte, doch Daniel wurde von der Strömung mitgerissen.

Mama war diejenige gewesen, die Daniel an jenem Tag in den Park gebeten hatte, und diese Schuld trug sie seither mit sich.

Als Sophie in unser Haus kam, blass und stumm, in einem viel zu großen Kleid, hielt Mama sie einen ganzen Nachmittag lang im Arm.

„Das hier ist jetzt dein Zuhause“, versprach sie unter Tränen. „Niemand wird dich je wieder spüren lassen, dass du nicht willkommen bist.“

Dann wandte sie sich mir zu.

„Sophie hat gerade ihren Vater verloren. Überlass ihr für ein paar Tage dein Zimmer.“

Ich war damals dreizehn.

Aus den paar Tagen wurde ein ganzes Jahr.

Jedes Mal, wenn ich fragte, wann ich zurückziehen könnte, sah Mama mich an, als hätte ich einem trauernden Kind wehgetan.

Irgendwann hörte ich auf zu fragen.

Und jetzt, zehn Jahre später, taten sie es wieder.

Mama hatte längst entschieden, dass die Abstellkammer für mich genügte – schließlich wäre alles Bessere an jemanden verschwendet, der ohnehin bald gehen würde.

Ich nahm mein Kissen und die zusammengelegte Decke.

Als ich an Sophies Zimmer vorbeikam, sah ich Ethan auf einem Stuhl stehen, während sie die Vorhangstange festhielt. Ryan stand daneben und lachte, während sie zwischen zwei Rosatönen schwankte.

Die drei sahen aus wie eine Familie, die das Zimmer eines geliebten Menschen einrichtete.

Keiner von ihnen bemerkte, wie ich mit der Bettwäsche im Arm zur Abstellkammer ging.

Der Raum war kaum vierzig Quadratfuß groß, vollgestopft mit Putzeimern, Reinigungsmitteln und kaputtem Krimskrams.

Es gab kein Fenster.

Eine nackte Glühbirne hing von der Decke und summte.

Mama kam mit einer alten Yogamatte hinter mir her.

„Leg die erst mal auf den Boden.“

Ich starrte die Matte an.

„Gibt es kein Klappbett?“

„Wir haben für diesen Umzug schon genug ausgegeben, Nora.“

Aus Sophies Zimmer hörte ich Ryan fragen, ob sie über ihrem Bett Lichterketten haben wolle.

Mama hörte es auch, aber ihr Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.

Sie drückte mir die Matte in die Hand und ging.

Zehn Tage, sagte ich mir.

Ich musste nur noch zehn Tage durchhalten.

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