LOGINSein Blick kehrte zu mir zurück – langsam, prüfend. Dann, ohne Vorwarnung, schnellten seine Hände hoch und umfassten meinen Hals. Ich keuchte auf und krallte mich instinktiv an seine Arme. Er rührte sich nicht. „Wenn du mir noch einmal nicht gehorchst“, sagte er mit leiser, herzloser Stimme, „dann zählen wir beim nächsten Mal nicht mehr.“ Selbst zitternd hob ich das Kinn. „Dann verwechseln Sie Schweigen nicht mit Gehorsam“, sagte ich heiser. Carlinos Stimme folgte – ruhig, unerschütterlich, als wäre nichts geschehen. „Schließ ihre Etage heute Nacht ab.“ Das war der Zeitpunkt, an dem sich die Lage beruhigte. Hier gab es keine Gnade. Ohne Übertreibung. Jedes Wort, jede Drohung – er meinte sie ernst. Er gab nicht vor, der Teufel zu sein. Er machte sich einfach nicht die Mühe, es zu verbergen. --- Sie hasst ihn. Er weigert sich, sich einzugestehen, dass er sie begehren möchte. Lina Gray hätte nie gedacht, dass die Liebe sie verraten würde. Bis der Mann, dem sie vertraute, ihr Leben opferte, um seine Schulden zu begleichen. Sie wurde Carlino Lacentra, dem Mafia-Boss, dessen Name alle Gespräche beendet, ausgeliefert. Lina wurde ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt und zur Donna gekrönt, um einen Thron zu sichern, den sie nie begehrt hatte. In seiner Welt ist Macht Gesetz, Loyalität Währung, und eine Frau an der Seite des Königs ist niemals nur eine Frau.
View MoreLinas Sichtweise
Als Ruciano mich das erste Mal schlug, redete ich mir ein, es sei ein Irrtum gewesen. Beim zweiten Mal… lernte ich, still zu sein.
„Sag das bloß nicht, Lina! Du bist doch diejenige, die immer impulsiv handelt“, fuhr Ruciano ihn an. „Du nörgelst ständig an irgendetwas herum. Was bringt es dir überhaupt, mich so aufzuregen? Sag schon!“
Seine Stimme durchdrang den Raum, scharf und ohrenbetäubend. Er lief auf und ab, fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und knirschte mit den Zähnen. Er tat so, als ob er die Kontrolle verlöre und ich der Sturm sein sollte. Und irgendwie… zerbrach das etwas in mir.
Ich öffnete den Mund. Bereit, mich zu verteidigen, doch die Worte blieben mir im Hals stecken. Wenn ich sprach … würde ich weinen, und das wollte ich nicht. Ich wollte nicht, dass er meine Tränen sah.
„Sag etwas“, drängte er und blieb direkt vor mir stehen. „Du hast immer etwas zu sagen.“
Ich atmete langsam ein, die Hände steif und kalt an den Seiten. „Was genau willst du von mir, Ruciano?“, fragte ich mit zitternder Stimme, kaum mehr als ein Flüstern. „Sag es mir. Denn ich habe alles getan. Wirklich alles. Ich habe dich verteidigt, geschwiegen, als ich es nicht hätte tun sollen, mich zu jemandem verbogen, den ich selbst nicht mehr wiedererkenne.“
Er spottete: „Na, dann mal los.“
„Nein“, zischte ich, ein stechender Schmerz durchfuhr mich. „Widersprich mir nicht. Nicht dieses Mal.“ Sein Kiefer verkrampfte sich, aber ich fuhr fort. „Ich werde mich nicht länger selbst zerstören, nur weil ich dich liebe“, sagte ich mit zitternder Stimme, trotz all meiner Bemühungen, mich zusammenzureißen. „Ich werde mich nicht umbringen, nur um die Freundin zu sein, die du …“
Die Ohrfeige traf mich wie aus dem Nichts und unterbrach meine Worte. Mein Kopf schnellte zur Seite, ein stechender Schmerz durchfuhr mich, heiß und unmittelbar. Doch der eigentliche Schmerz, den ich spürte, lagerte sich in mir ab. Einen Augenblick lang, als ich den Kopf drehte, sah ich nicht den grausamen Mann vor mir. Ich sah den sanften Mann, der mich einst so angesehen hatte, als ob ich ihm etwas bedeuten würde. Ich wusste nicht, wann er verschwunden war.
