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Der erste Morgen

Author: Jeonlove
last update publish date: 2026-10-09 22:55:32

Aus Lilys Perspektive

Ich erwachte beim Geräusch einer sich öffnenden Tür.

Sanftes Licht fiel durch die getönten Fenster. Für einen Moment vergaß ich, wo ich war. Dann drückte sich das Halsband gegen meinen Hals, und mir fiel alles wieder ein. Ich setzte mich auf. Mein Körper fühlte sich steif an, aber nichts tat weh.

Theo stand in der Tür, bereits in einer dunklen Hose und einem schwarzen Hemd, dessen Ärmel einmal hochgekrempelt waren.

„Guten Morgen. Wie hast du geschlafen?“

„Ganz gut. Das Bett ist bequem.“

„Steh auf. Geh ins Badezimmer. Wasch dir das Gesicht und putz dir die Zähne. Im Schrank liegen neue Kleider. Zieh sie an und komm in die Küche. Du hast fünfzehn Minuten Zeit.“

Er ging, ohne zu warten.

Ich saß einen Moment lang auf der Bettkante, dann stand ich auf. Im Badezimmer war bereits alles bereitgelegt. Ich wusch mich schnell. Im Schrank fand ich ein schlichtes schwarzes Kleid, das mir bis zu den Knien reichte, und schlichte Unterwäsche. Kein BH. Keine Schuhe. Ich zog sie an. Der Stoff fühlte sich glatt und hochwertig an. Der Kragen blieb an seinem Platz.

Als ich ins Wohnzimmer trat, stieg mir der Geruch von Kaffee entgegen. Theo stand an der Theke und schenkte zwei Tassen ein. Er warf mir einen Blick zu, musterte das Kleid und nickte dann in Richtung eines Hockers.

„Setz dich.“

Ich setzte mich. Er stellte mir Kaffee und einen Teller mit Toast und Eiern vor mich hin.

„Iss. Du darfst während der Mahlzeiten frei sprechen, sofern ich nichts anderes sage.“

Ich nahm die Gabel in die Hand. Das Essen war einfach und gut. Ich hatte mehr Hunger, als ich erwartet hatte.

„Hast du geschlafen?“, fragte ich nach ein paar Bissen.

„Genug.“ Er lehnte sich gegenüber von mir an die Theke. „Heute geht es um den grundlegenden Rhythmus des Hauses. Mahlzeiten. Körperhaltung. Wann man spricht. Wann man wartet. Noch nichts Anstrengendes.“

Ich nickte und aß weiter.

Nach einem Moment legte ich die Gabel hin.

„Kann ich mein Handy zurückhaben? Nur für ein paar Minuten. Ich möchte Rachel eine SMS schicken, damit sie nicht denkt, mir sei etwas zugestoßen.“

Theo sah mich über seine Tasse hinweg an.

„Nein.“

„Sie wird mir immer wieder Nachrichten schicken. Wenn ich nicht antworte, macht sie sich vielleicht so große Sorgen, dass sie etwas unternimmt.“

„Das geht dich nichts mehr an“, sagte er. „Dein Kontakt zur Außenwelt ist aus gutem Grund eingeschränkt. Du hast darauf verzichtet. Wenn du jetzt darauf drängst, ändert das nichts an der Antwort. Es zeigt mir nur, dass du immer noch versuchst, mit einem Fuß außerhalb der Vereinbarung zu bleiben.“

Die Ablehnung traf mich härter, als ich erwartet hatte. Mein Handy war die letzte dünne Verbindung zu allem Vertrauten gewesen. Es komplett zu verlieren, ließ die Wände des Penthouses noch näher rücken.

„Ich verstehe“, sagte ich leise.

„Gut.“

Als ich mit dem Essen fertig war, nahm er den Teller. Dann ging er zum Schreibtisch am Fenster und setzte sich. Er deutete auf das Kissen auf dem Boden neben seinem Stuhl.

„Knie dich hin. Eine Stunde lang. Die Hände auf die Oberschenkel. Den Blick nach unten richten. Du darfst nicht sprechen, es sei denn, ich stelle dir eine Frage. Wenn deine Knie stark schmerzen, sag ‚gelb‘.“

Ich ging hinüber und kniete mich hin. Die Haltung war mir mittlerweile vertraut. Ich legte meine Hände auf meine Oberschenkel und senkte den Blick. Der Kragen verschob sich, als ich mich in Position brachte.

Theo klappte einen Laptop auf und begann zu arbeiten. Die einzigen Geräusche waren das leise Tippen auf den Tasten und das leise Summen der Lüftungsanlage. Nach einer Weile spürte ich den Druck auf meinen Knien, aber er blieb erträglich. Hin und wieder spürte ich, wie er mich ansah.

Nach etwa vierzig Minuten fragte er: „Wie geht es dir?“

„Mir geht es gut. Meine Beine spüren es langsam, aber nicht allzu sehr.“

„Mach weiter.“

Als die Stunde vorbei war, klappte er den Laptop zu.

„Steh langsam auf.“

Das tat ich. Meine Beine kribbelten. Er beobachtete, wie ich mein Gleichgewicht fand, und deutete dann auf die Couch.

„Setz dich. Trink das.“

Er reichte mir ein Glas Wasser. Ich trank.

„Du hast die Position gehalten“, sagte er. „An der Haltung musst du noch arbeiten. Wie fühlst du dich?“

„Unruhig. Und ich spüre den Kragen sehr deutlich.“

„Dieses Bewusstsein ist nützlich. Es wird zur Normalität werden.“

Er setzte sich in den Sessel mir gegenüber.

„Du hast heute Morgen nach deinem Handy gefragt. Das war ein Test, ob du es nun bemerkt hast oder nicht. Du hast die Antwort akzeptiert. Das wurde zur Kenntnis genommen. Hättest du weiter darauf bestanden, wäre der Rest des Tages anders verlaufen.“

Ich schaute auf das Glas in meinen Händen. Der Preis für das Handy war mir nun klarer. Es ging nicht nur um Nachrichten. Es ging darum, wie sehr ich noch versuchte, an meinem alten Leben festzuhalten.

Theo stand auf.

„Auf dem Beistelltisch liegt ein Buch. Du kannst es lesen, während ich im anderen Zimmer telefoniere. Bleib in diesem Bereich. Nimm das Halsband nicht ab. In zwei Stunden essen wir zu Mittag.“

Er hielt an der Türschwelle inne.

„Lily.“

Ich blickte auf.

„Du lernst dazu. Achte weiterhin darauf, wonach du greifst. Diese Impulse sagen mir manchmal mehr als deine Worte.“

Dann ging er.

Ich saß auf der Couch, das unberührte Buch neben mir, und spürte den weichen Stoff des Kleides und das solide Gewicht des Halsbands. Die Weigerung, ans Telefon zu gehen, beschäftigte mich länger als die Stunde, die ich auf den Knien verbracht hatte.

Der Tag hatte gerade erst begonnen.

Und ich begann bereits zu erkennen, welche Teile von mir ich noch zu schützen versuchte und welche er mir still und leise wegnahm.

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