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Kapitel 5

Author: Luxie
Das Alpha-Haus fühlte sich an, als beträte ich es zum ersten Mal.

Dienstmädchen gingen an mir vorbei.

An jeder Ecke standen Wachen, ihre Augen durchstreiften die Flure.

Eines war klar: Alpha Cameron war im Haus.

Wir vier standen im Hauptflur wie eine Reihe stiller Konkurrentinnen.

Brianna hatte ein Designerkleid gewählt.

Der Stoff, ein tiefes Cremeweiß, ließ ihre Haut porzellanartig schimmern.

Melissa stand am Geländer, gekleidet in marineblauen Samt, ihr Haar hochgesteckt – es sah aus, als würde ihr diese Frisur im Nacken wehtun.

Natasha trug ein kurzes schwarzes Kleid und Absätze, die bei jedem Schritt auf dem Boden klickten.

Ich strich den grünen Stoff über meine Hüften glatt und hielt die Hände an den Seiten.

Es hatte keinen Sinn zu vergleichen.

Das hier war kein Wettbewerb.

Brianna wandte sich Melissa zu, ihre Stimme ein hohes Flüstern.

„Nervös?“ Melissa schenkte ihr ein angespanntes Lächeln.

„Du solltest es sein.“ Natasha verschränkte die Arme.

„Ich will nur, dass das hier vorbei ist.“

Die Stille kehrte zurück, noch schwerer als zuvor.

Luna Catherine kam auf uns zu, ihr Blick erfasste jedes Detail.

Sie griff nach Melissas Ärmel und zog ihn zurecht, dann strich sie eine lose Haarsträhne über Natashas Schulter.

Als sie bei mir ankam, hob sie die Hand und korrigierte die Falte an meinem Kragen.

Sie trat nah an mich heran und senkte die Stimme, sodass nur ich sie hören konnte.

„Erinnere dich an die Übungen“, sagte sie.

„Rede nicht um den heißen Brei herum. Wenn du ihnen zeigst, dass du Angst hast, werden sie denken, dass du zu schwach für eine Schwangerschaft bist.“

Ich nickte.

„Lisa“, fügte sie hinzu, ihre Finger verweilten auf meiner Schulter.

„Die anderen leben in einem Märchen. Sie glauben, ein Alpha werde sich in sie verlieben, weil sie hübsch sind. Du bist die Einzige, die die wahre Natur des Vertrags versteht. Nutze das.“

Die schweren Doppeltüren am Ende des Flurs öffneten sich.

Ein Lykaner-Wächter trat heraus.

Größer als die Krieger in unserem Rudel, spannte seine breite Brust den dunklen Anzug.

In seiner behandschuhten Hand hielt er ein Blatt Papier.

„Alpha Cameron ist bereit“, verkündete er.

„Brianna Castillian, bitte.“

Brianna richtete ihre Schultern und ging auf den Raum zu.

Wir alle warteten.

Ich beobachtete den Sekundenzeiger der Wanduhr, wie er langsam weitertickte.

Die Minuten fühlten sich an wie Stunden.

Mein Puls hämmerte.

Als die Tür endlich aufging, trat Brianna heraus.

Ihr Gesicht war gefasst, aber ihre Finger zitterten, während sie ihre Handtasche umklammerte.

„Melissa.“

Melissa verschwand im Inneren.

Sie blieb noch länger dort.

Als sie zurückkam, sah sie zu Boden, ihre Lippen bewegten sich, als ob sie jedes gesprochene Wort noch einmal durchginge.

„Natasha.“

Natashas Gespräch war das kürzeste.

Sie ging an uns vorbei und steuerte direkt auf den Ausgang zu, ohne anzuhalten, um sich zu verabschieden.

Die Wache sah mich an.

„Lisa.“

Ich stand auf.

Meine Knie fühlten sich an, als würden sie nachgeben, aber ich zwang mich, vorwärtszugehen.

Ich passierte Luna Catherine, die mir aufmunternd zunickte.

„Atme“, flüsterte sie.

Ich öffnete die schwere Tür.

Der Raum war kalt.

Die Wände waren mit dunkler Eiche getäfelt, hohe Fenster ließen das blasse Morgenlicht herein.

Die Luft war dick vom Duft teuren Tabaks.

Drei Personen umgaben einen mächtigen Schreibtisch.

Alpha Cameron saß in der Mitte.

Er war nicht der Mann, den ich mir vorgestellt hatte.

Ich hatte jemand Älteren erwartet, vielleicht mit grauem Haar und einem Bäuchlein.

Stattdessen wirkte er jung und hart.

Er war groß, fast zwei Meter, mit Schultern, die seinen dunklen Mantel spannten.

Sein Haar war schwarz, seine Augen ein durchdringendes Grau, gezeichnet von Erschöpfung.