Die Stille, die folgte, war erdrückend. Er wich zurück, als hätte er es nicht so gemeint, als hätten ihn seine eigenen Hände verraten. Als wäre es nicht das tausendste Mal gewesen.
Ich stieß ein leises Lachen aus. Ein Lachen, das mir fremd war. „Du hast mich geschlagen“, flüsterte ich. „Schon wieder.“
„Lina, ich –“
„Du hast mich geschlagen. Schon wieder“, wiederholte ich. Meine Stimme zitterte trotz allem.
Ich drehte mich um und ging. Bevor er noch etwas sagen konnte, bevor er sich entschuldigen, bevor er etwas erklären konnte, bevor ich ihm aus Gewohnheit verzeihen konnte.
Als ich hinausging, hallten die Gedanken in meinem Kopf wider. Warum war ich überhaupt noch in dieser Beziehung? In letzter Zeit gab es nur noch Beleidigungen, Wutausbrüche, undankbare Bemerkungen … und jetzt das? Es war nicht immer so gewesen. Am Anfang … Lachen, lange Telefonate, dumme Zukunftspläne. Irgendwann, ohne Vorwarnung, hatte er sich komplett verändert. Aber ich bin trotzdem geblieben.
Die Nachtluft draußen war anders, kälter als zuvor. Oder vielleicht… bildete ich es mir nur ein. Ich ging weiter, ziellos. Meine Gedanken waren laut, wirr und fast unerträglich. Ein Teil von mir, ein zerbrechlicher, naiver Teil, wartete auf Schritte hinter mir. Darauf, dass er meinen Namen rief. Darauf, dass er mich wählte. Doch es blieb still.
Ich blieb an der Ecke stehen und wischte mir grob übers Gesicht. So konnte ich nicht nach Hause gehen. Mama würde alles sehen. Und ihre Sorge würde mich zutiefst verletzen. Ich griff nach meinem Handy … Da veränderte sich etwas, nicht laut oder offensichtlich. Einfach … falsch. Ich erstarrte, mir stockte der Atem, und ich suchte die Straße ab. Bis ich sah, wie ein Mann vorbeirannte, und fast sofort folgten ihm drei … vielleicht vier Männer in Schwarz.
Ich duckte mich hinter einen Baum, dessen Rinde rau auf meiner Haut rieb. Ihre Stiefel hallten schwer auf dem Asphalt wider in der stillen Nacht. Ich spähte noch immer, als mein Handy vibrierte. Es war Ruciano. Mein Daumen schwebte darüber, aber ich sperrte das Handy und steckte es ein. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, bis mir Cathy einfiel. Vielleicht… würde sie mich hier lassen.
Als ich ihr Haus erreichte, klingelte ich einmal, keine Antwort. Dann zweimal, immer noch nichts. Ich drehte mich um, um zu gehen, doch im selben Moment wurde die Tür aufgerissen.
„Lina?“ Cathy blinzelte. „Was machst du denn so spät noch hier? Oh mein Gott – komm herein. Es tut mir leid.“
„Ich möchte nicht reden“, sagte ich. „Bitte. Ich möchte einfach nur schlafen.“
„Okay, Lina“, sagte sie und trat leise zur Seite. Als ich eintrat, ließ ich mich auf ihr Sofa fallen. Sofort war mein Kopf wie leergefegt, ich starrte an die Decke, bevor mich der Schlaf übermannte.
~~~
„Du bist gestern Abend nicht nach Hause gekommen, Lina“, fuhr Mama sie an. „Und jetzt stehst du hier und erzählst uns, dass du gefeuert wurdest?“ Ihre Stimme wurde lauter. „Ich bin mir sicher, es liegt an diesem Ruciano. Direkt oder indirekt. Ich habe dich gewarnt. Dir gesagt, du sollst ihn in Ruhe lassen. Er wird dir eines Tages noch zum Verhängnis werden – merk dir meine Worte.“
Sie stürmte hinaus. Wut hing ihr wie Rauch nach. Und sie hatte Recht. Dad blieb. Schweigend. Beobachtend. Etwas Unheilbares lag in seinem Blick.
„Als Ihre Mutter sagte, Ruciano sei – indirekt – für Ihren Jobverlust verantwortlich, haben Sie das nicht bestritten“, sagte er ruhig und ernst. „Das sagt mir alles.“
Ich schluckte.
„Dieser Mann hat nichts Gutes zu bieten außer Schmerz“, fuhr er fort. „Beende diese ungesunde Beziehung. Und entwickle dich weiter – geistig, emotional, in jeder Hinsicht. Sonst … könnte er wirklich dein Untergang sein.“
In der Stimme meines Vaters klang Enttäuschung viel tiefer als Wut es je könnte.
