LOGINLinas SichtweiseDunkelheit hüllte den Flur vollständig ein. Einen Augenblick lang rührte sich niemand, alles erstarrte, selbst die Luft. Plötzlich explodierte alles.„Notstromversorgung, sofort!“, rief jemand.Stiefel polterten über den Marmorboden. Funkgeräte knisterten. Die Notlichter flackerten in mattroten Streifen über den Boden und tauchten alle in sich bewegende Schatten. Carlino erhob nicht die Stimme. Er musste es nicht.„Westflügel“, sagte er und ging bereits los. Schnell. Beherrscht. Totenstille.Damien schloss zu ihm auf und bellte Befehle in sein Handy. „Außenausgänge abriegeln. Niemand rein oder raus. Ich will alle noch vorhandenen Kamerabilder im Blick haben.“„Ich dachte, dieses Haus sei eine Festung, wie ihr alle behauptet habt“, murmelte ich und hielt Schritt.Carlino sah mich nicht an. „Das ist es.“„Dann ist einfach jemand durch deine Wände spaziert.“Sein Kiefer verkrampfte sich, aber er wurde nicht langsamer. Wir bogen um die Ecke zum Westkorridor, meinem Korrid
Linas SichtweiseDas Haus erwachte heute vor Sonnenaufgang. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte, noch bevor es jemand aussprach. Die Schritte waren schneller. Die Stimmen leiser. Türen öffneten und schlossen sich zielstrebig statt gemächlich. Die Luft fühlte sich nicht mehr schwer an, sondern aufgeladen.Der Tag war wie im Flug vergangen, immer die gleichen Routinen. Bellas Abwesenheit war nicht nur für mich, sondern für alle im Haus deutlich spürbar. Ständig kreisten meine Gedanken um sie. Der Mann, den ich im Schatten gesehen hatte, war heute nicht gekommen. Da ich nichts anderes tun konnte, verließ ich mein Zimmer für einen kurzen Spaziergang.Ich hatte gerade den Flur betreten, als Damien um die Ecke bog, bereits angezogen und bereits am Telefon.„Nein, mach für heute Abend Schluss“, schnauzte er leise. „Mir ist egal, was es kostet, mach es einfach.“Er legte auf und rannte beinahe in mich hinein. Sein Blick huschte kurz über mich hinweg, musterte mich, dann glitt er an mir vorbe
Linas SichtweiseDie Gänge rochen leicht nach Politur und kalter Luft, die sich wie eine zweite Haut über einen legte. Wachen schritten schweigend vorbei, ihre Blicke huschten zu mir, undurchschaubar. Manche verweilten einen Augenblick zu lange, dann wandten sie den Blick ab. Die Luft fühlte sich schwerer an als sonst, als hätte allein meine Anwesenheit die Dynamik im Haus verändert.Ich ging am Hauptwohnzimmer vorbei. Das übliche Stimmengewirr war verstummt. Stattdessen herrschte angespannte Stille, als hielten die Wände selbst den Atem an.Ich sollte es nicht bemerken, aber ich tat es. Die Bediensteten huschten mit gesenkten Blicken an mir vorbei. Das Personal, das sich zuvor frei bewegt hatte, hielt nun inne, darauf bedacht, keine Aufmerksamkeit zu erregen.„Donna“, rief eine leise Stimme. Ich drehte mich um. Ein männlicher Diener blieb mit scharfem Blick im Türrahmen stehen. Seine Hände zitterten leicht, als er ein Tablett hielt. Ich hob eine Augenbraue.„Du siehst aus, als würdes
Linas SichtweiseDas Haus war unheimlich still, nachdem das Blut getrocknet war, nach dem letzten Einbruch in die Villa. Nicht friedlich. Nicht sicher. Nur … wachsam. Wachen standen noch immer in den Gängen, aber ihre Haltung hatte sich verändert. Angespannt und angespannt. Als hätten die Wände den Schuss gehört und warteten auf das Echo. Ich war nicht in meinem Zimmer eingesperrt. Das war schlimmer.Keine Befehle. Keine Einschränkungen. Kein Carlino. Freiheit im Käfig ist nur eine andere Art von Leine. Ich habe nie etwas davon gehört, dass meine Eltern eine Vermisstenanzeige erstattet hätten, ich habe nie Nachrichten darüber gesehen, dass sie nach mir suchten. Es herrschte einfach Stille.Carlinos Einfluss mag dazu geführt haben, dass es zunächst so aussah, als hätte ich nie existiert. Vielleicht hat er meine Eltern bedroht. Oder vielleicht hat Ruciano die Arbeit in seinem Auftrag erledigt.Ich ging den Hauptkorridor entlang. Vorbei am Wohnzimmer. Vorbei an den hohen Fenstern, die ni
Linas SichtweiseDer Besprechungsraum war kälter als der Rest des Hauses. Nicht von der Temperatur her. Vom Gefühl her. Männer saßen an dem langen Tisch, ihre Anzüge dunkel, ihre Gesichter noch düsterer.Die Gespräche verstummten, als ich neben Carlino trat. Nicht weil ich wichtig war. Sondern weil ich unerwartet kam.Carlino sah mich nicht an. „Setz dich“, sagte er leise.Es handelte sich um einen Befehl, nicht um eine Bitte.Ich zog den Stuhl trotzdem heraus und setzte mich hin, als wäre es von Anfang an meine eigene Entscheidung gewesen.Einer der Männer mir gegenüber grinste. „Ich wusste gar nicht, dass die Donna jetzt auch an Geschäftstreffen teilnimmt.“„Mir wird langweilig“, sagte ich. „Ich dachte, ich schaue mir mal an, wie zerbrechliche Egos ein Imperium regieren.“Ein paar leise Kicherer. Ein paar Stirnrunzeln.Carlino reagierte nicht, aber seine Finger trommelten einmal auf den Tisch. Eine Warnung. Oder vielleicht Nervosität.Die Sitzung ging weiter. Lieferungen. Gebiete. E
Linas SichtweiseDie Bestrafung hörte nicht auf. Sie entwickelte sich weiter. Türen, die sich früher frei öffnen ließen, benötigten nun eine Erlaubnis. Korridore, die einst endlos schienen, wirkten nun abgemessen – patrouilliert. Selbst im Garten standen Wachen wie dekorative Statuen mit Gewehren.Ich habe es trotzdem getestet.„Ich gehe nach draußen“, sagte ich zu dem Wachmann in der Nähe der Treppe.„Sie benötigen eine Genehmigung.“„Von wem? Von Gott?“„Von Don Carlino.“Ich lächelte ohne jede Ernsthaftigkeit. „Findet er es auch gut, wenn ich atme?“Der Wachmann reagierte nicht. Das taten sie nie. Ich ging trotzdem an ihm vorbei. Da stellte er sich mir in den Weg.Nicht berühren. Nicht bedrohen.Ich blockiere nur.Nachricht empfangen.Ich drehte mich um und ging in die andere Richtung, die Kiefer angespannt. Wenn Carlino ein Symbol wollte, gut. Symbole konnten trotzdem unbequem sein.Bis zum Mittagessen hatten mich drei verschiedene Mitarbeiter „höflich daran erinnert“, dass die Ma