Er sah aus wie ein Mann, der vergessen hatte, wie Schlafen geht.

Zu seiner Rechten stand ein Riese – sein Beta.

Zu seiner Linken eine schöne Frau mit denselben scharfen Augen wie Alpha Cameron.

„Setzen Sie sich“, sagte die Frau.

Ich trat über den Teppich und ließ mich in den Ledersessel sinken.

Er quietschte unter meinem Gewicht.

Alle drei sahen mich schweigend an.

Cameron betrachtete mich wie ein Zimmermann, der nach dem kleinsten Riss oder Fehler in einem Stück Holz sucht.

„Ihre medizinischen Ergebnisse sind perfekt“, sagte die Frau und öffnete meine Akte.

„Warum sind Sie hier, Lisa? Warum haben Sie sich freiwillig gemeldet?“

Ich hatte den Vormittag damit verbracht, eine Rede über Loyalität zum Rudel zu proben.

Aber als ich die Kälte in Camerons Augen sah, blieb mir die Lüge im Hals stecken.

„Meine Familie braucht Geld“, sagte ich.

„Mein Vater hat uns mittellos zurückgelassen. Dieser Vertrag bietet eine Summe, die die Zukunft meiner Mutter sichert. Im Gegenzug gebe ich Ihnen ein Jahr meines Lebens und ein Kind. Das ist ein fairer Deal.“

Der Beta warf der Frau einen Blick zu.

„Ist das Ihr einziger Grund?“, fragte sie.

„Nur wegen des Geldes?“

„Ja.“

„Die anderen Mädchen sprachen von Pflicht“, sagte sie.

„Sie sprachen von der Ehre, einem Alpha zu dienen. Zählt Ehre für Sie nicht?“

„Ich möchte, dass meine Mutter ein Dach über dem Kopf hat. Ich möchte, dass mein Bruder seine Ausbildung fortsetzen kann. Ehre zahlt nicht die Miete.“

Der Beta senkte den Blick und presste die Lippen zusammen, offenbar um ein Lachen zurückzuhalten.

Cameron schwieg.

„Sie verstehen die Bedingungen“, fuhr die Frau fort.

„Ein Jahr in Silberbach. Sie werden im Haus des Alphas leben, unter ständiger Aufsicht.

Die Empfängnis wird auf natürlichem Wege erfolgen. Sobald das Kind geboren ist, bleibt es bei Alpha Cameron. Sie treten alle Ihre Rechte ab. Sie kehren hierher zurück und sehen das Kind nie wieder. Verstehen Sie das?“

„Ich verstehe.“

„Es wird keine Romantik geben, keine Verabredungen und keine Blumen. Sie sind hier, um eine Aufgabe zu erfüllen. Können Sie das akzeptieren?“

„Ja.“

Sie blätterte eine Seite in der Akte um.

„Sie sind zwanzig Jahre alt. Sie waren noch nie schwanger.“

„Richtig.“

„Dieser Prozess wird Sie verändern“, sagte sie.

„Er wird schmerzhaft sein, und Sie werden sich einsam fühlen. Sind Sie bereit, der Isolation entgegenzutreten?“

Ich nickte.

Sie schloss die Akte und sah Cameron an.

Er sprach zum ersten Mal.

Seine Stimme, tief und heiser, schien im Raum zu vibrieren.

„Die anderen haben bessere Familien. Sie sind gebildeter. Sie wissen, wie man mit meinen Leuten spricht. Was macht Sie zur richtigen Wahl?“

Ich erinnerte mich an Lunas Worte.

Ich blickte in seine grauen Augen.

„Weil ich mich nicht in Sie verlieben werde“, sagte ich.

„Die anderen wollen einen Ehemann. Ich will nur den Vertrag. Ich werde genau das tun, was von mir verlangt wird, und wenn das Jahr vorbei ist, werde ich ohne Aufsehen verschwinden.“

Er stand auf und ging zum Fenster, den Rücken mir zugewandt.

Er blickte lange auf die Bäume.

„Wenn er Sie auswählt, werden Sie morgen früh aufbrechen“, sagte die Frau.

„Es wird keine Zeit für lange Abschiede geben.“

„Ich werde bereit sein“, erwiderte ich.

Der Beta trat zur Tür und öffnete sie.

„Danke für Ihre Zeit. Wir werden Luna Catherine heute Abend die Entscheidung mitteilen.“

Ich stand auf und ging.

Die Luft im Flur fühlte sich warm an, anders als die Luft im Büro.

Ich ging an den anderen Mädchen vorbei, ohne sie anzusehen, und ging direkt zu meinem Auto.

Ich setzte mich ans Steuer und atmete endlich aus.

Meine Rippen schmerzten.

Ich startete den Motor, fuhr nach Hause und wartete auf einen Anruf, der entweder meine Familie retten oder uns mittellos zurücklassen konnte.

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