„Okay, Dad“, flüsterte ich.
Er schüttelte den Kopf und ging weg. Bedrohliche Stille breitete sich aus, sie war schwerer als Geschrei.
Ich bin darin versunken. Ich musste Ruciano verlassen. Ich wusste selbst nicht, warum ich geblieben war. Alles, was er mir in letzter Zeit gab, war … Chaos. Verletzte Gefühle. Angst. Liebe? Sicher. Aber nicht erwidert. Nicht auf die Art, die wirklich zählt.
Ich ging nach oben. Schloss meine Zimmertür. Fällte meine Tasche hin. Erschöpfte mich und ließ mich aufs Bett fallen. Die Erschöpfung drückte mir gegen die Brust. Atmen fiel mir schwer. Schlaf war der einzige Ausweg.
Als ich aufwachte, war meine Sicht verschwommen. Mein Kopf fühlte sich schwer an. Die Sonne sank dem Horizont entgegen. Sanftes Licht fiel durchs Fenster.
Ich atmete aus.
Ich muss Ruciano heute noch treffen.
Ich muss das beenden.
Ich frischte mich schnell auf, zog mich um und ging hinaus. Es war schon dunkel. Mama war noch in der Küche. Tina und Romy lachten. Niemand bemerkte, dass ich ging.
Ich rief Ruciano an, während ich ging, und sagte ihm, dass ich in wenigen Minuten da sein würde.
Zum Glück war er zu Hause. Das war eine Erleichterung – eine Ausrede weniger, eine Verzögerung weniger.
Aber irgendetwas an dem Abend fühlte sich falsch an. Seit ich hinausgegangen bin, spüre ich es. Dieses Unbehagen, das sich in meiner Brust festgesetzt hat.
Die Straße war normalerweise ruhig. Zu still. Vielleicht habe ich mir zu viele Gedanken gemacht.
Ich war schon halb die Straße entlang, als ein weißer Lieferwagen neben mir hielt. So schnell und so nah!
Mein Körper reagierte, bevor mein Verstand es tat; ein heftiger Angstschauer durchfuhr mich, aber da war es bereits zu spät.
Die Türen glitten auf. Vier Männer traten heraus. Schwarze Masken. Dunkle Kleidung. Ihre Bewegungen waren präzise. Es wirkte, als hätten sie es geübt.
Innerhalb von Sekunden hatten sie mich umzingelt.
Einer hinter mir.
Zwei an meiner Seite.
Einer vorne.
Mein Herz hämmerte heftig gegen meine Rippen. Ich öffnete den Mund, um zu schreien –
Eine Hand presste sich auf mein Gesicht. Der Geruch traf mich sofort. Scharf. Chemisch.
"NEIN-!"
Panik überkam mich, als ich mich wehrte, meine Finger krallten sich in den Arm um mich, meine Nägel gruben sich in den Stoff, in die Haut – in alles. Mein Körper wand sich, trat um sich, kämpfte –
Aber sie waren stärker.
Alles geriet außer Kontrolle.
Meine Lungen brannten. Meine Sicht verschwamm an den Rändern.
Eine Stimme beugte sich dicht an mein Ohr, ruhig… fast gelangweilt.
„Du hättest zu Hause bleiben sollen.“
Meine Bewegungen verlangsamten sich, obwohl ich es nicht wollte. Meine Kraft schwand, als würde sie mir etwas Stück für Stück entreißen.
„Zu spät“, fügte er leise hinzu.
Fast augenblicklich erschlaffte mein Körper, aber mein Geist war noch lange genug wach, um eines zu begreifen: Das war kein Zufall.
„Geliebt, verraten … und erlöst“, kommentierte einer von ihnen, und die anderen lachten. Dann wurde alles schwarz.
Linas SichtweiseEin stechender Schmerz schoss mir von den Knien bis in die Oberschenkel. Ich schnappte nach Luft und zwang mich, mich aufzurichten. Zwei Augenpaare ruhten noch immer auf mir, bevor ich es überhaupt wagte, aufzusehen.Damiens Gesichtsausdruck war der Inbegriff des Unglaubens.Carlinos Gesichtsausdruck hingegen war undurchschaubar – ruhig, beherrscht, als hätte er das schon einmal erlebt.„Was machst du hier?“, fragte er mit ruhiger Stimme, doch sein Tonfall traf mich härter als jeder Schrei.Ich schluckte. Die Worte blieben mir im Hals stecken. „Ich… ich habe mich verlaufen.“ Die Lüge wirkte fadenscheinig, und ich wusste es.„Hast du dich verlaufen?“ Er kam näher, jeder Schritt wirkte bedächtig und hallte durch den Raum. Mir wurde ganz flau im Magen. Sein Blick war alles andere als harmlos.Ich spannte mich instinktiv an, jede Faser meines Körpers war in Alarmbereitschaft.„Ja. Ich – ich konnte den Weg zurück nicht finden“, antwortete ich und bemühte mich, meine Stimme
Linas SichtweiseSeit meiner Ankunft in diesem Haus hatte ich kein Dienstmädchen gesehen. Die Nacht war bereits hereingebrochen, und ich war kein Stück vorangekommen. Meine Gedanken zogen sich in mich zurück und hielten mich in einem selbstgebauten Käfig gefangen. Das Bett unter mir bot keinerlei Komfort. Im Gegenteil, mein Körper juckte an seiner Weichheit, als wolle er keine Ruhe finden. Ich wälzte mich unruhig hin und her und klammerte mich an die Illusion von Geborgenheit, wo keine war. Langsam senkten sich meine Augen vor Erschöpfung.„Ich habe dir doch gesagt, du sollst ihn in Ruhe lassen.“ Die Stimme meiner Mutter durchbrach die Stille. „Dieser Mann wird dir eines Tages zum Verhängnis werden. Merk dir meine Worte.“ Ihre Warnung hallte wider.Darauf folgt eine andere Stimme – genauso vertraut, genauso unerbittlich: „Er hat dir nichts als Schmerz zu bieten. Lass diese ungesunde Beziehung aus deinem Leben verschwinden, damit du wachsen kannst – geistig, emotional, in jeder Hinsich
Linas Sichtweise„Don… drohst du mir deswegen?“, fragte Damien, und Ungläubigkeit schwang in seiner Stimme mit.Ich starrte Carlino an – auf die ruhige Brutalität, mit der er dastand, ungerührt. Einen Moment lang vergaß ich sogar zu atmen. Er hatte gerade Blut vergossen, ohne einen Finger zu rühren.„Ich drohe Ihnen nicht“, sagte Carlino kühl. „Ich informiere Sie nur.“ Er deutete auf den Korridor. „Gehen Sie zu meiner Hütte. Warten Sie dort auf mich.“Damien zögerte – einen Augenblick zu lange –, dann besann er sich. Er nickte einmal und ging wortlos. Stille folgte. Schwere. Erdrückende Stille.„Und du.“ Carlinos Stimme durchdrang die Stille, scharf genug, um mich aufzuschrecken. „Geh zurück in den Raum. Räum ihn auf. Putz alles.“Ich stieß ein kurzes, ungläubiges Lachen aus, bevor ich mich beherrschen konnte. „Mein Gott“, murmelte ich und hob das Kinn. „Das Zimmer ist riesig. Sie erwarten ernsthaft, dass ich es allein putze?“Sein Blick huschte zu mir. Kalt. Warnung.„Warum schickt i
Linas Sichtweise„Drohst du mir, Marcio?“Carlino saß da, in aller Ruhe, als ob sich der Raum seinem Rhythmus beugte. Seine Stimme war leise, beherrscht – doch ich spürte sie trotzdem, wie Rauch durch die Tür drang. Gezügelte Wut. Kaum spürbar.„Das bin ich nicht.“Marcios Hand schlug einmal auf den Tisch. Nicht laut. Nicht dramatisch. Trotzdem löste das Geräusch ein beklemmendes Gefühl in mir aus.„Ihr alle versteckt euch hinter dem Schweigen und nennt es Loyalität.“Niemand sprach.„Ihr seid alle Feiglinge“, fuhr Marcio fort. „Aber ich bin keiner. Ich habe den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen.“Er hielt inne und ließ die Worte sich wie Staub nach einem Zusammenbruch über den Tisch legen.„Es wird ein Ultimatum gestellt“, sagte er schließlich. „Und wenn es ignoriert wird … wird es Neuwahlen geben.“Sein Blick schweifte kalt und unerbittlich durch den Raum. „Nicht weil wir die Regeln neu schreiben.“ Seine Stimme wurde noch leiser. „Weil wir sie endlich durchsetzen.“Carlino sagte n





